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UNSERE ARBEIT

BERICHT VON DEZEMBER 2007

27. Dezember 2007 - Heute fand in Chiacach ein Zeremonie statt für alle Schülerinnen und Schüler, die in Chiacach die Schule besuchen - 6 Jahre Primarschule und 3 Jahre Ciclo Básico (7.-9. Schuljahr) und für alle Schüler und Schülerinnen, die nächstes Jahr auswärts studieren werden - ein Bachelor Studiengang an verschiedenen Orten. Mit meinem Vorschlag der Zeremonie, für die SchülerInnen, die auswärts studieren werden, wollte ich eigentlich den Ciclo Básico etwas mehr in der Bevölkerung von Chiacach einbinden. Die Ältesten und Katechisten haben dann die Zeremonie auf alle SchülerInnen übertragen. Eine weise Entscheidung. Und fast alle Familien kamen zur Zeremonie und sie war sehr schön. Ich möchte mit Fotos über die Zeremonie erzählen:


Chiacach Schülerinnen bereiten Tiortillas vor
Ankunft in Chiacach um 4 Uhr Abends, nach anderthalb Stunden Holperfahrt über die Naturstrassen. Es ist ein wunderschöner Tag und heiss. Ich stelle das Auto in den Schatten, steige aus und tauche ein in eine andere Welt. Ich suche die Schülerinnen des Ciclo Básico und finde sie im Gemeinschaftsraum. Sie sind dabei, Tortillas vorzubereiten für das traditionelle Essen nach der Zeremonie.
Es werden weit über 100 Menschen dasein und jeder und jede isst zwischen 4 und 8 Tortillas. Eine enorme Arbeit. Ich liege in der Hängematte und schaue zu. Nach kurzer Zeit bringen sie mir Reis, Fleisch und Kakao zum Essen. Und arbeiten weiter.

Kakao ist das traditionelle Begrüssungs-Getränk.

Gastfreundschaft ist ein wichtiger Teil ds Lebens der Maya.
Chiacach haciendo Tortillas
Chiacach Jovenes
Kinder umringen mich und ich mache Fotos, die sie dann auf dem Bildschirm der Kamera mit grossem Gelächter anschauen. José Reyes der Direktor des Básico kommt vorbei um uns mitzuteilen, dass um 7 Uhr abends eine Zusammenkunft mit den SchülerInnen des Ciclo Básico im hinteren Teil des Gemeinschaftsraumes stattfinden wird. Dieser Teil des Gemeinschaftsraumes war bis vor kurzem noch ein provisorischer Schulraum, nur die noch vorhandene Tafel zeugt davon. In 2 Tagen wird die neue Schule eingeweiht und somit das Provisorium überflüssig.
Immer wieder besuchen mich Jugendliche in meiner Hängematte. Hier Mauricio Waldemar Ché Sub (links) der Präsident des Ciclo Básico wird 2008 das letzte Jahr absolvieren, Juan Rafael Bol Rax wird 2008 in Escuintla Bachelor mit Geschäftsführung studieren. In vielen Schulen wird der Bachelor Studiengang mit dem Erlernen eines Berufes verbunden - Handwerksberufe wie Schreiner, Automech, Elektriker, Schneiderin aber auch Büroberufe wie Computer, Buchhaltung, Sekretärin oder eben Geschäftsführung oder Landwirtschaftsberufe.
Mauricio y Juan
CHiacach Gemeinschaftsküche
Hier sieht man die ganze Kochstelle des Gemeinschaftsraumes. Im Hintergrund die jungen Frauen, die die Tortillas bereiten. In den schwarzen kleinen Pfannen Kaffee und im roten Becken gemahlene Maismasse, daneben Samenhülsen des Achiote - sie enthalten rote Samen mit schwachem Geschmack, die das Essen rot färben - früher das Färbemittel für die rote Rinde des Edamerkäses - in der grossen schwarzen Pfanne vorgekochtes Schweinefleisch, hier sieht man die Rotfärbung des Suds.
Viele Menschen haben schon seit 2 Tagen an der Vorbereitung gearbeitet. Gestern zum Beispiel das Schwein geschlachtet, geräuchert und vorgekocht. Einen Kühlschrank gibt es hier nicht. (Draussen ist es schon dunkel - siehe durch die Ritzen in der Holzwand - ab jetzt sind alle Fotos mit wenig Kerzen mit Blitz gemacht - trotzdem sieht man manchmal die Flammen einzelner Kerzen)
Kurz vor 6 gehe ich schnell zum Auto, um meine Taschenlampe zu holen. Es wird um 6 schlagartig dunkel. Kerzen werden an die Wand geklebt, um den Raum um die Kochgelegenheit etwas zu erhellen - siehe oberes Foto oben rechts. Immer mehr Frauen kommen mit Hängematten, die sie aufhängen. Sie werden später ihre kleineren Kinder darin zum Schlafen legen, während sie selber das traditionelle Essen vorbereiten. Immer mehr Menschen kommen, hängen Taschen auf, suchen etwas, Taschenlampen blitzen auf und Kerzenschein in einer Hand huscht bei mir vorbei.
Hängematte
Chiacach Kirche
Viele Menschen sind schon seit 2 Tagen an den Vorbereitungen. Kerzen ziehen, Schwein Schlachten, räuchern und Vorkochen, Mais Kochen für die Tortillas, Kakao Rösten für das traditionelle Getränk, schmücken der Kirche und vorbereiten des Mayakreuzes mit Blättern und Blumen vor dem Altar am Boden. Links im Bild die traditionelle Harfe, die während der ganzen Zeit spielt, auch jetzt während den Vorbereitungen.
Das Mayakreuz vor dem Altar symbolisiert die 4 Himmelsrichtungen, die 4 Farben der Himmelsrichtungen, die verschiedenen Charaktereigenschaften und die Mitte. Weiss symbolisiert den Norden, gelb den Süden, rot den Osten und schwarz den Westen. Die Mitte in blau und grün symbolisieren das Herz des Himmels und die Mutter Erde.
Dieses Kreuz ist ein uraltes Symbol der Ureinwohner von fast ganz Amerika. Bei den verschiedenen Völkern bleibt die Symbolik dieselbe, wenn auch die Kreuze mit anderen Materialien aufgebaut werden.
Mayakreuz
Chiacach Versammlung
Versammlung im ehemaligen provisorischen Schulraum mit den SchülerInnen des Ciclo Básico. Viele Eltern hören im Hintergrund mit. Es geht hier vor allem darum, den jungen Menschen, die auswärts studieren werden, Ratschläge zu geben. José Reyes und ich machen das in Form von Verantwortlichkeiten: Verantwortung gegenüber sich selbst - genug und gesund essen, Hygiene, Benehmen, studieren für das Leben und nicht für die Examen; Verantwortung gegenüber denjenigen, die das Studieren ermöglichen, seien es die Eltern oder Institutionen: studieren ist angesagt, Feste und Kinder kriegen gehört in eine andere Zeit; Verantwortung gegenüber Chiacach: helfen, die Lebensumstände zu verbessern.
Etwas nach 8 Uhr gehen wir alle in die Kirche und setzen uns. Langsam füllt sich die Kirche. Fast alle Familien kommen. Die Harfenmusik spielt. Dazu gehören Harfe, eine Geige, eine selbstgemachte Gitarre und der Mann unterhalb der Harfe, der den Takt klopft. Alle Instrumente sind selbstgemacht. Ungefähr um 9 Uhr fängt die Zeremonie dann mit dem Kreuzzeichen und einer kurzen Ansprache eines Katechisten an.
Chiacach Harfe
Chiacach Gitarren
Abwechseln wird ein Lied gesungen mit Gitarrenbegleitung und Keyboard und eine Ansprache gehalten von einem ältesten, José Reyes, mir und dem neuen Bürgermeister.
Ansprache des neuen Bürgermeisters von Chiacach rechts und José Reyes links. Es gibt hier ein Mikrofon wie in den meisten Kirchen, das mit einem Megaphon verbunden ist. 8 grosse Batterien braucht das Ding, aber es ist praktisch, weil der Lärmpegel in den Kirchen mit den vielen Kindern doch recht hoch ist.
Chiacach Ansprachen
Evangelium
Ein Katechist hat die Bibel aufgeschlagen, um danach das Tagesevangelium vorzulesen. Zum Suchen wird die Taschenlampe schon mal eingeschaltet. Zum Lesen allerdings wird dann nur Kerzenlicht gebraucht. Danach eine kurze Auslegung des heutigen Bibeltextes.

Danach bringen die Frauen die Gaben zum Mayakreuz - Gaben heisst hier immer einen Teil des zeremoniellen Essens, Tortillas, Tamales und Hühnersuppe. Sie werden dem Tzuultaqa, dem spirituellen Besitzer der Berge und Täler dargebracht als Dank für Seinen Schutz und gleichzeitig als Bitte um seinen Schutz und Begleitung. Jede Frau trägt ein Weihrauchfass mit sich und beweihräuchert zuerst einmal das Mayakreuz, danach umranden sie betend und beweihräuchernd 3 mal den Altar in jede Richtung. Gaben im Mayakreuz
Gabengebet der Frauen
Gebete in jede Himmelsrichtung mit Bekreuzigen und Verneigung. Dann knien sie vor dem Mayakreuz, Kerzen in der Hand und tief versunken in ein Gebet. Im Hintergrund spielt schon seit langem die Harfe.
Für mich sind dies die mystischsten Momente imganzen Gottesdienst.
Nach dem Gottesdienst tanzen die Frauen zur Harfenmusik den traditionellen Tanz. 4 Mal muss die Harfe wieder anfangen zu spielen. Die Frauen gehen einfach nicht und warten darauf, dass die Harfe weiter spielt.
Danach verschwinden die Frauen wieder in die Küche, um weiter zu arbeiten. Es ist ein sehr schöner und wichtiger Teil in den Zeremonien, den die Frauen hier erfüllen.
Das Vater Unser, von den Gitaristen in einem schnellen Rhythmus angespielt, reisst wohl nicht nur mich aus einer tiefen Versunkenheit und bringt uns wieder zurück in diese Welt.
Alle erhalten nun Kerzen, auch die Kinder.

Danach kommt die erste Bitt-Dank Zeremonie noch in der Kirche. Alle knien und bitten und danken laut Gott, Jesus, Tzuultaqa und auch meinen Namen höre ich immer wieder. Für mich eine fremde Gebetsform, höre ich immer wieder Wortfetzen und bin nicht so versunken ins inbrünstige Gebet, wie die meisten Menschen.
Menschen mit Kerzen
Ältester beendet Gebet
Langsam ebbt das Gebet in ein Gemurmel und wenn nichts mehr zu hören ist, beschliesst der ein Ältester oder Katechet dieses Bitt- und Dankgebet.
Danach werden die Kerzen auf den Boden geklebt, drinnen in der Kirche, soweit Platz und auch draussen, wo die nächste Bitt- Dank Zeremonie statt finden wird.
Alle erhalten neue Kerzen und gehen hinaus.
Kerzen auf den Boden
Pom wird verbrannt
Hier im Freien wird in einem grösseren irdenen Gefäss das Pom (Baumharz) verbrannt. Wieder niederknien, Laut beten - der neue Bürgermeister betet noch lange allein weiter. Mir kommen Gedanken vom Opfer, das Gott annimmt oder nicht, als die hohe Flamme von einem Windstoss zu Boden gedrückt wird. Zum Glück war es nur ein kurzer Moment. Mit den aufsteigenden Flammen und dem Rauch des Pom, aber auch der Kerzen steigen die Gebete hoch bis zu Gott, zu Tzuultaqa. Nach dem Abschlussgebet werden wiederum alle restlichen Kerzen auf den Boden geklebt, was gar nicht so einfach ist auf dem Naturboden.
Wieder zurück in der Kirche, beginnt die eigentliche Segnungszeremonie der Kinder, jungen Frauen und Männer. Drei Älteste holen das Holzkreuz, das hinter dem Mayakreuz stand, die Bibel und eine Kerze vom Alter. Allen Schülerinnen und Schülern werden nun der Reihe nach das Kreuz, die Bibel und die Kerze kurz auf den Kopf gehalten. So gesegnet werden sie in das neue Schuljahr starten.
Mit dieser Zeremonie wird allgemein auch die Schule als etwas Wichtiges in die Mayakultur der BewohnerInnen mit aufgenommen. Es gibt immer noch Eltern, die es für unnötig empfinden, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Ich hoffe, dass sich das nun ändert.
Segnung der Kinder
Wartende Kinder
Hier noch ein Foto der vielen SchülerInnen, die auf die Segnung warten. Im Hintergrund einige Mütter, die zusehen. Sie hatten nie die Möglichkeit in die Schule zu gehen und hoffen jetzt, dass es ihren Kindern besser gehen wird.

Danach leert sich die Kirche, nur noch eine Dankesworte und Ankündigungen hört man über das Mikrofon.

Die jungen Männer fangen an, die Tassen mit der Traditionellen Suppe hineinzutra-
gen und stellen sie vor die Bänke. Einige werden hier essen, andere im Aufent-
haltsraum. Nach einem kurzen Aufforderung eines Ältesten fangen wir an zu essen. Es ist unterdessen 2 Uhr nachts. Und beim Nachhausefahren bin ich froh, ist Reginaldo neben mir und erzählt mir Geschichten von seinem Grossvter, sonst wäre ich eingeschlafen.
Zum Schluss möchte ich Euch noch José Reyes Cucul vorstellen, der den ganzen Prozess erst möglich gemacht hat. Unzählige Stunden hat er investiert um seine SchülerInnen und die Eltern vom diesem Prozess zu überzeugen, die SchülerInnen zu organisieren und zu motivieren. Er sitzt hier mitten in den jungen Frauen des Ciclo Básico. Maria Angelica und Aura Florinda die 2 ersten von rechts gesehen, werden 2008 Bachelor mit Computer (-Technik) in San Cristobal studieren.
Schülerinnen und José Reyes


BERICHT VON JULI 2005 - APRIL 2006


6. Juli 2005 - Weiterbildung für Frauen, die neu mit einem Garten anfangen wollen. Nur gerade 8 Frauen der 14 Eingeladenen nahmen teil. Das war wohl mein Fehler. Die Einladung ging viel zu früh raus (einen Monat vorher) und wurde am Radio kurz vor dem 6. Juli nicht mehr bestätigt. In einem Monat gehen hier Einladungen verloren und vergessen. Mit Frauen aus Secobha, Sesaqkar und Sosela sind weit abgelegene Dörfer erstmals vertreten. Mit einem Ehepaar aus El Carmen kam der Stein in dieser Gemeinschaft zum Rollen. Gärten von 6 teilnehmenden Frauen funktionieren heute sehr gut.

Am 14./15. Juli 2005 hatten alle Angestellten der Schule (inklusive aller PromotorInnen) das erste Heiliger MayaMondkalender Mal eine Weiterbildung mit Mario Sebastián Caal aus dem Erziehungsministerium. Hauptthema: Mayakultur - insbesondere der Tzolkin, der Maya-Kalender mit seinen 20 Tagen und ihren Bedeutungen, der das Leben der Menschen regelt. Jeder der 20 Tage hat eine besondere Bedeutung. Jeder der 20 Tage hat ein besonderes Zeichen. Auf dem Foto die 20 Tage des Tzolkin, die auch gleichzeitig die Zeichen des Nahual sind. Mein Nahual - mein Zeichen - ähnlich wie mein Sternzeichen - ausgerechnet vor hunderten von Jahren nach einem festgelegten System im Zusammenhang mit der Stellung der Gestirne. Siehe auch unter Mayarecht - Grundkenntnisse.

Als Beispiel das Nahual K'at:

K'at Nahual Die Bedeutung: Feuer - Netz - Unterdrückung - Gefangenschaft - Zentrum der Existenz.


Die Bedeutung des Tages: Netz - Fruchtbarkeit - sehr jung, neu - Gattungsprinzip - Weisheit.
Es ist ein guter Tag um ein Problem zu lösen, um Mitstreiter zu gewinnen, eine Gruppe oder eine Gesellschaft zu bilden. An diesem Tag betet man für die physische und mentale Gesundheit der Kinder.


Menschen, die an diesem Tag geboren sind, übersteigen sich selbst mit Hilfe der Intelligenz und handeln transparent. Sie haben Ordnung, studieren gerne und sind gute OrganisatorInnen. Es ist der Tag zur Stärkung der Frauen.

Dies ist eine Kurzfassung, die nur das Positive des Nahual unterstreicht. Natürlich gibt es auch die negativen
Seiten. Mehr unter K'at:

Was unter dem Nahual K'at beschrieben ist, stimmt in sehr vielem überein mit dem Eneagramm-Typ 1. Es ist schon erstaunlich, wie immer wieder über alle Erdteile und Kulturen hinweg dieselben Dinge erscheinen.

Der Tzolkin ist ein wichtiger, aber nur kleiner Teil der Mayakultur, die in der Schule vermittelt wird. Viel Grundwissen der eigenen Kultur ist über die Jahrhunderte der Unterdrückung und das gezielte Umbringen der Ältesten Frauen und Männer und Hebammen, die die Kultur weiter tragen, verloren gegangen. Viele Handlungen und unbewusstes Wissen sind heute noch vorhanden, aber ohne die Kenntnis darüber, warum man das tut oder so handelt.

Vieles ist auch für uns in der Landwirtschaft wichtig. Warum ist es zum Beispiel für die Menschen so schwierig, Samen einzeln zu säen oder warum säen sie immer 6 Maiskörner zusammen in ein Pflanzloch. Die uralte Antwort liegt in der Kultur des Maismenschen. Die heilige Pflanze Mais. Aus Maismehl hat Gott die Menschen erschaffen, von Mais leben die Mayas. Ohne Mais kein Leben. 6 Körner werden in ein Pflanzloch gesät - ein Korn pro Himmelsrichtung Norden, Süden, Westen, Osten, und zwei Körner in die Mitte, wo sich das Herz des Himmels und das Herz der Erde treffen. Mit diesem Wissen können wir auf die Suche gehen, wie es möglich ist, nur 2 Maiskörner zusammen zu säen, ohne die Kultur zu verletzen oder auszulöschen. Eine Antwort: Wir säen in den je 4 Himmelsrichtungen und in der Mitte des abgemessenen Feldes für die Maissaat in einer Zeremonie je 6 Maiskörner in das Pflanzloch - jetzt mit dem Wissen warum - und säen auf dem Rest des Feldes 2- max. 3 Samen in ein Pflanzloch.

Mario Sebastián Caal vom Erziehungsministerium ist selber Q'eqchi' Maya und Maya Priester mit einem grossen Wissen. Dieses Wissen gibt er an uns alle weiter mit einer neuen Methode des Schule Geben. Kein Frontalunterricht mehr - kein Auswendiglernen mehr, die Kinder sollen wenn immer möglich selber das Wissen suchen mit kurzen Inputs und schriftlichem Material. Mit Hilfe dieser 2 Herren erarbeiten wir in der Schule den ersten Neuen Lehrplan in Guatemala für die 7.-9. Klasse in Guatemala. Die neuen Lehrpläne sollen an die lokale Kultur - Maya, Ladino, Garifuna - angepasst sein und auch an die Arbeits- und Lebenswelt, in der die Kinder leben. Kein Auswendiglernen mehr, kein Frontalunterricht mehr, kein Vorsagen und Nachsprechen der ganzen Klasse in höchsten Tönen. Mit diesen Neuerungen sollen die schlechten Resultate in den Schulen verbessert werden.

aus PRENSA LIBRE vom 7. Juni 2006

Mehr als 50 % aller Primar- und Oberstufen-SchülerInnen haben sich staatlichen Prüfungen in Lesen, Mathematik und Spanisch unterzogen. Das schlechte schulische Wissen ist in allen Stufen sichtbar. Nur knapp 50% aller SchülerInnen hatten befriedigende Resultate.

50%
30%
40%
17%
18%
der Primar-
schülerInnen bestanden die Prüfungen im Lesen
aller Schülerinnen bestanden die Prüfungen in Mathematik
der Realschü-
lerInnen hatten befriedigende Resultate in Spanisch und Mathematik
der SchülerInnen Ende des 12. Schuljahres bestanden die Prüfungen in Mathematik
der SchülerInnen Ende des 12. Schuljahres bestanden die Prüfungen in Spanisch


Diese Zahlen zeigen, wie dringend ein neuer Schulstil gebraucht wird.

Alle Lehrer der Schule müssen jede ihrer Stunden definieren mit Inhalt, Methodik und Material. Mario Sebastían Caal kontrolliert die eingegebenen Lehrpläne und überarbeitet sie monatlich zusammen mit allen Lehrern. Eine grosse Arbeit für die Lehrer. Aber es lohnt sich. Ich höre den neuen Schulstil, wenn ich an den Klassenzimmern vorbeigehe. Es ist frappant, wie plötzlich eine neue Lernatmosphäre entstanden ist.
In den neuen Lehrplänen der Schule sind sehr viele Aspekte der Mayakultur eingebunden. So ist das Schuljahr zum Beispiel neu in 4 Zyklen des Mondkalenders aufgeteilt, die in etwa bedeuten: unsere Wurzeln kennen lernen - unser Heute kennen Lernen - was wollen wir in der Zukunft - wie setzen wir unsere Zukunftswünsche um. Das würde in der Landwirtschaft bedeuten: wie arbeiteten unsere Vorfahren in der Landwirtschaft, wie arbeiten wir heute in der Landwirtschaft - was hat sich verändert, was erwarten wir in Zukunft von unserer Arbeit in der Landwirtschaft, was konkret müssen wir in unseren Gewohnheiten in der Landwirtschaft ändern, was behalten wir bei aus unserer Kultur?

