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Begleiteter Prozess in Cahabón - einem Dorf
mit 160 Aldeas / Comunidades = Weilern
Speziell für Frauen, Mädchen und angehende BäuerinnenÜberarbeiter Beschrieb des begleiteten Prozesses im Juni 2005.Der bedgleitete Prozess entstand in Zusammenarbeit mit der Sekundarschule mit Spezialisierung in Ausbildung von jungen Bauern und Promotoren in Forstlandwirtschaft und Tierhaltung: “Fray Domingo de Vico” in Cahabón, Alta Verapaz, GuatemalaErklärung des Wortes „begleiteter Prozess“. In Cahabón bedeutet ein Projekt für die Menschen: „Wir bekommen Geld oder sonst irgendwelche Geschenke. Ist das Geld aufgebraucht, ist das Projekt beendet.“ Diesen Eindruck möchte ich von Anfang an vermeiden. Ich möchte Hilfe anbieten in Form von Begleitung und Ausbildung in einem länger andauernden Prozess, der einen sanften Strukturwandel in den Aldeas auslöst. Das Wort Projekt verwende ich weiterhin zum Beispiel für den Kauf von Samen, Gartenwerkzeug, einer Nähmaschine oder den Bau eines Backofens.
Grundidee des begleiteten Prozesses Ziel des begleiteten Prozesses kurz beschrieben Dauer des begleiteten Prozesses Zum Dorf Cahabón und seinen 160 Aldeas / Comunidades Ich möchte mit diesem begleiteten Prozess folgendes erreichen. Infrastruktur und bauliche Massnahmen Fotos Grundidee des begleiteten Prozesses: Die Schule der Stiftung „Fray Domingo de Vico“ bildet zur Zeit 90 junge männliche Maya-Q’eqchi’ (17-22 jährig) als Bauern und zukünftige Promotoren einer ökologischen, nachhaltigen Landwirtschaft aus. Gleichzeitig absolvieren die Schüler die 7.-9. Klasse. Nach der 3 jährigen Ausbildung haben die Schüler neben dem Diplom der Landwirtschaftsschule auch den offiziellen Schulabschluss (9 Jahre Schule) in der Tasche. Die Schule ist zweisprachig – spanisch und q’eqchi’. Die Schüler lernen beide Sprachen in Wort und Schrift. Sie werden zu selbständigem Denken und Handeln angeregt. Gemeinschaftliches Handeln ist eine Grundidee im Zusammenleben der Maya und wird durch die Schule unterstützt und gefördert. Gleichzeitig wird ihre Maya-Identität und ihre Kultur gestärkt. Frauen und Männer arbeiten in der Maya-Q’eqchi’-Kultur zusammen. Doch Frauen- und Männerarbeit ist in den meist abgelegenen Dörfern noch klar definiert. In der Maya-Kosmovision (Religion) sind Frauen und Männer zwar gleichgestellt. Im Laufe der Jahrhunderte ist dieses Prinzip allerdings im täglichen Leben verloren gegangen. Die Frauen in den Dörfern sind den Männern untergeordnet . Sie
haben zu gehorchen und sie sind meist unselbständig.
