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FAMILIENGÄRTEN - NAHRUNGSSICHERUNG IN CAHABÓN
UNSERE ARBEIT
BERICHT VON DEZEMBER 2007
27. Dezember 2007 - Heute fand in Chiacach ein Zeremonie
statt für alle Schülerinnen und Schüler, die in Chiacach
die Schule besuchen - 6 Jahre Primarschule und 3 Jahre Ciclo Básico
(7.-9. Schuljahr) und für alle Schüler und Schülerinnen,
die nächstes Jahr auswärts studieren werden - ein Bachelor Studiengang
an verschiedenen Orten. Mit meinem Vorschlag der Zeremonie, für
die SchülerInnen, die auswärts studieren werden, wollte ich eigentlich
den Ciclo Básico etwas mehr in der Bevölkerung von Chiacach
einbinden. Die Ältesten und Katechisten haben dann die Zeremonie auf
alle SchülerInnen übertragen. Eine weise Entscheidung. Und fast
alle Familien kamen zur Zeremonie und sie war sehr schön. Ich möchte
mit Fotos über die Zeremonie erzählen:
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Ankunft in Chiacach um
4 Uhr Abends, nach anderthalb Stunden Holperfahrt über die Naturstrassen.
Es ist ein wunderschöner Tag und heiss. Ich stelle das Auto in den Schatten,
stiege aus und tauche in eine andere Welt ein. Ich suche die Schülerinnen
des Ciclo Básico und finde sie im Gemeinschaftsraum. Sie sind
dabei, Tortillas vorzubereiten für das traditionelle Essen nach
der Zeremonie.
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Es werden
weit über 100 Menschen dasein mit Essen und jeder und jede Essen zwischen
4 und 8 Tortillas. Eine enorme Arbeit. Ich liege in der Hängematte
und schaue zu. Nach kurzer Zeit bringen sie mir Reis, Fleisch und Kakao
zum Essen. Und arbeiten weiter.
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Kinder umringen mich und
ich mache Fotos, die sie dann auf dem Bildschirm der Kamera mit grossem
Gelächter anschauen. José Reyes der Direktor des Básico
kommt vorbei um uns mitzuteilen, dass um 7 Uhr abends eine Zusammenkunft mit
den SchülerInnen des Ciclo Básico im hinteren Teil des Gemeinschaftsraumes
stattfinden wird. Dieser Teil des Gemeinschaftsraumes war bis vor kurzem
noch ein provisorischer Schulraum, nur die noch vorhandene Tafel zeugt davon.
In 2 Tagen wird die neue Schule eingeweiht und somit das Provisorium
überflüssig.
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Immer wieder besuchen
mich Jugendliche in meiner Hängematte. Hier Mauricio Waldemar Ché
Sub (links) der Präsident des Ciclo Básico wird 2008 das letzte
Jahr absolvieren, Juan Rafael Bol Rax wird 2008 in Escuintla Bachelor mit
Geschäftsführung studieren. In vielen Schulen wird der Bachelor
Studiengang mit dem Erlernen eines Berufes verbunden - Handwerksberufe
wie Schreiner, Automech, Elektriker, Schneiderin aber auch Büroberufe
wie Computer, Buchhaltung, Sekretärin oder eben Geschäftsführung
oder Landwirtschaftsberufe.
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Hier sieht man die ganze
Kochstelle des Gemeinschaftsraumes. Im Hintergrund die jungen Frauen, die
die Tortillas bereiten. In den schwarzen kleinen Pfannen Kaffee und Kakao,
Im roten Becken gemahlene Maismasse, daneben Samenhülsen des Achiote
- sie enthalten rote Samen mit schwachem Geschmack, die das Essen rot färben
- früher das Färbemittel für die rote Rinde des Edamerkäses
- in der grossen schwarzen Pfanne vorgekochtes Schweinefleisch, hier sieht
man die Rotfärbung des Suds.
Viele Menschen haben schon seit 2 Tagen an der Vorbereitung gearbeitet.
Gestern zum Beispiel das Schwein geschlachtet, geräuchert und vorgekocht.
Einen Kühlschrank gibt es hier nicht.
