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FAMILIENGÄRTEN - NAHRUNGSSICHERUNG IN CAHABÓNUNSERE ARBEITBERICHT VON DEZEMBER 200727. Dezember 2007 - Heute fand in Chiacach ein Zeremonie statt für alle Schülerinnen und Schüler, die in Chiacach die Schule besuchen - 6 Jahre Primarschule und 3 Jahre Ciclo Básico (7.-9. Schuljahr) und für alle Schüler und Schülerinnen, die nächstes Jahr auswärts studieren werden - ein Bachelor Studiengang an verschiedenen Orten. Mit meinem Vorschlag der Zeremonie, für die SchülerInnen, die auswärts studieren werden, wollte ich eigentlich den Ciclo Básico etwas mehr in der Bevölkerung von Chiacach einbinden. Die Ältesten und Katechisten haben dann die Zeremonie auf alle SchülerInnen übertragen. Eine weise Entscheidung. Und fast alle Familien kamen zur Zeremonie und sie war sehr schön. Ich möchte mit Fotos über die Zeremonie erzählen:
BERICHT VON JULI 2005 - APRIL 2006
6. Juli 2005 - Weiterbildung für
Frauen, die neu mit einem Garten anfangen wollen. Nur
gerade 8 Frauen der 14 Eingeladenen nahmen teil. Das
war wohl mein Fehler. Die Einladung ging viel zu
früh raus (einen Monat vorher) und wurde am Radio
kurz vor dem 6. Juli nicht mehr bestätigt. In
einem Monat gehen hier Einladungen verloren und
vergessen. Mit Frauen aus Secobha, Sesaqkar und Sosela
sind weit abgelegene Dörfer erstmals vertreten.
Mit einem Ehepaar aus El Carmen kam der Stein in dieser
Gemeinschaft zum Rollen. Gärten von 6
teilnehmenden Frauen funktionieren heute sehr gut.
Am 14./15. Juli 2005 hatten alle
Angestellten der Schule (inklusive aller PromotorInnen)
das erste Mal eine Weiterbildung mit Mario
Sebastián Caal aus dem Erziehungsministerium.
Hauptthema: Mayakultur - insbesondere der Tzolkin, der Maya-Kalender mit
seinen 20 Tagen und ihren Bedeutungen, der das Leben
der Menschen regelt. Jeder der 20 Tage hat eine
besondere Bedeutung. Jeder der 20 Tage hat ein
besonderes Zeichen. Auf dem Foto die 20 Tage des
Tzolkin, die auch gleichzeitig die Zeichen des Nahual
sind. Mein Nahual - mein Zeichen - ähnlich wie
mein Sternzeichen - ausgerechnet vor hunderten von
Jahren nach einem festgelegten System im Zusammenhang
mit der Stellung der Gestirne. Siehe auch unter
Mayarecht - Grundkenntnisse.
Als Beispiel das Nahual
K'at:
Die Bedeutung: Feuer - Netz - Unterdrückung -
Gefangenschaft - Zentrum der Existenz.
Die Bedeutung des Tages: Netz - Fruchtbarkeit - sehr jung, neu - Gattungsprinzip - Weisheit. Es ist ein guter Tag um ein Problem zu lösen, um Mitstreiter zu gewinnen, eine Gruppe oder eine Gesellschaft zu bilden. An diesem Tag betet man für die physische und mentale Gesundheit der Kinder. Menschen, die an diesem Tag geboren sind, übersteigen sich selbst mit Hilfe der Intelligenz und handeln transparent. Sie haben Ordnung, studieren gerne und sind gute OrganisatorInnen. Es ist der Tag zur Stärkung der Frauen. Dies ist eine Kurzfassung, die nur das Positive des Nahual unterstreicht. Natürlich gibt es auch die negativen Seiten. Mehr unter K'at: Was unter dem Nahual K'at beschrieben ist, stimmt in sehr vielem überein mit dem Eneagramm-Typ 1. Es ist schon erstaunlich, wie immer wieder über alle Erdteile und Kulturen hinweg dieselben Dinge erscheinen.
Der Tzolkin ist ein wichtiger, aber nur kleiner Teil
der Mayakultur, die in der Schule vermittelt wird. Viel
Grundwissen der eigenen Kultur ist über die
Jahrhunderte der Unterdrückung und das gezielte
Umbringen der Ältesten Frauen und Männer und
Hebammen, die die Kultur weiter tragen, verloren
gegangen. Viele Handlungen und unbewusstes Wissen sind
heute noch vorhanden, aber ohne die Kenntnis
darüber, warum man das tut oder so handelt.
Vieles ist auch für uns in der Landwirtschaft
wichtig. Warum ist es zum Beispiel für die
Menschen so schwierig, Samen einzeln zu säen oder
warum säen sie immer 6 Maiskörner zusammen in
ein Pflanzloch. Die uralte Antwort liegt in der Kultur
des Maismenschen. Die heilige Pflanze Mais. Aus
Maismehl hat Gott die Menschen erschaffen, von Mais
leben die Mayas. Ohne Mais kein Leben. 6 Körner
werden in ein Pflanzloch gesät - ein Korn pro
Himmelsrichtung Norden, Süden, Westen, Osten, und
zwei Körner in die Mitte, wo sich das Herz des
Himmels und das Herz der Erde treffen. Mit diesem
Wissen können wir auf die Suche gehen, wie es
möglich ist, nur 2 Maiskörner zusammen zu
säen, ohne die Kultur zu verletzen oder
auszulöschen. Eine Antwort: Wir säen in den
je 4 Himmelsrichtungen und in der Mitte des
abgemessenen Feldes für die Maissaat in einer
Zeremonie je 6 Maiskörner in das Pflanzloch -
jetzt mit dem Wissen warum - und säen auf dem Rest
des Feldes 2- max. 3 Samen in ein Pflanzloch. Mario Sebastián Caal vom Erziehungsministerium ist selber Q'eqchi' Maya und Maya Priester mit einem grossen Wissen. Dieses Wissen gibt er an uns alle weiter mit einer neuen Methode des Schule Geben. Kein Frontalunterricht mehr - kein Auswendiglernen mehr, die Kinder sollen wenn immer möglich selber das Wissen suchen mit kurzen Inputs und schriftlichem Material. Mit Hilfe dieser 2 Herren erarbeiten wir in der Schule den ersten Neuen Lehrplan in Guatemala für die 7.-9. Klasse in Guatemala. Die neuen Lehrpläne sollen an die lokale Kultur - Maya, Ladino, Garifuna - angepasst sein und auch an die Arbeits- und Lebenswelt, in der die Kinder leben. Kein Auswendiglernen mehr, kein Frontalunterricht mehr, kein Vorsagen und Nachsprechen der ganzen Klasse in höchsten Tönen. Mit diesen Neuerungen sollen die schlechten Resultate in den Schulen verbessert werden.
Diese Zahlen zeigen, wie dringend ein neuer Schulstil
gebraucht wird. Alle Lehrer der Schule müssen jede ihrer Stunden definieren mit Inhalt, Methodik und Material. Mario Sebastían Caal kontrolliert die eingegebenen Lehrpläne und überarbeitet sie monatlich zusammen mit allen Lehrern. Eine grosse Arbeit für die Lehrer. Aber es lohnt sich. Ich höre den neuen Schulstil, wenn ich an den Klassenzimmern vorbeigehe. Es ist frappant, wie plötzlich eine neue Lernatmosphäre entstanden ist. In den neuen Lehrplänen der Schule sind sehr viele Aspekte der Mayakultur eingebunden. So ist das Schuljahr zum Beispiel neu in 4 Zyklen des Mondkalenders aufgeteilt, die in etwa bedeuten: unsere Wurzeln kennen lernen - unser Heute kennen Lernen - was wollen wir in der Zukunft - wie setzen wir unsere Zukunftswünsche um. Das würde in der Landwirtschaft bedeuten: wie arbeiteten unsere Vorfahren in der Landwirtschaft, wie arbeiten wir heute in der Landwirtschaft - was hat sich verändert, was erwarten wir in Zukunft von unserer Arbeit in der Landwirtschaft, was konkret müssen wir in unseren Gewohnheiten in der Landwirtschaft ändern, was behalten wir bei aus unserer Kultur? Am
29./30. Juli 2005 besuchten Don Arnulfo und
ich mit 8 ausgewählten Schülern der
Landwirtschaftsschule Carlos Arturo Hernandez in
San Pedro
Copán, Honduras. Er hat das verwirklicht, was
wir hier in Cahabón den Menschen nahe bringen
möchten. Rund um das Haus gibt es fast alles, was
man für das tägliche Leben braucht:
Gemüse, Früchte, Hühner, Enten,
Schweine, Kaninchen, Gänse, Fische, Holz für
das Kochen, Holz zum Bauen und eine Fläche zum
Spielen und sich Erholen. Alle helfen mit bei der
Arbeit rund um das Haus. Jedes der 5 Kinder hat seine
Arbeit. Und wenn Carlos Arturo nicht zuhause ist,
arbeitet seine Frau im "Wald". Mit "Wald" meine ich "El
sistema agroforestal multiestrato" - übersetzt in
etwa mit "Land-Waldwirtschaft mit Pflanzen
verschiedenster Höhen". Es ist eine Form Wald- und
Landwirtschaft zu verbinden, sehr nahe an der Dynamik
und Struktur eines natürlichen Waldes. Es geht
darum, eine grosse Vielfalt von einheimischen Pflanzen
zu mischen mit Pflanzen, die für uns Menschen
nützlich sind. Oder mit anderen Worten, wir
pflanzen Mais, Reis, Süsskartoffeln,
Ananas, Maniok, Kaffee,
Kakao, Zuckerrohr, Zitronen- und Orangenbäume
zusammen mit einheimischen Fruchtbäumen, Palmen,
Bäumen für Holz und Düngung. Ein Wald
wird somit imitiert, mit seinen vielfältigen
Pflanzen in allen Höhen. Und das funktioniert. Die
wichtigste dabei Arbeit ist das zurück schneiden.
Überall, wo Sonne gebraucht wird, werden die
höheren Bäume zurückgeschnitten und
alles am Boden liegen gelassen. Der Boden trocknet so
niemals aus. Es gibt kaum Schädlinge wegen der
grossen Vielfalt und am Boden entsteht in kurzer Zeit
Humus und Dünger.Das Ganze ist natürlich viel komplizierter, als ich hier kurz beschreiben kann. Es ist nicht ganz einfach zu handhaben, aber es ist faszinierend. Wer weitere Unterlagen möchte, soll sich bitte bei mir melden. Ich habe vieles in Spanisch, da der "Erfinder" des Systems ein Deutscher ist, kann ich sicher auch Deutsche Unterlagen auftreiben. Fotos links: Orangenbaum, Kaffee, Bananen mitten im "Wald" in Peru, rechts: Carlos Arturo in seinem "Wald" mit Zuckerrohr und Taro im Vordergrund oben und Bananen und diverse Fruchtbäume im "Wald" unten.
Wir fuhren also mit 8 ausgewählten Schülern
und einem Promotor zu Carlos Arturo, den wir bei einer
durch Misereor Deutschland organisierten Weiterbildung
über dieses System kennen gelernt haben. Sein Land
liegt mitten im Dörfchen San Pedro Cobán
und hat ca. 2000 m². Rund 600 ² misst sein
"Wald". Dazu kommen wie oben beschrieben die vielen
Tiere zum Essen und zum Verkauf. Die Familie lebt
grossenteils von ihren Erzeugnissen und kauft zum Essen
sehr wenig dazu. Carlos Arturo ist Agronom und
verbreitet auch in seiner Nachbarschaft mit grossem
Einsatz diese Art der Landwirtschaft. Wir haben einige
Nachbarn besucht, die total begeistert sind, von der
neuen Art anzubauen. Die Schüler
haben alles mit grossem Interesse und Staunen
beobachtet.In Cahabón wird es im Moment wahrscheinlich nicht möglich sein, das System in seiner ganzen Radikalität anzuwenden. Was wir aber anstreben ist eine grosse Vielfalt, inklusive verschiedener Kleintierarten rund um das Haus. Der Platz rund um die Häuser wird in Cahabón kaum genutzt. Nackter Boden, Gestrüpp und jetzt manchmal auch ein Garten befinden sich rund um das Haus. Kaum Obstbäume und schon gar kein einheimisches Gemüse oder Mais. Die Felder sind meist sehr weit entfernt. 3 der ausgewählten Schüler haben dann auch sofort damit begonnen, rund um das Haus vielfältige Pflanzen zu setzen. Wie hier zum Beispiel Mario aus Chatela (Foto). Er hat unzählige Bäume, Ananas, Gandul (Baumbohnen), Karkadentee, Taro, Süsskartoffeln... rund um sein Haus gepflanzt. Seine Hühner sind in einem grossen Gehege. Die Mutter hat einen grossen Garten. Die 5 anderen arbeiten langsamer, aber ich denke, dass auch sie einiges dazu gelernt haben und in Zukunft um ihr Haus auch mehr anpflanzen werden.