Beispiel sistema agroforesteria Am 29./30. Juli 2005 besuchten Don Arnulfo und ich mit 8 ausgewählten Schülern der Landwirtschaftsschule Carlos Arturo Hernandez in SanCarlos Arturo Hernandez Pedro Copán, Honduras. Er hat das verwirklicht, was wir hier in Cahabón den Menschen nahe bringen möchten. Rund um das Haus gibt es fast alles, was man für das tägliche Leben braucht: Gemüse, Früchte, Hühner, Enten, Schweine, Kaninchen, Gänse, Fische, Holz für das Kochen, Holz zum Bauen und eine Fläche zum Spielen und sich Erholen. Alle helfen mit bei der Arbeit rund um das Haus. Jedes der 5 Kinder hat seine Arbeit. Und wenn Carlos Arturo nicht zuhause ist, arbeitet seine Frau im "Wald". Mit "Wald" meine ich "El sistema agroforestal multiestrato" - übersetzt in etwa mit "Land-Waldwirtschaft mit Pflanzen verschiedenster Höhen". Es ist eine Form Wald- und Landwirtschaft zu verbinden, sehr nahe an der Dynamik und Struktur eines natürlichen Waldes. Es geht darum, eine grosse Vielfalt von einheimischen Pflanzen zu mischen mit Pflanzen, die für uns Menschen nützlich sind. Oder mit anderen Worten, wir pflanzen Mais, Reis, Süsskartoffeln, Ananas,Carlos Arturo Honduras Maniok, Kaffee, Kakao, Zuckerrohr, Zitronen- und Orangenbäume zusammen mit einheimischen Fruchtbäumen, Palmen, Bäumen für Holz und Düngung. Ein Wald wird somit imitiert, mit seinen vielfältigen Pflanzen in allen Höhen. Und das funktioniert. Die wichtigste dabei Arbeit ist das zurück schneiden. Überall, wo Sonne gebraucht wird, werden die höheren Bäume zurückgeschnitten und alles am Boden liegen gelassen. Der Boden trocknet so niemals aus. Es gibt kaum Schädlinge wegen der grossen Vielfalt und am Boden entsteht in kurzer Zeit Humus und Dünger.
Das Ganze ist natürlich viel komplizierter, als ich hier kurz beschreiben kann. Es ist nicht ganz einfach zu handhaben, aber es ist faszinierend. Wer weitere Unterlagen möchte, soll sich bitte bei mir melden. Ich habe vieles in Spanisch, da der "Erfinder" des Systems ein Deutscher ist, kann ich sicher auch Deutsche Unterlagen auftreiben.
Fotos links: Orangenbaum, Kaffee, Bananen mitten im "Wald" in Peru, rechts: Carlos Arturo in seinem "Wald" mit Zuckerrohr und Taro im Vordergrund oben und Bananen und diverse Fruchtbäume im "Wald" unten.

Wir fuhren also mit 8 ausgewählten Schülern und einem Promotor zu Carlos Arturo, den wir bei einer durch Misereor Deutschland organisierten Weiterbildung über dieses System kennen gelernt haben. Sein Land liegt mitten im Dörfchen San Pedro Cobán und hat ca. 2000 m². Rund 600 ² misst sein "Wald". Dazu kommen wie oben beschrieben die vielen Tiere zum Essen und zum Verkauf. Die Familie lebt grossenteils von ihren Erzeugnissen und kauft zum Essen sehr wenig dazu. Carlos Arturo ist Agronom und verbreitet auch in seiner Nachbarschaft mit grossem Einsatz diese Art der Landwirtschaft. Wir haben einige Nachbarn besucht, die total begeistert sind, von der neuen Art anzubauen.

Mario Bolóm Chatela Die Schüler haben alles mit grossem Interesse und Staunen beobachtet.
In Cahabón wird es im Moment wahrscheinlich nicht möglich sein, das System in seiner ganzen Radikalität anzuwenden. Was wir aber anstreben ist eine grosse Vielfalt, inklusive verschiedener Kleintierarten rund um das Haus. Der Platz rund um die Häuser wird in Cahabón kaum genutzt. Nackter Boden, Gestrüpp und jetzt manchmal auch ein Garten befinden sich rund um das Haus. Kaum Obstbäume und schon gar kein einheimisches Gemüse oder Mais. Die Felder sind meist sehr weit entfernt. 3 der ausgewählten Schüler haben dann auch sofort damit begonnen, rund um das Haus vielfältige Pflanzen zu setzen. Wie hier zum Beispiel Mario aus Chatela (Foto). Er hat unzählige Bäume, Ananas, Gandul (Baumbohnen), Karkadentee, Taro, Süsskartoffeln... rund um sein Haus gepflanzt. Seine Hühner sind in einem grossen Gehege. Die Mutter hat einen grossen Garten. Die 5 anderen arbeiten langsamer, aber ich denke, dass auch sie einiges dazu gelernt haben und in Zukunft um ihr Haus auch mehr anpflanzen werden.

16./17. August 2005 - ein 2-Tages Ausflug nach Purulhá mit 18 Frauen, 5 Männern, 5 Promotorinnen und 1Martin Choc Purulhá Promotor. Wir wollen die diversifizierten Parzellen von Don Martin (Foto) und Mauricio Choc in der Gemeinschaft El Jute kennen lernen, auf denen vielfältigstes einheimisches und importiertes Gemüse biologisch angepflanzt wird. Beide leben vom Verkauf des Gemüses und ihrer Hühner, Kaninchen und Ziegen. Viel wichtiger aber für mich sind die Frauengruppen. Seit 4 Jahren arbeiten Frauen in Gruppen im Gemüse- und Blumenanbau und beim Weben. Meine Hoffnung ist, dass unsere Frauen sich von guten Zeugnissen der bestehenden Gruppen in Purulhá überzeugen lassen, dass diese Form von Zusammenarbeit hilfreich und nötig ist. In 2 Gruppen besuchen wir zuerst die Parzellen von Don Martin und Mauricio und die Frauengruppe (Gemüse- und Blumenanbau) in El Jute, dem höchsten Punkt von Purulhá. Unsere Leutekönnen gar nicht mehr aufhören mit Fragen, vor allem in den Parzellen von Martin und Mauricio. Fast bleibt keine Zeit mehr für die kleine Frauengruppe, die uns zeigt, wie sie Gladiolen anbauen und dann im Dorf Purulhá verkaufen. Blumen sind hier ein gutes Geschäft, da erst wenige Blumen anbauen. Nach dem frühen Nachtessen gehen die meisten müde und zufrieden ins Massenlager um zu schlafen.
Am nächsten morgen besuchen wir dann 2 gut arbeitende Frauengruppen mit Leaderinnen, die sehr gut reden und präsentieren. In der ersten Frauengruppe in Panimaquita erzählt die Präsidentin, wie die Gruppe entstand, wie sie arbeiten, was wichtig ist in der Gruppe, wo passieren Fehler, was ist schwierig und welche Vorteile die Gruppenarbeit hat.
Danach erzählt sie aus ihrem eigenen Leben: "Vor Jahren war ich ängstlich, ging kaum aus dem Haus, sprach nur Q'eqchi' und traute mir gar nichts zu. Eines Tages wurde ich eingeladen für eine Weiterbildung, in der ich zur Vertreterin meiner Gemeinschaft ausgebildet werden sollte. Mit der erkämpften Erlaubnis meines Mannes, viel Angst und einer Freundin machte ich mich auf in ein entferntes Dorf und merkte erst dort, dass die Weiterbildung nicht nur einen, sondern 5 Tage dauerte. Ich genoss die Tage und lernte viel. Doch als ich auf dem Weg nach Hause war, überfiel mich die Angst. Werden meine Kinder und mein Mann mich überhaupt wieder aufnehmen? Sicher wollen sie gar nichts mehr wissen von mir! Sie kennen mich wohl kaum mehr und haben sich jemand anderes gesucht. Als ich dann unsicher und mit dieser grossen Angst im Bauch zuhause ankam, musste ich feststellen, dass meine Familie sich sehr freute, dass ich wieder zuhause bin. Danach ging es weiter mit viel Schulung und Lernen und heute bin ich selbstständig, Präsidentin der Frauengruppe, spreche spanisch und habe noch viele andere Aktivitäten. Am meisten stolz bin ich darauf, dass ich nach 5 Jahren immer wieder insistieren es geschafft habe, dass alle Familien der Frauengruppe ein eigenes Haus aus Zementblock bekommen. Immer wieder ging ich zum Bürgermeister, legte ihm die Pläne und die Finanzierung vor, unsere Unterschriften und unsere Eingaben. Jetzt endlich nach 5 Jahren harter Arbeit hat es geklappt. Wir bekommen die Häuser. 5 Davon sind schon fast fertig gebaut."
Diese Frau hat mir so viel Eindruck gemacht, dass ich sie spontan für die nächste Weiterbildung aller Mamas im Oktober in der Schule eingeladen habe.

Chaslau Webgruppe Danach besuchen wir die zweite Frauengruppe, die schon sehnlich auf uns wartet. Wir haben uns durch die spannenden Schilderung der Präsidentin und die anschliessende Diskussion verspätet. Diese Gruppe lernte vor kurzer Zeit Weben und stellt wunderschöne Huipiles her - die traditionellen Blusen der Mayas (Foto). Unsere Frauen sind hell begeistert von den Blusen und der Arbeit der Frauen. Nachdem sie uns gezeigt haben, wie sie weben, gehen wir ins Haus um einen Imbiss zu uns zu nehmen und über die Arbeit zu diskutieren - ist es schwer zu lernen - was kosten die Huipiles - verkauft ihr sie gut - und immer wieder über die Gruppenarbeit.
Verspätet gehen wir dann zum Mittagessen. Der Bus wartet schon auf uns und es gibt noch ein Gehetze, weil 2 Familien noch den Bus um 4 Uhr in Cobán erreichen müssen, damit sie überhaupt noch vor Mitternacht nach Hause kommen. Müde aber zufrieden kommen wir anderen um 9 Uhr nachts in Cahabón an und nach einem einfachen Nachtessen fallen alle ins Bett. Am nächsten morgen brechen die meisten dann sehr früh auf, um nach Hause zu kommen.
Es war ein spannender und guter Ausflug und daraus sind 6 Gruppen entstanden, die mehr oder weniger gut arbeiten. Anfangs Juni 2006: in Chaslau sind sie am Weben, in Chatela stellen sie Medizin her, in El Carmen haben sie wunderschöne Gärten und werden bald Kaninchen bekommen, in Chiakté haben sie Terassen erstellt,um darauf Gemüse für den Verkauf anzubauen, in Nuevo San Fernando helfen sie einander im Familiengarten, nur die Gruppe aus Semox hat sich leider wieder aufgelöst, nachdem sie wunderschönes Gemüse in einem Gemeinschaftsgarten hatte und sich wegen Geld und der Gemeinschaftsarbeit zerstritten haben.

28./29. September 2005 - 2 Tage spannende Weiterbildung mit Milvia Gonzales über Gender. Ein schwieriges Thema, weil Männer und Frauen generell keinen grossen Kontakt untereinander haben. Männer haben das Sagen. Frauen gehorchen und brauchten bis vor kurzem noch die Erlaubnis des Mannes, um überhaupt nur aus dem Haus gehen zu dürfen. Es ist ziemlich neu, dass Frauen alleine zu einer Weiterbildung gehen können. Allerdings kenne ich auch Familien, in denen die Beziehung zwischen Mann und Frau ziemlich demokratisch ist. Es gibt sogar Familien, in denen die Frau das Geld verwaltet. Die ist aber nicht die Normalität. Die Frau läuft generell immer einige Schritte hinter dem Mann. Ich habe dann auch einmal herausgefunden warum. Der Mann schützt damit die Frau und die Kinder vor bösen Dämonen, die auf dem Weg lauern. Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit gibt es nur zwischen Männern oder zwischen Frauen. Wie die Promotorinnen in dieser Weiterbildung erklärten, werden Ehepaare, die sich aus Versehen in der Öffentlichkeit berühren rot. Bis vor kurzem gab es keinen Kontakt zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen. Heute gehen die Kinder und auch die Jugendlichen zusammen in die Schule. In den Gemeinschaften ist es aber immer noch unmöglich, dass sich ein Junge und ein Mädchen alleine treffen. Also geschieht dies heimlich. Dazu kommt, dass viele Jugendliche in Cahabón in die Oberstufe gehen und hier ohne Familie wohnen. Hier sind grosse Schwierigkeiten entstanden, weil die Jugendlichen nie gelernt haben, miteinander umzugehen. Die Jungs möchten Sex und die Mädchen haben nie gelernt NEIN zu sagen. In Cahabón gibt es im Moment sehr viele uneheliche Kinder. Keine Aufklärung. Man redet nicht über so etwas. Das erinnert mich stark an meine Jugendzeit. Da war es nicht viel anders.
Uhr der Arbeit
Was arbeitet die Frau, was arbeitet der Mann, war eine der ersten Fragen von Milvia.
Die Frau gehört ins Haus, Kinder kriegen, waschen, kochen, putzen, Kinder erziehen, Wasser holen und Hühner, Enten, Truthähne und Schweine füttern, Hühner schlachten. Die Frau hat keine harte Arbeit.
Der Mann gehört aufs Feld, Mais anbauen, Kardamom, Kaffee, Kakao, Chili, Holz holen, jagen und Schweine schlachten. Der Mann arbeitet hart.

Die Rollenverteilung ist starr in den Köpfen. Das geht auch aus den Antworten hervor.
Das Bild sieht ganz anders aus nach der folgenden Gruppenarbeit. Getrennt erstellen die Promotorinnen und Promotoren je eine Uhr mit den täglichen Arbeiten.


Arbeit der Frauen
Arbeit der Männer
4.00 – 5.00
Aufstehen, Feuer anmachen, Cafe wärmen, Gekochten Mais waschen, gekochten Mais mahlen
5.00 – 6.00
Tortillas machen und Frühstück vorbereiten, Essen vorbereiten zum Mitnehmen aufs Feld für die Männer
6.00 – 7.00
Frühstück für die Kinder und den Mann, Kinder Baden, Boden fegen, Geschirr abwaschen
7.00 – 8.00
Den Tieren zu essen geben, Kleider Waschen
9.00- 10.00
Mittagessen vorbereiten
11.00 – 12.00
Dem Mann das Essen aufs Feld bringen
13.00 – 14.00
zurückkehren ins Haus
14.00 – 15.00
Wasser holen, im Haus und um das Haus wischen, Geschirr abwaschen, Mais kochen
15.00 – 16.00
Den Tieren zu essen geben
16.00 – 17.00
gekochten Mais waschen und mahlen
17.00 – 18.00
Tortillas machen, Wasser kochen, Essen für das Nachtessen vorbereiten
18.00 – 20.00
Nachtessen, Geschirr waschen, Essensreste so versorgen, dass sie keine Tiere fressen und sie nicht verderben (ohne Kühlschrank)
20.00 – 22.00
Kinder ins Bett bringen, schlafen gehen

Ohne Zeitangaben:
Gebären, den Kindern die Brust geben, kranke Kinder und ev. Eltern pflegen, Kinder erziehen und in die Schule schicken, Sitzungen in der Schule, mit Kindern ins Gesundheitszentrum zum Impfen oder zur Kontrolle gehen, im Garten arbeiten - dazu kommt Arbeit im Maisfeld, Kardamom ernten, Chile säen, ernten, Kaffee ernten, Kakao ernten, Chile, Kakao und Mais trocknen, Bohnen ausmachen, Mais entkernen, wilde Früchte, Gemüse und Kräuter suchen gehen.






6.00 Frühstücken

7.00 Aufs Feld gehen
8.00 Ankommen auf dem Feld
10.00 Z'Nünipause

12.00 Mittagessen

13.00 Weiter arbeiten






16.00 Holz suchen

17.00 Nach Hause kommen
18.00 Baden

19.00 Nachtessen
20.00 Ausruhen


21.00 Schlafen


Ohne Zeitangaben:
Jagen, Schweine schlachten, Gemeinschaftsarbeiten

Wohlverstanden, die Tabelle wurde von den Promotoren und Promotorinnen ausgefüllt und danach auch für richtig befunden. Allerdings gibt es auch Männer, die mehr helfen und mehr arbeiten.
Dass Frauen oft im Feld arbeiten will allerdings nicht in den Kopf - Frauenarbeit ist Hausarbeit.

Vor allem die Karadomom-Ernte schadet den PromotorInnen Familiengärten. Die Haupterntezeit dauert rund 3 Monate und die Frauen sind mehrere Tage in der Woche den ganzen Tag am Ernten. Zeit für den Garten haben sie in dieser Zeit nicht mehr. Kardamom ist immer noch die einzige grössere Geldquelle der Bauern hier in Cahabón, obwohl der Preis zusammengefallen ist.

Weiter geht es mit den biologischen und sozialen Unterschieden zwischen Mann und Frau. Welche Unterschiede sind von den Menschen selbst konstruiert, wie zum Beispiel die Kleider - Frauen tragen Röcke und Blusen- Männer tragen weisse Hemden, dunkle lange Hosen, schwarze Schuhe und einen Gürtel. Langsam tasten wir uns an die Wirklichkeit heran.
Ein weiteres Thema ist die Diskriminierung wegen der Hautfarbe, wegen dem Geschlecht, wegen der Armut. Du bist dumm, du sprichst ja nicht einmal spanisch, du bist nur eine Frau und taugst für nichts - du bist nichts wert, du trägst Kleider eines Armen. Die Diskriminierungen unter den Q'eqchi' selber ist sehr stark verbreitet.
Beteiligung der Frau in der Familie, in der Gemeinschaft, im Dorf ist ein weiteres Thema.

Die 2 Tage Weiterbildung waren nur ein kleiner Anfang mit viel Neuem zum Nachdenken. Es wird wohl noch längere Zeit dauern, bis in den Köpfen der Frauen und Männer so etwas wie Gleichberechtigung entsteht. Seltsamerweise ist in der täglichen Praxis mehr Gleichberechtigung zu beobachten als in den Köpfen vorhanden ist.

27./28. Oktober 2005 Weiterbildung für alle Mütter und Väter der Schüler. Ich konnte meine Idee verwirklichen. Gestern abend sind 6 Frauen von verschiedenen Gemeinschaften aus Purulhá Weiterbildung in der Schule angekommen. Wir werden heute nicht kochen und die Frauen werden in 4 Ateliers die Frauen und ihre Arbeit kennen lernen. (Foto: Frauen in der Vorstellungsrunde)
  • Im Atelier 4 werden sie hausgemachtes Hühnerfutter herstellen mit Mais, Bohnen, getrockneten Eierschalen, Knochen, getrockneten Blättern eines bestimmten Baumes und ein wenig Salz. Alles wird gemahlen und vermischt.
  • Für das Atelier 3 haben zwei Frauen ihre ganzen Webutensilien mitgenommen. Sie werden erklären und zeigen, was und wie sie weben. Das Atelier findet riesigen Anklang, sogar einige Schüler sitzen stundenlang in diesem Atelier, schauen zu und dürfen kurz weben.
  • Im Atelier 2 erzählt die Präsidentin der Frauengruppe aus Panimaquita aus ihrem Leben. Wie siedie grosse Angst überwunden hat und was sie heute alles tut. Ratschläge für ein befreiteres und angstfreieres Leben aus dem Mund einer Frau, die das ganze auch so durchlebt hat. Stärkung des Selbstbewusstseins der Frauen pur.
  • Im Atelier 1 erzählt die schon erwachsene Tochter der Präsidentin aus ihrem Leben. Wie hat sie ihre die Mutter erfahren, was hat sie daraus gelernt und wie lebt sie heute. Auch das ist Stärkung des Selbstbewusstseins. Die Frau aus Vorbild für ihre Töchter. Wie kann die Mutter ihre Töchter zu einem befreiteren und angstfreieren Leben hinführen.
Der Tag war ein Erfolg. Viele Frauen sind nachdenklich aber auch in einer Aufbruchstimmung. Viel Neues haben sie an diesem Tag gehört und erfahren. Ich hoffe, dass sie einiges zuhause wenigstens im Ansatz ausprobieren.
Am Schluss der Weiterbildung konnten wir allen Familien 4 Lernkalenders mit Nachhause geben.
Nach dem üblichen Nachtessen mit schwarzen Bohnen und Tortilla wird bis um 23 Uhr getanzt. Danach gehen die Menschen schlafen und die Frauen aus Purulhá brechen am nächsten morgen schon wieder früh auf, um noch vor dem Mittag wieder zuhause zu sein.

Der Lernkalender für das Jahr 2006

Im Juli haben wir angefangen, unseren ersten Lern-Lernkalender für das Jahr 2006. Fotos aus Gärten und Parzellen mit einem für uns wichtigen Inhalt. Der Neid ist gross zwischen den Menschen in den Gemeinschaften und so wird fast alles Geld auswärts ausgegeben. Also versuchen wir daran zu arbeiten.

Lernkalender 2006

Wir sind Bäuerinnen und Bauern.
Davon leben wir.

Maria möchte ihre Tomaten verkaufen und fragt Peter:
„ Peter, warum kaufst Du nicht meine Tomaten? „
„A nein Maria, nur was von auswärts kommt ist gut!“

WANN FANGEN WIR ENDLICH AN DAS UNSERE ZU SCHÄTZEN UND WANN LASSEN WIR ENDLICH DEN NEID UND DIE EIFERSUCHT HINTER UNS?



Kauf von Deinem Nachbarn, so sparst Du Zeit und Geld, weil du nicht mit dem Bus nach Cahabón fahren musst um einzukaufen. (Teuer und zeitaufwändig.)



FOTOS aus den Gärten und Mischparzellen
aus unserer Arbeit

Sprache auf dem Kalender:
Q’eqchi’

Einer der 22 Mayasprachen, die in Guatemala gesprochen werden.