Das drückt sich in vielen alltäglichen Dingen
aus, aber auch darin, dass die Frauen in den
Dorfstrukturen kaum in Leitungspositionen anzutreffen
sind und oft ein sehr kleines Selbstwertgefühl
haben.Die neue Art der Landwirtschaft, des Denkens und die Stärkung der Maya-Identität, welche die jungen Männer in der Schule lernen, wird viele Änderungen kultureller, ökologischer und ökonomischer Art mit sich bringen:
kaum mehr geerntet wird, entfällt auch die
Taglöhnerarbeit des Pflückens. Der Preis des
Kardamom ist von 1,30 Sfr pro Pfund (2001), auf 0,43
(2002), 0,21 - 0,25 Sfr (2003) und in der
letzjährigen Ernte auf 0,15 – 0,20 Sfr
zurückgegangen, wobei sicher auch der Irak-Krieg
mitspielt, weil die arabischen Länder die
Hauptabnehmer sind. Die meisten Bauern besitzen zu wenig
Land, um mit ihrer Anbaumethode die Nahrung für die
ganze Familie sicherzustellen. Die Böden sind
ausgelaugt, der Regen bleibt immer länger aus und so
kann sich der Mais, das Hauptnahrungsmittel, nicht
entwickeln. Die Ernte ist minimal.Foto von einem Haus mit dazugehörigem Land. Der Mais ist ausgesät - zwischen den Steinen/Felsen - eine schlechte Ernte ist vorprogrammiert. Dazu kommt, dass die Q’eqchi’ keine Haus-Gärten kennen, keine Bewässerung ihrer Felder und nur wenig Gemüse und Früchte in ihrer täglichen Küche benützen. Die traditionellen Gemüse wie Mais, schwarze Bohnen, Taro, Maniok oder Süsskartoffeln werden immer auf dieselbe Art zubereitet und verleiden den Menschen. Vor allem die jungen Q’eqchi’ und die Frauen suchen nach neuen Menus und nach neuen Nahrungsmittel. Viele Menschen sehen sich gezwungen auszuwandern - entweder in die Stadt oder in die USA. Laut neusten Statistiken wurden im Jahr 2002 in Mexiko 60'000, vom Januar bis Juni 2003 in Mexiko 35'456 guatemaltekische Sans-Papier aufgegriffen, die in die USA emigrieren wollten. Aus Cahabón selber sind bis jetzt glücklicherweise noch wenig Menschen in die USA emigriert. Ziel des begleiteten Prozesses kurz beschrieben
Die Frauen werden durch ihre Hausgärten und den verbesserten täglichen Menuplan viel zu einer Verbesserung der allgemeinen Lebenssituation in ihren Familien und Aldeas beitragen. Dadurch steigt ihr Selbstwertgefühl. Sie und ihre Arbeit werden von ihren Ehemännern wahrgenommen und geschätzt. Durch eine grössere Zusammenarbeit in den Führungsstrukturen und im familiären Bereich werden neue Ideen entstehen und die teils starren Strukturen in den Aldeas aufgebrochen. Frauen und Männer werden mehr Eigeninitiative entwickeln, etwas mehr in die Zukunft blicken und so ein vielleicht auch für sie lebenswertes Leben in den wunderschön gelegenen Aldeas aufbauen können. Strassen, verbesserte Transportmöglichkeiten mit Bussen, Elektrizität, Wasser, Telefon und Läden stehen auf der Wunschliste vieler BewohnerInnen der Aldeas. Sie wollen auch teilhaben an unserer Konsumwelt. Dauer des begleiteten Prozesses Der begleitete Prozess ist auf max. 7 Jahre angelegt. Es brauchte und braucht viel Vorarbeit und Überzeugungsarbeit, bis mit dem Anlegen von Familiengärten angefangen werden kann. Da weder Frauen noch Männer Kenntnisse im Anbau von Gemüse in Familiengärten haben und weder Aussaat noch Bewässerung für diese Art von Pflanzung