16./17. August
2005 - ein 2-Tages Ausflug nach Purulhá
mit 18 Frauen, 5 Männern, 5 Promotorinnen und
1 Diese Frau hat mir so viel Eindruck gemacht, dass
ich sie spontan für die nächste Weiterbildung
aller Mamas im Oktober in der Schule eingeladen habe. Promotor. Wir
wollen die diversifizierten Parzellen von Don Martin
(Foto) und Mauricio Choc in der Gemeinschaft El Jute
kennen lernen, auf denen vielfältigstes
einheimisches und importiertes Gemüse biologisch
angepflanzt wird. Beide leben vom Verkauf des
Gemüses und ihrer Hühner, Kaninchen und
Ziegen. Viel wichtiger aber für mich sind die
Frauengruppen. Seit 4 Jahren arbeiten Frauen in Gruppen
im Gemüse- und Blumenanbau und beim Weben. Meine
Hoffnung ist, dass unsere Frauen sich von guten
Zeugnissen der bestehenden Gruppen in Purulhá
überzeugen lassen, dass diese Form von
Zusammenarbeit hilfreich und nötig ist. In 2
Gruppen besuchen wir zuerst die Parzellen von Don
Martin und Mauricio und die Frauengruppe (Gemüse-
und Blumenanbau) in El Jute, dem höchsten Punkt
von Purulhá. Unsere Leutekönnen gar nicht
mehr aufhören mit Fragen, vor allem in den
Parzellen von Martin und Mauricio. Fast bleibt keine
Zeit mehr für die kleine Frauengruppe, die uns
zeigt, wie sie Gladiolen anbauen und dann im Dorf
Purulhá verkaufen. Blumen sind hier ein gutes
Geschäft, da erst wenige Blumen anbauen. Nach dem
frühen Nachtessen gehen die meisten müde und
zufrieden ins Massenlager um zu schlafen.Am nächsten morgen besuchen wir dann 2 gut arbeitende Frauengruppen mit Leaderinnen, die sehr gut reden und präsentieren. In der ersten Frauengruppe in Panimaquita erzählt die Präsidentin, wie die Gruppe entstand, wie sie arbeiten, was wichtig ist in der Gruppe, wo passieren Fehler, was ist schwierig und welche Vorteile die Gruppenarbeit hat. Danach erzählt sie aus ihrem eigenen Leben: "Vor Jahren war ich ängstlich, ging kaum aus dem Haus, sprach nur Q'eqchi' und traute mir gar nichts zu. Eines Tages wurde ich eingeladen für eine Weiterbildung, in der ich zur Vertreterin meiner Gemeinschaft ausgebildet werden sollte. Mit der erkämpften Erlaubnis meines Mannes, viel Angst und einer Freundin machte ich mich auf in ein entferntes Dorf und merkte erst dort, dass die Weiterbildung nicht nur einen, sondern 5 Tage dauerte. Ich genoss die Tage und lernte viel. Doch als ich auf dem Weg nach Hause war, überfiel mich die Angst. Werden meine Kinder und mein Mann mich überhaupt wieder aufnehmen? Sicher wollen sie gar nichts mehr wissen von mir! Sie kennen mich wohl kaum mehr und haben sich jemand anderes gesucht. Als ich dann unsicher und mit dieser grossen Angst im Bauch zuhause ankam, musste ich feststellen, dass meine Familie sich sehr freute, dass ich wieder zuhause bin. Danach ging es weiter mit viel Schulung und Lernen und heute bin ich selbstständig, Präsidentin der Frauengruppe, spreche spanisch und habe noch viele andere Aktivitäten. Am meisten stolz bin ich darauf, dass ich nach 5 Jahren immer wieder insistieren es geschafft habe, dass alle Familien der Frauengruppe ein eigenes Haus aus Zementblock bekommen. Immer wieder ging ich zum Bürgermeister, legte ihm die Pläne und die Finanzierung vor, unsere Unterschriften und unsere Eingaben. Jetzt endlich nach 5 Jahren harter Arbeit hat es geklappt. Wir bekommen die Häuser. 5 Davon sind schon fast fertig gebaut." Danach besuchen wir die zweite
Frauengruppe, die schon sehnlich auf uns wartet. Wir
haben uns durch die spannenden Schilderung der
Präsidentin und die anschliessende Diskussion
verspätet. Diese Gruppe lernte vor kurzer Zeit Weben
und stellt wunderschöne Huipiles her - die
traditionellen Blusen der Mayas (Foto). Unsere Frauen
sind hell begeistert von den Blusen und der Arbeit der
Frauen. Nachdem sie uns gezeigt haben, wie sie weben,
gehen wir ins Haus um einen Imbiss zu uns zu nehmen und
über die Arbeit zu diskutieren - ist es schwer zu
lernen - was kosten die Huipiles - verkauft ihr sie gut -
und immer wieder über die Gruppenarbeit.Verspätet gehen wir dann zum Mittagessen. Der Bus wartet schon auf uns und es gibt noch ein Gehetze, weil 2 Familien noch den Bus um 4 Uhr in Cobán erreichen müssen, damit sie überhaupt noch vor Mitternacht nach Hause kommen. Müde aber zufrieden kommen wir anderen um 9 Uhr nachts in Cahabón an und nach einem einfachen Nachtessen fallen alle ins Bett. Am nächsten morgen brechen die meisten dann sehr früh auf, um nach Hause zu kommen. Es war ein spannender und guter Ausflug und daraus sind 6 Gruppen entstanden, die mehr oder weniger gut arbeiten. Anfangs Juni 2006: in Chaslau sind sie am Weben, in Chatela stellen sie Medizin her, in El Carmen haben sie wunderschöne Gärten und werden bald Kaninchen bekommen, in Chiakté haben sie Terassen erstellt,um darauf Gemüse für den Verkauf anzubauen, in Nuevo San Fernando helfen sie einander im Familiengarten, nur die Gruppe aus Semox hat sich leider wieder aufgelöst, nachdem sie wunderschönes Gemüse in einem Gemeinschaftsgarten hatte und sich wegen Geld und der Gemeinschaftsarbeit zerstritten haben. 28./29. September 2005 - 2 Tage spannende Weiterbildung mit Milvia Gonzales über Gender. Ein schwieriges Thema, weil Männer und Frauen generell keinen grossen Kontakt untereinander haben. Männer haben das Sagen. Frauen gehorchen und brauchten bis vor kurzem noch die Erlaubnis des Mannes, um überhaupt nur aus dem Haus gehen zu dürfen. Es ist ziemlich neu, dass Frauen alleine zu einer Weiterbildung gehen können. Allerdings kenne ich auch Familien, in denen die Beziehung zwischen Mann und Frau ziemlich demokratisch ist. Es gibt sogar Familien, in denen die Frau das Geld verwaltet. Die ist aber nicht die Normalität. Die Frau läuft generell immer einige Schritte hinter dem Mann. Ich habe dann auch einmal herausgefunden warum. Der Mann schützt damit die Frau und die Kinder vor bösen Dämonen, die auf dem Weg lauern. Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit gibt es nur zwischen Männern oder zwischen Frauen. Wie die Promotorinnen in dieser Weiterbildung erklärten, werden Ehepaare, die sich aus Versehen in der Öffentlichkeit berühren rot. Bis vor kurzem gab es keinen Kontakt zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen. Heute gehen die Kinder und auch die Jugendlichen zusammen in die Schule. In den Gemeinschaften ist es aber immer noch unmöglich, dass sich ein Junge und ein Mädchen alleine treffen. Also geschieht dies heimlich. Dazu kommt, dass viele Jugendliche in Cahabón in die Oberstufe gehen und hier ohne Familie wohnen. Hier sind grosse Schwierigkeiten entstanden, weil die Jugendlichen nie gelernt haben, miteinander umzugehen. Die Jungs möchten Sex und die Mädchen haben nie gelernt NEIN zu sagen. In Cahabón gibt es im Moment sehr viele uneheliche Kinder. Keine Aufklärung. Man redet nicht über so etwas. Das erinnert mich stark an meine Jugendzeit. Da war es nicht viel anders. ![]() Was arbeitet die Frau, was arbeitet der Mann, war eine der ersten Fragen von Milvia. Die Frau gehört ins Haus, Kinder kriegen, waschen, kochen, putzen, Kinder erziehen, Wasser holen und Hühner, Enten, Truthähne und Schweine füttern, Hühner schlachten. Die Frau hat keine harte Arbeit. Der Mann gehört aufs Feld, Mais anbauen, Kardamom, Kaffee, Kakao, Chili, Holz holen, jagen und Schweine schlachten. Der Mann arbeitet hart. Die Rollenverteilung ist starr in den Köpfen. Das geht auch aus den Antworten hervor. Das Bild sieht ganz anders aus nach der folgenden Gruppenarbeit. Getrennt erstellen die Promotorinnen und Promotoren je eine Uhr mit den täglichen Arbeiten.
Wohlverstanden, die Tabelle wurde von den Promotoren
und Promotorinnen ausgefüllt und danach auch
für richtig befunden. Allerdings gibt es auch
Männer, die mehr helfen und mehr arbeiten.
Dass Frauen oft im Feld arbeiten will allerdings nicht in den Kopf - Frauenarbeit ist Hausarbeit. Vor allem die Karadomom-Ernte schadet den Familiengärten. Die Haupterntezeit dauert
rund 3 Monate und die Frauen sind mehrere Tage in der
Woche den ganzen Tag am Ernten. Zeit für den
Garten haben sie in dieser Zeit nicht mehr. Kardamom
ist immer noch die einzige grössere Geldquelle der
Bauern hier in Cahabón, obwohl der Preis
zusammengefallen ist.Weiter geht es mit den biologischen und sozialen Unterschieden zwischen Mann und Frau. Welche Unterschiede sind von den Menschen selbst konstruiert, wie zum Beispiel die Kleider - Frauen tragen Röcke und Blusen- Männer tragen weisse Hemden, dunkle lange Hosen, schwarze Schuhe und einen Gürtel. Langsam tasten wir uns an die Wirklichkeit heran. Ein weiteres Thema ist die Diskriminierung wegen der Hautfarbe, wegen dem Geschlecht, wegen der Armut. Du bist dumm, du sprichst ja nicht einmal spanisch, du bist nur eine Frau und taugst für nichts - du bist nichts wert, du trägst Kleider eines Armen. Die Diskriminierungen unter den Q'eqchi' selber ist sehr stark verbreitet. Beteiligung der Frau in der Familie, in der Gemeinschaft, im Dorf ist ein weiteres Thema.
Die 2 Tage Weiterbildung waren nur ein kleiner Anfang
mit viel Neuem zum Nachdenken. Es wird wohl noch
längere Zeit dauern, bis in den Köpfen der
Frauen und Männer so etwas wie
Gleichberechtigung entsteht. Seltsamerweise ist in
der täglichen Praxis mehr Gleichberechtigung zu
beobachten als in den Köpfen vorhanden ist.
27./28. Oktober 2005 Weiterbildung für alle Mütter und Väter der Schüler. Ich konnte meine Idee verwirklichen. Gestern abend sind 6 Frauen von verschiedenen Gemeinschaften aus Purulhá angekommen. Wir
werden heute nicht kochen und die Frauen werden in 4
Ateliers die Frauen und ihre Arbeit kennen lernen.
(Foto: Frauen in der
Vorstellungsrunde)
Am Schluss der Weiterbildung konnten wir allen Familien 4 Lernkalenders mit Nachhause geben. Nach dem üblichen Nachtessen mit schwarzen Bohnen und Tortilla wird bis um 23 Uhr getanzt. Danach gehen die Menschen schlafen und die Frauen aus Purulhá brechen am nächsten morgen schon wieder früh auf, um noch vor dem Mittag wieder zuhause zu sein. Der Lernkalender für das Jahr 2006
Im Juli haben wir angefangen, unseren ersten
Lern-Lernkalender für das Jahr 2006. Fotos aus
Gärten und Parzellen mit einem für uns
wichtigen Inhalt. Der Neid ist gross zwischen den
Menschen in den Gemeinschaften und so wird fast alles
Geld auswärts ausgegeben. Also versuchen wir
daran zu arbeiten. ![]()
Mit diesem Kalender werden wir immer wieder arbeiten.
In den Gemeinschaften und in Weiterbildungen in der
Schule.
9. November 2005 Zur Weiterbildung für neue Mütter kommen diesmal 9 neue Frauen. Sie sind sehr neugierig und fragen viel. 29.11. - 1.12.2005 Gemeinsam mit allen Promotorinnen und Promotoren erarbeiten wir den Bericht für Misereor Deutschland per 31.12.2005. Zwei mal im Jahr, Ende Juni und Ende Dezember schreiben wir über unsere Erfolge und Schwierigkeiten. Es ist sehr schwierig, aber wir möchten, dass auch die PromotorInnen wissen, wie so ein Bericht aussieht und welche Zahlen wir da zweimal im Jahr zusammenstellen müssen. Vielleicht füllen sie dann die vorgedruckten Blätter der Gärten und Parzellen besser und mit mehr Wissen aus. Für jeden Garten, jede Parzelle, jedes Maisfeld und jedes Hühnergehege wird ein separates Blatt geführt. Bei jedem Besuch müssen die PromotorInnen in diesen Blättern die Erfolge und Schwierigkeiten notieren. Somit haben wir einen genauen Überblick über unsere Arbeit, wenn die Blätter sorgfältig ausgefüllt sind. Hier einige Zahlen aus dem Bericht vom 31.12.2005 Im Moment arbeiten für die Familiengärten 1 Assessorin (MISEREOR), 1 Koordinatorin (PTM Mundibat), 1 Promotorin (MISEREOR), 1 Promotorin (PTM Mundubat), 1 Promotorin (Pfarrei Spiez) und eine Promotorin (Pfarrei Arth). ERFOLGE Im Moment betreuen wir 129 Familiengärten (6063 m2) mit einem Durchschnitt von 47 m2 in 31 verschiedenen Weilern/Gemeinschaften. Wir pflanzen folgendes in den Familiengärten: Mangold, *Knoblauch, *Sesam, *einheimisches Basilikum, *Baumwolle, Schnittsellerie, *Amaranth, *Zwiebeln (nur in höheren Lagen), *Cebollin (Schnittlauchart), *Chile, *Koriander, *Luwa, *Buschbohnen, *Mungobohnen, *einheimische Passionsblumenfrucht, *einheimische Chirimoya, *Gewürzpfefferminz, *Kohlrabiblätter, *Inwer, *Kurkuma/Gelbwurz, *Macuy (einheimische Blattgemüse), *3 verschiedene Mostaza (Blattgemüse), Bodenkohlrabi, *Pak Choi, *Gurken, Petersilie, Lauch, *Radiesli, Randen, Kohl, *Samat (Gewürz), *Wassermelonen, *Kürbis, *Tomaten, *Verdolaga (Blattsalat), *Karotten (Pflanzen mit * entwickeln Samen oder werden durch Stecklinge vermehrt. Für die anderen Gemüse kaufen wir die Samen in Guatemala.)
SCHWIERIGKEITEN
KLASSIFIKATION DER GÄRTEN LAUT DEN PROMOTORINNEN
Im Grossen und Ganzen bin ich mit unserer Arbeit sehr
zufrieden. Die Trockenheit bis anfangs Juli hat uns
allerdings schwer zu schaffen gemacht. Die Böden
waren total ausgetrocknet und steinhart. Die meisten
Frauen brauchten 1-2 Monate, bis der Boden wieder zum
Säen bereit war. 7.-9. Dezember 2005 Mit 2 Elternpaaren und einem Vater von 3 Schülern, die im Juli mit uns Carlos Arturo in Honduras besucht haben, fahren wir
für 3 Tage nach San Pedro Copán. Die
Promotorin Ana und der Promotor Alejandro begleiten und
für die Übersetzung. An der Grenze allerdings
stellt sich heraus, dass Ana ihren Pass zuhause
vergessen hat. Also muss sie 2 Tage allein in
Esquipulas verbringen. Das ärgert, weil wir nun
keine Übersetzung von Frau zu Frau haben. Das
wäre sehr wichtig gewesen. Schicksal! Beide Frauen hatten ein Bébé dabei. Für die Frauen ist das immer sehr ermüdend. Trotzdem haben sie gut mitgemacht, vor allem Josefina Ax Mucú (auf dem Foto mit Kind). Wir haben nicht nur den Garten, die Tiere und "den Wald" von Carlos Arturo besucht, sondern auch viele andere Familien, die in ähnlicher Weise arbeiten. Hier am Fischteich einer Familie im selben Dorf. Die Frauen und Männer, die wir besuchen, reden begeistert über die neue Art, Landwirtschaft zu betreiben. Und wir werden auch überall willkommen geheissen und bewirtet. Bei der Familie mit dem Fischteich sind wir zum Nachtessen eingeladen. Die Frau kocht viele verschiedene Spezialitäten aus dem Dorf mit Produkten aus ihrem "Wald" und Garten. Wir sind immerhin 10 Personen, dürfen aber nichts bezahlen. Die Gastfreundschaft ist sehr gross. Am nächsten Tag besuchen wir eine Familie, die auch mit den neuen Methoden arbeitet. Von ihrer Landwirtschaft leben 4 Familien - die Familie der Eltern
und 3 Familien der Söhne mit ihren Kindern. Sie
verkaufen Kaffee, Mais, Maniok, Süsskartoffeln,
Taro, Honig, Orangen, Zitronen, Nance (Frucht), Fische
(2 Teiche mit 9000 Fischen) und haben vor allem
für den Eigengebrauch Hühner, Schweine und 3
Kühe. Jeder der Söhne hat sich auf ein
Produkt spezialisiert und sie arbeiten alle sehr gut
zusammen. Jede Familie hat ein hübsches Haus aus
Lehmziegeln gebaut. Viele Blumen vor dem Haus und eine
gute Bewirtung.Die Familie von Josefina Ax Mucú und Tomas Ochoa hat schon vorher angefangen, rund um das Haus viel anzupflanzen. Und nach diesem Besuch haben sie noch viel mehr Ideen entwickelt. Bei den zwei anderen Familien ist leider noch nicht viel umgesetzt. Die Familie von Candelaria Ixim und Julio Tot (rechts auf dem Foto) ist im Moment wie gelähmt wegen Geldsorgen. Zwei ihrer Söhne sind im Moment gleichzeitig bei uns in der Schule. Der Vater muss die Parzellen beider Söhne gleichzeitig selber betreuen, da er keine weiteren Söhne hat, die im Helfen könnten. Das Geldverdienen kommt zu kurz. Das lähmt die ganze Familie. Eliseo Choc setzt langsam etwas vom Gesehenen um. Auch er hat neben seinem Sohn in der Schule keine Söhne, die ihm helfen könnten. Wir haben uns von diesem Besuch etwas mehr erhofft, trotzdem werden wir weiter mit Schülern, Eltern und auch Frauen Besuche an anderen Orten machen. Ich bin überzeugt, dass es sehr wichtig ist für alle, andere Lebenswelten kennen zu lernen und zu merken, dass die Menschen auch an anderen Orten kämpfen für eine bessere Zukunft.