Dein Nachbar verdient mit seinen Produkten und das Geld bleibt im Dorf.

So werden wir zusammen vorwärts kommen.
Lasst uns unsere Produkte schätzen, die wir in Cahabón produzieren.

Instituto Fray Domingo de Vico fördert eine nachhaltige Landwirtschaft im ländlichen Gebiet von Santa Maria de Cahabón.

Mit diesem Kalender werden wir immer wieder arbeiten. In den Gemeinschaften und in Weiterbildungen in der Schule.


9. November 2005 Zur Weiterbildung für neue Mütter kommen diesmal 9 neue Frauen. Sie sind sehr neugierig und fragen viel.
29.11. - 1.12.2005 Gemeinsam mit allen Promotorinnen und Promotoren erarbeiten wir den Bericht für Misereor Deutschland per 31.12.2005. Zwei mal im Jahr, Ende Juni und Ende Dezember schreiben wir über unsere Erfolge und Schwierigkeiten. Es ist sehr schwierig, aber wir möchten, dass auch die PromotorInnen wissen, wie so ein Bericht aussieht und welche Zahlen wir da zweimal im Jahr zusammenstellen müssen. Vielleicht füllen sie dann die vorgedruckten Blätter der Gärten und Parzellen besser und mit mehr Wissen aus. Für jeden Garten, jede Parzelle, jedes Maisfeld und jedes Hühnergehege wird ein separates Blatt geführt. Bei jedem Besuch müssen die PromotorInnen in diesen Blättern die Erfolge und Schwierigkeiten notieren. Somit haben wir einen genauen Überblick über unsere Arbeit, wenn die Blätter sorgfältig ausgefüllt sind.

Hier einige Zahlen aus dem Bericht vom 31.12.2005
Im Moment arbeiten für die Familiengärten 1 Assessorin (MISEREOR), 1 Koordinatorin (PTM Mundibat), 1 Promotorin (MISEREOR), 1 Promotorin (PTM Mundubat), 1 Promotorin (Pfarrei Spiez) und eine Promotorin (Pfarrei Arth).

ERFOLGE

Im Moment betreuen wir 129 Familiengärten (6063 m2) mit einem Durchschnitt von 47 m2 in 31 verschiedenen Weilern/Gemeinschaften.

Wir pflanzen folgendes in den Familiengärten:
Mangold, *Knoblauch, *Sesam, *einheimisches Basilikum, *Baumwolle, Schnittsellerie, *Amaranth, *Zwiebeln (nur in höheren Lagen), *Cebollin (Schnittlauchart), *Chile, *Koriander, *Luwa, *Buschbohnen, *Mungobohnen, *einheimische Passionsblumenfrucht, *einheimische Chirimoya, *Gewürzpfefferminz, *Kohlrabiblätter, *Inwer, *Kurkuma/Gelbwurz, *Macuy (einheimische Blattgemüse), *3 verschiedene Mostaza (Blattgemüse), Bodenkohlrabi, *Pak Choi, *Gurken, Petersilie, Lauch, *Radiesli, Randen, Kohl, *Samat (Gewürz), *Wassermelonen, *Kürbis, *Tomaten, *Verdolaga (Blattsalat), *Karotten
(Pflanzen mit * entwickeln Samen oder werden durch Stecklinge vermehrt. Für die anderen Gemüse kaufen wir die Samen in Guatemala.)

  • Die meisten Frauen haben in ihren Gärten unterdessen einheimisches Gewürz und Blattgemüse, das sie auch täglich brauchen wie Samat, Cebollin, Macuy, Gewürzpfefferminz, Pebrex und einige auch schon Ingwer und Amaranth.
  • Die Frauen akzeptieren die neuen Gemüse und Rezepte gut und kreieren mit einer gewissen Sicherheit auch selber neue Rezepte mit Produkten aus ihrem Garten.
  • Es ist auffällig, dass in Familien, die viel Gemüse essen, die Kinder viel gesünder sind und viel weniger anfällig für Verkältungen und Durchfall.
  • Mütter melden zurück, dass ihre Schwangerschaft viel leichter war, seit sie Gemüse essen und das Essen vielfältiger geworden ist.
  • Ein grosser Teil der Frauen ist sehr glücklich, weil sie Gemüse an ihre Nachbarn verkaufen können und somit zum ersten Mal eigenes Geld zur eigenen Verwendung besitzen.
  • Die positiven Resultate in der Produktion von Gemüse in den Familiengärten hat bei vielen Frauen das Selbstbewusstsein gestärkt und auch das Interesse der Ehemänner geweckt, die jetzt doch einiges mehr mithelfen in den Gärten.
  • Einige Frauen fangen an, rings um das Haus, in und um die Familiengärten Süsskartoffeln, Taro, Maniok, Papaya, Gandul (Baumbohnen), Chaya (Baumspinat). Die einheimischen Produkte werden wieder mehr geschätzt, vieleicht auch weil unsere neuen Rezepte immer auch einheimisches Gemüse einbeziehen und sie gelernt haben, wie man dieses einheimische Gemüse mit Kompost viel besser kultivieren kann.
  • Wir sehen Interesse von Nachbarn, die auch einen Garten haben möchten. Der Multiplikations-Effekt vergrössert sich mit der Anzahl guter Gärten in den Gemeinschaften.
  • Es melden sich viel mehr Gruppen von Frauen, die neu Interesse daran haben, mit Familiengärten zu arbeiten.
  • Im November fingen wir an, die Monatsrezepte per Radio auszustrahlen.


SCHWIERIGKEITEN
  • Kulturell sind Familiengärten, Säen, Bewässern, Pflegen, Beschatten, Unkraut Jäten nicht bekannt.
  • Die Frauen haben sehr wenig Zeit. Oft sind sie schwanger oder haben gerade geboren, arbeiten mit im Feld, trocknen Chile, trocknen Kaffee, machen Bohnen aus....
  • In den meisten Küchen fehlen die Utensilien, die für die neuen Rezepte gebraucht würden - Messer, gute Pfannen...
  • Die meisten Frauen können weder lesen noch schreiben. Das macht die Arbeit schwieriger, weil wir keine schriftlichen Anweisungen zurücklassen können.
  • Das Kardamom - vor allem in der Haut- Erntezeit von September bis Arpil braucht viel Zeit. Die Frauen helfen bei der Ernte und vernachlässigen dabei die Gärten. (siehe auch Weiterbildung über Gender)
  • Noch zu wenige Frauen machen Samen aus dem Gemüse ihres Gartens.
  • Einige Familien haben die Gartenarbeit verlassen mit dem Argument: Die Arbeit ist schwierig ist und braucht viel Zeit.

KLASSIFIKATION DER GÄRTEN LAUT DEN PROMOTORINNEN

Neue
Unbefriedigend
Durchschnittlich Gut
Sehr gut
17
18
57
30
7

Im Grossen und Ganzen bin ich mit unserer Arbeit sehr zufrieden. Die Trockenheit bis anfangs Juli hat uns allerdings schwer zu schaffen gemacht. Die Böden waren total ausgetrocknet und steinhart. Die meisten Frauen brauchten 1-2 Monate, bis der Boden wieder zum Säen bereit war.


7.-9. Dezember 2005 Mit 2 Elternpaaren und einem Vater von 3 Schülern, die im Juli mit uns Carlos Arturo in Honduras besuchtAusflug nach Honduras haben, fahren wir für 3 Tage nach San Pedro Copán. Die Promotorin Ana und der Promotor Alejandro begleiten und für die Übersetzung. An der Grenze allerdings stellt sich heraus, dass Ana ihren Pass zuhause vergessen hat. Also muss sie 2 Tage allein in Esquipulas verbringen. Das ärgert, weil wir nun keine Übersetzung von Frau zu Frau haben. Das wäre sehr wichtig gewesen. Schicksal!
Beide Frauen hatten ein Bébé dabei. Für die Frauen ist das immer sehr ermüdend. Trotzdem haben sie gut mitgemacht, vor allem Josefina Ax Mucú (auf dem Foto mit Kind). Wir haben nicht nur den Garten, die Tiere und "den Wald" von Carlos Arturo besucht, sondern auch viele andere Familien, die in ähnlicher Weise arbeiten. Hier am Fischteich einer Familie im selben Dorf. Die Frauen und Männer, die wir besuchen, reden begeistert über die neue Art, Landwirtschaft zu betreiben. Und wir werden auch überall willkommen geheissen und bewirtet. Bei der Familie mit dem Fischteich sind wir zum Nachtessen eingeladen. Die Frau kocht viele verschiedene Spezialitäten aus dem Dorf mit Produkten aus ihrem "Wald" und Garten. Wir sind immerhin 10 Personen, dürfen aber nichts bezahlen. Die Gastfreundschaft ist sehr gross.

Am nächsten Tag besuchen wir eine Familie, die auch mit den neuen Methoden arbeitet. Von ihrer Landwirtschaft leben 4 Familien - die Ausflug nach Honduras Familie der Eltern und 3 Familien der Söhne mit ihren Kindern. Sie verkaufen Kaffee, Mais, Maniok, Süsskartoffeln, Taro, Honig, Orangen, Zitronen, Nance (Frucht), Fische (2 Teiche mit 9000 Fischen) und haben vor allem für den Eigengebrauch Hühner, Schweine und 3 Kühe. Jeder der Söhne hat sich auf ein Produkt spezialisiert und sie arbeiten alle sehr gut zusammen. Jede Familie hat ein hübsches Haus aus Lehmziegeln gebaut. Viele Blumen vor dem Haus und eine gute Bewirtung.
Die Familie von Josefina Ax Mucú und Tomas Ochoa hat schon vorher angefangen, rund um das Haus viel anzupflanzen. Und nach diesem Besuch haben sie noch viel mehr Ideen entwickelt. Bei den zwei anderen Familien ist leider noch nicht viel umgesetzt. Die Familie von Candelaria Ixim und Julio Tot (rechts auf dem Foto) ist im Moment wie gelähmt wegen Geldsorgen. Zwei ihrer Söhne sind im Moment gleichzeitig bei uns in der Schule. Der Vater muss die Parzellen beider Söhne gleichzeitig selber betreuen, da er keine weiteren Söhne hat, die im Helfen könnten. Das Geldverdienen kommt zu kurz. Das lähmt die ganze Familie. Eliseo Choc setzt langsam etwas vom Gesehenen um. Auch er hat neben seinem Sohn in der Schule keine Söhne, die ihm helfen könnten.

Wir haben uns von diesem Besuch etwas mehr erhofft, trotzdem werden wir weiter mit Schülern, Eltern und auch Frauen Besuche an anderen Orten machen. Ich bin überzeugt, dass es sehr wichtig ist für alle, andere Lebenswelten kennen zu lernen und zu merken, dass die Menschen auch an anderen Orten kämpfen für eine bessere Zukunft.


Mitte Dezember 2005 und 10. April 2006 in Chiacach

19 SchülerInnen des 7.-9. Schuljahres in Chiacach haben schon im Juli 2005 mit einem grossen GartenSchülerInnen der Realschule Chiacach angefangen. Es ist eine der wenigen Gemeinschaften, die eine Oberstufenschule haben. Chiacach war sehr stark in den internen Krieg verwickelt. Sie wehrten sich, als die Regierung mit Hilfe des Militärs ihr Land konfiszieren wollte und haben aus den Wäldern heraus das Militär bekämpft. Viele Menschen sind dabei umgekommen und viele Menschen sind psychisch stark geschädigt. Ein Schüler erzählt wie seine Eltern den ganzen Tag einfach vor dem Haus sitzen und nicht mehr in der Lage sind, etwas zu arbeiten. Andere SchülerInnen sind Halb- oder Vollwaisen.
Der Hauptlehrer José Reyes Cucul ist aus Chiacach. Er hat nach seinem Studium als Erstes Guatemala bereist, um andere Kulturen und Menschen kennen zu lernen. Ich spüre sehr stark, dass er aufgeweckter ist als der Durchschnitt, sehr gut spanisch spricht und auch eine gewisse "westliche" Logik hat, die bei den meisten Menschen in den Gemeinschaften fehlt. Ich kann sehr gut mit ihm zusammenarbeiten. Er setzt sich sehr stark für die Gemeinschaft, vor allem für die Jugendlichen ein. Er kann sich eine Veränderung im Dorf in der Zukunft vorstellen und arbeitet mit aller Kraft daran.

Der Garten der SchülerInnen in Chiacach Im Juni 2005 kamen sie zu mir mit der Bitte, sie zu unterstützen. Sie konnten die Einschreibegebühren Quetzal 460 (Sfr 84.00) pro SchülerIn für das Schuljahr 2005 nicht aufbringen. Sie standen kurz davor, dass die Oberstufen-Schule geschlossen wurde. Und so erarbeiteten wir einen Vertrag. Die SchülerInnen der Oberstufe von Chiacach werden einen Familiengarten und eine diversifizierte Parzelle anlegen und ich werde ihnen die Einschreibegebühren bezahlen. So begann die Geschichte mit Chiacach und ihren SchülerInnen. Sie fingen an mit 4 Gartenbeeten, die Erde war hart und sie hatten noch wenig Kompost. Kompost ist so eine Sache - es scheint schwierig zu sein, zu begreifen, dass der Boden Dünger braucht und noch schwieriger, dass ein Haufen "Abfall" zu Dünger - Nahrung für den Boden werden soll. Die Samen keimten dann auch kaum, obwohl sie sich viel Mühe gaben mit Abdecken und Giessen. Nachdem sie Bohnen gesät haben und davon einige auch an dem Ort, wo vorher der Kompost war, fingen sie an zu staunen. Am Ort des Kompostes wuchsen die Bohnen doppelt so schnell und hatten viel mehr Ertrag. Von dem Zeitpunkt an, ist in ihrem Garten immer viel Kompost anzutreffen. Auf den ganzen ca. 500 m² wird heute Gemüse angebaut und die Erde ist herrlich locker und sehr gut zu bearbeiten. Dementsprechend ernten sie heute auch schönes Gemüse. Sehnsüchtig sahen sie zu, wie der Chabis wächst und konnten kaum warten mit Ernten. Eines schönen Tages ernteten sie alle Chabis auf einmal und machten Chabissalat, den sie gemeinsam assen. Das müssen um die 20 Chabis gewesen sein.

Quelle Chiacach In Chiacach gibt es 14 weitere Gärten. Als ich eines Tages zu einem Garten unterwegs war, sah ich einen grösseren leeren Platz, an dessen oberem Ende direkt eine Quelle sprudelt (roter Pfeil). Das Wasser lief einfach weg und wurde nicht gebraucht. Mir kam die Idee, dass man hier einen Fischteich bauen könnte. Es war mir bewusst, dass wegen der Bodenbeschaffenheit und der Lage hier wohl mit Zement gearbeitet werden muss. Langsam entstand ein Plan - Fischteich und zugleich ein kleineres Schwimmbad für die Kinder. Der Platz wurde von der Dorfgemeinschaft zur Verfügung gestellt und wir fingen an mit Ausmessen. 7x9x1 Meter gross sollte der Teich werden. Die Mauern mit Steinen gebaut und mit Zement verstärkt und verputzt. So machten wir wieder einen Vertrag: Ich bezahle den Zement, den Gips, wenig Röhren, Verschlussdeckel, Maschendraht für einen Zaun, 1 Schloss und einen Vorarbeiter, der die Arbeiten mit dem Zement anleitet (aus Spenden). Die SchülerInnen und Väter graben den Teich aus, suchen die Steine, holen den Sand aus dem Fluss und arbeiten nach der Anleitung des Vorarbeiters für die Fertigstellung des Teichs.

Chiacach Teich Im Dezember fingen sie mit den Grabarbeiten an. Von 8-11 arbeiteten die SchülerInnen. Dann gingen sie nach Hause zum Duschen, Umziehen und Essen. Um 14.00 - 17.00 hiess es dann die Schulbank drücken. In dieser Zeit kamen die Väter zum Arbeiten. Nach etwa 30 cm Tiefe kam eine Lehmschicht, total durchnässt von dem Quellwasser, die die Grabarbeiten sehr erschwerte. Bis 2 Meter tief mussten sie graben an der Hangseite. Im Februar fing der Vorarbeiter an zu arbeiten. Die Grabarbeiten waren fertig, die Steine für die Mauern bereit und die Mädchen hatten 16 m³ Sand vom Fluss - 25 Min. 1 Weg - heraufgeschleppt. Sie waren sehr stolz, dass sie mehr Kraft hatten und luden voller Stolz die Gipssäcke vom meinem Auto, als ich mit einer Ladung Gips ankam. Nun lernten die Schüler und auch ihre Väter, wie man mit Zement arbeitet. Mitte März konnten sie das erste Mal das Wasser einlaufen lassen. Meine Angst, dass wenig Wasser fliesst war unbegründet. Die Becken fülltenFischteich Chiacach sich über Nacht. Dann kam der grosse Schrecken. Nach einem Tag bahnte sich die echte Quelle ihren Durchbruch durch den Zementboden im Schwimmbad für die Kinder. (Siehe Pfeil). Unser Baumeister der Schule, Don Enrique, der die ganzen Bauarbeiten überwacht hatte, legte um die Quelle eine dickere Zementplatte mit Eisen und setzte in der Schwimmbadseite 2 Röhren und auf der Fischseite eine Röhre ein, woraus nun das Quellwasser sprudelt. Damit war das Problem glücklicherweise gelöst.

Chiacach Einweihung Fischteich Am 3. April setzten wir 300 Fischchen im Teich aus. Am 10. April war dann die offizielle Einweihung auch des Schwimmbads für die Kinder. Mit der Nationalhymne und dem Schwur auf die Fahne fing das ganze Fest an. Ansprachen, Theater, Sketches, vorgetragene Lieder und Tanz für Gross und Klein waren die Hauptattraktionen des Vormittags. Die traditionelle Hühnersuppe rundete das Fest ab.

2 Tage später zäunten sie den Teich ein. Traurig eigentlich, aber die SchülerInnen haben viel Angst, dass andere Leute die Fische angeln. Die Armut und der Hunger sind so gross, dass sie damit wohl leider Recht haben. Fischteich Chiacach
Die Fische wachsen gut. Zum Glück fast ohne zugekauftes Futter. Sie fressen Blätter, Maismasse und Termiten. Ich hoffe, dass die SchülerInnen mit diesen Fischen wenigstens einen Teil ihres Schulgeldes nächstes Jahr selber berappen können. Dazu kommt ab August ein grösseres Hühnergehege, in dem sie einheimische Hühner zum Verkauf züchten werden. Ab Ende Jahr sollten dann noch Kaninchen dazu kommen. Kaninchen sind etwas total Neues hier in Cahabón. Sie werden also noch vieles dazu lernen müssen.

Der grösste Erfolg für mich ist weder der Fischteich noch der Garten. Der grösste Erfolg ist, dass die SchülerInnen gemerkt haben und das auch kuntun, dass so etwas nur in Zusammenarbeit möglich ist - Arbeiten in der Gruppe ist etwas Gutes und Wertvolles. Das haben sie gelernt und sind überzeugt davon.

Dazu eine Geschichte, die ich selbst in einer Weiterbildung gehört und den SchülerInnen aus Chiacach weitergegeben habe:


Pablo kommt auf den Markt und sieht bei dem Verkäufer Egidio einen gedeckten Kübel auf seinem Verkaufstisch. "Was hast Du da drin", fragt er Egidio?. "Krebse", antwortet dieser, "willst du welche kaufen?" "Und was hast du in diesem Kübel ohne Deckel", fragt Pablo. "Auch Krebse, willst du nun welche kaufen oder nicht?" "Moment mal", meint da Pablo, "warum deckst du den einen Kübel und den andern nicht, wenn du in beiden Krebse drin hast?" "Ganz einfach", meint Egidio, "die in dem gedeckten Kübel sind Krebse aus Japan. Sie wollen alle raus. Also schieben sie einen nach oben bis zum Rand. Wenn dieser oben ist, fängt er an, die anderen hochzuziehen, während die andern von unten schieben. So sind sie in kürzester Zeit draussen, wenn ich keinen Deckel auf den Kübel tue." "Das ist ja spannend", meint Pablo, "und die anderen ohne Deckel?" "Die machen mir keine Sorgen", sagt Egidio, "das sind guatemaltekische Krebse. Auch sie wollen alle raus. Aber wenn der erste versucht nach oben zu kommen, ziehen ihn alle andern wieder runter. Da brauche ich keinen Deckel. Da kommt keiner raus!"


Ob die Geschichte nicht auch in der Schweiz aktuell ist? Helfen wir uns wirklich - sind wir japanische oder guatemaltekische Krebse in der Schweiz?????? Tja!


3. - 13. Januar 2006

Und schon sind wir im neuen Jahr. 14 Tage Weiterbildung sind angesagt. In der erste Woche gemeinsam mit allen Promotorinnen, Promotoren und 3 neuen möglichen Promotorinnen und einer neuen Koordinatorin. Marta hat uns verlassen, sie ist noch jung und wird in ihrer Gemeinschaft Rumpok weiter die Schule besuchen, da sie bis jetzt erst die Primarschule absolviert hat. Die Koordinatorin Regina hat leider nicht unseren Erwartungen entsprochen und wird auch nicht mehr mit uns arbeiten. Dolores, wird in Zukunft von zuhause aus versuchen, mit den Familien Gärten anzulegen und nur noch zu den Weiterbildungen mitkommen.
Jeden Tag beginnen wir mit Erklärungen über die Bedeutung des Tages im Mayakalender und einer kleinen Zeremonie mit Kerzen und Gebet.

Der erste Tag ist Ajmaq, er symbolisiert den Geist der Weisheit, des Zusammenlebens und der Ratschläge der Grossmütter und Grossväter.
Ein guter Tag zum säen, zum Bitten um Vergebung für getanes Unrecht und um Gott zu danken für materielles und physisches Gutergehen.