kennen, ist eine sorgfältige, zeitaufwändige und länger andauernde Begleitung nötig. Die Menschen, die bis jetzt nur im Heute leben, müssen anfangen, umzudenken und die Zukunft zu schauen. Das ist ein längerer Prozess. Ich möchte mit diesem begleiteten Prozess folgendes erreichen: Erfahrungen und Überlegungen Ich lebe jetzt seit anfangs Juni 2003 in der Landwirtschaftsschule in Cahabón. Um den begleiteten Prozess zu formulieren, wollte ich die Wirklichkeit hier in Cahabón selber kennen lernen. Ausprobieren auch, ob ich das Klima vertrage und vor allem spüren, ob die Menschen bereit sind und Lust haben, etwas Neues zu lernen. Was möchten sie lernen, was brauchen die Frauen, was braucht es für die Nahrungssicherung in den Aldeas, was möchten die Menschen ändern? Wie können die Frauen in ihrer Identität gestärkt werden? (Siehe auch Rundbriefe) ![]() „Hier wachsen keine Tomaten“ bekam ich noch vor 3 Jahren zur Antwort, als ich fragte: „Warum pflanzt hier niemand Tomaten?“ Unterdessen werden in der Schule mit Erfolg einheimische Sorten von Tomaten ohne Chemie angebaut, dazu Gurken, Chili, Mostaza (Blattgemüse), Chaya (Baumspinat), Wassermelonen, Bodenkohlrabi und eine Art Amaranth (Blattgemüse). „Hier kommt nichts“, sagen alle, die ich frage, warum alles Gemüse und die Früchte von auswärts mit Lastwagen eingeführt werden. Die Erfahrung hat sie dies gelernt. Die meisten NGO’s (Nicht-Regierungs-Organisationen) kamen mit der Absicht, Familiengärten anzulegen. Alle sprechen hier z.B. von Randen oder Karotten. Die Hilfswerke haben Samen verteilt. Die Menschen haben die Samen in den Boden getan und gewartet. Aber nichts kam zum Vorschein. Der Boden ist sehr arm und er ist heiss, wenn die Sonne scheint - und es regnet nicht mehr genügend. Wenn Gemüse wachsen soll, muss beschattet, bewässert und der Boden mit organischem Dünger ( und wo vorhanden mit Hühner- und Kuhmist) aufgebessert werden. Das kennen die Q’eqchi’ nicht.
Einheimische Tomaten in der Schule In meinem
Versuchs-Familiengarten in der Schule, den ich anfangs
Juni 2003 angelegt hatte, wuchsen neben den
traditionellen Gemüsen Taro, Süsskartoffeln,
Samat (Gewürz) und Koreander unterdessen Tomaten
(aus diversen Ländern), Buschbohnen, Karotten,
Krautstiele, Kohlrabi, Sonnenblumen, Salat, Petersilie,
Basilikum, Schnittlauch, Radieschen. Ein bescheidener
Anfang, aber wenigstens war ich sicher, dass etwas
wächst. Um den Garten sind junge Bäume
gepflanzt mit hier in der Gegend kaum bekannten
Früchten wie Passionsfrucht, Feigen, Lychies,
Karambol und Eukalyptus. Sträucher wie Brombeeren
und Albahaca (Basilikum-Strauch), und Medizinalpflanzen
wie Kamille, Pfefferminze, Salbei, Lavendel, Lorbeer,
Ruda, und Pericón ergänzen den
Familiengarten. Die nichtheimischen Medizinalpflanzen
sich nicht bewährt und jetzt sind wir am
Zusammenstellen von 5-8 einheimischen Medizinalpflanzen,
die die meisten Krankheiten abdecken, die in den Aldeas
vorkommen. Die Pflanzen sollten danach in jedem
Familiengarten stehen und die Fraue deren Gebrauch
beherrschen.oberes linkes Bild: Krautstiele, rechtes Bild: im Vordergrund Buschbohnen, Mitte rechts Taro (grosse Blätter), im Hinteergrund mit Banananblättern und Düngerbohnen beschattete Saatbeete.