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Kurz vor 6 gehe ich schnell
zum Auto, um meine Taschenlampe zu holen. Es wird um 6 schlagartig
dunkel. Kerzen werden an die Wand geklebt, um den Raum um die Kochgelegenheit
etwas zu erhellen - siehe oberes Foto oben rechts. Immer mehr Frauen kommen
mit Hängematten, die sie aufhängen. Sie werden später ihre
kleineren Kinder darin zum Schlafen legen, während sie selber
das traditionelle Essen vorbereiten. Immer mehr Menschen kommen, hängen
Taschen auf, suchen etwas, Taschenlampen blitzen auf und Kerzenschein in
einer Hand huscht bei mir vorbei.
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Viele Menschen sind schon
seit 2 Tagen an den Vorbereitungen. Kerzen ziehen, Schwein Schlachten,
räuchern und Vorkochen, Mais Kochen für die Tortillas, Kakao
Rösten für das traditionelle Getränk, schmücken der
Kirche und vorbereiten des Mayakreuzes mit Blättern und Blumen vor
dem Altar am Boden. Links im Bild die traditionelle Harfe, die während
der ganzen Zeit spielt, auch jetzt während den Vorbereitungen.
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Das Mayakreuz vor dem
Altar symbo-
lisiert die 4 Himmelsrichtungen, die 4 Farben der Himmelsrichtungen,
die verschiedenen Charaktereigenschaften und die Mitte. Weiss symbolisiert
den Norden, gelb den Süden, rot den Osten und schwarz den Westen. In
der Mitte blau und grün symbolisieren das Herz des Himmels und die
Mutter Erde.
Dieses Kreuz ist ein uraltes Symbol der Ureinwohner fast ganz Amerika.
Bei den verschiedenen Völkern bleibt die Symbolik dieselbe, wenn auch
die Kreuze mit anderen Materialien aufgebaut werden.
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Versammlung im ehemaligen
proviso-
rischen Schulraum mit den SchülerInnen des Ciclo Básico.
Viele Eltern hören im Hintergrund mit. Es geht hier vor allem darum,
den jungen Menschen, die aus-
wärts studieren werden, Rat- schläge zu geben. José
Reyes ich machen das in Form von Verantwortlichkeiten: Verant-
wortung gegenüber sich selbst - genug und gesund essen, Hygiene,
Benehmen, studieren für das Leben und nicht für die Examen; Verantwortung
gegenüber denjenigen, die das Studieren ermög-
lichen, seien es die Eltern oder Institu-
tionen: studieren ist angesagt, Feste und Kinder kriegen gehört
in eine andere Zeit; Verantwortung gegenüber Chiacach: hel-
fen, die Lebensumstände zu verbessern.
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Etwas nach 8 Uhr gehen
wir alle in die Kirche und setzen uns. Langsam füllt sich die Kirche.
Fast alle Familien kommen. Die Harfenmusik spielt. Dazu gehören Harfe,
eine Geige, oft eine selbstgemachte Gitarre und der Mann unterhalb der Harfe,
der den Takt klopft. Ungefähr um 9 Uhr fängt die Zeremonie
dann mit dem Kreuzzeichen und einer kurzen Ansprache eines Katechisten
an.
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Abwechseln wird ein Lied
gesungen mit Gitarrenbegleitung und Keyboard und eine Ansprache
gehalten von einem ältesten, José Reyes, mir und dem neuen Bürgermeister.
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Ansprache des neuen Bürgermeisters
von Chiacach rechts und José Reyes links. Es gibt hier ein Mikrofon
wie in den meisten Kirchen, das mit einem Megaphon verbunden ist. 8
grosse Batterien braucht das Ding, aber es ist praktisch, weil der Lärmpegel
in den Kirchen mit den vielen Kindern doch recht hoch ist.
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Ein Katechist hat die
Bibel aufgeschlagen, um danach das Tagesevangelium vorzulesen. Zum Suchen
wird die Taschenlampe schon mal eingeschaltet. Zum Lesen allerdings wird
dann nur Kerzenlicht gebraucht. Danach eine kurze Auslegung des heutigen
Bibeltextes.
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| Danach bringen die Frauen
die Gaben zum Mayakreuz - Gaben heisst hier immer einen Teil des
zeremoniellen Essens, Tortillas, Tamales und Hühnersuppe. Sie werden
dem Tzuultaqa, dem spirituellen Besitzer der Berge und Täler dargebracht
als Dank für Seinen Schutz und gleichzeitig als Bitte um seinen Schutz
und Begleitung. Jede Frau trägt ein Weihrauchfass mit sich und
beweihräuchert zuerst einmal das Mayakreuz, danach umranden sie betend
und beweihräuchernd 3 mal den Altar in jede Richtung.