Danach arbeiten wir vor allem daran, die PromotorInnen in ihrem Selbstvertrauen zu stärken. Im Persönlichen und in der Arbeit: Warum sind wir hier, was ist das Ziel unserer Arbeit, wie arbeiten wir, um an unser Ziel zu kommen. Die PromotorInnen stellen ihre Arbeit den Neuen vor und reflektieren somit auch über ihre eigene Arbeit. Auch die Arbeit der ganzen Schule wird von PromotorInnen vorgestellt.
Unser strategischer Plan für 2007-2011 wird vorgestellt. Wir werden wir arbeiten in den nächsten Jahres, wo sind unsere Schwerpunkte, was werden wir ändern müssen.

Was können wir verbessern in unserer Arbeit als PromotorInnen. Wir erwarten viel von unseren PromotorInnen und einiges macht noch Schwierigkeiten, vor allem das "sich Einmischen" oder eben das "sich nicht Einmischen". Da machen wir noch viele kulturelle Barrieren aus, da liegt eine unserer Schwierigkeiten. Man mischt sich nicht ein. Wenn also ein Promotor sieht, dass jemand etwas nicht richtig macht, ist es für ihn sehr schwierig, das auch mitzuteilen und klar zu sagen, "schau so wird das nicht funktionieren, du musst das anders machen.....". Oder wenn eine Promotorin sieht, dass ein Kind sich fast zu Tode hustet, zu sagen: "machen wir doch zusammen einen Hustensirup, das wird der Kleinen helfen, dass sie nicht mehr hustet". Daran werden wir im zweiten Halbjahr zusammen mit Don Mario Sebastián, unserem Mayaspezialisten vom Erziehungsministerium und den PromotorInnen arbeiten. Wo sind die Barrieren, warum diese Scheu/Angst einzugreifen, wie können wir die Barrieren durchbrechen - persönlich, und auch mithelfen, dass die Menschen/Gemeinschaften diese Barrieren zu durchbrechen anfangen. Erst dann werden nämlich die Menschen anfangen, bei den Nachbarn helfend einzugreifen.

Drei Tage waren der erstmaligen Weiterbildung in Ernährung gewidmet. Es ist ein schwieriges und unbekanntes Thema für die Menschen. Es ging als erstes einmal darum, die Grundbegriffe kennen zu lernen und zu lernen und zu wissen, dass Essen nicht einfach Essen ist und dass vom Essen unsere Gesundheit, unsere Konstitution, unsere Gedächtnisleistung und unsere Arbeit abhängen. Viel theoretisches Wissen, von dem doch einiges hängen geblieben ist, wie wir am Schluss der Woche in einem kurzen Examen feststellen konnten.

In der zweiten Woche waren dann nur noch die Promotorinnen anwesend. Es ging jetzt um spezifische Themen im Gartenbau und in der Küche. Wie säen wir, was können wir verbessern in den Gärten und in der Küche, ausprobieren von neuen Rezepten, kennen lernen der Parzellen in der Schule.

Am Ende der 2 Wochen kristallisierten sich dann auch die neuen Promotorinnen heraus: Irma Yolanda Ché Macz, Rosa Maria Chen Choc und die Koordinatorin Bertha Estela sind die Neuen, Ana Maria Ixim, Carlota Caal Tzul und Dolores Xol Ical zu 50% in und um ihre Gemeinschaft sind die alten Promotorinnen. Wir sind also jetzt 7 Frauen, die mit aller Kraft mit den Frauen in den Dörfern mit Gärten, Kochen, Gesundheit, Kommerzialisierung und Selbstvertrauen arbeiten.
27./28. Januar 2006 Weiterbildung für alle Mütter und Väter der Schüler

61 Mamas von im ganzen 87 Mamas kamen an diesem Tag zusammen mit ihren Ehemännern zu der Weiterbildung in der Schule.
Wie fast immer arbeiteten wir am morgen mit den Frauen theoretisch und am Nachmittag kochten wir zusammen für das Nachtessen in 4 Gruppen.
Am morgen an 4 Themen:
  • am Lern-Kalender. Was können wir aus den Aussagen lernen. Was bedeutet das, wennArbeiten mit Lernkalender hier steht: "so bleibt das Geld im Dorf". Warum sollen wir vom Nachbarn Gemüse kaufen. Warum ist es wichtig, dass das Geld im Dorf bleibt. Warum ist es wichtig zusammen zu arbeiten und die Eifersucht zu vergessen?

  • Zeugnis von Frauen, die einen Familiengarten zuhause haben. Erfahrungen mit den Familiengärten. Schwierigkeiten und Erfolge. Was bringt der Familiengarten, was hilft er in unserem Leben?
  • Zeugnis von einigen Frauen über die Nützlichkeit der diversifizierten Parzellen ihrer Söhne. Was helfen die Parzellen im täglichen Leben? Was könnte sich verbessern. Was erwarten wir von diesen Parzellen?
  • Diskussion über folgende Themen:
- Wie lebt Deine Familie jetzt
- Was möchtest du in deinem Dorf ändern
- Wie denkst du werden deine Söhne und Töchter einmal leben, wenn sie erwachsen sind
- Was wünschst du dir für deine Töchter und Söhne
Es gab eine sehr lebhafte Diskussion vor allem auch über den 4. Punkt. Leider mit zu wenig Zeit. Wir werden an der nächsten Weiterbildung daran weiterarbeiten.

Am Nachmittag kochten wir wie üblich 4 verschiedene Rezepte für das Nachtessen für rund 400 Menschen:
  • Brazo de Reina = Arm der Königin: TamalesKochen Braso de Reina
    Maismasse wird mit klein geschnittenen Blättern von Baumspinat und Schmalz gut vermischt. Damit werden ca. 10 cm Durchmesser grosse, nicht zu dünne Rondellen geformt. In die Mitte dieser Rondelle kommen: geröstete und gemahlene Kürbiskernen, harte, geschnittene Eier und etwas selbst gemachte Tomatensauce. Die Rondellen werden zu länglichen Kugeln geformt und in Bananenblätter gewickelt. Danach werden sie gut eine Stunde im Wasser gekocht.
  • Randensalat mit Zwiebeln, Salz und Zitronensaft
  • Taro mit Mungobohnen, Cebollin (Schnittlauch) und KorianderbKochen Taro mit Mungobohnen lätter. Dazu wird der Taro geschält und in kleinere Stückchen geschnitten und zusammen mit den Mungobohnen gekocht. Am Schluss werden Cebollin und Korianderblätter zugegeben.


  • Junge Blätter von Süsskartoffeln mit Sesam und Bananen.

Kochschule imInstitut Das Essen hat allen geschmeckt. Die Tamales allerdings machten sehr viel Arbeit und wurden um 9 Uhr nachts in einer Tanzpause verteilt.
Die Frauen haben Spass am Kochen und sind es auch gewohnt, weil sie an ihren traditionellen Festen für grosse Menschenmengen in Gemeinschaft kochen.
Langsam werden die Frauen auch ihren Menuplan ändern. Was allerdings immer noch bleiben wird und auch soll, sind die Tortillas. Allerdings brauchen die Frauen für die Zubereitung sehr viel Zeit. Ich schätze, dass jede Frau, je nach Familiengrösse um die 4-6 Stunden täglich dafür braucht.
Jeder Erwachsene Mensch isst pro Mahlzeit 6-8 Tortillas. Die Tortillas werden 3x pro Tag frisch zubereitet. In der Schule verbrauchen wir täglich um die 2800 Tortillas. Diese werden allerdings mit einer Maschine hergestellt, schmecken aber auch dementsprechend.
1. März 2006 Weiterbildung für Mütter, die neu mit einem Garten anfangen wollen.

Herstellung Komost 2005 An dieser Weiterbildung nahmen insgesamt 25 Frauen teil. Sie werden darin geschult, wie ein Garten aussehen sollte, Zaun, Gartenbeete, Bearbeitung des Bodens, Kompost zubereiten.
Erst wenn sie den Garten einigermassen vorbereitet und fertigen Kompost haben, werden die Promotorinnen zu ihnen nach Hause gehen und mit ihnen zusammen das erste Mal säen.

Anhand vieler Fotos und neu auch Gärten in ihrer Umgebung als Beispiele können sie sich vorstellen, wie sie ihren Gaten gestalten möchten. In den meisten Fällen klappt das auch sehr gut.

Mit diesen 25 neuen Gärten, davon 5 Gärten in neuen Gemeinschaften kommen wir langsam an den Anschlag unserer Möglichkeiten. Im Moment gibt es einen Stop für Gärten in neuen Gemeinschaften. Wir müssen nach neuen Wegen suchen, um die Gärten mit grösserer Effizienz betreuen können. Ab Juli werden wir anfangen mit den Promotorinnen daran zu arbeiten, wie sie mit Gruppen besser arbeiten können.


3.-5. März 2006 - Die ersten drei Tage Schulung in Chaslau im Weben

Nach unserm Besuch in Purulhá mit den Frauen im letzten August haben sich Gruppen gebildet mit Frauen,Weben in Chaslau die gerne Weben lernen möchten. Die erste Gruppe mit 10 Frauen, die bereit waren zu einem Kurs, waren Frauen aus Chaslau. In Chaslau existieren 16 Familiengärten, aber nicht alle Frauen der Webgruppe haben einen Garten. Die Weblehrerinnen stammen aus Purulhá. Sie gehören zur Ethnie der Pokomchi, sprechen aber auch Q'eqchi' und spanisch. Sie werden 6-7x für 3 Tage nach Chaslau kommen, um die Frauen im Weben zu unterrichten. Ich bezahle ihnen Q 50.00 pro Tag und die Fahrt mit dem Bus. Die Weben in Chaslau 2006 Frauen aus Chaslau erhalten das Garn für das erste Huipil (traditionelle Bluse). An den ersten 3 Tagen lernten sie vor allem, wie sie den Webstuhl herzustellen. Es ist ein Sitzwebstuhl, wie man auf dem Bild sehen kann. Einerseits an einem Baum oder Pfosten befestigt, andererseits sitzen die Frauen auf dem Anfang. Jede Frau durfte die Farbe ihres Huipil selber auswählen, und viele Frauen wählten eher Pastellfarben, die heute neu auch erhältlich sind. Das Garn wird schon gefärbt gekauft. Handgefärbte Garne aus Naturfarben entsprechen nicht mehr den Anforderungen der heutigen Frauen. Sie verlieren sehr schnell die FarbeChaslau Weben 2006 und das gefällt den Frauen nicht. Andererseits kann ich in der Schweiz kaum etwas verkaufen, das abfärbt. Und einer meiner Ideen ist natürlich auch, dass ich Tischsets, Schals und andere Dinge, die die Frauen weben auf meinen Heimaturlauben verkaufen kann.
Die Frauen lernen sehr schnell. Sie sind begabt und haben ein gutes Gedächtnis für die verschiedenen Muster. Für ihr erstes Huipil werden sie natürlich einfachere Muster verwenden. Am Ende des Kurses ist dann Weben in Chaslau 2006 allerdings gedacht, dass jede Frau für sich ein Musterstück webt, mit vielen verschiedenen Mustern (wie auf dem Foto zu sehen ist).
Weben ist eine Arbeit, die Geduld erfordert. Die verschiedenen Motive werden während dem Weben einzeln eingefädelt.
Die Frauen sind sehr motiviert. Dabei vergessen sie fast ihre Kinder. Bei meinem letzten Besuch war es schon 5 Uhr Abends und sie wollten einfach nicht aufhören. Die kleineren Kinder fühlten sich vernachlässigt und hatten wohl auch Hunger. Viele weinten, konnten aber nicht einmal dadurch ihre Mütter im Webenunterbrechen.
Die Frauen weben im Moment nicht traditionelle Huipil aus Cahabón. So wie es aussieht, werden sie trotzdem gut verkaufen können. Auch die Huipil sind heute der Mode unterworfen. Ein Huipil muss nicht mehr unbedingt das traditionelle aus dem Ort sein. Das hat sich hier in Cahabón in den letzten 2-3 Jahren stark geändert.


Dolores Xol Ical - die Promotorin die rings um ihr Dorf arbeitet. Dolores Xol Ical

Dolores arbeitete gut als Promotorin in den Gärten. Sie wird aber darüber hinaus nicht mit den Frauen arbeiten können. Deshalb habe ich ihr den Vorschlag gemacht, dass sie versucht, mit den Frauen ihrer Umgebung Gärten aufzubauen. Sie wohnt in Setzol, gut 3 Stunden Fussmarsch von Cahabón entfernt, hoch oben in den Bergen auf gut 1000 Metern. (Cahabón liegt auf 240 m) In dieser Höhe wächst fast alles, inklusive Kartoffeln. Wegen dem weiten Weg hatten wir bis anhin nur 3 Gärten in der Nähe um Setzol. Ein Stundenlohn auf der Basis ihres Lohnes habe ich ihr angeboten. Sie aber sagte klar ab. Ich nehme an, dass sie sich nicht zutraute, selber anzufangen, mit Frauen Gärten aufzubauen. Nach etwa 2 Monaten kam sie freudestrahlend und erzählte, dass sie mit 12 verschiedenen Gärten arbeitet. Die Koordinatorin hat unterdessen die Gärten besucht und die meisten funktionieren nach der kurzen Zeit sehr gut.
Das könnte ein Anfang sein in die Richtung, in die wir eigentlich wollen. Ehemalige Promotorinnen und auch Frauen, die gut in ihren Gärten arbeiten, stellen sich zur Verfügung, Frauen in derselben Gemeinschaft oder auch ausserhalb beizubringen, wie man Gärten anlegt und damit arbeitet. Dazu gehört es natürlich auch, Kochkurse abzuhalten. Diese freiwilligen Promotorinnen werden immer wieder eingeladen zu Weiterbildungen und zu Reflexionen in der Schule. Ab und zu auch zu Besuchen ausserhalb Cahabón.
Natürlich werde ich Dolores im Moment weiterhin bezahlen, aber irgendwann hört das Geld dafür auf. Ich hoffe, dass sie dann immer noch weiter arbeiten wird, auch unter den neuen Bedingungen.

Ausblick 2006 - 2011

Dieses Jahr werden uns noch viele Veränderungen bevorstehen. Neue Arbeitsweisen in der Betreuung der Gärten und der diversifizierten Parzellen. Gruppenarbeit - wir werden versuchen, Gruppen zu bilden um die jetzt bestehenden Gärten. Gruppen, in denen die Frauen anfangen auszutauschen, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Zusammen kochen, Schwierigkeiten rund um die Gärten diskutieren und Lösungen finden, Samen und Pflanzen untereinander austauschen, gegenseitig die Gärten besuchen und jeweils Verbesserungsvorschläge machen und gemeinsam ihre Produkte verkaufen. Im Endeffekt sollte es darauf hinauslaufen, dass wir mit der Zeit nur noch jeweils 2-3 Frauen jeder Gruppe zusammennehmen und in der Umgebung dieser Gruppen in einem bestehenden Familiengarten weiterbilden und Fragen beantworten. Nur so ist es möglich, immer mehr Gärten zu betreuen, ohne viel mehr Personal. Diese Arbeitsmethode bringt es auch automatisch mit sich, dass die Frauen selbstständiger werden und nicht mehr von den PromotorInnen und der Schule abhängen.

Morgenstimmung Hoffnung


Hoffnungsschimmer

Bericht: Helen Hagemann Juni 2006

1. BERICHT VOM MÄRZ 2004 - SEPTEMBER 2004

Mitte März 2004 haben wir mit unserer Arbeit angefangen. Wir das sind: die Promotorin Irma Canti Chub (links), Maria Magdalena Choc Pop (rechts) und ich. März und April waren vor allem mit Schulung dieser Promotorinnen ausgefüllt. Was bedeutet Nachhaltigkeit, nachhaltige Landwirtschaft - hier galt es die Methoden des Erosionsschutzes, der Bodenbearbeitung, der biologischen Düngung und der Diversifizierung kennen zu lernen. Familiengärten, wie sollen sie aussehen, was werden wir anpflanzen - hier ging es zuerst einmal darum, die verschiedenen Gemüse, die wir anbauen möchten, kennen zu lernen, dann den Familiengarten mit einer Umzäunung (Hühner, Enten und Schweine laufen oft frei in der Gegend herum), Bodenbearbeitung, Bodenbeschaffenheit, Säen, Giessen, Herstellen von Kompost, Herstellung von Flüssigdünger und Fungizid auf Pflanzenbasis. Gleichzeitig malten wir Posters für die Schulung der Frauen: Der Familiengarten mit Zaun und Schatten, die Kompostherstellung, der Boden und seine Funktion, Dünger und seine Funktion und die verschiedenen Gemüsesorten.

Am 21. April luden wir alle interessierten Mütter der Schüler ein und am 28. April Vertreterinnen von interessierten Frauengruppen. Wir stellten als erstes unser Programm vor, danach schulten wir die Frauen in Bodenbeschaffenheit, Anlegen eines Familiengartens mit Umzäunung und in der Herstellung eines Kompost. Dazwischen zeigten wir mit unseren "Posters", welche Gemüse wir anbauen wollen. Ein grosses Gelächter ernteten wir, als wir zuerst die einheimischen GewürzeChatela Dominga Ical Bolom vorstellten, die Chiakte Gertrudis Pan Pacay wir uns auch im Familiengarten vorstellen: Gemüsepfefferminz, Cebollin (ähnlich wie Schnittlauch), Samat (Suppengewürz), hiesiges Basilikum und andere Gewürzkräuter. Diese Kräuter wachsen noch immer wild in der Gegend und die Frauen schicken meist ihre Kinder, wenn sie die Gewürze brauchen. Unterdessen habe ich mit Schmunzeln festgestellt, dass doch die meisten der Mütter in ihren neu angelegten Gärten diese Gewürze angepflanzt haben, soweit sie überhaupt vorhanden sind. Andere bitten uns, doch Cebollin oder Samat zu bringen. Am Ende des Infotages erhielten alle interessierten Mütter und Vertreterinnen der Gruppen ein Datum, an dem wir sie zuhause besuchen würden um zu besprechen, wo der Familiengarten am besten angelegt werden kann. Am 21. April waren 15 Mütter und 7 Ehemänner anwesend, am 28. April kamen insgesamt 12 Vertreterinnen und Vertreter von 4 Frauengruppen aus den Aldeas. (Kompost in Chiakte bei Gertrudis Pan Pacay und eine grosse Vielfalt einheimischer Pflanzen und Gewürze bei Dominga Ical Bolóm in Chatela)

Manuela Choc Caal Im Mai besuchten wir zum ersten mal alle Mütter und alle Gruppen. Kennen lernen der Mütter und der Umgebung, in der sie wohnen, den Ort des Familiengartens suchen oder bestätigen, Ratschläge über die Bearbeitung des Bodens und der Gartenbeete und vor allem, Kontrolle, ob der Kompost schon angelegt ist. Mit Erstaunen konnten wir feststellen, dass einige der Mütter ihren Garten schon fertig angelegt hatten und die einheimischen Kräuter schon darin gepflanzt waren.