Meine eigene Arbeit
Vieles ist möglich, wenn das Vertrauen der Frauen und Männer in die neuen Möglichkeiten da ist. Viele Frauen und junge Menschen haben Lust darauf, Neues kennen zulernen und Neues auszuprobieren. Diese Möglichkeiten in einem partnerschaftlichen miteinander zu suchen und zu finden, das sehe ich als meine Hauptarbeit. Das Vertrauen wächst mit unseren monatlichen Besuchen und vor allem dann, wenn der Familiengarten funktioniert. Ich werde allerdings an Grenzen stossen, das ist mir jeden Tag bewusst. Eine davon ist die Grösse von Cahabón mit seinen 160 Aldeas und die Grösse der Schule mit den 90 Schülern. Das hat aber auch einen Vorteil: ich werde grossenteils mit Frauen arbeiten, die von sich aus kommen und etwas lernen möchten. Andere Grenzen sind die Kultur, die Sprache, das Misstrauen und das Klima. Der ganze Prozess ist auch auf längere Zeit angelegt. Vertrauen aufbauen braucht Zeit. Und Vertrauen braucht es, um mit den Frauen gemeinsam etwas aufzubauen. Ich bin überzeugt, dass mit einer soliden und guten Arbeit einerseits die ökonomischen Grundlagen verbessert werden und andererseits die Identität der Q’eqchi’ so gestärkt werden kann, dass sie in ihren Dörfern bleiben und dort ein für sie lebenswertes Leben aufbauen können. Da mit den neuen Anbaumethoden der Schule und mit der Methode der Bearbeitung der Familiengärten die Felder nicht mehr abgebrannt, die Erde verbessert, mit Erosionsschutz-Massnahmen gearbeitet und gegen die Abholzung der Wälder gearbeitet wird, profitiert auch die Umwelt und das Klima in der ganzen Region von den begleiteten Prozessen. ![]()
In diesen Hügeln liegen viele
Dörfer Infrastruktur und bauliche
Massnahmendie weissen Punkte sind Wellblech-Dächer
Ich kann grossenteils die Infrastruktur der Landwirtschaftsschule benützen: Schulungs- und Kursräume, Telefon +502 7983 18 55), Kopierer stehen zur Verfügung. Ich selber besitze einen Laptop, Drucker, Scanner, Videokamera und Fotoapparat. Zu meiner Person: Mein Name: Helen Hagemann, geboren 14.2.1950 in Basel
Meine Stärken: Mich Einlassen auf die jeweilige Situation, vernetztes Denken, Menschen motivieren, allgemeine Vernetzungsarbeit, Organisieren, Menschen ermächtigen und Stärken, wenn immer nötig kompetente Hilfe suchen in Guatemala und in der Schweiz, kompetente Hilfe für zu lösende Probleme finden, grosses handwerkliches Wissen und Können, viel Phantasie. Ich kenne viele Menschen und Institutionen in Guatemala, mit denen ich zusammenarbeiten kann. Ich kenne Guatemala seit 1989 und war seit meinem ersten Besuch fast jedes Jahr 1 bis 2 Monate in diesem Land. Teilweise allein, aber ich habe auch Gruppenreisen organisiert. Cahabón und Christoph Gempp OP kenne ich seit 1998 Jahren und habe dort schon viele Wochen verbracht. Die gute Arbeit und Akzeptanz der Schule und die Menschen faszinieren mich sehr. In kurzer Zeit wurde auf Wunsch der Jugendlichen und mit den Jugendlichen und den Menschen, die dort leben eine sehr gute Schule aufgebaut, die weit in die Lebensbereiche der Menschen ausstrahlt und ihre Lebensbedingungen so verbessern hilft, dass sie eine Chance erhalten, in ihren Dörfern einen guten Lebensstandard zu erreichen und weiter dort wohnen können. Die Menschen in Cahabón sind noch sehr verwurzelt in ihrer Tradition und in ihrem Glauben. Und diese Tradition und ihren starken Glauben möchte ich helfen zu schützen. Ich möchte in Cahabón vor allem mit den Frauen zusammen Zukunftsperspektiven suchen und entwickeln, damit sie in ihren wunderschön gelegenen Dörfern in Zukunft einen für sie stimmigen Lebensstandard leben können (und möchten). Juni 2005
Spendenkonten – Obersimment. Volksbank,CH- 3770 Zweisimmen Kto: 16 2.010.739.00 6327 /mein PC-Konto: 49-8882-5 |
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| Helen
Hagemann info@guatesol.ch |
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