Mitte Dezember 2005 und 10. April 2006 in
Chiacach 19 SchülerInnen des 7.-9. Schuljahres in Chiacach haben schon im Juli 2005 mit einem grossen Garten
angefangen. Es ist eine der wenigen Gemeinschaften, die
eine Oberstufenschule haben. Chiacach war sehr stark in
den internen Krieg verwickelt. Sie wehrten sich, als
die Regierung mit Hilfe des Militärs ihr Land
konfiszieren wollte und haben aus den Wäldern
heraus das Militär bekämpft. Viele Menschen
sind dabei umgekommen und viele Menschen sind psychisch
stark geschädigt. Ein Schüler erzählt
wie seine Eltern den ganzen Tag einfach vor dem Haus
sitzen und nicht mehr in der Lage sind, etwas zu
arbeiten. Andere SchülerInnen sind Halb- oder
Vollwaisen.Der Hauptlehrer José Reyes Cucul ist aus Chiacach. Er hat nach seinem Studium als Erstes Guatemala bereist, um andere Kulturen und Menschen kennen zu lernen. Ich spüre sehr stark, dass er aufgeweckter ist als der Durchschnitt, sehr gut spanisch spricht und auch eine gewisse "westliche" Logik hat, die bei den meisten Menschen in den Gemeinschaften fehlt. Ich kann sehr gut mit ihm zusammenarbeiten. Er setzt sich sehr stark für die Gemeinschaft, vor allem für die Jugendlichen ein. Er kann sich eine Veränderung im Dorf in der Zukunft vorstellen und arbeitet mit aller Kraft daran.
Im Juni 2005 kamen sie zu mir mit der Bitte, sie zu
unterstützen. Sie konnten die
Einschreibegebühren Quetzal 460 (Sfr 84.00) pro
SchülerIn für das Schuljahr 2005 nicht
aufbringen. Sie standen kurz davor, dass die
Oberstufen-Schule geschlossen wurde. Und so
erarbeiteten wir einen Vertrag. Die SchülerInnen
der Oberstufe von Chiacach werden einen Familiengarten
und eine diversifizierte Parzelle anlegen und ich werde
ihnen die Einschreibegebühren bezahlen. So begann
die Geschichte mit Chiacach und ihren
SchülerInnen. Sie fingen an mit 4 Gartenbeeten,
die Erde war hart und sie hatten noch wenig Kompost.
Kompost ist so eine Sache - es scheint schwierig zu
sein, zu begreifen, dass der Boden Dünger braucht
und noch schwieriger, dass ein Haufen "Abfall" zu
Dünger - Nahrung für den Boden werden soll.
Die Samen keimten dann auch kaum, obwohl sie sich viel
Mühe gaben mit Abdecken und Giessen. Nachdem sie
Bohnen gesät haben und davon einige auch an dem
Ort, wo vorher der Kompost war, fingen sie an zu
staunen. Am Ort des Kompostes wuchsen die Bohnen
doppelt so schnell und hatten viel mehr Ertrag. Von dem
Zeitpunkt an, ist in ihrem Garten immer viel Kompost
anzutreffen. Auf den ganzen ca. 500 m² wird heute
Gemüse angebaut und die Erde ist herrlich locker
und sehr gut zu bearbeiten. Dementsprechend ernten sie
heute auch schönes Gemüse. Sehnsüchtig
sahen sie zu, wie der Chabis wächst und konnten
kaum warten mit Ernten. Eines schönen Tages
ernteten sie alle Chabis auf einmal und machten
Chabissalat, den sie gemeinsam assen. Das müssen
um die 20 Chabis gewesen sein. In Chiacach gibt es 14
weitere Gärten. Als ich eines Tages zu einem
Garten unterwegs war, sah ich einen grösseren
leeren Platz, an dessen oberem Ende direkt eine Quelle
sprudelt (roter Pfeil). Das Wasser lief einfach weg und
wurde nicht gebraucht. Mir kam die Idee, dass man hier
einen Fischteich bauen könnte. Es war mir bewusst,
dass wegen der Bodenbeschaffenheit und der Lage hier
wohl mit Zement gearbeitet werden muss. Langsam
entstand ein Plan - Fischteich und zugleich ein
kleineres Schwimmbad für die Kinder. Der Platz
wurde von der Dorfgemeinschaft zur Verfügung
gestellt und wir fingen an mit Ausmessen. 7x9x1 Meter
gross sollte der Teich werden. Die Mauern mit Steinen
gebaut und mit Zement verstärkt und verputzt. So
machten wir wieder einen Vertrag: Ich bezahle den
Zement, den Gips, wenig Röhren, Verschlussdeckel,
Maschendraht für einen Zaun, 1 Schloss und einen
Vorarbeiter, der die Arbeiten mit dem Zement anleitet
(aus Spenden). Die SchülerInnen und Väter
graben den Teich aus, suchen die Steine, holen den Sand
aus dem Fluss und arbeiten nach der Anleitung des
Vorarbeiters für die Fertigstellung des
Teichs. Im Dezember fingen sie mit den
Grabarbeiten an. Von 8-11 arbeiteten die
SchülerInnen. Dann gingen sie nach Hause zum
Duschen, Umziehen und Essen. Um 14.00 - 17.00 hiess es
dann die Schulbank drücken. In dieser Zeit kamen
die Väter zum Arbeiten. Nach etwa 30 cm Tiefe kam
eine Lehmschicht, total durchnässt von dem
Quellwasser, die die Grabarbeiten sehr erschwerte. Bis
2 Meter tief mussten sie graben an der Hangseite. Im
Februar fing der Vorarbeiter an zu arbeiten. Die
Grabarbeiten waren fertig, die Steine für die
Mauern bereit und die Mädchen hatten 16 m³
Sand vom Fluss - 25 Min. 1 Weg - heraufgeschleppt. Sie
waren sehr stolz, dass sie mehr Kraft hatten und luden
voller Stolz die Gipssäcke vom meinem Auto, als
ich mit einer Ladung Gips ankam. Nun lernten die
Schüler und auch ihre Väter, wie man mit
Zement arbeitet. Mitte März konnten sie das erste
Mal das Wasser einlaufen lassen. Meine Angst, dass
wenig Wasser fliesst war unbegründet. Die Becken
füllten sich über Nacht.
Dann kam der grosse Schrecken. Nach einem Tag bahnte
sich die echte Quelle ihren Durchbruch durch den
Zementboden im Schwimmbad für die Kinder. (Siehe
Pfeil). Unser Baumeister der Schule, Don Enrique, der
die ganzen Bauarbeiten überwacht hatte, legte um
die Quelle eine dickere Zementplatte mit Eisen und
setzte in der Schwimmbadseite 2 Röhren und auf der
Fischseite eine Röhre ein, woraus nun das
Quellwasser sprudelt. Damit war das Problem
glücklicherweise gelöst. Am 3. April
setzten wir 300 Fischchen im Teich aus. Am 10. April
war dann die offizielle Einweihung auch des Schwimmbads
für die Kinder. Mit der Nationalhymne und dem
Schwur auf die Fahne fing das ganze Fest an.
Ansprachen, Theater, Sketches, vorgetragene Lieder und
Tanz für Gross und Klein waren die
Hauptattraktionen des Vormittags. Die traditionelle
Hühnersuppe rundete das Fest ab.2 Tage später zäunten sie den Teich ein. Traurig eigentlich, aber die SchülerInnen haben viel Angst, dass andere Leute die Fische angeln. Die Armut und der Hunger sind so gross, dass sie damit wohl leider Recht haben. ![]() Die Fische wachsen gut. Zum Glück fast ohne zugekauftes Futter. Sie fressen Blätter, Maismasse und Termiten. Ich hoffe, dass die SchülerInnen mit diesen Fischen wenigstens einen Teil ihres Schulgeldes nächstes Jahr selber berappen können. Dazu kommt ab August ein grösseres Hühnergehege, in dem sie einheimische Hühner zum Verkauf züchten werden. Ab Ende Jahr sollten dann noch Kaninchen dazu kommen. Kaninchen sind etwas total Neues hier in Cahabón. Sie werden also noch vieles dazu lernen müssen. Der grösste Erfolg für mich ist weder der Fischteich noch der Garten. Der grösste Erfolg ist, dass die SchülerInnen gemerkt haben und das auch kuntun, dass so etwas nur in Zusammenarbeit möglich ist - Arbeiten in der Gruppe ist etwas Gutes und Wertvolles. Das haben sie gelernt und sind überzeugt davon. Dazu eine Geschichte, die ich selbst in einer Weiterbildung gehört und den SchülerInnen aus Chiacach weitergegeben habe:
Ob die Geschichte nicht auch in der Schweiz aktuell ist? Helfen wir uns wirklich - sind wir japanische oder guatemaltekische Krebse in der Schweiz?????? Tja! 3. - 13. Januar 2006 Und schon sind wir im neuen Jahr. 14 Tage Weiterbildung sind angesagt. In der erste Woche gemeinsam mit allen Promotorinnen, Promotoren und 3 neuen möglichen Promotorinnen und einer neuen Koordinatorin. Marta hat uns verlassen, sie ist noch jung und wird in ihrer Gemeinschaft Rumpok weiter die Schule besuchen, da sie bis jetzt erst die Primarschule absolviert hat. Die Koordinatorin Regina hat leider nicht unseren Erwartungen entsprochen und wird auch nicht mehr mit uns arbeiten. Dolores, wird in Zukunft von zuhause aus versuchen, mit den Familien Gärten anzulegen und nur noch zu den Weiterbildungen mitkommen. Jeden Tag beginnen wir mit Erklärungen über die Bedeutung des Tages im Mayakalender und einer kleinen Zeremonie mit Kerzen und Gebet. Der erste Tag ist Ajmaq, er symbolisiert den Geist der Weisheit, des Zusammenlebens und der Ratschläge der Grossmütter und Grossväter. Ein guter Tag zum säen, zum Bitten um Vergebung für getanes Unrecht und um Gott zu danken für materielles und physisches Gutergehen. Danach arbeiten wir vor allem daran, die PromotorInnen in ihrem Selbstvertrauen zu stärken. Im Persönlichen und in der Arbeit: Warum sind wir hier, was ist das Ziel unserer Arbeit, wie arbeiten wir, um an unser Ziel zu kommen. Die PromotorInnen stellen ihre Arbeit den Neuen vor und reflektieren somit auch über ihre eigene Arbeit. Auch die Arbeit der ganzen Schule wird von PromotorInnen vorgestellt. Unser strategischer Plan für 2007-2011 wird vorgestellt. Wir werden wir arbeiten in den nächsten Jahres, wo sind unsere Schwerpunkte, was werden wir ändern müssen. Was können wir verbessern in unserer Arbeit als PromotorInnen. Wir erwarten viel von unseren PromotorInnen und einiges macht noch Schwierigkeiten, vor allem das "sich Einmischen" oder eben das "sich nicht Einmischen". Da machen wir noch viele kulturelle Barrieren aus, da liegt eine unserer Schwierigkeiten. Man mischt sich nicht ein. Wenn also ein Promotor sieht, dass jemand etwas nicht richtig macht, ist es für ihn sehr schwierig, das auch mitzuteilen und klar zu sagen, "schau so wird das nicht funktionieren, du musst das anders machen.....". Oder wenn eine Promotorin sieht, dass ein Kind sich fast zu Tode hustet, zu sagen: "machen wir doch zusammen einen Hustensirup, das wird der Kleinen helfen, dass sie nicht mehr hustet". Daran werden wir im zweiten Halbjahr zusammen mit Don Mario Sebastián, unserem Mayaspezialisten vom Erziehungsministerium und den PromotorInnen arbeiten. Wo sind die Barrieren, warum diese Scheu/Angst einzugreifen, wie können wir die Barrieren durchbrechen - persönlich, und auch mithelfen, dass die Menschen/Gemeinschaften diese Barrieren zu durchbrechen anfangen. Erst dann werden nämlich die Menschen anfangen, bei den Nachbarn helfend einzugreifen. Drei Tage waren der erstmaligen Weiterbildung in Ernährung gewidmet. Es ist ein schwieriges und unbekanntes Thema für die Menschen. Es ging als erstes einmal darum, die Grundbegriffe kennen zu lernen und zu lernen und zu wissen, dass Essen nicht einfach Essen ist und dass vom Essen unsere Gesundheit, unsere Konstitution, unsere Gedächtnisleistung und unsere Arbeit abhängen. Viel theoretisches Wissen, von dem doch einiges hängen geblieben ist, wie wir am Schluss der Woche in einem kurzen Examen feststellen konnten. In der zweiten Woche waren dann nur noch die Promotorinnen anwesend. Es ging jetzt um spezifische Themen im Gartenbau und in der Küche. Wie säen wir, was können wir verbessern in den Gärten und in der Küche, ausprobieren von neuen Rezepten, kennen lernen der Parzellen in der Schule. Am Ende der 2 Wochen kristallisierten sich dann auch die neuen Promotorinnen heraus: Irma Yolanda Ché Macz, Rosa Maria Chen Choc und die Koordinatorin Bertha Estela sind die Neuen, Ana Maria Ixim, Carlota Caal Tzul und Dolores Xol Ical zu 50% in und um ihre Gemeinschaft sind die alten Promotorinnen. Wir sind also jetzt 7 Frauen, die mit aller Kraft mit den Frauen in den Dörfern mit Gärten, Kochen, Gesundheit, Kommerzialisierung und Selbstvertrauen arbeiten. 27./28. Januar 2006 Weiterbildung für alle Mütter und Väter der Schüler 61 Mamas von im ganzen 87 Mamas kamen an diesem Tag zusammen mit ihren Ehemännern zu der Weiterbildung in der Schule. Wie fast immer arbeiteten wir am morgen mit den Frauen theoretisch und am Nachmittag kochten wir zusammen für das Nachtessen in 4 Gruppen. Am morgen an 4 Themen:
- Wie lebt Deine Familie jetztEs gab eine sehr lebhafte Diskussion vor allem auch über den 4. Punkt. Leider mit zu wenig Zeit. Wir werden an der nächsten Weiterbildung daran weiterarbeiten. Am Nachmittag kochten wir wie üblich 4 verschiedene Rezepte für das Nachtessen für rund 400 Menschen:
Das Essen hat allen geschmeckt. Die
Tamales allerdings machten sehr viel Arbeit und wurden
um 9 Uhr nachts in einer Tanzpause verteilt.Die Frauen haben Spass am Kochen und sind es auch gewohnt, weil sie an ihren traditionellen Festen für grosse Menschenmengen in Gemeinschaft kochen. Langsam werden die Frauen auch ihren Menuplan ändern. Was allerdings immer noch bleiben wird und auch soll, sind die Tortillas. Allerdings brauchen die Frauen für die Zubereitung sehr viel Zeit. Ich schätze, dass jede Frau, je nach Familiengrösse um die 4-6 Stunden täglich dafür braucht. Jeder Erwachsene Mensch isst pro Mahlzeit 6-8 Tortillas. Die Tortillas werden 3x pro Tag frisch zubereitet. In der Schule verbrauchen wir täglich um die 2800 Tortillas. Diese werden allerdings mit einer Maschine hergestellt, schmecken aber auch dementsprechend. 1. März 2006 Weiterbildung für Mütter, die neu mit einem Garten anfangen wollen. An dieser
Weiterbildung nahmen insgesamt 25 Frauen teil. Sie
werden darin geschult, wie ein Garten aussehen sollte,
Zaun, Gartenbeete, Bearbeitung des Bodens, Kompost
zubereiten.Erst wenn sie den Garten einigermassen vorbereitet und fertigen Kompost haben, werden die Promotorinnen zu ihnen nach Hause gehen und mit ihnen zusammen das erste Mal säen. Anhand vieler Fotos und neu auch Gärten in ihrer Umgebung als Beispiele können sie sich vorstellen, wie sie ihren Gaten gestalten möchten. In den meisten Fällen klappt das auch sehr gut. Mit diesen 25 neuen Gärten, davon 5 Gärten in neuen Gemeinschaften kommen wir langsam an den Anschlag unserer Möglichkeiten. Im Moment gibt es einen Stop für Gärten in neuen Gemeinschaften. Wir müssen nach neuen Wegen suchen, um die Gärten mit grösserer Effizienz betreuen können. Ab Juli werden wir anfangen mit den Promotorinnen daran zu arbeiten, wie sie mit Gruppen besser arbeiten können. 3.-5. März 2006 - Die ersten drei Tage Schulung in Chaslau im Weben
Nach unserm Besuch in
Purulhá mit den Frauen im letzten August
haben sich Gruppen gebildet mit Frauen, die gerne Weben lernen
möchten. Die erste Gruppe mit 10 Frauen, die
bereit waren zu einem Kurs, waren Frauen aus Chaslau.
In Chaslau existieren 16 Familiengärten, aber
nicht alle Frauen der Webgruppe haben einen Garten. Die
Weblehrerinnen stammen aus Purulhá. Sie
gehören zur Ethnie der Pokomchi, sprechen aber
auch Q'eqchi' und spanisch. Sie werden 6-7x für 3
Tage nach Chaslau kommen, um die Frauen im Weben zu
unterrichten. Ich bezahle ihnen Q 50.00 pro Tag und die
Fahrt mit dem Bus. Die Frauen aus Chaslau
erhalten das Garn für das erste Huipil
(traditionelle Bluse). An den ersten 3 Tagen lernten
sie vor allem, wie sie den Webstuhl herzustellen. Es
ist ein Sitzwebstuhl, wie man auf dem Bild sehen kann.