Manuela Choc Caal aus Pinares mit 2 ihrer Töchter bei unserem 1. Besuch

Für den Ausflug vom 24.-25. Mai nach Purulhá luden wir Frauen und Vertreterinnen von Gruppen ein.11 Frauen, 7 Männer, 2 Schüler, 6 PromotorInnen, der Koordinator und ich kamen mit auf die Reise. Abfahrt um 3 Uhr morgens. Nach 5 Stunden Fahrt kamen wir in Purulhá an. Die wenigsten Frauen waren jemals in ihrem Leben so weit weg von ihrem Dorf. Zuerst einmal gab es Frühstück, schwarze Bohnen, Eier, Kochbananen und Kaffee. Nach einer kürzeren Einführung über die Arbeit von PRODESSA in 6 Aldeas von Purulhá, machten wir uns auf zu den Besuchen in den Dörfern. Hier arbeiten die Frauen seit letztem Jahr mit grossem Erfolg in ihren Familiengärten. Mit grossem Erstaunen sahen die Frauen aus Cahabón, wie hier die Q'eqchi' Frauen mit Gira Purulha Schaufel und Harke arbeiten, etwas, das sie sich nicht vorstellen konnten. Purulhá liegt auf über 1500 MüM, es wachsen hier also ohne Probleme Kohl, Randen, Zwiebeln und vieles mehr und der Boden ist viel besser als in Cahabón. Aber die Frauen aus Purulhá bestärkten unsere Frauen, es doch auch zu versuchen. Es lohnt sich und bei euch wachsen sicher auch gute Gemüse, die hier nicht wachsen. Da beide Gruppen dieselbe Sprache reden, war der Austausch intensiv. 2 Tage lang besuchten wir die verschiedenen Aldeas, lernten verschiedene Gärten, Frauengruppen und ihre Probleme und Erfolge kenne und am 2. Tag durften wir auch säen - für die Frauen das erstemal in ihrem Leben, bis wir um 16 Uhr uns wieder auf den Heimweg machten. Das waren eindrückliche 2 Tage für die Frauen, die mitkamen.
r. nach l: Franzisco, Pedro, Dominga Ixim Tec aus Chiakte, Maria Josefina aus Selamunix, einejunge Frau aus Balamte

Im Juni war interne Weiterbildung angesagt. Der Kompost braucht Zeit zum Reifen und wir hatten einiges nach- und aufzuholen.
Im Garten der Schule: Kürbis, Zitonengras, Chili, Bohnen
Instituto Gartenbeete Ende Juni säten wir auch 32 verschiedene Gemüsesorten auf die unteren Terrassen in der Schule. Aber leider fing sofort danach der Regen an. 2 mal 9 Tage Dauerregen (mit kurzem Unterbruch) ohne Sonne und sehr kühl - kaum etwas keimte. Dies passierte leider auch in den ersten Gärten, in denen wir säten. Danach mussten wir schweren Herzens den Frauen empfehlen, mit dem Säen zu warten, bis das Wetter sich bessert. Es war einerseits unmöglich zu säen, weil die Erde hier zusammenpappt, wenn sie sehr nass ist und andererseits wussten wir nicht, wann die Sonne wieder kommt. Nur an einigen wenigen Orten mit schwarzen Erde ohne Lehm, keimten die Samen ohne Probleme, trotz dem schlechten Wetter. Kaum war der grosse Regen vorbei, kam die Trockenzeit - 3 Wochen heisse Sonne ohne einen Tropfen Regen und was fast so schlimm war, die Feuchtigkeit in der Nacht erreichte keine 100% mehr, wie üblich. So blieb auch das so ersehnte Nass der Nacht aus. Trockenheit mitten in der Regenzeit. Das Wetter spielt nicht mehr mit. Regenzeit - Trockenzeit vermischen sich. In Guatemala ist seit Mitte August in 6 "Kantonen" Notstand, der Mais ist vertrocknet, genauso die Bohnen
Ein gut vorbereiteter Garten in Balamte
Balamte Gruppe Ab Ende Juni und den ganzen Juli besuchten wir alle Mütter und Gruppen zum zweitenmal. Unterdessen ist noch die Frauengruppe aus Chipok dazugestossen. Jetzt ging es darum, die Frauen zu lehren, wie man Gemüsesamen sät, zuerst in der Theorie, dann in den Gärten. Bei einigen mussten zuerst noch die Gartenbeete verbessert werden, aber überall konnten wir säen. Wir verkaufen im Moment folgende Samen für 7-8 Quetzales an die Frauen, das sind ca. 1.10 Sfr. : Rüebli, Schnittsellerie, Gurken, Buschbohnen, Zwiebeln, Mangold, Koriander, Radiesli, Sesam, Pak Choi (Blatt-Kohl), Auberginen, Randen, Weiss-Kohl und seit neustem auch Mungo-Bohnen. Zwiebeln, Weiss-Kohl und Randen möchten die Frauen einfach ausprobieren, obwohl mir alle prophezeit haben, dass hier weder Kohl noch Randen wachsen. Unterdessen haben wir uns eines besseren belehren lassen. Kohlköpfe sind schon in zwei Gärten sichtbar. Wie gross sie allerdings werden, weiss ich nicht. Das Randen-Kraut wächst hervorragend und ich nehme an, dass sie bald anfangen, Früchte zu machen. Bei den Zwiebeln habe ich so meine Zweifel. Noch nie habe ich hier reife Zwiebeln gesehen. Wer weiss, ich lasse mich überraschen. Die Mungo-Bohnen kennen viele Menschen, sie haben sie früher in den Maisfeldern gesät. Irgendwann sind die Samen verlorengegangen, besser gesagt, von Tierchen gefressen oder verfault. Niemand hat neuen Samen gekauft. Vieles ist allerdings nur möglich, weil sich das Klima geändert hat.
In der Regenzeit - anfangs Mai bis Ende November regnet es viel weniger - nicht mehr jeden Tag und nicht mehr 6-8 Stunden täglich. Die Feuchtigkeit tagsüber geht schon einmal bis 50% zurück, wenn die Sonne scheint. Das hat Vorteile und Nachteile.

Nachteile: die ganze Landwirtschaft ist auf Trocken- und Regenzeit ausgelegt. Gegen Ende der Trockenzeit werden die Felder gesäubert oder es wird gerodet für neue Felder und danach alles Vegetative verbrannt. Kurz vor den ersten Regen wird dann der Mais gesät, die Bohnen und der Chili anfangs Regenzeit. Ein Loch in den Boden mit einem langen Pflanzstock, bis 8 Körner Mais in ein Loch und weiter zum nächsten Loch. Die Samen werden nicht zugedeckt. Allerdings ist es der einzige Ort in Guatemala, Der Fluss Cahabon wo die Samen nicht mit Erde bedeckt werden. Dieses Jahr hat es gegen Ende der Regenzeit wochenlang geregnet. Die Felder konnten zwar gesäubert und auch Neuland gerodet werden, doch die wenigsten konnten ihren "Abfall" wie sie es hier nennen, verbrennen. Gut für die Umwelt, schlecht für die Menschen, da sie immer noch überzeugt sind, dass der Mais nicht wächst, wenn sie nicht abbrennen. Als die Bauern dann endlich säten in den letzten Tagen des Regens (in der Trockenzeit) fing die Trockenheit zum erstenmal an (in der Regenzeit). Danach gab es aber dann genug Regen, um den Mais wachsen zu lassen. Aber kurz vor der Ausbildung der Maiskolben fing wieder eine
Der Fluss Cahabon bei Hochwasser, die Autofähre fährt gerade noch knapp.
Trockenzeit an. Viel Mais ist vertrocknet oder wird keine Maiskolben ausbilden. Auffällig sind die Felder, die nicht abgebrannt wurden - auch die kleinen Maisfelder aller Schüler in ihren Comunidades. Dieser Mais hat die Trockenzeit gut überstanden und bildet grosse Maiskolben aus. Kardamom, das hier angebaut wird, braucht das tropisch-feuchtes Klima und wird in Bälde wegen des fehlenden Regens wohl nicht mehr gut gedeihen hier in der Gegend.

Vorteile: Das Leben wird angenehmer und einfacher. Die grosse Luft-Feuchtigkeit über die 7 Monate Regenzeit ist etwas weniger geworden. Und die Häuser und der Boden trocknen doch schon jeden Tag etwas ab. Die gewaschenen Kleider trocknen viel schneller. Und für mich natürlich sehr wichtig: es können viele verschiedene Gemüsearten angebaut werden. Zwar mit einigen Tricks, aber es funktioniert.

DAS SÄEN: Es ist wohl der einzige Ort in Guatemala, wo wirklich noch nach ältester Art und Weise gesät wird. Mais wird immer gemeinsam gesät. Jeder Mann hat einen langen Pflanzstock, der unten zugespitzt ist. Langsam gehen sie in einer langen Reihe - ca. ein Meter auseinander. All 2 Schritte wird mit dem Pflanzstock ein tieferes Loch in den Boden gemacht und 7-8 Maiskörner reingeworfen. Der Samen wird nie mit Erde bedeckt. Genauso werden später der Chili und Säen in der Schule die schwarzen Bohnen gesät. Bei Tomaten und einheimischen Gewürzen wird der Samen einfach auf die Erde geworfen. Es ist unheimlich schwierig, den Menschen beizubringen, dass sie den Gemüsesamen mit Erde bedecken müssen, damit er keimt und das erst noch 1-2 cm tief. Dass sie in Reihen säen sollen, wird spätestens beim ersten Jäten begreiflich. Und dass die Pflanzen Platz brauchen zum Wachsen, ist auch noch einigermassen einsichtig. Wir säen überall einzelne Samen, bzw. max. zwei, z.B. bei Gurken. Da die Sonne sehr heiss ist und die Frauen nicht gewohnt sind, die Pflanzen zu giessen, möchte ich vermeiden, dass sie die jungen Pflänzchen umpflanzen müssen. Da kommt nun aber die zweite kulturelle Schwierigkeit. Keimen die ersten Samen nicht und das war wegen dem schlechten Wetter öfters der Fall, säen sie alle Samen in eine kleine Furche. Die Menschen sind überzeugt, dass ein Same allein einfach nicht wachsen und leben kann. Genau wie die Menschen alleine unmöglich leben oder überleben könnten. Meine beiden Promotorinnen zum Beispiel schlafen auch im Hotel zusammen in einem Bett, obwohl zwei Betten vorhanden sind. Alleine in einem Bett schlafen ist für sie nicht möglich.
Wenn die Schüler im Schulgarten bei mir säen, erkläre ich ihnen immer genau, wie sie die Samen säen sollen und versuche auch noch zu erklären warum. Trotzdem schaffen sie es nicht, einzelne Samen zu säen. Immer säen sie zwar im richtigen Abstand, aber immer 4-5 Samen zusammen. Seien das Rüebli, Kohlrabi, Sesam, Bohnen, Zwiebeln oder irgend etwas anderes.

In der Schule lernen die Schüler, wie der Mais besser angepflanzt werden kann. In vielen Gegenden von Guatemala wird der Mais heute nach neueren Erkenntnissen angepflanzt. Die Konkurrenz zwischen den 7-8 Pflanzen, die aus einem Pflanz-Loch wachsen, ist viel zu gross. Dünne Stängel mit wenig Maiskolben sind die Folge. Max. 3 Körner in einem Pflanz-Loch in einem Abstand von 50 cm zwischen den Pflanzen haben überall gute Resultate erzielt. Dazu kommt, dass sie lernen müssen, den Mais anzuhäufeln, wenn er etwas grösser ist.

Romelia Tor und Natividad Choc Maquin aus Santo Domingo bei Säen
Säen Santo Domingo Mit den Frauen lernen wir anhand eines vorbereiteten Blattes mit Zeichnungen, in welchem Abstand und in welcher Tiefe der Samen jeder Art gesät werden muss. Zuerst in der Theorie, dann in der Praxis. Zuerst müssen die Frauen lernen, die Zeichnungen zu "lesen". Die meisten schauen nämlich nicht auf das abgegebene Blatt und sagen dazu: Ich kann nicht lesen. Es braucht einiges an Überzeugungskraft und Übung, bis sie die einfachen Zeichen "lesen". Dann geht es in die Gärten, wo wir dann gemeinsam säen. Das Blatt immer zur Hand. Die Frauen säen mit grosser Konzentration und sehr sorgfältig.
Furchen ziehen in der angegebenen Tiefe und die einzelnen Samen reinlegen in vorgeschriebenem Abstand - 2-4 Finger oder 1-4 Hände. Hier besteht die Schwierigkeit darin, dass die Frauen automatisch ein Loch mit dem Finger machen, wo der Samen reinkommen soll. Dann wären die Samen allerdings zu tief, weil das Loch ja in den Furchen gemacht wird. Und die nächste Schwierigkeit kommt dann beim Zudecken mit Erde. Nur schweren Herzens bedecken sie die Samen. Die Erde danach etwas "anzudrücken" habe ich längst aufgegeben. Nicht einmal meine Promotorinnen schaffen das.

BODENBEARBEITUNG: Der Boden wird hier nie bearbeitet. Mit der Machete wird das "Unkraut" im Maisfeld abgeschnitten, aber Bodenbearbeitung wie bei uns ist nicht bekannt. Die Erde wird nie umgestochen, nie Dünger untergemischt, weder Kuhmist noch Kompost. Einige Frauen haben ihre Gartenbeete sehr gut bearbeitet, die Erde sehr fein gemacht und viel Kompost oder schwarze Erde dazugemischt. Der rote Boden besteht aus sehr viel Lehm. In nassem Zustand kann man damit Figuren kneten, in trockenem Zustand ist er steinhart. Ein schwieriger Boden, um Gemüse anzubauen, wenn er nicht gemischt wird mit anderer Erde oder Kompost. Sehr viele Bauern haben entweder schwarze Erde unter den Kaffeebäumen oder dem Kardamom. Kaffee und Kardamom werden 1-2 mal pro Jahr gesäubert und die abgeschnittenen Zweige einfach liegen gelassen. In einigen Jahren bildet sich eine recht dicke Schicht schwarzer, humoser Erde. Viele Bauern haben auch Kompost von Kaffeekirschen und/oder Kardamomkirschen. Sie werden fast immer an derselben Stelle entkernt und so ist auch in jahrelangem Prozess ein guter Kompost entstanden - reine Erde. Dies können die Frauen jetzt nutzen.

Ab August haben wir jede Familie zum 3. Mal besucht. Ob wohl etwas gekeimt ist? Im Juli mussten wir vielen Frauen erklären, dass sie mit dem Säen warten sollen, bis der Regen etwas aufhört, bzw. die Sonne wieder scheint. Da es oft sehr nass und regnerisch war, haben wir die Wichtigkeit des Giessens der Samen und das Beschatten wohl zuwenig erklärt. Wie soll ich Frauen auch so etwas wie das Begiessen der Samen erklären, wenn Giessen total unbekannt ist und es dazu in Strömen regnet. Hier wird nichts begossen, entweder es wächst, oder es vertrocknet. Erbe aus der Zeit der sicheren Perioden Regen-,Trockenzeit. Und jetzt sollen sie Samen begiessen und beschatten, obwohl nichts sichtbar ist - schwierig. Auch haben die Promotorinnen wohl eherSanto Domingo von Beschatten in 1-2 Meter Höhe gesprochen, wie ich bei unseren Besuchen feststellen konnte. Viele Gartenbeete waren gegen die Sonne total abgeschirmt durch Bananenblätter oder anderes und dadurch die Pflanzen aufgestängelt. Oder Dominga zum Beispiel hat ihre Pflanzung mit Wellblech gedeckt, dadurch bekamen ihre Pflanzen zuwenig Wasser - auch der Nachttau fehlte - und tagsüber wurden die kleinen Pflänzchen regelrecht verbrannt. Aber überall kommen Lernprozesse in Gang.
Bei vielen Frauen, die wir besuchten, tönte es enttäuscht: es ist nichts gekeimt. Schnell lernte ich, dass nichts nicht nichts bedeutet. In den meisten Gärten waren Gurken und Radiesli oder anderes gekeimt und schon gut sichtbar. Daneben fanden wir an vielen Orten noch kleine Pflänzchen von Rüebli, Mangold, Zwiebeln, Sesam, Randen, Pak Choi. Aber die Frauen kennen ja die Pflanzen gar nicht. Auch haben sie keine Ahnung, wie das Gemüse zubereitet wird. Wie sollen sie dann auch die Keimlinge entdecken. Aber sie freuen sich dann unbändig, wenn wir vieles entdecken. Einige der kleinen Gärten sind noch sehr unbequem zu bearbeiten - keine Gartenwege und der Zaun direkt an den Beeten. Andere Gärten sind in hervorragendem Zustand. Viele Ratschläge und mehr Samen zum Nachsäen - gratis diesmal - lassen wir zurück.

Es gilt unwahrscheinlich viel zu lernen für den Gemüseanbau, wenn gar keine Kultur eines Anbaus vorhanden ist. Dessen werde ich mir immer mehr bewusst. Und oft können wir nicht alles auf einmal erklären, da dies zuviel wäre. Aufschreiben geht leider auch nicht! Also das nächste mal mehr. Die Pflanzen kennen zu lernen fällt nicht schwer. Alles andere ist unbekannt. Aber die Frauen lernen schnell und befolgen alle unsere Ratschläge - mit einer Ausnahme: sie machen nicht gerne Kompost und Madrifol, den Dünger-Pestizid aus Madre de Kacao-Bättern!
Es wird auch hier Frauen geben mit einem grünem Daumen und andere, die wieder aufgeben.

In einigen Gärten ist der grüne Daumen schon jetzt sichtbar - hier 2 Beispiele.

Manuela PInalre Manuela PInares
Manuela aus Pinares hat schon Tomaten und Gurken verkauft. Ihre Kohlpflanzen machten als erste Köpfchen, sie erntet schon längere Zeit Mangold und Bohnen. Die Rüebli sind schön am Gedeihen und auch ihre eigenen Gewürze wachsen prächtig. Sie hat sehr viel Zeit in ihren Garten investiert und macht regelmässig Kompost und Madrifol. Schon im Juli erntete sie die ersten Radiesli, hinter ihr die Buschbohnen, im Vordergrund nicht sichtbar die Rüebli und Mangold. Links nicht sichtbar viele Tomaten und Gurken. Auf dem rechten Foto das erste Foto ihres Kohls.



Selamunix Maria Josefina Selamunix Josefina Maria Josefina aus Selamunix. Sie hat zusammen mit ihrem Mann 400 m2 Garten angelegt. Sie haben gute schwarze Erde und wohnen auf etwa 1000 MüM. Hier es kühler und es regnet mehr, bzw. es hat mehr Nebel. Aber das Wasser zum Giessen ist weit weg, wenn es einmal trocken ist. Sie gehen etwa 45 Minuten zu Fuss bis zur nächsten befahrbaren Strasse und von dort nochmals 2-3 Stunden bis zu der Strasse, an der regelmässiger Lastwagen fahren. Wenn sie nach Cahabon kommen, müssen sie dort übernachten. In einem Tag ist die Hin- und Rückfahrt nicht möglich. In ihrem Garten wachsen in grösseren Mengen: Weisskohl, Randen, Buschbohnen, Radiesli, Rüebli und in kleineren Mengen vieles zum Ausprobieren. Auch bei ihr sind seit kurzem die ersten Kohlköpfchen zu sehen. Sie arbeitet sehr viel für ihren Garten.

ZUBEREITUNG DES NEUEN GEMÜSES
Obwohl alles Gemüse (ausser Pak Choi) das wir anbauen, auf dem Markt in Cahabon verkauft wird, kennen die Frauen keines der Gemüse und ihre Zubereitung. Vielleicht noch vom sehen, aber dann wissen sie nicht, wie es heisst. Tomaten säen die Frauen übrigens aus Samen von gekauften Tomaten. Tomaten sind auch bekannt, allerdings nur in gekochtem Zustand. Nichts wird bis jetzt roh gegessen, alles wird gekocht. Also bereiten wir jedes Mal, wenn wir zu Besuch sind, gerade das zu, was gerade geerntet werden kann. Radiesli, Gurken, Pak Choi, Bohnen....Manchmal kaufe ich auch etwas, um mit den Frauen etwas Neues kochen zu können. Das spornt an.

Die Geschichte von den Gurken aus Belen (aus dem Rundbrief von anfangs September):

...es ist mitten im August, der Boden pflotschig nass. Ich habe meine Wanderschuhe an, meine 2 Promotorinnen wie immer ihre Plastiksandalen. Wir sind in Belén auf dem Weg zur Familie Xó-Pop, die im Mai angefangen hat, einen Gemüsegarten anzulegen. Vom „Parkplatz“ mitten im dichten Wald geht es zuerst einen kurzen Steilhang hinunter, dann kommt die Überquerung des Flüsschens. In trockenem Zustand schon etwas schwierig, aber jetzt, mit den Schuhsohlen voll Pflotsch ist die Überquerung auf 5 langen Bambusstangen ohne Geländer eine ziemlich glitschige Sache. Doch wir schaffen es und der Weg dem Fluss entlang ist eben und sehr schön gelegen, mitten im Wald. Ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch. Ob wohl etwas gekeimt ist. Bei unsrem letzten Besuch, war noch sehr wenig zu sehen und die Menschen etwas enttäuscht. Nach etwa 10 Minuten kommen wir auf einen offen Platz – Schulgebäude, Tschuttiplatz, Kuhweide – auf der anderen Seite wieder steil und rutschig hinauf zu den Häusern.

Mitten im Steilhang bemerke ich einen neuen, grossen umzäunten und gesäuberten Platz. Der Mann, der am Arbeiten ist, spricht uns an; er möchte gerne von uns Koriander- und anderen Samen kaufen, weil er auch einen Gemüsegarten anlegen möchte. Aha denke ich zuerst einmal, es scheint also etwas zu wachsen im Gemüsegarten der Familie Xó-Pop. Da mein q'eqchi' noch lange nicht ausreicht, diskutieren Irma und Magda, die 2 Promotorinnen lange mit ihm und seinem erwachsenen Sohn und erklären ihnen, dass das viel Arbeit ist und zuerst einmal gelernt sein will. Wir laden sie zu unserem nächsten Anfängerkurs im Oktober ein, damit er und seine Frau den Gemüseanbau von Anfang an lernen können. Dann werden wir ihnen auch Samen verkaufen und helfen, wenn etwas nicht so ganz gut läuft. Mitten in der Diskussion sehe ich Don Onofre Xó strahlend an der Hausecke des ersten Hauses stehen. Mir wird etwas wohler im kribbeligen Bauch und meine Neugier wächst.

Endlich Belen können wir uns losreissen, begrüssen den strahlenden Don Onofre und gehen an vier Häusern vorbei zu seinem Haus, wo uns schon die ganze Familie erwartet. Doña Luisa Pop, der zweitälteste Sohn, die ältere Tochter, 3 mittlere Kinder und ein Bébé. Mario der älteste Sohn geht bei uns in die Landwirtschaftsschule. Da wir sehr schmutzige Schuhe haben, mache ich den Vorschlag, zuerst einmal den Garten zu besichtigen. Und jetzt sehe ich, warum Don Onofre so gestrahlt hat: die Bohnen sind bereit zur Ernte, genau so wie die Gurken, die Radiesli sind schon fast alle gegessen. Vieles ist gekeimt und gut am Wachsen: Koriander, Rüebli, Sesam, Mangold, Randen, Weisskohl, Zwiebeln, Pak Choi (Kohlblätter). Daneben wachsen Süsskartoffeln, Tomaten und einheimisches Gewürz. Wir gehen zu den wunderschön gewachsenen Gurken, die mit Hilfe eines Gerüsts nach oben wachsen und entdecken 4 grosse, reife Gurken. (Bild aufgenommen beim 3. Besuch mit Buschbohnen im Vordergrund)

Und jetzt kommt die bange Frage: Was isst man von den Gurken, die Blätter, die Wurzeln oder die grünen Dinger? Schnell schneiden wir eine grosse Gurke ab und Irma verschwindet in der Küche mit der älteren Tochter. Unterdessen sitzen wir im Wohn-, Schlafraum und die ganze Familie ausser der Tochter mit uns und wartet mit fragenden und bangen Blicken. Ob das Zeugs wohl essbar ist? Irma kommt zurück mit dem Gurkensalat: die geschnittenen Gurken mit Zitronensaft und Salz. Sie bietet es erst dem Vater an, dann den Kindern, dann dem älteren Sohn, dann der Mutter – doch oh Schreck, niemand will probieren. Da greife ich zu, auch Irma und Magda und das scheint den Bann zu brechen. Zuerst knabbert der ältere Sohn sehr vorsichtig an einem Gurkenrädchen, dann die Kinder, der Vater, das Bébé und plötzlich stürzen sich alle auf den Salat, der im Nu ausgegessen ist. Allen scheint es gehr gut zu schmecken, nur die Mutter getraut sich nicht, obwohl sie dem Bébé davon zu essen gibt. Nach vielen Sprüchen und Gelächter meint sie, dass sie wohl nachts mit der Taschenlampe eine Gurke holen und ganz allein probieren wird. Alle sind sehr zufrieden.