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Gebete in jede Himmelsrichtung
mit Bekreuzigen und Verneigung. Dann knien sie vor dem Mayakreuz,
Kerzen in der Hand und tief versunken in ein Gebet. Im Hintergrund spielt
schon seit langem die Harfe.
Für mich sind dies die mystischsten Momente imganzen Gottesdienst.
Nach dem Gottesdienst tanzen die Frauen zur Harfenmusik den traditionellen
Tanz. 4 Mal muss die Harfe wieder anfangen zu spielen. Die Frauen gehen
einfach nicht und warten darauf, dass die Harfe weiter spielt.
Danach verschwinden die Frauen wieder in die Küche, um weiter zu
arbeiten. Es ist ein sehr schöner und wichtiger Teil in den Zeremonien,
den die Frauen hier erfüllen.
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Das Vater Unser, von den
Gitaristen in einem schnellen Rhythmus angespielt, reisst wohl
nicht nur mich aus einer tiefen Versunkenheit und bringt uns wieder zurück
in diese Welt.
Alle erhalten nun Kerzen, auch die Kinder.
Danach kommt die erste Bitt-Dank Zeremonie noch in der Kirche. Alle knien
und bitten und danken laut Gott, Jesus, Tzuultaqa und auch meinen Namen
höre ich immer wieder. Für mich eine fremde Gebetsform, höre
ich immer wieder Wortfetzen und bin nicht so versunken ins inbrünstige
Gebet, wie die meisten Menschen.
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Langsam ebbt das Gebet in
ein Gemurmel und wenn nichts mehr zu hören ist, beschliesst der ein
Ältester oder Katechet dieses Bitt- und Dankgebet.
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Danach werden die Kerzen
auf den Boden geklebt, drinnen in der Kirche, soweit Platz und auch draussen,
wo die nächste Bitt- Dank Zeremonie statt finden wird.
Alle erhalten neue Kerzen und gehen hinaus.
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Hier im Freien wird in einem
grösseren irdenen Gefäss das Pom (Baumharz) verbrannt. Wieder
niederknien, Laut beten - der neue Bürgermeister betet noch lange allein
weiter. Mir kommen Gedanken vom Opfer, das Gott annimmt oder nicht, als die
hohe Flamme von einem Windstoss zu Boden gedrückt wird. Zum Glück
war es nur ein kurzer Moment. Mit den aufsteigenden Flammen und dem Rauch
des Pom, aber auch der Kerzen steigen die Gebete hoch bis zu Gott, zu Tzuultaqa.
Nach dem Abschlussgebet werden wiederum alle restlichen Kerzen auf den Boden
geklebt, was gar nicht so einfach ist auf dem Naturboden.
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Wieder zurück in der
Kirche, beginnt die eigentliche Segnungszeremonie der Kinder, jungen Frauen
und Männer. Drei Älteste holen das Holzkreuz, das hinter dem Mayakreuz
stand, die Bibel und eine Kerze vom Alter. Allen Schülerinnen und
Schülern werden nun der Reihe nach das Kreuz, die Bibel und die Kerze
kurz auf den Kopf gehalten. So gesegnet werden sie in das neue Schuljahr
starten.
Mit dieser Zeremonie wird allgemein auch die Schule als etwas Wichtiges
in die Mayakultur der BewohnerInnen mit aufgenommen. Es gibt immer noch Eltern,
die es für unnötig empfinden, ihre Kinder in die Schule zu schicken.
Ich hoffe, dass sich das nun ändert. |
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Hier noch ein Foto der vielen
SchülerInnen, die auf die Segnung warten. Im Hintergrund einige Mütter,
die zusehen. Sie hatten nie die Möglichkeit in die Schule zu gehen
und hoffen jetzt, dass es ihren Kindern besser gehen wird.
Danach leert sich die Kirche, nur noch eine Dankesworte und Ankündigungen
hört man über das Mikrofon.