Einerseits an einem Baum oder Pfosten befestigt,
andererseits sitzen die Frauen auf dem Anfang. Jede
Frau durfte die Farbe ihres Huipil selber
auswählen, und viele Frauen wählten eher
Pastellfarben, die heute neu auch erhältlich sind.
Das Garn wird schon gefärbt gekauft.
Handgefärbte Garne aus Naturfarben entsprechen
nicht mehr den Anforderungen der heutigen Frauen. Sie
verlieren sehr schnell die Farbe und das gefällt den
Frauen nicht. Andererseits kann ich in der Schweiz kaum
etwas verkaufen, das abfärbt. Und einer meiner
Ideen ist natürlich auch, dass ich Tischsets,
Schals und andere Dinge, die die Frauen weben auf
meinen Heimaturlauben verkaufen kann.Die Frauen lernen sehr schnell. Sie sind begabt und haben ein gutes Gedächtnis für die verschiedenen Muster. Für ihr erstes Huipil werden sie natürlich einfachere Muster verwenden. Am Ende des Kurses ist dann allerdings gedacht,
dass jede Frau für sich ein Musterstück webt,
mit vielen verschiedenen Mustern (wie auf dem Foto zu
sehen ist).Weben ist eine Arbeit, die Geduld erfordert. Die verschiedenen Motive werden während dem Weben einzeln eingefädelt. Die Frauen sind sehr motiviert. Dabei vergessen sie fast ihre Kinder. Bei meinem letzten Besuch war es schon 5 Uhr Abends und sie wollten einfach nicht aufhören. Die kleineren Kinder fühlten sich vernachlässigt und hatten wohl auch Hunger. Viele weinten, konnten aber nicht einmal dadurch ihre Mütter im Webenunterbrechen. Die Frauen weben im Moment nicht traditionelle Huipil aus Cahabón. So wie es aussieht, werden sie trotzdem gut verkaufen können. Auch die Huipil sind heute der Mode unterworfen. Ein Huipil muss nicht mehr unbedingt das traditionelle aus dem Ort sein. Das hat sich hier in Cahabón in den letzten 2-3 Jahren stark geändert.
Dolores Xol Ical - die Promotorin die rings um
ihr Dorf arbeitet. ![]() Dolores arbeitete gut als Promotorin in den Gärten. Sie wird aber darüber hinaus nicht mit den Frauen arbeiten können. Deshalb habe ich ihr den Vorschlag gemacht, dass sie versucht, mit den Frauen ihrer Umgebung Gärten aufzubauen. Sie wohnt in Setzol, gut 3 Stunden Fussmarsch von Cahabón entfernt, hoch oben in den Bergen auf gut 1000 Metern. (Cahabón liegt auf 240 m) In dieser Höhe wächst fast alles, inklusive Kartoffeln. Wegen dem weiten Weg hatten wir bis anhin nur 3 Gärten in der Nähe um Setzol. Ein Stundenlohn auf der Basis ihres Lohnes habe ich ihr angeboten. Sie aber sagte klar ab. Ich nehme an, dass sie sich nicht zutraute, selber anzufangen, mit Frauen Gärten aufzubauen. Nach etwa 2 Monaten kam sie freudestrahlend und erzählte, dass sie mit 12 verschiedenen Gärten arbeitet. Die Koordinatorin hat unterdessen die Gärten besucht und die meisten funktionieren nach der kurzen Zeit sehr gut. Das könnte ein Anfang sein in die Richtung, in die wir eigentlich wollen. Ehemalige Promotorinnen und auch Frauen, die gut in ihren Gärten arbeiten, stellen sich zur Verfügung, Frauen in derselben Gemeinschaft oder auch ausserhalb beizubringen, wie man Gärten anlegt und damit arbeitet. Dazu gehört es natürlich auch, Kochkurse abzuhalten. Diese freiwilligen Promotorinnen werden immer wieder eingeladen zu Weiterbildungen und zu Reflexionen in der Schule. Ab und zu auch zu Besuchen ausserhalb Cahabón. Natürlich werde ich Dolores im Moment weiterhin bezahlen, aber irgendwann hört das Geld dafür auf. Ich hoffe, dass sie dann immer noch weiter arbeiten wird, auch unter den neuen Bedingungen. Ausblick 2006 - 2011 Dieses Jahr werden uns noch viele Veränderungen bevorstehen. Neue Arbeitsweisen in der Betreuung der Gärten und der diversifizierten Parzellen. Gruppenarbeit - wir werden versuchen, Gruppen zu bilden um die jetzt bestehenden Gärten. Gruppen, in denen die Frauen anfangen auszutauschen, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Zusammen kochen, Schwierigkeiten rund um die Gärten diskutieren und Lösungen finden, Samen und Pflanzen untereinander austauschen, gegenseitig die Gärten besuchen und jeweils Verbesserungsvorschläge machen und gemeinsam ihre Produkte verkaufen. Im Endeffekt sollte es darauf hinauslaufen, dass wir mit der Zeit nur noch jeweils 2-3 Frauen jeder Gruppe zusammennehmen und in der Umgebung dieser Gruppen in einem bestehenden Familiengarten weiterbilden und Fragen beantworten. Nur so ist es möglich, immer mehr Gärten zu betreuen, ohne viel mehr Personal. Diese Arbeitsmethode bringt es auch automatisch mit sich, dass die Frauen selbstständiger werden und nicht mehr von den PromotorInnen und der Schule abhängen. ![]()
Hoffnungsschimmer Bericht: Helen Hagemann Juni 2006 1. BERICHT VOM MÄRZ 2004 - SEPTEMBER
2004
Mitte
März 2004 haben wir mit unserer Arbeit angefangen.
Wir das sind: die Promotorin Irma Canti Chub (links),
Maria Magdalena Choc Pop (rechts) und ich. März
und April waren vor allem mit Schulung dieser
Promotorinnen ausgefüllt. Was bedeutet
Nachhaltigkeit, nachhaltige Landwirtschaft - hier galt
es die Methoden des Erosionsschutzes, der
Bodenbearbeitung, der biologischen Düngung und der
Diversifizierung kennen zu lernen. Familiengärten,
wie sollen sie aussehen, was werden wir anpflanzen -
hier ging es zuerst einmal darum, die verschiedenen
Gemüse, die wir anbauen möchten, kennen zu
lernen, dann den Familiengarten mit einer
Umzäunung (Hühner, Enten und Schweine laufen
oft frei in der Gegend herum), Bodenbearbeitung,
Bodenbeschaffenheit, Säen, Giessen, Herstellen von
Kompost, Herstellung von Flüssigdünger und
Fungizid auf Pflanzenbasis. Gleichzeitig malten wir
Posters für die Schulung der Frauen: Der
Familiengarten mit Zaun und Schatten, die
Kompostherstellung, der Boden und seine Funktion,
Dünger und seine Funktion und die verschiedenen
Gemüsesorten.Am 21. April luden wir alle interessierten Mütter der Schüler ein und am 28. April Vertreterinnen von interessierten Frauengruppen. Wir stellten als erstes unser Programm vor, danach schulten wir die Frauen in Bodenbeschaffenheit, Anlegen eines Familiengartens mit Umzäunung und in der Herstellung eines Kompost. Dazwischen zeigten wir mit unseren "Posters", welche Gemüse wir anbauen wollen. Ein grosses Gelächter ernteten wir, als wir zuerst die einheimischen Gewürze vorstellten, die wir uns auch im Familiengarten
vorstellen: Gemüsepfefferminz, Cebollin
(ähnlich wie Schnittlauch), Samat
(Suppengewürz), hiesiges Basilikum und andere
Gewürzkräuter. Diese Kräuter wachsen
noch immer wild in der Gegend und die Frauen schicken
meist ihre Kinder, wenn sie die Gewürze brauchen.
Unterdessen habe ich mit Schmunzeln festgestellt, dass
doch die meisten der Mütter in ihren neu
angelegten Gärten diese Gewürze angepflanzt
haben, soweit sie überhaupt vorhanden sind. Andere
bitten uns, doch Cebollin oder Samat zu bringen. Am
Ende des Infotages erhielten alle interessierten
Mütter und Vertreterinnen der Gruppen ein Datum,
an dem wir sie zuhause besuchen würden um zu
besprechen, wo der Familiengarten am besten angelegt
werden kann. Am 21. April waren 15 Mütter und 7
Ehemänner anwesend, am 28. April kamen insgesamt
12 Vertreterinnen und Vertreter von 4 Frauengruppen aus
den Aldeas. (Kompost in Chiakte bei Gertrudis
Pan Pacay und eine grosse Vielfalt einheimischer
Pflanzen und Gewürze bei Dominga Ical Bolóm
in Chatela) Im Mai besuchten wir zum ersten mal alle
Mütter und alle Gruppen. Kennen lernen der
Mütter und der Umgebung, in der sie wohnen, den
Ort des Familiengartens suchen oder bestätigen,
Ratschläge über die Bearbeitung des Bodens
und der Gartenbeete und vor allem, Kontrolle, ob der
Kompost schon angelegt ist. Mit Erstaunen konnten wir
feststellen, dass einige der Mütter ihren Garten
schon fertig angelegt hatten und die einheimischen
Kräuter schon darin gepflanzt waren.Für den Ausflug vom 24.-25. Mai nach Purulhá luden wir Frauen und Vertreterinnen von Gruppen ein.11 Frauen, 7 Männer, 2 Schüler, 6 PromotorInnen, der Koordinator und ich kamen mit auf die Reise. Abfahrt um 3 Uhr morgens. Nach 5 Stunden Fahrt kamen wir in Purulhá an. Die wenigsten Frauen waren jemals in ihrem Leben so weit weg von ihrem Dorf. Zuerst einmal gab es Frühstück, schwarze Bohnen, Eier, Kochbananen und Kaffee. Nach einer kürzeren Einführung über die Arbeit von PRODESSA in 6 Aldeas von Purulhá, machten wir uns auf zu den Besuchen in den Dörfern. Hier arbeiten die Frauen seit letztem Jahr mit grossem Erfolg in ihren Familiengärten. Mit grossem Erstaunen sahen die Frauen aus Cahabón, wie hier die Q'eqchi' Frauen mit Schaufel und
Harke arbeiten, etwas, das sie sich nicht vorstellen
konnten. Purulhá liegt auf über 1500
MüM, es wachsen hier also ohne Probleme Kohl,
Randen, Zwiebeln und vieles mehr und der Boden ist viel
besser als in Cahabón. Aber die Frauen aus
Purulhá bestärkten unsere Frauen, es doch
auch zu versuchen. Es lohnt sich und bei euch wachsen
sicher auch gute Gemüse, die hier nicht wachsen.
Da beide Gruppen dieselbe Sprache reden, war der
Austausch intensiv. 2 Tage lang besuchten wir die
verschiedenen Aldeas, lernten verschiedene Gärten,
Frauengruppen und ihre Probleme und Erfolge kenne und
am 2. Tag durften wir auch säen - für die
Frauen das erstemal in ihrem Leben, bis wir um 16 Uhr
uns wieder auf den Heimweg machten. Das waren
eindrückliche 2 Tage für die Frauen, die
mitkamen.r. nach l: Franzisco, Pedro, Dominga Ixim Tec aus Chiakte, Maria Josefina aus Selamunix, einejunge Frau aus Balamte Im Juni war interne Weiterbildung angesagt. Der Kompost braucht Zeit zum Reifen und wir hatten einiges nach- und aufzuholen. Ende Juni säten wir auch 32
verschiedene Gemüsesorten auf die unteren
Terrassen in der Schule. Aber leider fing sofort danach
der Regen an. 2 mal 9 Tage Dauerregen (mit kurzem
Unterbruch) ohne Sonne und sehr kühl - kaum etwas
keimte. Dies passierte leider auch in den ersten
Gärten, in denen wir säten. Danach mussten
wir schweren Herzens den Frauen empfehlen, mit dem
Säen zu warten, bis das Wetter sich bessert. Es
war einerseits unmöglich zu säen, weil die
Erde hier zusammenpappt, wenn sie sehr nass ist und
andererseits wussten wir nicht, wann die Sonne wieder
kommt. Nur an einigen wenigen Orten mit schwarzen Erde
ohne Lehm, keimten die Samen ohne Probleme, trotz dem
schlechten Wetter. Kaum war der grosse Regen vorbei,
kam die Trockenzeit - 3 Wochen heisse Sonne ohne einen
Tropfen Regen und was fast so schlimm war, die
Feuchtigkeit in der Nacht erreichte keine 100% mehr,
wie üblich. So blieb auch das so ersehnte Nass der
Nacht aus. Trockenheit mitten in der Regenzeit. Das
Wetter spielt nicht mehr mit. Regenzeit - Trockenzeit
vermischen sich. In Guatemala ist seit Mitte August in
6 "Kantonen" Notstand, der Mais ist vertrocknet,
genauso die Bohnen Ab Ende Juni und den ganzen Juli
besuchten wir alle Mütter und Gruppen zum
zweitenmal. Unterdessen ist noch die Frauengruppe aus
Chipok dazugestossen. Jetzt ging es darum, die Frauen
zu lehren, wie man Gemüsesamen sät, zuerst in
der Theorie, dann in den Gärten. Bei einigen
mussten zuerst noch die Gartenbeete verbessert werden,
aber überall konnten wir säen. Wir verkaufen
im Moment folgende Samen für 7-8 Quetzales an die
Frauen, das sind ca. 1.10 Sfr. : Rüebli,
Schnittsellerie, Gurken, Buschbohnen, Zwiebeln,
Mangold, Koriander, Radiesli, Sesam, Pak Choi
(Blatt-Kohl), Auberginen, Randen, Weiss-Kohl und seit
neustem auch Mungo-Bohnen. Zwiebeln, Weiss-Kohl und
Randen möchten die Frauen einfach ausprobieren,
obwohl mir alle prophezeit haben, dass hier weder Kohl
noch Randen wachsen. Unterdessen haben wir uns eines
besseren belehren lassen. Kohlköpfe sind schon in
zwei Gärten sichtbar. Wie gross sie allerdings
werden, weiss ich nicht. Das Randen-Kraut wächst
hervorragend und ich nehme an, dass sie bald anfangen,
Früchte zu machen. Bei den Zwiebeln habe ich so
meine Zweifel. Noch nie habe ich hier reife Zwiebeln
gesehen. Wer weiss, ich lasse mich überraschen.
Die Mungo-Bohnen kennen viele Menschen, sie haben sie
früher in den Maisfeldern gesät. Irgendwann
sind die Samen verlorengegangen, besser gesagt, von
Tierchen gefressen oder verfault. Niemand hat neuen
Samen gekauft. Vieles ist allerdings nur möglich,
weil sich das Klima geändert hat.In der Regenzeit - anfangs Mai bis Ende November regnet es viel weniger - nicht mehr jeden Tag und nicht mehr 6-8 Stunden täglich. Die Feuchtigkeit tagsüber geht schon einmal bis 50% zurück, wenn die Sonne scheint. Das hat Vorteile und Nachteile. Nachteile: die ganze Landwirtschaft ist auf Trocken- und Regenzeit ausgelegt. Gegen Ende der Trockenzeit werden die Felder gesäubert oder es wird gerodet für neue Felder und danach alles Vegetative verbrannt. Kurz vor den ersten Regen wird dann der Mais gesät, die Bohnen und der Chili anfangs Regenzeit. Ein Loch in den Boden mit einem langen Pflanzstock, bis 8 Körner Mais in ein Loch und weiter zum nächsten Loch. Die Samen werden nicht zugedeckt. Allerdings ist es der einzige Ort in Guatemala, wo die Samen nicht mit Erde bedeckt
werden. Dieses Jahr hat es gegen Ende der Regenzeit
wochenlang geregnet. Die Felder konnten zwar
gesäubert und auch Neuland gerodet werden, doch
die wenigsten konnten ihren "Abfall" wie sie es hier
nennen, verbrennen. Gut für die Umwelt, schlecht
für die Menschen, da sie immer noch überzeugt
sind, dass der Mais nicht wächst, wenn sie nicht
abbrennen. Als die Bauern dann endlich säten in
den letzten Tagen des Regens (in der Trockenzeit) fing
die Trockenheit zum erstenmal an (in der Regenzeit).