Nach dem Essen lassen wir weiteren Samen da, teilweise zum Nachsäen, aber auch neue Arten und geben weitere Ratschläge. Auch informieren wir Don Onofre über unser Gespräch mit seinem Nachbarn.

Und dann kommt eine weitere Überraschung. Don Onofre hat sehr wohl bemerkt, dass seine rote Erde im Gemüsegarten nicht sehr fruchtbar ist und er wenig Kompost gemacht hat. Also hat er nach Lösungen gesucht. Er führt uns etwa 20m steil und rutschig den Berghang runter mitten durch seine Kaffeebäume und da sehen wir den neuen Gemüsegarten: fünf sicher 6m lange Gartenbeete mit schwarzer, fruchtbarer Erde und eben. Diese fruchtbare Erde hat sich in vielen Jahren unter den Kaffeebäumen gebildet - runtergefallene Blätter, abgeschnittene Äste und entkernte Kaffeekirschen haben dieses kleine Wunder bewirkt. Mein kribbeliges Gefühl im Bauch hat sich langsam in mühsam zurückgehaltene Freudentränen verwandelt.


Bis heute - anfangs September 2004 - arbeiten wir in folgenden Comunidades:

Mit Müttern und ihren Nachbarn:
Belen (1), Chatela (2), Chiakte (6), Chioyal II (1), Nueva Consepción (1), Pinares (1), Rumpok (3), Santa Maria Rubeltzuul (2), Nuevo San Fernando (2), San José Quetzal (1), Sesaquiquib Semox (1), Selamunix (1), Sebas I (1)

Mit Gruppen:

Balamte (10), Chaslau (28), Chipok (8), San Cristobal Sacta (16), Santo Domingo (10) - allerdings nehme ich an, dass sich die Teiilnehmerinnen in den Gruppen verringern werden.

Etwa weitere 30 Mütter haben Interesse angemeldet, in den Prozess einzusteigen. Am 24./25. Oktober werden wir einen weiteren Einsteigerkurs anbieten und dann mit diesen neuen Müttern ab Januar arbeiten. Wir bekommen höchstwahrscheinlich weitere finanzielle Unterstützung, vor allem sind auch weitere Promotorinnen vorgesehen, ansonsten schaffen wir das nie. Es ist sehr viel Arbeit mit dem ganzen Prozess verbunden. Die Wege sind weit und mehr als 2-3 Familien, wenn sie am selben Ort wohnen, können wir an einem Tag nicht bewältigen.

m Betteln bin ich zwar nicht so gut, trotzdem brauchen wir dringend folgendes: Küchenmesser und gute Pfannen zum Kochen in den Dörfern. Beides ist kaum vorhanden. Gartenwerkzeug wie Harken, Bewässerungsschlauch, Giesskannen.... sind auch nicht vorhanden. Die momentanen Bewässerungsmethoden sind nicht ausreichend. Und die wenigsten Menschen haben das Geld, um die Dinge zu kaufen. Dazu kommen Samen und immer noch der Lohn von Irma, der Promotorin.

Bericht anfangs September 2004 Helen Hagemann


2. BERICHT VON OKTOBER 2004 - JUNI 2005

Mitte Oktober - wir bereiten uns vor auf den 24./25. Oktober 2004. Alle Väter und Mütter der Schüler haben sich verpflichtet 3-mal pro Jahr in die Schule zur Weiterbildung und Evaluation zu kommen. (mehr unter diversifizierte Parzellen) . Bis anhin wurde vor allem mit den Vätern gearbeitet und die Frauen hörten entweder zu, oder waren irgendwo auf dem Schulgelände. Das wollten wir ändern. Einerseits war für die Mütter, die schon seit April 2004 einen Garten bearbeiten, eine Auswertung geplant. Andererseits haben wir alle Mütter, die noch keinen Garten haben, nochmals angeschrieben und sie eingeladen, für eine erste Orientierung und Schulung. Für die Ausbildung waren auch alle Mütter eingeladen, die zwar schon einen Garten haben, aber erst später eingestiegen sind.

So arbeiteten 12 Frauen an einer grossen Auswertung über ihre Arbeit - einige Resultate:
10 Frauen sind zufrieden, 2 Frauen sind traurig, weil es nicht funktioniert. Davon hat eine Frau aufgegeben, weil bei ihr wirklich nichts gewachsen ist - die andere Frau hat den Ort des Gartens gewechselt und ist jetzt sehr zufrieden. Die Frauen arbeiten zwischen 1-4 Stunden täglich im Garten. Die meisten Frauen haben schlechte Erde am Ort ihrer Gärten und haben Erde aus anderen Orten herschleppt. Sie bewässern zwischen 0,5 und 2 Stunden pro Tag. Die wenigsten Frauen haben Kompost. Schädlinge: Raupen, Consuelas (ähnlich Marienkäfer - sie fressen die Blätter an), Ameisen (holen die Samen), Blattschneiderameisen, Grillen (schneiden die jungen Pflänzchen ebenerdig ab - noch kaum ein Mittel dagegen gefunden), Tierchen, die ihre Eier in die Gurken legen. Ausser gegen die Grillen und Blattschneiderameisen haben wir überall Lösungen gefunden. Viele Frauen probierten in ein Saatbeet zu säen und die Pflanzen umzusetzen - hier waren alle Frauen einer Meinung: es funktioniert hier nicht - klimabedingt. Einige Frauen haben schon etwas verkauft.

Erstellen eines Kompostes in der Schule

33 Frauen nahmen an der Erst-Schulung teil. Hier bei der Erklärung, wie Kompost angelegt wird.






Am Nachmittag ging es dann ans Kochen. Mit den 45 Frauen haben wir in 4 Gruppen 5 verschiedene Gerichte für 300 Personen gekocht. Sowohl für die Köchinnen als auch für alle "EsserInnen" waren die Gerichte völlig unbekannt und ich hatte keine Ahnung, ob die Menschen das essen werden.
  • Gurkensalat mit Tomaten, Zwiebeln, Samat (einheimisches Gewürz), Zitronen und Salz (100 Gurken, 10 Pfund Tomaten, 20 Zwiebeln, 20 Zitronen)
  • Buschbohnen mit Süsskartoffeln (in Stückchen geschnitten), zuerst zusammen in Salzwasser gekocht, dann die Zwiebeln in Öl gedämpft und die gekochten Bohnen mit Süsskartoffeln dazu und gut vermischen. (25 kg Bohnen, 12 kg Süsskartoffeln, 30 Zwiebeln)
  • Junge Blätter und Stiele von Süsskartoffeln (2 50-kg Säcke), 50 reife, süsse Bananen, 20 Zwiebeln. Zuerst werden die Blätter und Stiele im Salzwasser gekocht. Dann wird Öl in einer Pfanne erhitzt, die geschnittenen Zwiebeln angedämpft, dann kommen die in Scheiben geschnittenen reifen Bananen dazu. Wenn diese weich sind, wird das gekochte Gemüse beigegeben und gut vermischt. So kann man alle Blattgemüse zubereiten.
  • Baumspinat mit Sesam. 1 50-kg Sack mit jungen Blättern des Baumspinats (Chaya), 3 Pfund Sesam. Der Baumspinat wird in Salzwasser weich gekocht. In einer Pfanne wird Öl erhitzt und der Sesam geröstet. Den gekochten Baumspinat zugeben und gut vermischen.
  • Rüeblisalat. 4 Dutzend riesige Rüebli und 4 Liter Orangensaft. Die Rüebli raffeln und dann den Orangensaft beigeben. Wenig Salz.
Schulung im Kochen im Instituto Die Frauen sind es gewohnt in Gruppen für viele Menschen zu kochen. Und so hat das Kochen dann auch einigermassen geklappt und mit etwa 1 Stunde Verspätung um 19.30 war es dann soweit. Und bei mir fing das Knieschlottern an. Eine riesige Schlange baute sich vor unseren 5 grossen Zubern mit Essen auf. Jeder kam mit einem Kacheli mit ein wenig schwarzen Bohnen in der einen Hand, in der anderen einen Becher mit Maiswasser und darauf 8-10 Tortillas. Auf die Bohnen schichteten wir dann zuerst den Gurkensalat, dann der Rüeblisalat, dann die Bohnen, dann die Blätter von Süsskartoffeln mit Bananen und dann den Baumspinat. Die Kacheli waren bis zuoberst gefüllt und die Menschen sind es eigentlich gewohnt, am Abend nur etwas schwarze Bohnen und Tortillas zu essen. Ob das gut gehen würde??? Ich sah von weitem zu, bzw. war am schöpfen. Als dann die meisten gegessen und ihre Kacheli gewaschen und zurückgebracht hatten, ging ich zu den 2 Abfalltonnen, in die die Reste geschüttet werden. Und o Wunder, in beiden Tonnen war kaum 10 cm Abfall/Resten. Fast alles hatten sie also gegessen, kaum etwas weggeworfen. Und jetzt holte mich die Müdigkeit ein, die Anspannung war weg, dafür eine grosse Zufriedenheit und Dankbarkeit da. Jetzt wusste ich, dass die Menschen das Gemüse auch wirklich essen würden und die neuen Rezepte mögen. Vom anschliessenden Tanz und Musik habe ich nichts mehr mitbekommen.

Ana Maria Ixim Und das war dann auch die letzte Arbeit, die die ersten Promotorinnen Irma und Maria Magdalena machten. Leider haben sie die Arbeit mit den Familiengärten nicht richtig begriffen und so auch nicht richtig weiter vermittelt. Dazu ist ihnen ihre Arbeit in den Kopf gestiegen. Sie dachten, sie seinen die einzigen, die diese Arbeit leisten können und haben die letzten 2 Monate sehr schlecht gearbeitet. Zugleich war es die erste grosse Aufgabe für die zwei neuen Promotorinnen Ana Maria Ixim Tec und Isabel Fernandez Icó. Ana Maria kommt aus einer Aldea und hat letzten Oktober das 9. Schuljahr abgeschlossen. Sie hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe, lernt schnell und hat eine natürliche Autorität. Die Menschen in den Dörfern hören ihr gut zu und sie arbeitet auch sehr stark mit. Nicht erklären - sondern vorzeigen/mitarbeiten. Promotorin Ana Maria Ixim Tec aus Chiakte

Isabel ist älter und hat schon viele Kinder. Sie hat vor 2 Jahren bei einer anderen Institution als Promotorin angefangen zu arbeiten. Zuhause arbeiten vor allem ihre Töchter. Sie hat 6 Schuljahre absolviert, schreibt aber recht gut. Sie hat ein schlechtes Gedächtnis und ist mit ihren Gedanken oft woanders und ist es nicht gewohnt, sich über längere Zeit zu konzentrieren. Langsam aber bekommt sie Spass an unseren internen Ausbildungen und ihre Arbeit im Feld ist auch gut.

Es ist sehr schwierig hier Promotorinnen zu finden. Es gibt noch sehr wenige Frauen, die einen Beruf ausüben. In den Aldeas gibt es ja auch erst seit vielleicht 12 oder weniger Jahren eine Schule und anfangs gingen vor allem die Jungs in die Schule. Das hat sich jetzt allerdings geändert. Es gibt sehr viele Lehrerinnen hier in Cahabón, aber sie sind nicht bereit jeden Tag in die Aldeas zu gehen und mit den Händen in der Erde zu arbeiten. Viele sind sehr schlecht ausgebildet, viele von ihnen können kaum fliessend lesen und ohne Fehler schreiben. Trotzdem sind sie sehr eingebildet. "Warum soll ich meine Hände beschmutzen, wenn ich studiert habe?" meinte die Promotorin Maria Magdalena immer wieder, die keinen noch so kurzen Satz ohne Fehler schreiben konnte. Doch das wird sich ändern. Im Moment arbeitet hier die erste Generation LehrerInnen. Weil eine Studie in Zentralamerika (so etwas wie eine PISA-Studie) für Guatemala sehr schlecht ausgefallen ist, wurde angeordnet, dass alle LehrerInnen im Oktober 2004 sich prüfen lassen müssen. Nur ca. 30% der LehrerInnen von Cahabón bestanden die Prüfung. Diesen 30% werden Schulen zugeteilt, alle andern müssen selber ihre Schule suchen. Im Moment finden noch viele LehrerInnen Arbeit, aber das wird sich ändern. Jedes Jahr schliessen hier in Cahabón um die 60 LehrerInnen ihre Ausbildung ab und bald werden schlechte LehrerInnen keine Arbeit mehr finden. In Guatemala gibt es momentan 40'000 arbeitslose LeherInnen. Da es bis vor kurzem viel zu wenig LehrerInnen gab, existiert auch immer noch die Ausbildung am Samstag - einen Tag Schule pro Woche - das reicht nicht für eine gute Ausbildung. Dazu kommt, dass viele Themen der Ausbildung für die Q'eqchi' sehr abstrakt sind. Es wird von griechischen Philosophen gesprochen, sie schneiden Bilder aus von modernen schönen Wohnungen und müssen darüber referieren, obwohl sie nie in ihrem Leben eine solche Wohung in Natura gesehen haben..... Die LehrerInnenausbildung ist aber immer noch die einzige Ausbildung, die in Cahabón abgeschlossen werden kann. Wer diese Ausbildung abgeschlossen hat, ist berechtigt an der Uni zu studieren. Für alle andern Studien müssen die Menschen nach Cobán. Ich hoffe, dass in Cahabón bald andere Studien möglich sind.

Die neuen Promotorinnen haben sich sehr gut eingearbeitet. Wir arbeiten intensiv. Viel mehr Frauen haben jetzt begriffen, dass es Kompost braucht um gute Ernten hervorzubringen. In vielen Familiengärten wachsen jetzt mehr verschiedene Gemüsesorten. Es wird immer einfacher für die Promotorinnen zu erklären, dass der Samen bedeckt werden muss und dass wir einzelne Samen säen. Wir wissen jetzt, dass hier Chabis, Rüebli, Mangold, Randen, Koriander, Bodenkohlrabi und vieles mehr wächst. Das macht mich und auch die Promotorinnen viel sicherer. Sie können von Beispielen erzählen. Wir haben Fotos zum zeigen. Das spornt dann auch die Frauen an, nochmals einen Anlauf zu nehmen, wenn es beim 1. Mal noch nicht ganz so gut geklappt hat. Wir kennen die Fehler und einige kulturellen Barrieren. Und wir kennen auch einiges an Schädlingen und wie wir damit umgehen können.

Im Oktober besuchen wir erstmals die Eltern von 2 Schülern in Semox (Departement Chahal). Es ist weit weg - 160 km ein Weg mit dem Auto und 3/4 Stunden zu Fuss. Die Eltern haben Interesse angemeldet, hätten aber noch Dorf Semox Chahal nichts vorbereitet war der Kommentar der 2 Söhne in der Schule. Also machten wir uns auf ohne Erwartungen. Die Überraschung war dann umso grösser. Beide Eltern hatten einen grossen Garten angelegt. Dazu kamen 4 weitere Gärten von anderen Familien und ein grosser Gemeinschaftsgarten. Die Familie von Doña Leona hat einen perfekten grossen Garten angelegt mit einem fast gebrauchsfertigen Kompost. Sie haben viel schwarze Erde aus den Wäldern herangeschleppt und wir können sofort anfangen mit der Familie zu säen.
Für die Gemeinschaftsparzelle waren 400 m² vorgesehen, aber erst 100 m² vorbereitet. Unsere Empfehlung: bearbeiten dieser 100 m² und experimentieren, ob die Gemeinschaftsarbeit klappt. Das Wasser ist ziemlich weit entfernt und das Bearbeiten eines Familiengartens bedingt tägliche Arbeit und Kontrolle. Bei unserem nächsten Besuch existierte die Gemeinschafsparzelle dann auch nicht mehr. Aber die Familien haben sehr gut gearbeitet und wir konnten schon Kochkurse mit dem eigenen Gemüse durchführen. Unterdessen haben viele Familien Radiesli, Busch-Bohnen, einheimische Gewürze, Tomaten und Chabis verkauft. Am besten allerdings arbeiten die Eltern der zwei Schüler. (Foto von Semox Chahal)

Eine weitere grosse Überraschung bereitete uns die Familie von Doña Santos in Setzol. Der Sohn Franzisko hatte von mir Samen mitgenommen. "Wir wollen probieren, ob etwas wächst." Ich gab ihm ein "Wie-Säen-Blatt" mit und erklärte ihm nochmals alles. Vor unserem geplanten Besuch erklärte mir Franzisko: "Ein bisschen setzol 2004 etwas ist gekeimt." Von weitem sahen wir etwas wir einen Hausbau, konnten uns aber keinen Reim darauf machen. Nach dreiviertel Stunden kamen wir an und ruhten uns wie üblich zuerst einmal etwas aus. Kakao trinken und ein bisschen reden. "Ist etwas gewachsen?" - "Ja ein bisschen". Nach einiger Zeit brechen wir auf zum Garten. Was von weitem wie ein Hausbau aussah, ist der Zaun des neu angelegten ca. 400 m² grossen Gartens. Er ist so hoch, dass wir nicht in den Garten schauen können. Erst als sie die Türe öffnen, bleibt uns sie Luft weg. Ein sehr schöner Garten mit vielen gekeimten Gemüsearten (Foto bei unserem 2. Besuch). Chabis, Rüebli, Zwiebeln, Randen und vieles mehr. Leider haben sie denselben Fehler gemacht wie so Viele beim ersten Säen - 4-5 Samen zusammen. Wir fangen an umzusetzen. Die ganze Familie hilft mit. 2 Mädchen schleppen Wasser. Andere bereiten die Erde zum Umsetzen vor. Anna, Arnulfo und ich fangen an umzusetzen. Alle schauen zu und in kurzer Zeit helfen sie mit. Ein Loch öffnen, mit Wasser füllen, die zu versetzende Pflanze vorsichtig ausgraben und in das Loch pflanzen, Erde dazu und die Pflanze leicht andrücken. So sind in etwas mehr als einer Stunde alle Pflanzen versetzt. Das ist hier möglich, weil Setzol auf über 1000 MüM liegt. Trotzdem haben vor allem die Randen und die Zwiebeln unter dem Umsetzen gelitten. Aber bei unserem nächsten Besuch nach ca. 3 Wochen fanden wir einen wunderschönen Garten vor. Die Menschen schleppen das Wasser von ziemlich weit her in den Garten. Aber sie haben Freude und unterdessen auch schon recht viel verkauft. Santiago, ein verheirateter Sohn und ehemaliger Schüler des Instituts in seinen Anfängen arbeitet unterdessen als Promotor bei uns und seit einem Monat auch die Tochter Dolores.

Ende November besuchte uns Philipe Teller von Misereor Deutschland, unserem Hauptgeldgeber (für die Promotorinnen, Promotoren, Auto, Reisespesen) . Nach Besuchen in Parzellen und Familiengärten erarbeitete er mit uns ein neues Vokabularium:

alt
neu
Basura - mul (Q'eqchi') = Abfall wird hier das organische Material genannt, das am Boden liegt - Blätter, abgeschnittene Pflanzen, gejätete Pflanzen....), die basura - mul wird vor dem Säen meist verbrannt. Materia orgánica - organisches Material - gibt dem Boden Leben und produziert Dünger
Gott macht keinen Abfall, nur organisches Material - nur Menschen machen Abfall
Malezas - Unkraut
Pflanzen, die wir in diesem Moment an diesem Ort nicht wünschen
matar los zompopos, insectos..... =töten der Blattschneiderameisen, Insekten.......
controlar - kontrollieren der Blattschneiderameisem, Insekten...
Plagas - Schädlinge
nennen der Insekten... mit Namen, Pilze, Blattschneiderameisen....
Kleinstlebewesen im Boden, die den Boden bearbeiten und den Kompost umwandeln - Bakterien, Pilze....
mozos - mozos sind die bezahlten Landarbeiter - diese Lebewesen sind also unsere Landarbeiter, die wir nicht einmal bezahlen müssen. Im Boden und Kompost arbeiten für uns Tausende mozos
Terreno limpio - vollständig gejätetes und gesäubertes Land
Terreno desnudo - entblösste, entkleidete Erde
Remedios - chemische "Heilmittel"- chemische Insektizide, Unkrautvertilger, Fungizide.....
Agro venenos - chemisches Gift

Einiges aus diesem Vokabularium ist uns in Fleisch und Blut übergegangen. Die PromotorInnen reden von "Mozos" und von organischem Material und von entblösster Erde. Leider für uns wurde Philippe Ende 2004 pensioniert und steht uns nicht mehr zur Verfügung. Seine Begeisterung für den biologischen Anbau von Pflanzen wirkte ansteckend.



Mit uns zusammen arbeiten auch Promotoren. Jeder Schüler des Institutes muss im ersten Jahr zuhause eine diversifizierte Parzelle von 400 m² und eine Parzelle von 1600 m² mit Mais und Düngerbohnen ohne Abbrennen anlegen und bearbeiten. Im zweiten Jahr 800 m² /3200 m², im dritten Jahr 1200 m² / 4800 m². Jeder Schüler geht jeden Monat 3 Tage nach hause, um in den Parzellen zu arbeiten. Die Väter sind verpflichtet, in diesen Parzellen mitzuarbeiten.


Die diversifizierten Parzellen mit Grundnahrungsmitteln aus der Region

diversifizierte Parzelle von Mario Xo Pop Hier werden zuerst einmal boden-konservierende Massnahmen eingeleitet.
Auf dem ganzen Gelände werden mit dem so genannten Nivel-A Kurven gezogen, Kurven die dem Gelände angepasst sind. Eine Kurve verläuft immer auf derselben Höhe, sodass in den Gräben für die Konservierung des Wassers, das Wasser auch gleichmässig verteilt in den Gräben liegen bleibt. Je nach der Steilheit des Geländes liegen die Kurven zwischen 2 und 10 Metern auseinander. Barrieren, Gräben und Pflanzen werden entlang den Kurven angelegt, bzw. gesetzt/gesät. Auf dem Foto ein Teil der Parzelle von Mario Xó Pop in Belen mit Bananen, Ananas, Taro, Süsskartoffeln, Yuca und Gandul im Hintergrund

Nivel A
  • Lebende Barrieren aus Bäumen mit essbaren Blättern und/oder Samen (Chaya, Gandul, Madre Cacao), mit Zitronengras oder anderem
  • Tote Barrieren mit Steinen und/oder Holz
  • Düngergräben
  • Gräben für die Konservierung des Wassers
  • alles abgeschnittene Material wird liegengelassen

Danach werden gepflanzt:
  • Bananen - Ananas - Süsskartoffeln - Taro - Yuca - Sesam - Chaya (Baumspinat) - Gandul - Rosa de Jamaica (Karkaden-Tee) - und alles, was die Schüler und Eltern sich sonst noch wünschen

Die Parzellen mit Mais und Düngerbohnen ohne vorheriges Abbrennen des Feldes

Für den Anbau von Mais wird hier in Cahabón, wie an vielen Orten der Welt, noch immer die Methode "TUMBA Y QUEMA" angewandt. Das bedeutet, dass das dafür vorgesehene Land "geputzt" wird - alles wird bodenerdig abgeschnitten und gefällt, inklusive hoher Bäume. Danach wird ein Mottfeuer angelegt, das alles organische Material verbrennt. So bleibt bis zum nächsten Regen eine Schicht Asche auf dem ganzen Stück Land zurück. Die Asche ist einerseits Dünger, andererseits erhöht sie den meist niedrigen PH-Wert (4-5) der Böden auf den PH-Wert von 6-7, wie es Mais benötigt. Früher, als noch alle 7-12 Jahre auf demselben Stück Land gesät wurde, funktionierte diese Methode recht gut, weil sich in den Jahren viel organischer Dünger gebildet hatte und die Asche in den Boden eindringen konnte. Heute aber werden die Felder alle 1-2 Jahre angebaut. In dieser kurzen Zeit kann sich keine Humusschicht bilden. Das wenige, was als Nahrung für die Pflanzen dienen könnte, wird verbrannt und die Asche wird auf den steilen Hängen und steinharten Boden sehr schnell vom Regen weggewaschen. Die Böden produzieren jedes Jahr weniger Mais.

Mit der neuen Methode werden die Felder zwar "geputzt" - alles wird abgeschnitten oder gefällt, aber das organische Material wird liegen gelassen. Der Mais wird also in einen Boden gesät, der mit organischem Material bedeckt ist. Etwa 14 Tage später werden die Düngerbohnen (Macuna/Terciopelo) gesät. Bis der Mais geerntet werden kann, bedeckt die Düngerbohne den Boden bis ca. auf einen Meter Höhe. Bis das Feld für die nächste Saat vorbereitet wird, kann die Düngerbohne bis eine Höhe von 2 Metern erreichen, indem sie die Maisstauden als Klettergerüst braucht. Nun wird alles wieder abgeschnitten und liegen gelassen. Der Vorteil der Düngerbohne: Es entwickeln sich kaum andere Pflanzen unter den Düngerbohnen, die gejätet werden müssten. Die Düngerbohne führt dem Boden den vom Mais dringend benötigten Stickstoff zu und produziert eine riesige Menge von Biomasse = Blätter und organisches Material. Seit letztem Jahr experimentieren jetzt die Schüler mit dieser neuen Anbaumethode von Mais. Es braucht allerdings 2-3 Jahre, bis sich die Böden regeneriert haben und wieder mehr produzieren.


Die Arbeit der Promotoren:

Sie besuchen die Väter jeden Monat einmal und begleiten und helfen im Aufbau der diversifizierten Parzellen und der Parzellen mit Mais und Düngerbohnen. Gleichzeitig ist es eine Kontrolle, ob die Schüler und Väter ihre Verpflichtungen einhalten.
Sie kontrollieren auch die Familiengärten wo vorhanden, geben Ratschläge oder informieren uns, wenn etwas schief läuft und Hilfe benötigt wird.


Im November fingen wir mit der gemeinsamen regelmässigen Schulung ( 1-2 Tage pro Monat) der PromotorInnen an. Themen wie Selbstbewusstsein, wie arbeiten wir mit den Menschen, was ist unser Haupt-Ziel, Pünktlichkeit, Verantwortung in der Arbeit, Zusammenarbeit, Arbeit in der Gruppe, Familiengärten, diversifizierte Parzellen und Parzellen mit Mais und Düngerbohnen, Ernährung, Heilpflanzen und ihr Gebrauch, Herstellung von Tinkturen und Salben mit Heilpflanzen, Pflanzen, Pflanzenfamilien, verschiedene Böden und ihre PH-Werte....... und vieles steht noch auf unserer Liste der Weiterbildung.

Ende Jahr arbeiteten wir bis Mitte Dezember - danach waren 14 Tage Ferien angesagt. Zeit, um dieArnulfo Velasquez Papiere aufzuarbeiten, Briefe zu schreiben, Buchhaltung nachzuführen und auch einen mehrtägigen Ausflug mit Arnulfo (Foto - mein Kollege männlicherseits) und seiner Familie und Alfredo (ein Lehrer) und seiner Familie.

Im Januar fingen wir mit 4 Tagen Schulung der Promotorinnen an. Zugleich auch Vorbereitung auf die nächsten 2 Tage, in denen alle Väter und Mütter anwesend sein würden. Viel gab es noch zu lernen und vorzubereiten. In der Zwischenzeit hat sich auch Teodora als Promotorin zu uns gesellt. Sie arbeitet nur ab und zu, hat ein Bebé zum Stillen und ist viel krank. Auch Manuela, eine Lehrerin arbeitet im Januar mit uns, entscheidet sich dann aber doch, eine frei gewordene Lehrerinnenstelle in ihrer Aldea Rumpok anzunehmen.

28./29. Januar 2005 - alle Eltern kommen zur Weiterbildung in die Schule

Am 28. Januar arbeiten wir mit allen Müttern der Schüler, die gekommen sind. Dieses mal wollen wir nicht über Familiengärten, sondern über die auf dem Markt in Cahabón verfügbaren Gemüse reden. Keine der Frauen kennt die Gemüse, obwohl sie alle schon auf dem Markt in Cahabón waren. Aber sie getrauen sich nicht zu fragen und haben auch keine Ahnung, wie sie zubereitet werden. Also kaufen wir am Vortrag alles Gemüse, das wir finden können und Don Arnulfo bringt noch einiges aus Cobán, weil viel Gemüse nur an den offiziellen Markttagen Mittwoch und Samstag zu haben sind.
So haben wir für die Weiterbildung: Peperoni, Schnittsellerie, Auberginen, Lauch, Chabis, Randen, Blumkohl, Rüebli, Mangold, Gurken und Radiesli eingekauft.

Die Frauen arbeiten in 4 Gruppen, lernen die verschiedenen Gemüse, das Aussehen und die Namen kennen und können schon einmal daran riechen. Mamas die einen Garten haben, kennen schon einige der Gemüse und können dazu auch etwas sagen. Die Frauen zeigen sehr viel Interesse, lachen viel - ob das Zeugs wohl auch schmeckt. Von einigen Gemüsesorten werden dann auch einfache Rezepte erklärt. So haben die Frauen doch schon einmal etwas davon gehört. Jede Gruppe hat die Aufgabe eine Frau zu suchen, die den Mut hat am Nachmittag mit Hilfe des Mikrofons ihren Männern und Söhnen die Gemüse vorzustellen.

Nach dem Mittagessen um 14 Uhr, wenn alle so schön schläfrig sind - auch hier - versammelten sich alle Mamas und Papas mit Söhnen in der grossen Aula. Vorne die Frauen und auf Tischchen die verschiedenen Gemüse. Von den Promotorinnen wusste ich, dass sich Frauen zur Verfügung gestellt hatten. Ob sie wohl vor dem Plenum den Mut haben würden ins Mikrofon zu sprechen? Sie hatten den Mut - nicht nur Mut, sondern sie präsentierten die Gemüse so deutlich und gut, dass die Männer und Söhne hellwach und sehr interessiert den Ausführungen zuhörten. Und ich war sehr erstaunt, denn es war das erste mal, dass dies geklappt hat.

Danach stellten die Promotoren einige Gemüse aus den diversifizierten Parzellen vor, auch Gemüse, die hier üblicherweise kaum gegessen werden, wie zum Beispiel die jungen Triebe der Süsskartoffeln und der Kürbisse.

Und jetzt ging's für die Frauen ans Kochen für das Nachtessen. In 4 Gruppen bereiteten sie 5 verschiedene Gerichte, wiederum für ca. 300 Menschen zu.

Eine der 4 Frauengruppen bereitete das Nachtessen auf meiner Veranda vor. So ergriff ich die Gelegenheit, während dessen das für die Frauen unbekannte Gemüse vorzubereiten. Zuerst Peperoni in Öl gedämpft; Randensalat; Rüebli gekocht, geschnitten, mit Salz und Zitrone gewürzt; Lauch gekocht und dann mit Zitrone und Salz gewürzt. Alles assen sie mit Hochgenuss und als ich zuletzt noch den Schnittsellerie nur in Wasser gekocht und mit Salz und Zitrone gewürzt hinausreichte, dachte ich, dieses werden sie sicher nicht mögen. Aber weit gefehlt. Auch dies wurde mit Hochgenuss gegessen und nach mehr verlangt. Die meisten Männer sind allerdings etwas vorsichtiger im Probieren. Und die Frauen verwenden das neue Gemüse zuhause auch den Männern angepasst. Viele haben Schnittsellerie zuhause. Sie gebrauchen ihn bis anhin vor allem als Gewürz für die Suppe. Mit der Zeit werden sie auch Selleriegemüse zubereiten können.


Hier die zum Teil neuen oder abgewandelten Rezepten für das Nachtessen:

  • Gurkensalat mit Tomaten, Zitrone und Salz: 50 grosse Gurken, 4 kg Tomaten, 15 Zitronen, 3 Handvoll Samat (einheimische Gewürzpflanze, 15 Zwiebeln, Salz.
  • Ox dulce - Taro süss: 7 Kilo Zucker, 30 Kilo Taro, gemahlener Zimt, gemahlener Kardamom. Zuerst werden die Tarowurzeln gesäubert und in kleine StückchenKochen in Chiakte geschnitten. Diese werden mit der Handmühle gemahlen. Danach wird das Wasser in einer grossen Pfanne erhitzt. (Verhältnis: 1 Tasse Zucker, 2 Tassen Wasser, 4 Tassen gemahlene Tarowurzeln). Danach wird der Taro beigegeben und unter ständigem Rühren zusammen mit dem Zucker ca. 30 Minuten gekocht. Kurz bevor die Masse weich gekocht ist, wird der Zimt und das Kardamom beigegeben.
  • Blumenkohl, 30 grosse Blumenkohle und Salz, Blumenkohl wird gesäubert, in Röschen zerteilt und im Salzwasser gekocht.
  • Chaya - Baumspinat mit Süsskartoffeln und Sesam. 1 Sack mit jungen Blättern Baumspinat, 30 Zwiebeln, 10 kg Süsskartoffeln, 1,5 kg Sesam, Chile, Öl und Salz. Baumspinat wird gewaschen und die Blätter etwas zerkleinert. Die Süsskartoffeln werden gesäubert und in kleinere Stückchen von ca. 1,5 cm geschnitten. Beides zusammen wird weich gekocht. Danach wird das Wasser abgelehrt und gesalzen. Öl in der Pfanne erhitzen und darin zuerst die Zwiebeln rösten, dann herausnehmen. Anschliessend den Sesam rösten. Die Zwiebeln und den abgetropften Baumspinat mit Süsskartoffeln beigeben. Chile dazu und abschmecken.
  • Chabissalat. 20 grosse Chabis, 15 kg Tomaten, 6 Handvoll einheimische frische Gewürze, 10 Zitronen, Salz. Der Chabis wird ganz fein geschnitten. Unterdessen werden die Tomaten kurz gekocht, dann auf dem Hand-Mahlstein zusammen mit den frischen Gewürzen zu einer Sauce verarbeitet. Diese wird zum fein geschnittenen Chabis gegeben. Dazu Zitronensaft und Salz.
Wir waren wir fast pünktlich fertig und ich hoffte inbrünstig, dass die Menschen alles mögen würden. Diesmal gab es eine kleine Änderung im Schöpfen. Wir schöpften alles in die Kacheli ausser dem süssen Taro. Diesen sollten sie als Dessert als letztes holen kommen. Und auch dies klappte. Alles wurde ausgegessen und es blieb kaum Abfall.


Mayajak - Einweihung neuer Gebäude und Gebrauchsgegenstände - ein Fest mit allen Vätern, Müttern, Schülern und Angestellten zusammen

Nach dem Essen gab es Tanz für alle. Dann um 21 Uhr eine Messe und um 23 Uhr fing die Zeremonie der Einweihung einiger neuer Gebäude an. Der Aufbau des Gästehauses, mein Häuschen und das Gebäude mit dem Brotofen und der Ofen selbst waren noch nicht eingeweiht.
Die Einweihung beginnt wenn möglich mit einer Messe, wie auch heute in der Kapelle der Schule. Nach der Austeilung der Kommunion übernehmen die Ältesten die Regie. Sie haben allerdings schon den ganzen Tag lang die Zeremonie vorbereitet. Die Kerzen werden geweiht und mit mit Pom beräuchert (einheimisches Baumharz/wie Weihrauch), es wird viel gebetet, viel Pom verbrannt. Die Frauen schlachten Hühner für die Zeremonie. Das Blut wird separat aufgefangen. Die Hühner werden gekocht und dann gleichmässige in die Anzahl der zu weihenden Gegenstände aufgeteilt. An den 4 Ecken von jedem der zu weihenden Gebäudes wird je 1 tieferes Loch gegraben. In der Küche wird angefangen die traditionelle Speise - Caldo - vorzubereiten und zu kochen. Dafür werden wenn vorhanden ein Schwein und viele Hühner geschlachtet. JedeR, der an der Zeremonie teil nimmt, wird mindestens 1 Stück Fleisch im Caldo erhalten. Caldo ist so etwas wie eine Fleischsuppe mit wenig Gemüse, Achiote (Samen, der rot fäbt) und Chili. Den ganzen Tag über wird die traditionelle Harfenmusik gespielt.

Irgendwann zwischen 21 und 22 Uhr fängt also die Messe an. Die Schüler sind alle anwesend mit ihren Instrumenten und begleiten die Gesänge mit Orgel, Gitarren, Flöten, Bass und Marimba. Zur Gabenbereitung erscheinen die Frauen der Ältesten mit den Gaben aus der Küche - Fleisch, Tortillas, Caldo. Sie alle haben Weihrauchfässer aus Ton, in denen viel Pom oder Weihrauch verbrannt wird. Sie beten kniend vor dem Altar, bevor sie die Gaben auf dem Altar verteilen. Dann nach der Austeilung der Kommunion übernehmen die Ältesten die Regie. JedeR Anwesende hat oder erhält eine Kerze. Alle gehen hinaus auf den Vorplatz. Dort wird in einer grösseren Tonschüssel oder Pfanne 1-2 kg Pom angezündet. Zuerst brennt es langsam und lodert nach kurzer Zeit mit hohen Flammen gegen den Himmel. Alle knien sich nieder mit der Kerze in der Hand. Nach einer kurzen Einführung eines Ältesten beginnen nun alle Menschen laut zu danken und zu bitten. Dank- und Bittzeremonie möchte ich das nennen. Alle und alles wird eingeschlossen in diesem Gebet. Wenn der letzte fertig gebetet hat, werden die Kerzen auf den Boden "geklebt" und alle erheben sich. Nun wird ein Kreuzzeichen und Kurzgebet in alle 4 Himmelsrichtungen gesandt. Danach gehen alle wieder in die Kapelle und es gibt noch einige Ansprachen, Dank und Anweisungen.

Kurz danach beginnt die Zeremonie der Einweihung. Die 4-5 Ältesten und ihre Frauen begeben sich mit Kerzen in den Händen in einer Prozession zum 1. Gebäude. Zuerst wird jetzt in jedes Loch in den Ecken das vorbereitete Fleisch gelegt - Essen für den Tzuultaqa (Gott/Besitzer des Berges und des Tales), das Loch wird zugedeckt mit Erde und eine grössere Kerze angezündet und hingestellt. Danach kommt die Frau Älteste mit dem Blut und streicht Blut in Kreuzform an die Wand oberhalb des vergrabenen Fleisches. Am Schluss wird in der Mitte von jedem Gebäude, je nach Grösse des Gebäudes, eine oder mehrere Kerzen angezündet und hingestellt. Die ganze Zeremonie wird begleitet mit Gebeten und Weihrauch/Pom. Danach gehen die Ältesten nochmals in die Kirche zum Gebet und stellen die Weihrauchgefässe ab. Jetzt gehen alle zum Essen des Caldo - unterdessen ist es schon 1 Uhr nachts. Danach geht der Tanz weiter und viele Leute tanzen noch bis um 3 oder 4 Uhr morgens, während andere seelenruhig in derselben Aula am Boden schlafen. In der Kapelle wacht immer einer oder mehrere der Ältesten bis am morgen.

Am nächsten morgen dann Frühstück, nochmals eine Messe, einfaches Mittagessen und dann beeilen sich alle, um noch einen Lastwagen zu erwischen, um nach hause zu kommen.

Damit wären die anderthalb Tage der Weiterbildung aller Väter und Mütter abgeschlossen und wir alle todmüde.


Ich fange mich an vorzubereiten auf meine 3-monatige Abwesenheit. Alle Daten der Besuche bis Ende Mai wollen vorbereitet sein. Wo werden welche Schulungen stattfinden. Wo wird was gekocht. Wer geht wohin. Alles will genau vorbereitet sein und vor allem auch die eintägige Weiterbildung aller Mütter und Väter in der Schule am 4. Mai. Bis dahin werde ich noch nicht zurück sein. Mein Kollege Arnulfo wird die Promotorinnen wenn nötig chauffieren und betreuen.

Mitte Februar flog ich in die Schweiz. Mitte Februar fingen 4 neue Promotoren an, ein alter Promotor wurde verabschiedet.


Weiterbildung aller Mamas und Papas am 4. Mai 2005

Für die Väter ging es vor allem darum, zu Informieren und nochmals zu Schulen für die Saat des Mais ohne vorheriges Abbrennen der Felder. Mit den Müttern arbeiteten die Promotorinnen mit den neuen, für die meisten immer noch unbekannten Gemüse. Nur 35 Mamas erschienen an diesem Tag. Die Reise ist meist sehr weit und für die Menschen auch teuer. Und irgendwer am Radio hat die Information durchgegeben, dass die Weiterbildung freiwillig sei, was so nicht stimmt. Aber eben, nicht alles ist vorhersehbar.

Da nur 1 Tag vorgesehen war, legten wir den Schwerpunkt auf das Kennen lernen und Kochen neuer Gemüsearten. Wir beschränkten uns auf 6 Gemüsearten, die in Cahabón verkauft werden: Lauch, Randen, Schnittsellerie, Mangold, Broccoli und Peperoni - ausser Broccoli und Peperoni wächst alles in den Familiengärten.

In 2 Gruppen wurde gearbeitet. Zuerst ging es um das Kennen lernen der 6 Gemüsesorten.

Danach kochte jede Gruppe 2 verschiedene Gemüsearten.

  • Lauch: schlechte und trockene Blätter entfernen, waschen, feine Scheibchen schneiden, in Wasser weich kochen, Wasser abschütten, mit Salz und Zitronensaft würzen.Schule Kochen
  • Randen: Kochen in Wasser bis sich die Haut leicht ablösen lässt, schälen, schneiden in kleinere Stückchen, Salz und Zitronensaft hinzufügen, gut mischen.
  • Schnittsellerie: schlechte und trockene Blätter entfernen, waschen, in etwa 5 cm lange Stücke schneiden, weich kochen, Wasser abschütten, mit Salz und Zitronensaft würzen.
  • Mangold: schlechte und trockene Blätter entfernen, waschen, in etwa 5 cm lange Stücke schneiden, weich kochen, Wasser abschütten, mit Salz und Zitronensaft würzen.
  • Broccoli: schlechte und getrocknete Teile entfernen, den Stiel in feine Scheibchen schneiden, den Kopf in Röschen schneiden, in Wasser weich kochen, Wasser abschütten, mit Salz und Zitronensaft würzen.
  • Peperoni: waschen, öffnen, Samen, den Stiel und die weisse Haut entfernen. In kleinere Stücke schneiden. Die Zwiebel schälen und in feine Ringe schneiden. Öl in einer Pfanne erhitzen und zuerst die Zwiebeln und 2 Minuten später die geschnittenen Peperoni zugeben. Nach etwa 5 Minuten etwas Wasser dazugiessen und etwa 15 Minuten weiterkochen. Eventuell nochmals etwas Wasser zugeben. Salzen und essen.