Danach gab es aber dann genug Regen, um den Mais
wachsen zu lassen. Aber kurz vor der Ausbildung der
Maiskolben fing wieder eineDer Fluss Cahabon bei Hochwasser, die Autofähre fährt gerade noch knapp. Trockenzeit an. Viel Mais ist vertrocknet oder wird keine Maiskolben ausbilden. Auffällig sind die Felder, die nicht abgebrannt wurden - auch die kleinen Maisfelder aller Schüler in ihren Comunidades. Dieser Mais hat die Trockenzeit gut überstanden und bildet grosse Maiskolben aus. Kardamom, das hier angebaut wird, braucht das tropisch-feuchtes Klima und wird in Bälde wegen des fehlenden Regens wohl nicht mehr gut gedeihen hier in der Gegend. Vorteile: Das Leben wird angenehmer und einfacher. Die grosse Luft-Feuchtigkeit über die 7 Monate Regenzeit ist etwas weniger geworden. Und die Häuser und der Boden trocknen doch schon jeden Tag etwas ab. Die gewaschenen Kleider trocknen viel schneller. Und für mich natürlich sehr wichtig: es können viele verschiedene Gemüsearten angebaut werden. Zwar mit einigen Tricks, aber es funktioniert. DAS SÄEN: Es ist wohl der einzige Ort in Guatemala, wo wirklich noch nach ältester Art und Weise gesät wird. Mais wird immer gemeinsam gesät. Jeder Mann hat einen langen Pflanzstock, der unten zugespitzt ist. Langsam gehen sie in einer langen Reihe - ca. ein Meter auseinander. All 2 Schritte wird mit dem Pflanzstock ein tieferes Loch in den Boden gemacht und 7-8 Maiskörner reingeworfen. Der Samen wird nie mit Erde bedeckt. Genauso werden später der Chili und die schwarzen Bohnen gesät.
Bei Tomaten und einheimischen Gewürzen wird der
Samen einfach auf die Erde geworfen. Es ist unheimlich
schwierig, den Menschen beizubringen, dass sie den
Gemüsesamen mit Erde bedecken müssen, damit
er keimt und das erst noch 1-2 cm tief. Dass sie in
Reihen säen sollen, wird spätestens beim
ersten Jäten begreiflich. Und dass die Pflanzen
Platz brauchen zum Wachsen, ist auch noch einigermassen
einsichtig. Wir säen überall einzelne Samen,
bzw. max. zwei, z.B. bei Gurken. Da die Sonne sehr
heiss ist und die Frauen nicht gewohnt sind, die
Pflanzen zu giessen, möchte ich vermeiden, dass
sie die jungen Pflänzchen umpflanzen müssen.
Da kommt nun aber die zweite kulturelle Schwierigkeit.
Keimen die ersten Samen nicht und das war wegen dem
schlechten Wetter öfters der Fall, säen sie
alle Samen in eine kleine Furche. Die Menschen sind
überzeugt, dass ein Same allein einfach nicht
wachsen und leben kann. Genau wie die Menschen alleine
unmöglich leben oder überleben könnten.
Meine beiden Promotorinnen zum Beispiel schlafen auch
im Hotel zusammen in einem Bett, obwohl zwei Betten
vorhanden sind. Alleine in einem Bett schlafen ist
für sie nicht möglich.Wenn die Schüler im Schulgarten bei mir säen, erkläre ich ihnen immer genau, wie sie die Samen säen sollen und versuche auch noch zu erklären warum. Trotzdem schaffen sie es nicht, einzelne Samen zu säen. Immer säen sie zwar im richtigen Abstand, aber immer 4-5 Samen zusammen. Seien das Rüebli, Kohlrabi, Sesam, Bohnen, Zwiebeln oder irgend etwas anderes.
In der Schule lernen die Schüler, wie der Mais
besser angepflanzt werden kann. In vielen Gegenden von
Guatemala wird der Mais heute nach neueren
Erkenntnissen angepflanzt. Die Konkurrenz zwischen den
7-8 Pflanzen, die aus einem Pflanz-Loch wachsen, ist
viel zu gross. Dünne Stängel mit wenig
Maiskolben sind die Folge. Max. 3 Körner in einem
Pflanz-Loch in einem Abstand von 50 cm zwischen den
Pflanzen haben überall gute Resultate erzielt.
Dazu kommt, dass sie lernen müssen, den Mais
anzuhäufeln, wenn er etwas grösser ist.
Romelia Tor und Natividad Choc Maquin aus Santo Domingo bei Säen Mit den Frauen lernen wir anhand eines
vorbereiteten Blattes mit Zeichnungen, in welchem
Abstand und in welcher Tiefe der Samen jeder Art
gesät werden muss. Zuerst in der Theorie, dann in
der Praxis. Zuerst müssen die Frauen lernen, die
Zeichnungen zu "lesen". Die meisten schauen
nämlich nicht auf das abgegebene Blatt und sagen
dazu: Ich kann nicht lesen. Es braucht einiges an
Überzeugungskraft und Übung, bis sie die
einfachen Zeichen "lesen". Dann geht es in die
Gärten, wo wir dann gemeinsam säen. Das Blatt
immer zur Hand. Die Frauen säen mit grosser
Konzentration und sehr sorgfältig.Furchen ziehen in der angegebenen Tiefe und die einzelnen Samen reinlegen in vorgeschriebenem Abstand - 2-4 Finger oder 1-4 Hände. Hier besteht die Schwierigkeit darin, dass die Frauen automatisch ein Loch mit dem Finger machen, wo der Samen reinkommen soll. Dann wären die Samen allerdings zu tief, weil das Loch ja in den Furchen gemacht wird. Und die nächste Schwierigkeit kommt dann beim Zudecken mit Erde. Nur schweren Herzens bedecken sie die Samen. Die Erde danach etwas "anzudrücken" habe ich längst aufgegeben. Nicht einmal meine Promotorinnen schaffen das. BODENBEARBEITUNG: Der Boden wird hier nie bearbeitet. Mit der Machete wird das "Unkraut" im Maisfeld abgeschnitten, aber Bodenbearbeitung wie bei uns ist nicht bekannt. Die Erde wird nie umgestochen, nie Dünger untergemischt, weder Kuhmist noch Kompost. Einige Frauen haben ihre Gartenbeete sehr gut bearbeitet, die Erde sehr fein gemacht und viel Kompost oder schwarze Erde dazugemischt. Der rote Boden besteht aus sehr viel Lehm. In nassem Zustand kann man damit Figuren kneten, in trockenem Zustand ist er steinhart. Ein schwieriger Boden, um Gemüse anzubauen, wenn er nicht gemischt wird mit anderer Erde oder Kompost. Sehr viele Bauern haben entweder schwarze Erde unter den Kaffeebäumen oder dem Kardamom. Kaffee und Kardamom werden 1-2 mal pro Jahr gesäubert und die abgeschnittenen Zweige einfach liegen gelassen. In einigen Jahren bildet sich eine recht dicke Schicht schwarzer, humoser Erde. Viele Bauern haben auch Kompost von Kaffeekirschen und/oder Kardamomkirschen. Sie werden fast immer an derselben Stelle entkernt und so ist auch in jahrelangem Prozess ein guter Kompost entstanden - reine Erde. Dies können die Frauen jetzt nutzen. Ab August haben wir jede Familie zum 3. Mal besucht. Ob wohl etwas gekeimt ist? Im Juli mussten wir vielen Frauen erklären, dass sie mit dem Säen warten sollen, bis der Regen etwas aufhört, bzw. die Sonne wieder scheint. Da es oft sehr nass und regnerisch war, haben wir die Wichtigkeit des Giessens der Samen und das Beschatten wohl zuwenig erklärt. Wie soll ich Frauen auch so etwas wie das Begiessen der Samen erklären, wenn Giessen total unbekannt ist und es dazu in Strömen regnet. Hier wird nichts begossen, entweder es wächst, oder es vertrocknet. Erbe aus der Zeit der sicheren Perioden Regen-,Trockenzeit. Und jetzt sollen sie Samen begiessen und beschatten, obwohl nichts sichtbar ist - schwierig. Auch haben die Promotorinnen wohl eher von Beschatten in 1-2 Meter
Höhe gesprochen, wie ich bei unseren Besuchen
feststellen konnte. Viele Gartenbeete waren gegen die
Sonne total abgeschirmt durch Bananenblätter oder
anderes und dadurch die Pflanzen aufgestängelt.
Oder Dominga zum Beispiel hat ihre Pflanzung mit
Wellblech gedeckt, dadurch bekamen ihre Pflanzen
zuwenig Wasser - auch der Nachttau fehlte - und
tagsüber wurden die kleinen Pflänzchen
regelrecht verbrannt. Aber überall kommen
Lernprozesse in Gang.Bei vielen Frauen, die wir besuchten, tönte es enttäuscht: es ist nichts gekeimt. Schnell lernte ich, dass nichts nicht nichts bedeutet. In den meisten Gärten waren Gurken und Radiesli oder anderes gekeimt und schon gut sichtbar. Daneben fanden wir an vielen Orten noch kleine Pflänzchen von Rüebli, Mangold, Zwiebeln, Sesam, Randen, Pak Choi. Aber die Frauen kennen ja die Pflanzen gar nicht. Auch haben sie keine Ahnung, wie das Gemüse zubereitet wird. Wie sollen sie dann auch die Keimlinge entdecken. Aber sie freuen sich dann unbändig, wenn wir vieles entdecken. Einige der kleinen Gärten sind noch sehr unbequem zu bearbeiten - keine Gartenwege und der Zaun direkt an den Beeten. Andere Gärten sind in hervorragendem Zustand. Viele Ratschläge und mehr Samen zum Nachsäen - gratis diesmal - lassen wir zurück. Es gilt unwahrscheinlich viel zu lernen für den Gemüseanbau, wenn gar keine Kultur eines Anbaus vorhanden ist. Dessen werde ich mir immer mehr bewusst. Und oft können wir nicht alles auf einmal erklären, da dies zuviel wäre. Aufschreiben geht leider auch nicht! Also das nächste mal mehr. Die Pflanzen kennen zu lernen fällt nicht schwer. Alles andere ist unbekannt. Aber die Frauen lernen schnell und befolgen alle unsere Ratschläge - mit einer Ausnahme: sie machen nicht gerne Kompost und Madrifol, den Dünger-Pestizid aus Madre de Kacao-Bättern! Es wird auch hier Frauen geben mit einem grünem Daumen und andere, die wieder aufgeben. In einigen Gärten ist der grüne Daumen schon jetzt sichtbar - hier 2 Beispiele. ![]() Manuela aus Pinares hat schon Tomaten und Gurken verkauft. Ihre Kohlpflanzen machten als erste Köpfchen, sie erntet schon längere Zeit Mangold und Bohnen. Die Rüebli sind schön am Gedeihen und auch ihre eigenen Gewürze wachsen prächtig. Sie hat sehr viel Zeit in ihren Garten investiert und macht regelmässig Kompost und Madrifol. Schon im Juli erntete sie die ersten Radiesli, hinter ihr die Buschbohnen, im Vordergrund nicht sichtbar die Rüebli und Mangold. Links nicht sichtbar viele Tomaten und Gurken. Auf dem rechten Foto das erste Foto ihres Kohls. Maria Josefina aus Selamunix. Sie
hat zusammen mit ihrem Mann 400 m2 Garten angelegt. Sie
haben gute schwarze Erde und wohnen auf etwa 1000
MüM. Hier es kühler und es regnet mehr, bzw.
es hat mehr Nebel. Aber das Wasser zum Giessen ist weit
weg, wenn es einmal trocken ist. Sie gehen etwa 45
Minuten zu Fuss bis zur nächsten befahrbaren
Strasse und von dort nochmals 2-3 Stunden bis zu der
Strasse, an der regelmässiger Lastwagen fahren.
Wenn sie nach Cahabon kommen, müssen sie dort
übernachten. In einem Tag ist die Hin- und
Rückfahrt nicht möglich. In ihrem Garten
wachsen in grösseren Mengen: Weisskohl, Randen,
Buschbohnen, Radiesli, Rüebli und in kleineren
Mengen vieles zum Ausprobieren. Auch bei ihr sind seit
kurzem die ersten Kohlköpfchen zu sehen. Sie
arbeitet sehr viel für ihren Garten. ZUBEREITUNG DES NEUEN GEMÜSES Obwohl alles Gemüse (ausser Pak Choi) das wir anbauen, auf dem Markt in Cahabon verkauft wird, kennen die Frauen keines der Gemüse und ihre Zubereitung. Vielleicht noch vom sehen, aber dann wissen sie nicht, wie es heisst. Tomaten säen die Frauen übrigens aus Samen von gekauften Tomaten. Tomaten sind auch bekannt, allerdings nur in gekochtem Zustand. Nichts wird bis jetzt roh gegessen, alles wird gekocht. Also bereiten wir jedes Mal, wenn wir zu Besuch sind, gerade das zu, was gerade geerntet werden kann. Radiesli, Gurken, Pak Choi, Bohnen....Manchmal kaufe ich auch etwas, um mit den Frauen etwas Neues kochen zu können. Das spornt an. Die Geschichte von den Gurken aus Belen (aus dem Rundbrief von anfangs September): ...es ist mitten im
August, der Boden pflotschig nass. Ich habe meine
Wanderschuhe an, meine 2 Promotorinnen wie immer ihre
Plastiksandalen. Wir sind in Belén auf dem Weg zur
Familie Xó-Pop, die im Mai angefangen hat, einen
Gemüsegarten anzulegen. Vom
„Parkplatz“ mitten im dichten Wald
geht es zuerst einen kurzen Steilhang hinunter, dann
kommt die Überquerung des Flüsschens. In
trockenem Zustand schon etwas schwierig, aber jetzt, mit
den Schuhsohlen voll Pflotsch ist die Überquerung
auf 5 langen Bambusstangen ohne Geländer eine
ziemlich glitschige Sache. Doch wir schaffen es und der
Weg dem Fluss entlang ist eben und sehr schön
gelegen, mitten im Wald. Ich habe ein mulmiges
Gefühl im Bauch. Ob wohl etwas gekeimt ist. Bei
unsrem letzten Besuch, war noch sehr wenig zu sehen und
die Menschen etwas enttäuscht. Nach etwa 10 Minuten
kommen wir auf einen offen Platz –
Schulgebäude, Tschuttiplatz, Kuhweide –
auf der anderen Seite wieder steil und rutschig hinauf zu
den Häusern.
Mitten im Steilhang bemerke ich einen neuen, grossen
umzäunten und gesäuberten Platz. Der Mann,
der am Arbeiten ist, spricht uns an; er möchte
gerne von uns Koriander- und anderen Samen kaufen, weil
er auch einen Gemüsegarten anlegen möchte.
Aha denke ich zuerst einmal, es scheint also etwas zu
wachsen im Gemüsegarten der Familie Xó-Pop.
Da mein q'eqchi' noch lange nicht ausreicht,
diskutieren Irma und Magda, die 2 Promotorinnen lange
mit ihm und seinem erwachsenen Sohn und erklären
ihnen, dass das viel Arbeit ist und zuerst einmal
gelernt sein will. Wir laden sie zu unserem
nächsten Anfängerkurs im Oktober ein, damit
er und seine Frau den Gemüseanbau von Anfang an
lernen können. Dann werden wir ihnen auch Samen
verkaufen und helfen, wenn etwas nicht so ganz gut
läuft. Mitten in der Diskussion sehe ich Don
Onofre Xó strahlend an der Hausecke des ersten
Hauses stehen. Mir wird etwas wohler im kribbeligen
Bauch und meine Neugier wächst. Endlich
Und jetzt kommt die bange Frage: Was isst man von den
Gurken, die Blätter, die Wurzeln oder die
grünen Dinger? Schnell schneiden wir eine grosse
Gurke ab und Irma verschwindet in der Küche mit
der älteren Tochter. Unterdessen sitzen wir im
Wohn-, Schlafraum und die ganze Familie ausser der
Tochter mit uns und wartet mit fragenden und bangen
Blicken. Ob das Zeugs wohl essbar ist? Irma kommt
zurück mit dem Gurkensalat: die geschnittenen
Gurken mit Zitronensaft und Salz. Sie bietet es erst
dem Vater an, dann den Kindern, dann dem älteren
Sohn, dann der Mutter – doch oh Schreck,
niemand will probieren. Da greife ich zu, auch Irma und
Magda und das scheint den Bann zu brechen. Zuerst
knabbert der ältere Sohn sehr vorsichtig an einem
Gurkenrädchen, dann die Kinder, der Vater, das
Bébé und plötzlich stürzen sich
alle auf den Salat, der im Nu ausgegessen ist. Allen
scheint es gehr gut zu schmecken, nur die Mutter
getraut sich nicht, obwohl sie dem Bébé
davon zu essen gibt. Nach vielen Sprüchen und
Gelächter meint sie, dass sie wohl nachts mit der
Taschenlampe eine Gurke holen und ganz allein probieren
wird. Alle sind sehr zufrieden.