Als alle fertig waren, wurden die 6 Gerichte in einem Raum aufgestellt, wo jede Frau die verschiedenen Gemüse probieren konnten. Geschmeckt hat es allen und Spass gemacht auch.

Die Idee dieses Kochkurses war vor allem, die verschiedenen Geschmäcker der Gemüse kennen zu lernen. Deswegen auch die Rezepte ohne Zutaten ausser Salz und Zitronensaft.



REZEPT ZUM NACHKOCHEN IN DER SCHWEIZ

Peperoni mit Rüebli und Zwiebeln:
Peperoni vorbereiten und in kleinere Stückchen schneiden. Rüebli vorbereiten und in feinere Scheibchen schneiden, Zwiebeln in feine Scheibchen. Öl in einer Pfanne erhitzen und zuerst die Zwiebeln anrösten, dann die Peperoni und sich den Duft entwickeln lassen, dann erst die Rüebli beigeben und mit den Peperoni und Zwiebeln vermischen und weiter andünsten. Erst danach Wasser beigeben und das ganze Kochen, bis es weich ist. Wenig Salz. Laut der Promotorin Anna ist es sehr wichtig, zuerst den Geschmack aller 3 Gemüse gut entwickeln lassen und in oben genannter Reihenfolge, erst danach das Wasser zugeben.


Am 12. Mai war ich wieder zurück in Cahabón. Die Promotorinnen und mein Kollege Arnulfo hatten gute Arbeit geleistet, das konnte ich sehr schnell feststellen bei den Besuchen in den Aldeas. In vielen Gärten wuchsen viele verschiedene Gemüse. Zu schaffen machte jetzt allerdings an vielen Orten die Trockenheit. Schon im April hatte es sehr wenig geregnet und im Mai bis anfangs Juni fiel kein Tropfen. Der Mitte Mai ausgesäte Mais fing an auszutrocknen. Heute schon können wir die Schäden sehen. Auf den Feldern steht wenig Mais und er sieht sehr armselig und traurig aus. Er wird nicht viele grosse Maiskolben ausbilden und der Hunger wird noch grösser werden. Die letzte Ernte fiel schon schlecht aus. Viele Menschen konnten keinen Mais verkaufen um etwas Geld für die nötigsten Dinge zu bekommen. Und jetzt müssen schon viele Menschen anfangen Mais zu kaufen. Und das 2-3 Monate vor der neuen Ernte. Der Preis des Kardamom war letztes Jahr so schlecht, dass viele Menschen den die Kardamompflanzen nicht gesäubert haben. Jetzt erst sehen sie, dass die Pflanzen kaum Früchte gebildet haben. Weil die Ernte klein sein wird, wird der Preis höher sein dieses Jahr. Nach der mageren Ernte werden sie wieder die Pflanzen säubern und nächstes Jahr wird vielleicht die Ernte wieder grösser sein und der Preis wieder fallen. Ich weiss nicht, wie die Menschen das aushalten. Ein Teufelskreis, aus dem es kaum einen Ausstieg gibt. Oder keinen schnellen Ausstieg. Viele kleine Schritte sind nötig, um aus diesem Teufelskreis herauszukommen und daran sind wir mit unserer ganzen Kraft und der ganzen Equipe am Arbeiten. Ein Teil davon sind die Familiengärten.

Auch die Familiengärten litten unter der Trockenheit. An vielen Orten trockneten die Brunnen aus oder hatten nur noch sehr wenig Wasser. Die Menschen hatten kaum genügend Wasser zum Kochen und für die tägliche Hygiene. Da ist es verständlich, dass das Gemüse nicht mehr bewässert wird und vertrocknet.

Mitte Juni fing dann der grosse Regen an - aber jetzt gegen mitte Juli ist es schon wieder viel zu trocken. Es regnet kaum mehr.

Im Juni haben zwei neue Promotorinnen angefangen zu arbeiten. Dolores aus Setzol und Marta aus Rumpok. Ich bin noch nicht überzeugt davon, ob es die richtigen Frauen sind. Dolores spricht sehr schlecht spanisch und ist noch sehr, sehr schüchtern. Wir suchen Lösungen, wie wir Dolores helfen können, da ich überzeugt bin, dass sie eine gute Promotorin werden kann. Marta ist noch sehr jung und schon sehr ladinisiert, im Kopf schon weit weg von der Q’eqchi’ Kultur . Die Familie braucht dringend Geld, aber ich glaube nicht, dass das Benehmen von Marta in das Konzept unserer Schule passt. Deswegen bin ich immer noch am Suchen. Ab August möchte ich mit einer Equipe von Promotorinnen anfangen, die dann auch für die nächste Zeit zusammen bleibt.

Im Moment haben wir sehr viele Weiterbildungen mit verschiedensten Themen: Stärkung des Selbstbewusstseins, Verantwortung in der Arbeit, wie arbeite ich ein Projekt aus, was sind Pflanzen, Pflanzenfamilien, was ist Nachhaltigkeit, was wollen wir mit unserem ganzen Prozess erreichen, wie funktioniert der Markt, Ernährung, Gender-Fragen, Kochen, Medizinalpflanzen,Herstellung von Salben und Tinkturen mit den einheimischen Pflanzen......


Sistema agroforestal sucesional - Land-, forstwirtschaftliches Nachfolge-System

Eine sehr interessante Weiterbildung besuchten Arnulfo und ich im Juni in Santa Rosa Copán in Honduras. Misereor Deutschland organisierte diese Weiterbildung und lud alle von ihnen unterstützen Institutionen in Honduras und Guatemala dazu ein. In einer Kurzbeschreibung würde ich das so erklären: Es geht darum, in kurzer Zeit einen natürlichen Wald mit Grundnahrungsmittel, Gemüse, Fruchtbäumen, Bäumen für Holz zum Kochen, Bäume mit Holz zum Bauen und für den Export. Ein Wald, in dem alles wächst, was der Mensch zum Essen braucht, der aber auch Geld bringt. Das System kommt aus Bolivien und funktioniert dort recht gut. Die Menschen sind begeistert und zufrieden. Genaueres möchte ich über diese Art der Landwirtschaft später ausführlicher berichten.
Wir haben beschlossen in der Schule zwei Parzellen mit diesem System anzulegen. Eine mit dem Grundnahrungsmittel Mais, die andere mit Kaffee.
In Honduras haben wir einen Mann besucht, dessen Parzelle uns sehr beeindruckt hat. In 2 Jahren hat er direkt neben seinem Haus einen "Wald" von ca. 400 m² aufgebaut, in dem sehr vieles wächst. Diese Parzelle werden wir mit 10 ausgesuchten Schülern und einem Promotor am 28. August besuchen. Wir haben die Gelegenheit ergriffen, weil alle Schüler ihren jährlichen Ausflug in die Mayaruinen von Copán in Honduras machen werden. Der Mann wohnt nicht weit weg und so werden wir 1 Tag früher abreisen und danach zu allen Schülern stossen.

UNSERE ERFOLGE IN GEMÜSEGÄRTEN AUS DEM BERICHT VOM 30. JUNI 2005

108 Gemüsegärten in 28 Aldeas/Comunidades

Mamas: .- insgesamt 40 Gärten
Belen (1), Chaslau (1), Chatela (1), Chiacach (3), Chiacte (8), Chioyal (1), Chipok (1), Nueva Concepción (1), Nuevo San Fernando Sayaxche (2), Pinares (1), Rumpoc (3), Salac (1), San José Quetzal (1), Santa María Rubeltzuul (2), Sesaquiquib Semox (1), Sebas (1), Secala (1), Secanante (1), Selamunix (2), Semox Chahal (2), Sesaltul (1), Sesaqkar(1), Setzol(1), Sewamo(1), Yaxtunha (1)


Gruppen: - insgesamt 68 Gärten ohne SchülerInnen Chiacach
Balamté (6), Chaslau (16), Chatela (4), Chiacach (8), Chiacach Schule (19 SchülerInnen) Chiakte (4), Chipok (4), San Cristobal Sacta (11), Santo Domingo (10), Semox Chahal (5),

Davon: 2 Neue, 46 sehr gut, 15 nur gut (nicht sehr gut) wegen Trockenheit, 24 gut,, 13 nicht gut wegen Trockenheit, 6 schlecht

* Anzahl Gemüsesorten im Garten während den letzten 2 Besuchen:
** Anzahl Gemüsesorten die die Frauen während den letzten 2 Monaten enteten:

* Anzahl Gärten *Gemüsesorten

**Anzahl Gärten
**Gemüsesorten
11 0-3

17
0-3
26
4-8

43
4-7
62
9-15

29
8-10
9
16-22

19
11-17

Hier wird ein Phänomen sichtbar: Es ist sehr schwierig in der Trockenzeit zu säen. Das Giessen einerseits ist sehr aufwändig und wenn kein Regen hilft, ziehen es viele Frauen vor, mit dem Säen zu warten, bis der Regen kommt. In Sesaqkar zum Beispiel holen die Frauen das Wasser an einer Quelle, die eine gute halbe Stunde von den Häusern entfernt ist. 1 Stunde Weg um Wasser für den Garten zu holen!!

Die Frauen haben sehr viel Freude an ihrem Gemüse und sind schon sehr viel erfindungsreicher geworden, was die Küche angeht. Alles in den Gärten wird verwertet, auch die Blätter der Gemüse. Hier einige Fotos:


Manuela Choc Caal Pinares Manuela Choc Caal Pinares
Sesaqkar
Blumkohl, Kohl, Randen, Chili, Tabak, Pinares
Manuela Choc Caal mit Bodenkohlrabi, Pinares
Manuela Chan Chocooj mit Mangold, Sesaqkar(1 Std. zum Wasser holen)
Doña Leona Semox Chahal
Manuela Choc Caal Pinares Doña Petrona Semox Chahal
Leona Coc Tux mit Gurken, Semox Chahal
Blumkohl und Chabis von Manuela, Pinares
Petrona Coc Ayu mit Bodenkohlrab, Semox Chahal



Doña Petrona Semox Chahal
Do´na Romelia Santo Domingo



Doña Romelia Chiacach
Kinder in Semox essen Gurken
Romelia Tot mit Rüebli, Santo Domingo
Romelia Caal Cac mit Mangold, Chiacach


Wassermelone in Secala
Alcira Caal Chub


Elena Perez aus Balamté
Wassermelone von Alcira Caal Chub, Secalá
Alcira Caal Chub mit Rüebli, Secalá
Elena Perez aus Balamté mit Chabis

Im Moment wachsen in den Familiengärten der Aldeas: *Amaranth, *Auberginen, Blattkohlrabi, Blumenkohl, Bodenkohlrabi, *Buschbohnen, *Cebollin, Chabis, *Chile, *einheimisches Basilikum, *Gewürzpfefferminz, *Gurken, *Ingwer, *Knoblauch, *Koriander, *Kurkuma (neu), Lauch (neu), *Macuy, Mangold, *Mostaza Honduras, *Mostaza diverse einheimische, *Mungobohnen, *Pak Choi, *Portulak, *Radiesli, Randen,*Rüebli, *Samat, Schnittsellerie, *Sesam, *Tomaten, *Wassermelonen.
*Diese Pflanzen entwickeln bis jetzt Samen, bzw. verbreiten sich durch Ableger..

Schwierigkeiten:
  • Die Blattschneiderameisen machen uns recht zu schaffen. Da die Menschen sich immer weiter in die Wälder ausbreiten und immer mehr Wälder abgeholzt werden, siedeln sich immer mehr Blattschneiderameisenkolonien ganz in der Nähe der Häuser an. Ausser Gift gibt es kaum effiziente Methoden, diese intelligenten und fleissigen Tierchen zu kontrollieren. Die Tierchen können in einer Nacht alle Kohlköpfe und andere Gemüse "ernten". Aber auch im Maisfeld richten sie einigen Schaden an. Dazu kommt, dass sie nachts in die Häuser eindringen und dort den Mais forttragen. Es sind also nicht nur die Gärten in Gefahr, sondern auch die Lebensmittel, die in den Häusern lagern. Dazu kommt die kulturelle Barriere, die Tierchen umzubringen. Die Tierchen gehören dem Tzuultaqa - dem Geist/Gott des Berges/des Tales. An einigen Orten werden die Menschen Zeremonien abhalten, um den Tzuultaqa zu bitten, dass er die Tierchen von ihrem Gemüse und von ihren Häusern fern hält. Und wir suchen nach anderen Methoden, die die Tierchen dazu bringen sollen, an andere Orte auszuwandern. Mit vereinten Kräften schaffen wir es hoffentlich, die Tierchen wieder in die Wälder zurückzubringen.
  • Der fehlende Regen macht nicht nur uns zu schaffen. Das Klima hat sich total verändert in den letzten 3 Jahren. Es ist kaum mehr etwas von der 7-monatigen Regenzeit zu spüren.
  • Institutionen, wie zum Beipiel im Moment die staatliche Institution PRODEVEER, die plötzlich auftauchen und den Menschen pfundweise Samen, Schläuche, Giesskannen, Gartenwerkzeuge, Hühner, das ganze Material für Ställe für Hühner bis zm Schloss, Schweine, sogar Kühe schenken und am schlimmsten, PRODEVEER bezahlt die Menschen, um in ihren eigenen Gärten oder Parzellen zu arbeiten. Kaum Schulung und keine weitere Begleitung. In ein paar Monaten werden die Zahlungen eingetellt und die Menschen arbeiten nicht mehr weiter. Im letzten Monat haben wir so um die 10 Familien verloren. Das schlimme bei den Tieren - die Tiere sollen eingeschlossen werden in Ställen oder Gehegen. Da bei den Q'eqchi' die Tiere frei herumlaufen und sich viel Fressen und Trinken selber suchen, sind es die Menschen noch nicht gewohnt, den Tieren das nötige tägliche Futter in das Gehege oder Stall zu bringen. Kaum ein Schwein hat Wasser, kaum ein Huhn Grünzeug und genügend Futter. So werden die Tiere immer dünner und alle sagen: Es funktioniert nicht und lassen die Tiere wieder frei. So bleiben die Menschen immer abhängig von Instutionen und Chefs und werden nie selbstständig - und nie wird sich ihre Situation verbessern. Das hören wir immer wieder: "wenn ihr uns bezahlt, werden wir einen Familiengarten anlegen." Dazu wurden sie erzogen von den meisten Institutionen.

Ausblick:

Am 6. Juli werden Mamas 1 Tag in die Schule kommen, um die Erstausbildung für Familiengärten zu machen.

In Chiacach fangen wir einen interessanten Prozess an. 19 SchülerInnen besuchen die 7.-9. Klasse (11 Mädchen, 9 Jungs). Der Direktor der Schule ist aus Chiacach. Er unterrichtet allein die 19 SchülerInnen. Es fehlte Geld für die Einschreibung, die Bücher, die Examen und die monatlichen Zahlungen. Eigentlich wollten die Behörden die 7.-9. Klasse schliessen, weil nicht einmal die Einschreibegebühren bezahlt waren. Ich habe die ca. 8000Q (Sfr 1800.-) übernommen, jemand hat das Geld für die Bücher und die Examensgebühren beigesteuert und die Eltern haben sich verpflichtet, die monatlichen Gebühren zu bezahlen (40 Quetzales = 8 Sfr. pro SchülerIn und Monat) und so haben wir einen Vertrag geschlossen.

Die SchülerInnen werden mit unserer Hilfe einen Gemüsegarten, eine diversifizierte Parzelle, Amaranth und Sesam anbauen. Arnulfo, ich, 1 Promotor, die Promotorinnen und 2 Schüler aus Chiacach, die bei uns studieren sind in den Prozess eingespannt. Die Schulung in der Theorie werden Arnulfo und ich übernehmen. Die Unterstützung für den Gemüsegarten und Kochkurse werden die Promotorinnen übernehmen. Unsere zwei Schüler werden ihre Freunde und Freundinnen unterstützen im Anlegen von Kompost und werden ihnen anhand ihrer eigenen guten diversifizierten Parzellen den Prozess erklären. Der Promotor wird monatlich einmal mit den SchülerInnen in den Pazellen arbeiten. Das Dorf hat das Land zur Verfügung gestellt. Ca. 400 m² direkt neben der Schule für den Gemüsegarten und ca. 1000 m² direkt unterhalb der Kirche für die Parzelle. Beides sehr zentral gelegen, nicht zu steil und mit nicht zu schlechtem Boden. So werden der Garten und die Parzelle alle Menschen darauf aufmerksam machen, was möglich ist. Wir hoffen natürlich, dass der Garten und die Parzelle auch Mut machen, selber zuhause auszuprobieren, ob so etwas funktionieren könnte. Die 19 SchülerInnen sind auf 14 Familien aufgeteilt. Die SchülerInnen haben sich auch schon organisiert: 1 Präsident, 1 Vizepräsidentin, 1 Sekretär und 1 Kassiererin.
Am 8. Juli besuchten Arnulfo und ich erstmals die SchülerInnen. Bis anhin hatten wir nur mit dem Lehrer Kontakt. Die SchülerInnen sprechen sehr gut spanisch, dank den Anstrengungen des Lehrers. Sie haben 6 Gartenbeete angelegt und den Samen, den ich ihrem Lehrer mitgegeben habe, richtig gesät. Einiges ist schon gekeimt. Die Gurken sind gut sichtbar. Die Erde ist sehr gut und fein bearbeitet. Jetzt fehlt nur noch der Kompost. Es ist heiss im Moment, die Sonne brennt und so haben wir Anweisungen gegeben, wie sie die Gartenbeete beschatten können, damit die Samen keimen und die jungen Pflänzchen besser wachsen können. Der grössere Teil unserer Gespräche aber betraf den Prozess. Wie werden wir arbeiten, was und mit wem. Wir fingen an einen Plan zu erstellen, in dem bis ca. Ende Jahr jede Woche jemand von uns einen halben Tag die SchülerInnen betreut - Promotor, Schüler, Promotorinnen, Arnulfo und ich.
So warten wir gespannt, was aus diesem Prozess werden wird.

Am 16./17. August werden wir mit ca. 20 Frauen einen weiteren Besuch bei den Frauen in Purulhá abstatten. Die Frauen in Purulhá bauen nicht nur Gemüse an, sie haben sich jetzt auch organisiert, um ihre Produkte verkaufen zu können. Ich erhoffe mir Ideen für uns und die Frauen, wie sie sich in den Aldeas organisieren können.

Im August wird Regina als Koordinatorin anfangen zu arbeiten. Ich erhoffe mir von ihr doch einige Entlastung und mehr Zeit zum Experimentieren mit Pflanzen und Rezepten und auch sehr viel mehr Zeit für Kontakte mit der Schweiz und Rundbriefen.

Allen die uns mit Gebeten, Gedanken und Spenden unterstützen von hier aus herzlichen Dank. Es lohnt sich, hier Zeit und Geld zu investieren. Die Menschen werden lernen und langsam aber sicher aus ihrem Teufelskreis ausbrechen können.

EINE GROSSE BITTE: In letzter Zeit finden wir immer mehr Frauen in den Dörfern mit schwerwiegenden Frauenkrankheiten. Monatelange Blutungen bringen sie bis an den Rand der Erschöpfung. Die traditionellen Heiler scheinen hier keine Methode zu haben, um den Frauen zu helfen. Und auch das Gesundheitszentrum in Cahabón kann in keiner Weise helfen. Sie müssen nach Cobán in ein Spital zur einer Röntgenuntersuchung und danach entweder Tabletten schlucken oder operieren. Aber niemand hat das Geld für so etwas.

Postcheck-Konto: 49-8882-5 Helen Hagemann Zweisimmen
oder auf mein Bankkonto bei der Obersimmentalischen Volksbank OVB Konto 16 2.010.739.00 6327 – PC Nr der Bank 30-38272-3.

Bericht Helen Hagemann, anfangs Juli 2005



Vieles ist möglich, wenn das Vertrauen der Frauen und Männer in die neuen Möglichkeiten da ist. Viele Frauen und junge Menschen haben Lust darauf, Neues kennen zulernen und Neues auszuprobieren. Diese Möglichkeiten in einem partnerschaftlichen miteinander zu suchen und zu finden, das sehe ich als meine Hauptarbeit.

Ich werde allerdings an Grenzen stossen, das ist mir jeden Tag bewusst. Eine davon ist die Grösse von Cahabón mit seinen 160 Aldeas und die Grösse der Schule mit den 90 Schülern. Das hat aber auch einen Vorteil: ich werde grossenteils mit Frauen arbeiten, die von sich aus kommen und etwas lernen möchten. Andere Grenzen sind die Kultur, die Sprache, das Misstrauen und das Klima.

Der ganze Prozess ist auch auf längere Zeit angelegt. Vertrauen aufbauen braucht Zeit. Und Vertrauen braucht es, um mit den Frauen gemeinsam etwas aufzubauen. Ich bin überzeugt, dass mit einer soliden und guten Arbeit einerseits die ökonomischen Grundlagen verbessert werden und andererseits die Identität der Q’eqchi’ so gestärkt werden kann, dass sie in ihren Dörfern bleiben und dort ein für sie lebenswertes Leben aufbauen können.

Da mit den neuen Anbaumethoden der Schule und mit der Methode der Bearbeitung der Familiengärten die Felder nicht mehr abgebrannt, die Erde verbessert, mit Erosionsschutz-Massnahmen gearbeitet und gegen die Abholzung der Wälder gearbeitet wird, profitiert auch die Umwelt und das Klima in der ganzen Region von den begleiteten Prozessen.


Cahabon Gegend

In diesen Hügeln liegen viele Dörfer

Spendenkonten – Obersimment. Volksbank,CH- 3770 Zweisimmen Kto: 16 2.010.739.00 6327 /mein PC-Konto: 49-8882-5

Helen Hagemann
[email protected]

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