Nach dem Essen
lassen wir weiteren Samen da, teilweise zum
Nachsäen, aber auch neue Arten und geben weitere
Ratschläge. Auch informieren wir Don Onofre
über unser Gespräch mit seinem Nachbarn.
Etwa weitere 30 Mütter haben Interesse angemeldet,
in den Prozess einzusteigen. Am 24./25. Oktober werden
wir einen weiteren Einsteigerkurs anbieten und dann mit
diesen neuen Müttern ab Januar arbeiten. Wir
bekommen höchstwahrscheinlich weitere finanzielle
Unterstützung, vor allem sind auch weitere
Promotorinnen vorgesehen, ansonsten schaffen wir das
nie. Es ist sehr viel Arbeit mit dem ganzen Prozess
verbunden. Die Wege sind weit und mehr als 2-3
Familien, wenn sie am selben Ort wohnen, können
wir an einem Tag nicht bewältigen.
m Betteln bin ich zwar nicht so gut, trotzdem brauchen wir dringend folgendes: Küchenmesser und gute Pfannen zum Kochen in den Dörfern. Beides ist kaum vorhanden. Gartenwerkzeug wie Harken, Bewässerungsschlauch, Giesskannen.... sind auch nicht vorhanden. Die momentanen Bewässerungsmethoden sind nicht ausreichend. Und die wenigsten Menschen haben das Geld, um die Dinge zu kaufen. Dazu kommen Samen und immer noch der Lohn von Irma, der Promotorin. Bericht anfangs September 2004 Helen Hagemann 2. BERICHT VON OKTOBER 2004 - JUNI 2005
Mitte Oktober - wir bereiten uns vor auf den 24./25.
Oktober 2004. Alle Väter und Mütter der
Schüler haben sich verpflichtet 3-mal pro Jahr in
die Schule zur Weiterbildung und Evaluation zu kommen.
(mehr unter
diversifizierte Parzellen) . Bis anhin wurde vor
allem mit den Vätern gearbeitet und die Frauen
hörten entweder zu, oder waren irgendwo auf dem
Schulgelände. Das wollten wir ändern.
Einerseits war für die Mütter, die schon seit
April 2004 einen Garten bearbeiten, eine Auswertung
geplant. Andererseits haben wir alle Mütter, die
noch keinen Garten haben, nochmals angeschrieben und
sie eingeladen, für eine erste Orientierung und
Schulung. Für die Ausbildung waren auch alle
Mütter eingeladen, die zwar schon einen Garten
haben, aber erst später eingestiegen sind.
So arbeiteten 12 Frauen an einer grossen Auswertung über ihre Arbeit - einige Resultate: 10 Frauen sind zufrieden, 2 Frauen sind traurig, weil es nicht funktioniert. Davon hat eine Frau aufgegeben, weil bei ihr wirklich nichts gewachsen ist - die andere Frau hat den Ort des Gartens gewechselt und ist jetzt sehr zufrieden. Die Frauen arbeiten zwischen 1-4 Stunden täglich im Garten. Die meisten Frauen haben schlechte Erde am Ort ihrer Gärten und haben Erde aus anderen Orten herschleppt. Sie bewässern zwischen 0,5 und 2 Stunden pro Tag. Die wenigsten Frauen haben Kompost. Schädlinge: Raupen, Consuelas (ähnlich Marienkäfer - sie fressen die Blätter an), Ameisen (holen die Samen), Blattschneiderameisen, Grillen (schneiden die jungen Pflänzchen ebenerdig ab - noch kaum ein Mittel dagegen gefunden), Tierchen, die ihre Eier in die Gurken legen. Ausser gegen die Grillen und Blattschneiderameisen haben wir überall Lösungen gefunden. Viele Frauen probierten in ein Saatbeet zu säen und die Pflanzen umzusetzen - hier waren alle Frauen einer Meinung: es funktioniert hier nicht - klimabedingt. Einige Frauen haben schon etwas verkauft. ![]() 33 Frauen nahmen an der Erst-Schulung teil. Hier bei der Erklärung, wie Kompost angelegt wird. Am Nachmittag ging es dann ans Kochen. Mit den 45 Frauen haben wir in 4 Gruppen 5 verschiedene Gerichte für 300 Personen gekocht. Sowohl für die Köchinnen als auch für alle "EsserInnen" waren die Gerichte völlig unbekannt und ich hatte keine Ahnung, ob die Menschen das essen werden.
Die Frauen sind
es gewohnt in Gruppen für viele Menschen zu
kochen. Und so hat das Kochen dann auch einigermassen
geklappt und mit etwa 1 Stunde Verspätung um 19.30
war es dann soweit. Und bei mir fing das Knieschlottern
an. Eine riesige Schlange baute sich vor unseren 5
grossen Zubern mit Essen auf. Jeder kam mit einem
Kacheli mit ein wenig schwarzen Bohnen in der einen
Hand, in der anderen einen Becher mit Maiswasser und
darauf 8-10 Tortillas. Auf die Bohnen schichteten wir
dann zuerst den Gurkensalat, dann der Rüeblisalat,
dann die Bohnen, dann die Blätter von
Süsskartoffeln mit Bananen und dann den
Baumspinat. Die Kacheli waren bis zuoberst gefüllt
und die Menschen sind es eigentlich gewohnt, am Abend
nur etwas schwarze Bohnen und Tortillas zu essen. Ob
das gut gehen würde??? Ich sah von weitem zu, bzw.
war am schöpfen. Als dann die meisten gegessen und
ihre Kacheli gewaschen und zurückgebracht hatten,
ging ich zu den 2 Abfalltonnen, in die die Reste
geschüttet werden. Und o Wunder, in beiden Tonnen
war kaum 10 cm Abfall/Resten. Fast alles hatten sie
also gegessen, kaum etwas weggeworfen. Und jetzt holte
mich die Müdigkeit ein, die Anspannung war weg,
dafür eine grosse Zufriedenheit und Dankbarkeit
da. Jetzt wusste ich, dass die Menschen das Gemüse
auch wirklich essen würden und die neuen Rezepte
mögen. Vom anschliessenden Tanz und Musik habe ich
nichts mehr mitbekommen. Und das war dann auch die letzte Arbeit, die
die ersten Promotorinnen Irma und Maria Magdalena
machten. Leider haben sie die Arbeit mit den
Familiengärten nicht richtig begriffen und so auch
nicht richtig weiter vermittelt. Dazu ist ihnen ihre
Arbeit in den Kopf gestiegen. Sie dachten, sie seinen
die einzigen, die diese Arbeit leisten können und
haben die letzten 2 Monate sehr schlecht gearbeitet.
Zugleich war es die erste grosse Aufgabe für die
zwei neuen Promotorinnen Ana Maria Ixim Tec und Isabel
Fernandez Icó. Ana Maria kommt aus einer Aldea
und hat letzten Oktober das 9. Schuljahr abgeschlossen.
Sie hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe, lernt
schnell und hat eine natürliche Autorität.
Die Menschen in den Dörfern hören ihr gut zu
und sie arbeitet auch sehr stark mit. Nicht
erklären - sondern vorzeigen/mitarbeiten.
Promotorin Ana Maria Ixim Tec aus
Chiakte
Isabel ist älter und hat schon viele Kinder. Sie hat vor 2 Jahren bei einer anderen Institution als Promotorin angefangen zu arbeiten. Zuhause arbeiten vor allem ihre Töchter. Sie hat 6 Schuljahre absolviert, schreibt aber recht gut. Sie hat ein schlechtes Gedächtnis und ist mit ihren Gedanken oft woanders und ist es nicht gewohnt, sich über längere Zeit zu konzentrieren. Langsam aber bekommt sie Spass an unseren internen Ausbildungen und ihre Arbeit im Feld ist auch gut. Es ist sehr schwierig hier Promotorinnen zu finden. Es gibt noch sehr wenige Frauen, die einen Beruf ausüben. In den Aldeas gibt es ja auch erst seit vielleicht 12 oder weniger Jahren eine Schule und anfangs gingen vor allem die Jungs in die Schule. Das hat sich jetzt allerdings geändert. Es gibt sehr viele Lehrerinnen hier in Cahabón, aber sie sind nicht bereit jeden Tag in die Aldeas zu gehen und mit den Händen in der Erde zu arbeiten. Viele sind sehr schlecht ausgebildet, viele von ihnen können kaum fliessend lesen und ohne Fehler schreiben. Trotzdem sind sie sehr eingebildet. "Warum soll ich meine Hände beschmutzen, wenn ich studiert habe?" meinte die Promotorin Maria Magdalena immer wieder, die keinen noch so kurzen Satz ohne Fehler schreiben konnte. Doch das wird sich ändern. Im Moment arbeitet hier die erste Generation LehrerInnen. Weil eine Studie in Zentralamerika (so etwas wie eine PISA-Studie) für Guatemala sehr schlecht ausgefallen ist, wurde angeordnet, dass alle LehrerInnen im Oktober 2004 sich prüfen lassen müssen. Nur ca. 30% der LehrerInnen von Cahabón bestanden die Prüfung. Diesen 30% werden Schulen zugeteilt, alle andern müssen selber ihre Schule suchen. Im Moment finden noch viele LehrerInnen Arbeit, aber das wird sich ändern. Jedes Jahr schliessen hier in Cahabón um die 60 LehrerInnen ihre Ausbildung ab und bald werden schlechte LehrerInnen keine Arbeit mehr finden. In Guatemala gibt es momentan 40'000 arbeitslose LeherInnen. Da es bis vor kurzem viel zu wenig LehrerInnen gab, existiert auch immer noch die Ausbildung am Samstag - einen Tag Schule pro Woche - das reicht nicht für eine gute Ausbildung. Dazu kommt, dass viele Themen der Ausbildung für die Q'eqchi' sehr abstrakt sind. Es wird von griechischen Philosophen gesprochen, sie schneiden Bilder aus von modernen schönen Wohnungen und müssen darüber referieren, obwohl sie nie in ihrem Leben eine solche Wohung in Natura gesehen haben..... Die LehrerInnenausbildung ist aber immer noch die einzige Ausbildung, die in Cahabón abgeschlossen werden kann. Wer diese Ausbildung abgeschlossen hat, ist berechtigt an der Uni zu studieren. Für alle andern Studien müssen die Menschen nach Cobán. Ich hoffe, dass in Cahabón bald andere Studien möglich sind.
Die neuen Promotorinnen haben sich sehr gut
eingearbeitet. Wir arbeiten intensiv. Viel mehr
Frauen haben jetzt begriffen, dass es Kompost braucht
um gute Ernten hervorzubringen. In vielen
Familiengärten wachsen jetzt mehr verschiedene
Gemüsesorten. Es wird immer einfacher für
die Promotorinnen zu erklären, dass der Samen
bedeckt werden muss und dass wir einzelne Samen
säen. Wir wissen jetzt, dass hier Chabis,
Rüebli, Mangold, Randen, Koriander,
Bodenkohlrabi und vieles mehr wächst. Das macht
mich und auch die Promotorinnen viel sicherer. Sie
können von Beispielen erzählen. Wir haben
Fotos zum zeigen. Das spornt dann auch die Frauen an,
nochmals einen Anlauf zu nehmen, wenn es beim 1. Mal
noch nicht ganz so gut geklappt hat. Wir kennen die
Fehler und einige kulturellen Barrieren. Und wir
kennen auch einiges an Schädlingen und wie wir
damit umgehen können. Im Oktober besuchen wir erstmals die Eltern von 2 Schülern in Semox (Departement Chahal). Es ist weit weg - 160 km ein Weg mit dem Auto und 3/4 Stunden zu Fuss. Die Eltern haben Interesse angemeldet, hätten aber noch
nichts vorbereitet war der Kommentar der 2 Söhne
in der Schule. Also machten wir uns auf ohne
Erwartungen. Die Überraschung war dann umso
grösser. Beide Eltern hatten einen grossen
Garten angelegt. Dazu kamen 4 weitere Gärten von
anderen Familien und ein grosser Gemeinschaftsgarten.
Die Familie von Doña Leona hat einen perfekten
grossen Garten angelegt mit einem fast
gebrauchsfertigen Kompost. Sie haben viel schwarze
Erde aus den Wäldern herangeschleppt und wir
können sofort anfangen mit der Familie zu
säen.Für die Gemeinschaftsparzelle waren 400 m² vorgesehen, aber erst 100 m² vorbereitet. Unsere Empfehlung: bearbeiten dieser 100 m² und experimentieren, ob die Gemeinschaftsarbeit klappt. Das Wasser ist ziemlich weit entfernt und das Bearbeiten eines Familiengartens bedingt tägliche Arbeit und Kontrolle. Bei unserem nächsten Besuch existierte die Gemeinschafsparzelle dann auch nicht mehr. Aber die Familien haben sehr gut gearbeitet und wir konnten schon Kochkurse mit dem eigenen Gemüse durchführen. Unterdessen haben viele Familien Radiesli, Busch-Bohnen, einheimische Gewürze, Tomaten und Chabis verkauft. Am besten allerdings arbeiten die Eltern der zwei Schüler. (Foto von Semox Chahal) Eine weitere grosse Überraschung bereitete uns die Familie von Doña Santos in Setzol. Der Sohn Franzisko hatte von mir Samen mitgenommen. "Wir wollen probieren, ob etwas wächst." Ich gab ihm ein "Wie-Säen-Blatt" mit und erklärte ihm nochmals alles. Vor unserem geplanten Besuch erklärte mir Franzisko: "Ein bisschen etwas ist gekeimt." Von weitem sahen wir
etwas wir einen Hausbau, konnten uns aber keinen Reim
darauf machen. Nach dreiviertel Stunden kamen wir an
und ruhten uns wie üblich zuerst einmal etwas
aus. Kakao trinken und ein bisschen reden. "Ist etwas
gewachsen?" - "Ja ein bisschen". Nach einiger Zeit
brechen wir auf zum Garten. Was von weitem wie ein
Hausbau aussah, ist der Zaun des neu angelegten ca.
400 m² grossen Gartens. Er ist so hoch, dass wir
nicht in den Garten schauen können. Erst als sie
die Türe öffnen, bleibt uns sie Luft weg.
Ein sehr schöner Garten mit vielen gekeimten
Gemüsearten (Foto bei unserem 2. Besuch).
Chabis, Rüebli, Zwiebeln, Randen und vieles
mehr. Leider haben sie denselben Fehler gemacht wie
so Viele beim ersten Säen - 4-5 Samen zusammen.
Wir fangen an umzusetzen. Die ganze Familie hilft
mit. 2 Mädchen schleppen Wasser. Andere bereiten
die Erde zum Umsetzen vor. Anna, Arnulfo und ich
fangen an umzusetzen. Alle schauen zu und in kurzer
Zeit helfen sie mit. Ein Loch öffnen, mit Wasser
füllen, die zu versetzende Pflanze vorsichtig
ausgraben und in das Loch pflanzen, Erde dazu und die
Pflanze leicht andrücken. So sind in etwas mehr
als einer Stunde alle Pflanzen versetzt. Das ist hier
möglich, weil Setzol auf über 1000 MüM
liegt. Trotzdem haben vor allem die Randen und die
Zwiebeln unter dem Umsetzen gelitten. Aber bei
unserem nächsten Besuch nach ca. 3 Wochen fanden
wir einen wunderschönen Garten vor. Die Menschen
schleppen das Wasser von ziemlich weit her in den
Garten. Aber sie haben Freude und unterdessen auch
schon recht viel verkauft. Santiago, ein
verheirateter Sohn und ehemaliger Schüler des
Instituts in seinen Anfängen arbeitet
unterdessen als Promotor bei uns und seit einem Monat
auch die Tochter Dolores. Ende November besuchte uns Philipe Teller von Misereor Deutschland, unserem Hauptgeldgeber (für die Promotorinnen, Promotoren, Auto, Reisespesen) . Nach Besuchen in Parzellen und Familiengärten erarbeitete er mit uns ein neues Vokabularium:
Einiges aus diesem Vokabularium ist uns in Fleisch
und Blut übergegangen. Die PromotorInnen reden
von "Mozos" und von organischem Material und von
entblösster Erde. Leider für uns wurde
Philippe Ende 2004 pensioniert und steht uns nicht
mehr zur Verfügung. Seine Begeisterung für
den biologischen Anbau von Pflanzen wirkte
ansteckend. Mit uns zusammen arbeiten auch Promotoren. Jeder Schüler des Institutes muss im ersten Jahr zuhause eine diversifizierte Parzelle von 400 m² und eine Parzelle von 1600 m² mit Mais und Düngerbohnen ohne Abbrennen anlegen und bearbeiten. Im zweiten Jahr 800 m² /3200 m², im dritten Jahr 1200 m² / 4800 m². Jeder Schüler geht jeden Monat 3 Tage nach hause, um in den Parzellen zu arbeiten. Die Väter sind verpflichtet, in diesen Parzellen mitzuarbeiten. Die diversifizierten Parzellen mit Grundnahrungsmitteln aus der Region Hier werden
zuerst einmal boden-konservierende Massnahmen
eingeleitet. Auf dem ganzen Gelände werden mit dem so genannten Nivel-A Kurven gezogen, Kurven die dem Gelände angepasst sind. Eine Kurve verläuft immer auf derselben Höhe, sodass in den Gräben für die Konservierung des Wassers, das Wasser auch gleichmässig verteilt in den Gräben liegen bleibt. Je nach der Steilheit des Geländes liegen die Kurven zwischen 2 und 10 Metern auseinander. Barrieren, Gräben und Pflanzen werden entlang den Kurven angelegt, bzw. gesetzt/gesät. Auf dem Foto ein Teil der Parzelle von Mario Xó Pop in Belen mit Bananen, Ananas, Taro, Süsskartoffeln, Yuca und Gandul im Hintergrund
Danach werden gepflanzt:
Die Parzellen mit Mais und Düngerbohnen ohne vorheriges Abbrennen des Feldes Für den Anbau von Mais wird hier in Cahabón, wie an vielen Orten der Welt, noch immer die Methode "TUMBA Y QUEMA" angewandt. Das bedeutet, dass das dafür vorgesehene Land "geputzt" wird - alles wird bodenerdig abgeschnitten und gefällt, inklusive hoher Bäume. Danach wird ein Mottfeuer angelegt, das alles organische Material verbrennt. So bleibt bis zum nächsten Regen eine Schicht Asche auf dem ganzen Stück Land zurück. Die Asche ist einerseits Dünger, andererseits erhöht sie den meist niedrigen PH-Wert (4-5) der Böden auf den PH-Wert von 6-7, wie es Mais benötigt. Früher, als noch alle 7-12 Jahre auf demselben Stück Land gesät wurde, funktionierte diese Methode recht gut, weil sich in den Jahren viel organischer Dünger gebildet hatte und die Asche in den Boden eindringen konnte. Heute aber werden die Felder alle 1-2 Jahre angebaut. In dieser kurzen Zeit kann sich keine Humusschicht bilden. Das wenige, was als Nahrung für die Pflanzen dienen könnte, wird verbrannt und die Asche wird auf den steilen Hängen und steinharten Boden sehr schnell vom Regen weggewaschen. Die Böden produzieren jedes Jahr weniger Mais. Mit der neuen Methode werden die Felder zwar "geputzt" - alles wird abgeschnitten oder gefällt, aber das organische Material wird liegen gelassen. Der Mais wird also in einen Boden gesät, der mit organischem Material bedeckt ist. Etwa 14 Tage später werden die Düngerbohnen (Macuna/Terciopelo) gesät. Bis der Mais geerntet werden kann, bedeckt die Düngerbohne den Boden bis ca. auf einen Meter Höhe. Bis das Feld für die nächste Saat vorbereitet wird, kann die Düngerbohne bis eine Höhe von 2 Metern erreichen, indem sie die Maisstauden als Klettergerüst braucht. Nun wird alles wieder abgeschnitten und liegen gelassen. Der Vorteil der Düngerbohne: Es entwickeln sich kaum andere Pflanzen unter den Düngerbohnen, die gejätet werden müssten. Die Düngerbohne führt dem Boden den vom Mais dringend benötigten Stickstoff zu und produziert eine riesige Menge von Biomasse = Blätter und organisches Material. Seit letztem Jahr experimentieren jetzt die Schüler mit dieser neuen Anbaumethode von Mais. Es braucht allerdings 2-3 Jahre, bis sich die Böden regeneriert haben und wieder mehr produzieren. Die Arbeit der Promotoren: Sie besuchen die Väter jeden Monat einmal und begleiten und helfen im Aufbau der diversifizierten Parzellen und der Parzellen mit Mais und Düngerbohnen. Gleichzeitig ist es eine Kontrolle, ob die Schüler und Väter ihre Verpflichtungen einhalten. Sie kontrollieren auch die Familiengärten wo vorhanden, geben Ratschläge oder informieren uns, wenn etwas schief läuft und Hilfe benötigt wird. Im November fingen wir mit der gemeinsamen regelmässigen Schulung ( 1-2 Tage pro Monat) der PromotorInnen an. Themen wie Selbstbewusstsein, wie arbeiten wir mit den Menschen, was ist unser Haupt-Ziel, Pünktlichkeit, Verantwortung in der Arbeit, Zusammenarbeit, Arbeit in der Gruppe, Familiengärten, diversifizierte Parzellen und Parzellen mit Mais und Düngerbohnen, Ernährung, Heilpflanzen und ihr Gebrauch, Herstellung von Tinkturen und Salben mit Heilpflanzen, Pflanzen, Pflanzenfamilien, verschiedene Böden und ihre PH-Werte....... und vieles steht noch auf unserer Liste der Weiterbildung. Ende Jahr arbeiteten wir bis Mitte Dezember - danach waren 14 Tage Ferien angesagt. Zeit, um die Papiere aufzuarbeiten, Briefe zu schreiben,
Buchhaltung nachzuführen und auch einen
mehrtägigen Ausflug mit Arnulfo (Foto - mein
Kollege männlicherseits) und seiner Familie und
Alfredo (ein Lehrer) und seiner Familie.
Im Januar fingen wir mit 4 Tagen Schulung der Promotorinnen an. Zugleich auch Vorbereitung auf die nächsten 2 Tage, in denen alle Väter und Mütter anwesend sein würden. Viel gab es noch zu lernen und vorzubereiten. In der Zwischenzeit hat sich auch Teodora als Promotorin zu uns gesellt. Sie arbeitet nur ab und zu, hat ein Bebé zum Stillen und ist viel krank. Auch Manuela, eine Lehrerin arbeitet im Januar mit uns, entscheidet sich dann aber doch, eine frei gewordene Lehrerinnenstelle in ihrer Aldea Rumpok anzunehmen. 28./29. Januar 2005 - alle Eltern kommen zur Weiterbildung in die Schule Am 28. Januar arbeiten wir mit allen Müttern der Schüler, die gekommen sind. Dieses mal wollen wir nicht über Familiengärten, sondern über die auf dem Markt in Cahabón verfügbaren Gemüse reden. Keine der Frauen kennt die Gemüse, obwohl sie alle schon auf dem Markt in Cahabón waren. Aber sie getrauen sich nicht zu fragen und haben auch keine Ahnung, wie sie zubereitet werden. Also kaufen wir am Vortrag alles Gemüse, das wir finden können und Don Arnulfo bringt noch einiges aus Cobán, weil viel Gemüse nur an den offiziellen Markttagen Mittwoch und Samstag zu haben sind. So haben wir für die Weiterbildung: Peperoni, Schnittsellerie, Auberginen, Lauch, Chabis, Randen, Blumkohl, Rüebli, Mangold, Gurken und Radiesli eingekauft. Die Frauen arbeiten in 4 Gruppen, lernen die verschiedenen Gemüse, das Aussehen und die Namen kennen und können schon einmal daran riechen. Mamas die einen Garten haben, kennen schon einige der Gemüse und können dazu auch etwas sagen. Die Frauen zeigen sehr viel Interesse, lachen viel - ob das Zeugs wohl auch schmeckt. Von einigen Gemüsesorten werden dann auch einfache Rezepte erklärt. So haben die Frauen doch schon einmal etwas davon gehört. Jede Gruppe hat die Aufgabe eine Frau zu suchen, die den Mut hat am Nachmittag mit Hilfe des Mikrofons ihren Männern und Söhnen die Gemüse vorzustellen. Nach dem Mittagessen um 14 Uhr, wenn alle so schön schläfrig sind - auch hier - versammelten sich alle Mamas und Papas mit Söhnen in der grossen Aula. Vorne die Frauen und auf Tischchen die verschiedenen Gemüse. Von den Promotorinnen wusste ich, dass sich Frauen zur Verfügung gestellt hatten. Ob sie wohl vor dem Plenum den Mut haben würden ins Mikrofon zu sprechen? Sie hatten den Mut - nicht nur Mut, sondern sie präsentierten die Gemüse so deutlich und gut, dass die Männer und Söhne hellwach und sehr interessiert den Ausführungen zuhörten. Und ich war sehr erstaunt, denn es war das erste mal, dass dies geklappt hat. Danach stellten die Promotoren einige Gemüse aus den diversifizierten Parzellen vor, auch Gemüse, die hier üblicherweise kaum gegessen werden, wie zum Beispiel die jungen Triebe der Süsskartoffeln und der Kürbisse. Und jetzt ging's für die Frauen ans Kochen für das Nachtessen. In 4 Gruppen bereiteten sie 5 verschiedene Gerichte, wiederum für ca. 300 Menschen zu. Eine der 4 Frauengruppen bereitete das Nachtessen auf meiner Veranda vor. So ergriff ich die Gelegenheit, während dessen das für die Frauen unbekannte Gemüse vorzubereiten. Zuerst Peperoni in Öl gedämpft; Randensalat; Rüebli gekocht, geschnitten, mit Salz und Zitrone gewürzt; Lauch gekocht und dann mit Zitrone und Salz gewürzt. Alles assen sie mit Hochgenuss und als ich zuletzt noch den Schnittsellerie nur in Wasser gekocht und mit Salz und Zitrone gewürzt hinausreichte, dachte ich, dieses werden sie sicher nicht mögen. Aber weit gefehlt. Auch dies wurde mit Hochgenuss gegessen und nach mehr verlangt. Die meisten Männer sind allerdings etwas vorsichtiger im Probieren. Und die Frauen verwenden das neue Gemüse zuhause auch den Männern angepasst. Viele haben Schnittsellerie zuhause. Sie gebrauchen ihn bis anhin vor allem als Gewürz für die Suppe. Mit der Zeit werden sie auch Selleriegemüse zubereiten können. Hier die zum Teil neuen oder abgewandelten Rezepten für das Nachtessen:
Mayajak - Einweihung neuer Gebäude und Gebrauchsgegenstände - ein Fest mit allen Vätern, Müttern, Schülern und Angestellten zusammen Nach dem Essen gab es Tanz für alle. Dann um 21 Uhr eine Messe und um 23 Uhr fing die Zeremonie der Einweihung einiger neuer Gebäude an. Der Aufbau des Gästehauses, mein Häuschen und das Gebäude mit dem Brotofen und der Ofen selbst waren noch nicht eingeweiht. Die Einweihung beginnt wenn möglich mit einer Messe, wie auch heute in der Kapelle der Schule. Nach der Austeilung der Kommunion übernehmen die Ältesten die Regie. Sie haben allerdings schon den ganzen Tag lang die Zeremonie vorbereitet. Die Kerzen werden geweiht und mit mit Pom beräuchert (einheimisches Baumharz/wie Weihrauch), es wird viel gebetet, viel Pom verbrannt. Die Frauen schlachten Hühner für die Zeremonie. Das Blut wird separat aufgefangen. Die Hühner werden gekocht und dann gleichmässige in die Anzahl der zu weihenden Gegenstände aufgeteilt. An den 4 Ecken von jedem der zu weihenden Gebäudes wird je 1 tieferes Loch gegraben. In der Küche wird angefangen die traditionelle Speise - Caldo - vorzubereiten und zu kochen. Dafür werden wenn vorhanden ein Schwein und viele Hühner geschlachtet. JedeR, der an der Zeremonie teil nimmt, wird mindestens 1 Stück Fleisch im Caldo erhalten. Caldo ist so etwas wie eine Fleischsuppe mit wenig Gemüse, Achiote (Samen, der rot fäbt) und Chili. Den ganzen Tag über wird die traditionelle Harfenmusik gespielt. Irgendwann zwischen 21 und 22 Uhr fängt also die Messe an. Die Schüler sind alle anwesend mit ihren Instrumenten und begleiten die Gesänge mit Orgel, Gitarren, Flöten, Bass und Marimba. Zur Gabenbereitung erscheinen die Frauen der Ältesten mit den Gaben aus der Küche - Fleisch, Tortillas, Caldo. Sie alle haben Weihrauchfässer aus Ton, in denen viel Pom oder Weihrauch verbrannt wird. Sie beten kniend vor dem Altar, bevor sie die Gaben auf dem Altar verteilen. Dann nach der Austeilung der Kommunion übernehmen die Ältesten die Regie. JedeR Anwesende hat oder erhält eine Kerze. Alle gehen hinaus auf den Vorplatz. Dort wird in einer grösseren Tonschüssel oder Pfanne 1-2 kg Pom angezündet. Zuerst brennt es langsam und lodert nach kurzer Zeit mit hohen Flammen gegen den Himmel. Alle knien sich nieder mit der Kerze in der Hand. Nach einer kurzen Einführung eines Ältesten beginnen nun alle Menschen laut zu danken und zu bitten. Dank- und Bittzeremonie möchte ich das nennen. Alle und alles wird eingeschlossen in diesem Gebet. Wenn der letzte fertig gebetet hat, werden die Kerzen auf den Boden "geklebt" und alle erheben sich. Nun wird ein Kreuzzeichen und Kurzgebet in alle 4 Himmelsrichtungen gesandt. Danach gehen alle wieder in die Kapelle und es gibt noch einige Ansprachen, Dank und Anweisungen. Kurz danach beginnt die Zeremonie der Einweihung. Die 4-5 Ältesten und ihre Frauen begeben sich mit Kerzen in den Händen in einer Prozession zum 1. Gebäude. Zuerst wird jetzt in jedes Loch in den Ecken das vorbereitete Fleisch gelegt - Essen für den Tzuultaqa (Gott/Besitzer des Berges und des Tales), das Loch wird zugedeckt mit Erde und eine grössere Kerze angezündet und hingestellt. Danach kommt die Frau Älteste mit dem Blut und streicht Blut in Kreuzform an die Wand oberhalb des vergrabenen Fleisches. Am Schluss wird in der Mitte von jedem Gebäude, je nach Grösse des Gebäudes, eine oder mehrere Kerzen angezündet und hingestellt. Die ganze Zeremonie wird begleitet mit Gebeten und Weihrauch/Pom. Danach gehen die Ältesten nochmals in die Kirche zum Gebet und stellen die Weihrauchgefässe ab. Jetzt gehen alle zum Essen des Caldo - unterdessen ist es schon 1 Uhr nachts. Danach geht der Tanz weiter und viele Leute tanzen noch bis um 3 oder 4 Uhr morgens, während andere seelenruhig in derselben Aula am Boden schlafen. In der Kapelle wacht immer einer oder mehrere der Ältesten bis am morgen. Am nächsten morgen dann Frühstück, nochmals eine Messe, einfaches Mittagessen und dann beeilen sich alle, um noch einen Lastwagen zu erwischen, um nach hause zu kommen. Damit wären die anderthalb Tage der Weiterbildung aller Väter und Mütter abgeschlossen und wir alle todmüde. Ich fange mich an vorzubereiten auf meine 3-monatige Abwesenheit. Alle Daten der Besuche bis Ende Mai wollen vorbereitet sein. Wo werden welche Schulungen stattfinden. Wo wird was gekocht. Wer geht wohin. Alles will genau vorbereitet sein und vor allem auch die eintägige Weiterbildung aller Mütter und Väter in der Schule am 4. Mai. Bis dahin werde ich noch nicht zurück sein. Mein Kollege Arnulfo wird die Promotorinnen wenn nötig chauffieren und betreuen. Mitte Februar flog ich in die Schweiz. Mitte Februar fingen 4 neue Promotoren an, ein alter Promotor wurde verabschiedet.
Weiterbildung aller Mamas und Papas am 4. Mai
2005 Für die Väter ging es vor allem darum, zu Informieren und nochmals zu Schulen für die Saat des Mais ohne vorheriges Abbrennen der Felder. Mit den Müttern arbeiteten die Promotorinnen mit den neuen, für die meisten immer noch unbekannten Gemüse. Nur 35 Mamas erschienen an diesem Tag. Die Reise ist meist sehr weit und für die Menschen auch teuer. Und irgendwer am Radio hat die Information durchgegeben, dass die Weiterbildung freiwillig sei, was so nicht stimmt. Aber eben, nicht alles ist vorhersehbar. Da nur 1 Tag vorgesehen war, legten wir den Schwerpunkt auf das Kennen lernen und Kochen neuer Gemüsearten. Wir beschränkten uns auf 6 Gemüsearten, die in Cahabón verkauft werden: Lauch, Randen, Schnittsellerie, Mangold, Broccoli und Peperoni - ausser Broccoli und Peperoni wächst alles in den Familiengärten. In 2 Gruppen wurde gearbeitet. Zuerst ging es um das Kennen lernen der 6 Gemüsesorten. Danach kochte jede Gruppe 2 verschiedene Gemüsearten.
Als alle fertig waren, wurden die 6 Gerichte in einem Raum aufgestellt, wo jede Frau die verschiedenen Gemüse probieren konnten. Geschmeckt hat es allen und Spass gemacht auch. Die Idee dieses Kochkurses war vor allem, die verschiedenen Geschmäcker der Gemüse kennen zu lernen. Deswegen auch die Rezepte ohne Zutaten ausser Salz und Zitronensaft.
Am 12. Mai war ich wieder zurück in
Cahabón. Die Promotorinnen und mein Kollege
Arnulfo hatten gute Arbeit geleistet, das konnte ich
sehr schnell feststellen bei den Besuchen in den
Aldeas. In vielen Gärten wuchsen viele
verschiedene Gemüse. Zu schaffen machte jetzt
allerdings an vielen Orten die Trockenheit. Schon im
April hatte es sehr wenig geregnet und im Mai bis
anfangs Juni fiel kein Tropfen. Der Mitte Mai
ausgesäte Mais fing an auszutrocknen. Heute
schon können wir die Schäden sehen. Auf den
Feldern steht wenig Mais und er sieht sehr armselig
und traurig aus. Er wird nicht viele grosse
Maiskolben ausbilden und der Hunger wird noch
grösser werden. Die letzte Ernte fiel schon
schlecht aus. Viele Menschen konnten keinen Mais
verkaufen um etwas Geld für die nötigsten
Dinge zu bekommen. Und jetzt müssen schon viele
Menschen anfangen Mais zu kaufen. Und das 2-3 Monate
vor der neuen Ernte. Der Preis des Kardamom war
letztes Jahr so schlecht, dass viele Menschen den die
Kardamompflanzen nicht gesäubert haben. Jetzt
erst sehen sie, dass die Pflanzen kaum Früchte
gebildet haben. Weil die Ernte klein sein wird, wird
der Preis höher sein dieses Jahr. Nach der
mageren Ernte werden sie wieder die Pflanzen
säubern und nächstes Jahr wird vielleicht
die Ernte wieder grösser sein und der Preis
wieder fallen. Ich weiss nicht, wie die Menschen das
aushalten. Ein Teufelskreis, aus dem es kaum einen
Ausstieg gibt. Oder keinen schnellen Ausstieg. Viele
kleine Schritte sind nötig, um aus diesem
Teufelskreis herauszukommen und daran sind wir mit
unserer ganzen Kraft und der ganzen Equipe am
Arbeiten. Ein Teil davon sind die
Familiengärten. Auch die Familiengärten litten unter der Trockenheit. An vielen Orten trockneten die Brunnen aus oder hatten nur noch sehr wenig Wasser. Die Menschen hatten kaum genügend Wasser zum Kochen und für die tägliche Hygiene. Da ist es verständlich, dass das Gemüse nicht mehr bewässert wird und vertrocknet. Mitte Juni fing dann der grosse Regen an - aber jetzt gegen mitte Juli ist es schon wieder viel zu trocken. Es regnet kaum mehr. Im Juni haben zwei neue Promotorinnen angefangen zu arbeiten. Dolores aus Setzol und Marta aus Rumpok. Ich bin noch nicht überzeugt davon, ob es die richtigen Frauen sind. Dolores spricht sehr schlecht spanisch und ist noch sehr, sehr schüchtern. Wir suchen Lösungen, wie wir Dolores helfen können, da ich überzeugt bin, dass sie eine gute Promotorin werden kann. Marta ist noch sehr jung und schon sehr ladinisiert, im Kopf schon weit weg von der Q’eqchi’ Kultur . Die Familie braucht dringend Geld, aber ich glaube nicht, dass das Benehmen von Marta in das Konzept unserer Schule passt. Deswegen bin ich immer noch am Suchen. Ab August möchte ich mit einer Equipe von Promotorinnen anfangen, die dann auch für die nächste Zeit zusammen bleibt. Im Moment haben wir sehr viele Weiterbildungen mit verschiedensten Themen: Stärkung des Selbstbewusstseins, Verantwortung in der Arbeit, wie arbeite ich ein Projekt aus, was sind Pflanzen, Pflanzenfamilien, was ist Nachhaltigkeit, was wollen wir mit unserem ganzen Prozess erreichen, wie funktioniert der Markt, Ernährung, Gender-Fragen, Kochen, Medizinalpflanzen,Herstellung von Salben und Tinkturen mit den einheimischen Pflanzen...... Sistema agroforestal sucesional - Land-, forstwirtschaftliches Nachfolge-System Eine sehr interessante Weiterbildung besuchten Arnulfo und ich im Juni in Santa Rosa Copán in Honduras. Misereor Deutschland organisierte diese Weiterbildung und lud alle von ihnen unterstützen Institutionen in Honduras und Guatemala dazu ein. In einer Kurzbeschreibung würde ich das so erklären: Es geht darum, in kurzer Zeit einen natürlichen Wald mit Grundnahrungsmittel, Gemüse, Fruchtbäumen, Bäumen für Holz zum Kochen, Bäume mit Holz zum Bauen und für den Export. Ein Wald, in dem alles wächst, was der Mensch zum Essen braucht, der aber auch Geld bringt. Das System kommt aus Bolivien und funktioniert dort recht gut. Die Menschen sind begeistert und zufrieden. Genaueres möchte ich über diese Art der Landwirtschaft später ausführlicher berichten. Wir haben beschlossen in der Schule zwei Parzellen mit diesem System anzulegen. Eine mit dem Grundnahrungsmittel Mais, die andere mit Kaffee. In Honduras haben wir einen Mann besucht, dessen Parzelle uns sehr beeindruckt hat. In 2 Jahren hat er direkt neben seinem Haus einen "Wald" von ca. 400 m² aufgebaut, in dem sehr vieles wächst. Diese Parzelle werden wir mit 10 ausgesuchten Schülern und einem Promotor am 28. August besuchen. Wir haben die Gelegenheit ergriffen, weil alle Schüler ihren jährlichen Ausflug in die Mayaruinen von Copán in Honduras machen werden. Der Mann wohnt nicht weit weg und so werden wir 1 Tag früher abreisen und danach zu allen Schülern stossen.
UNSERE ERFOLGE IN GEMÜSEGÄRTEN AUS
DEM BERICHT VOM 30. JUNI 2005 108 Gemüsegärten in 28 Aldeas/Comunidades Mamas: .- insgesamt 40 Gärten Belen (1), Chaslau (1), Chatela (1), Chiacach (3), Chiacte (8), Chioyal (1), Chipok (1), Nueva Concepción (1), Nuevo San Fernando Sayaxche (2), Pinares (1), Rumpoc (3), Salac (1), San José Quetzal (1), Santa María Rubeltzuul (2), Sesaquiquib Semox (1), Sebas (1), Secala (1), Secanante (1), Selamunix (2), Semox Chahal (2), Sesaltul (1), Sesaqkar(1), Setzol(1), Sewamo(1), Yaxtunha (1) Gruppen: - insgesamt 68 Gärten ohne SchülerInnen Chiacach Balamté (6), Chaslau (16), Chatela (4), Chiacach (8), Chiacach Schule (19 SchülerInnen) Chiakte (4), Chipok (4), San Cristobal Sacta (11), Santo Domingo (10), Semox Chahal (5), Davon: 2 Neue, 46 sehr gut, 15 nur gut (nicht sehr gut) wegen Trockenheit, 24 gut,, 13 nicht gut wegen Trockenheit, 6 schlecht * Anzahl Gemüsesorten im Garten während den letzten 2 Besuchen: ** Anzahl Gemüsesorten die die Frauen während den letzten 2 Monaten enteten:
Hier wird ein Phänomen sichtbar: Es ist sehr
schwierig in der Trockenzeit zu säen. Das
Giessen einerseits ist sehr aufwändig und wenn
kein Regen hilft, ziehen es viele Frauen vor, mit dem
Säen zu warten, bis der Regen kommt. In Sesaqkar
zum Beispiel holen die Frauen das Wasser an einer
Quelle, die eine gute halbe Stunde von den
Häusern entfernt ist. 1 Stunde Weg um Wasser
für den Garten zu holen!! Die Frauen haben sehr viel Freude an ihrem Gemüse und sind schon sehr viel erfindungsreicher geworden, was die Küche angeht. Alles in den Gärten wird verwertet, auch die Blätter der Gemüse. Hier einige Fotos:
Im Moment wachsen in den Familiengärten
der Aldeas: *Amaranth, *Auberginen,
Blattkohlrabi, Blumenkohl, Bodenkohlrabi,
*Buschbohnen, *Cebollin, Chabis, *Chile,
*einheimisches Basilikum, *Gewürzpfefferminz,
*Gurken, *Ingwer, *Knoblauch, *Koriander, *Kurkuma
(neu), Lauch (neu), *Macuy, Mangold, *Mostaza
Honduras, *Mostaza diverse einheimische,
*Mungobohnen, *Pak Choi, *Portulak, *Radiesli,
Randen,*Rüebli, *Samat, Schnittsellerie, *Sesam,
*Tomaten, *Wassermelonen. *Diese Pflanzen entwickeln bis jetzt Samen, bzw. verbreiten sich durch Ableger.. Schwierigkeiten:
Ausblick: Am 6. Juli werden Mamas 1 Tag in die Schule kommen, um die Erstausbildung für Familiengärten zu machen.
In Chiacach fangen wir einen interessanten
Prozess an. 19 SchülerInnen besuchen die 7.-9.
Klasse (11 Mädchen, 9 Jungs). Der Direktor der
Schule ist aus Chiacach. Er unterrichtet allein die
19 SchülerInnen. Es fehlte Geld für die
Einschreibung, die Bücher, die Examen und die
monatlichen Zahlungen. Eigentlich wollten die
Behörden die 7.-9. Klasse schliessen, weil nicht
einmal die Einschreibegebühren bezahlt waren.
Ich habe die ca. 8000Q (Sfr 1800.-) übernommen,
jemand hat das Geld für die Bücher und die
Examensgebühren beigesteuert und die Eltern
haben sich verpflichtet, die monatlichen
Gebühren zu bezahlen (40 Quetzales = 8 Sfr. pro
SchülerIn und Monat) und so haben wir einen
Vertrag geschlossen. Die SchülerInnen werden mit unserer Hilfe einen Gemüsegarten, eine diversifizierte Parzelle, Amaranth und Sesam anbauen. Arnulfo, ich, 1 Promotor, die Promotorinnen und 2 Schüler aus Chiacach, die bei uns studieren sind in den Prozess eingespannt. Die Schulung in der Theorie werden Arnulfo und ich übernehmen. Die Unterstützung für den Gemüsegarten und Kochkurse werden die Promotorinnen übernehmen. Unsere zwei Schüler werden ihre Freunde und Freundinnen unterstützen im Anlegen von Kompost und werden ihnen anhand ihrer eigenen guten diversifizierten Parzellen den Prozess erklären. Der Promotor wird monatlich einmal mit den SchülerInnen in den Pazellen arbeiten. Das Dorf hat das Land zur Verfügung gestellt. Ca. 400 m² direkt neben der Schule für den Gemüsegarten und ca. 1000 m² direkt unterhalb der Kirche für die Parzelle. Beides sehr zentral gelegen, nicht zu steil und mit nicht zu schlechtem Boden. So werden der Garten und die Parzelle alle Menschen darauf aufmerksam machen, was möglich ist. Wir hoffen natürlich, dass der Garten und die Parzelle auch Mut machen, selber zuhause auszuprobieren, ob so etwas funktionieren könnte. Die 19 SchülerInnen sind auf 14 Familien aufgeteilt. Die SchülerInnen haben sich auch schon organisiert: 1 Präsident, 1 Vizepräsidentin, 1 Sekretär und 1 Kassiererin. Am 8. Juli besuchten Arnulfo und ich erstmals die SchülerInnen. Bis anhin hatten wir nur mit dem Lehrer Kontakt. Die SchülerInnen sprechen sehr gut spanisch, dank den Anstrengungen des Lehrers. Sie haben 6 Gartenbeete angelegt und den Samen, den ich ihrem Lehrer mitgegeben habe, richtig gesät. Einiges ist schon gekeimt. Die Gurken sind gut sichtbar. Die Erde ist sehr gut und fein bearbeitet. Jetzt fehlt nur noch der Kompost. Es ist heiss im Moment, die Sonne brennt und so haben wir Anweisungen gegeben, wie sie die Gartenbeete beschatten können, damit die Samen keimen und die jungen Pflänzchen besser wachsen können. Der grössere Teil unserer Gespräche aber betraf den Prozess. Wie werden wir arbeiten, was und mit wem. Wir fingen an einen Plan zu erstellen, in dem bis ca. Ende Jahr jede Woche jemand von uns einen halben Tag die SchülerInnen betreut - Promotor, Schüler, Promotorinnen, Arnulfo und ich. So warten wir gespannt, was aus diesem Prozess werden wird.
Am 16./17. August werden wir mit ca. 20 Frauen
einen weiteren Besuch bei den Frauen in
Purulhá abstatten. Die Frauen in
Purulhá bauen nicht nur Gemüse an, sie
haben sich jetzt auch organisiert, um ihre Produkte
verkaufen zu können. Ich erhoffe mir Ideen
für uns und die Frauen, wie sie sich in den
Aldeas organisieren können. Im August wird Regina als Koordinatorin anfangen zu arbeiten. Ich erhoffe mir von ihr doch einige Entlastung und mehr Zeit zum Experimentieren mit Pflanzen und Rezepten und auch sehr viel mehr Zeit für Kontakte mit der Schweiz und Rundbriefen. Allen die uns mit Gebeten, Gedanken und Spenden unterstützen von hier aus herzlichen Dank. Es lohnt sich, hier Zeit und Geld zu investieren. Die Menschen werden lernen und langsam aber sicher aus ihrem Teufelskreis ausbrechen können. EINE GROSSE BITTE: In letzter Zeit finden wir immer mehr Frauen in den Dörfern mit schwerwiegenden Frauenkrankheiten. Monatelange Blutungen bringen sie bis an den Rand der Erschöpfung. Die traditionellen Heiler scheinen hier keine Methode zu haben, um den Frauen zu helfen. Und auch das Gesundheitszentrum in Cahabón kann in keiner Weise helfen. Sie müssen nach Cobán in ein Spital zur einer Röntgenuntersuchung und danach entweder Tabletten schlucken oder operieren. Aber niemand hat das Geld für so etwas. Postcheck-Konto: 49-8882-5 Helen Hagemann Zweisimmen oder auf mein Bankkonto bei der Obersimmentalischen Volksbank OVB Konto 16 2.010.739.00 6327 – PC Nr der Bank 30-38272-3. Bericht Helen Hagemann, anfangs Juli 2005
Spendenkonten – Obersimment. Volksbank,CH- 3770 Zweisimmen Kto: 16 2.010.739.00 6327 /mein PC-Konto: 49-8882-5 |
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| Helen
Hagemann info@guatesol.ch |
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