Die jungen Männer fangen an, die Tassen mit der Traditionellen Suppe
hineinzutra-
gen und stellen sie vor die Bänke. Einige werden hier essen, andere
im Aufent-
haltsraum. Nach einem kurzen Aufforderung eines Ältesten fangen
wir an zu essen. Es ist unterdessen 2 Uhr nachts. Und beim Nachhausefahren
bin ich froh, ist Reginaldo neben mir und erzählt mir Geschichten
von seinem Grossvter, sonst wäre ich eingeschlafen.
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Zum Schluss möchte ich
Euch noch José Reyes Cucul vorstellen, der den ganzen Prozess erst
möglich gemacht hat. Unzählige Stunden hat er investiert um seine
SchülerInnen und die Eltern vom diesem Prozess zu überzeugen, die
SchülerInnen zu organisieren und zu motivieren. Er sitzt hier mitten
in den jungen Frauen des Ciclo Básico. Maria Angelica und Aura Florinda
die 2 ersten von rechts gesehen, werden 2008 Bachelor mit Computer (-Technik)
in San Cristobal studieren.
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BERICHT VON JULI 2005 - APRIL
2006
6. Juli 2005 - Weiterbildung für
Frauen, die neu mit einem Garten anfangen wollen. Nur gerade
8 Frauen der 14 Eingeladenen nahmen teil. Das war wohl mein Fehler.
Die Einladung ging viel zu früh raus (einen Monat vorher)
und wurde am Radio kurz vor dem 6. Juli nicht mehr bestätigt.
In einem Monat gehen hier Einladungen verloren und vergessen.
Mit Frauen aus Secobha, Sesaqkar und Sosela sind weit abgelegene
Dörfer erstmals vertreten. Mit einem Ehepaar aus El Carmen
kam der Stein in dieser Gemeinschaft zum Rollen. Gärten von 6 teilnehmenden
Frauen funktionieren heute sehr gut.
A m 14./15. Juli 2005 hatten alle Angestellten
der Schule (inklusive aller PromotorInnen) das erste 
Mal eine Weiterbildung mit Mario Sebastián
Caal aus dem Erziehungsministerium. Hauptthema: Mayakultur
- insbesondere der Tzolkin, der Maya-Kalender
mit seinen 20 Tagen und ihren Bedeutungen, der das Leben der Menschen
regelt. Jeder der 20 Tage hat eine besondere Bedeutung. Jeder der 20 Tage
hat ein besonderes Zeichen. Auf dem Foto die 20 Tage
des Tzolkin, die auch gleichzeitig die Zeichen des Nahual sind. Mein
Nahual - mein Zeichen - ähnlich wie mein Sternzeichen - ausgerechnet
vor hunderten von Jahren nach einem festgelegten System im Zusammenhang
mit der Stellung der Gestirne. Siehe auch unter Mayarecht - Grundkenntnisse.
Als Beispiel das Nahual K'at:
Die Bedeutung: Feuer - Netz - Unterdrückung
- Gefangenschaft - Zentrum der Existenz.
Die Bedeutung des Tages: Netz -
Fruchtbarkeit - sehr jung, neu - Gattungsprinzip - Weisheit.
Es ist ein guter Tag um ein Problem zu lösen,
um Mitstreiter zu gewinnen, eine Gruppe oder eine Gesellschaft
zu bilden. An diesem Tag betet man für die physische und mentale
Gesundheit der Kinder.
Menschen, die an diesem Tag geboren
sind, übersteigen sich selbst mit Hilfe der Intelligenz
und handeln transparent. Sie haben Ordnung, studieren gerne und
sind gute OrganisatorInnen. Es ist der Tag zur Stärkung der Frauen.
Dies ist eine Kurzfassung, die
nur das Positive des Nahual unterstreicht. Natürlich gibt es auch
die negativen
Seiten. Mehr
unter K'at:
Was unter dem Nahual K'at beschrieben ist,
stimmt in sehr vielem überein mit dem Eneagramm-Typ 1. Es
ist schon erstaunlich, wie immer wieder über alle Erdteile
und Kulturen hinweg dieselben Dinge erscheinen.
Der Tzolkin ist ein wichtiger, aber nur
kleiner Teil der Mayakultur, die in der Schule vermittelt wird. Viel
Grundwissen der eigenen Kultur ist über die Jahrhunderte der
Unterdrückung und das gezielte Umbringen der Ältesten
Frauen und Männer und Hebammen, die die Kultur weiter tragen, verloren
gegangen. Viele Handlungen und unbewusstes Wissen sind heute noch
vorhanden, aber ohne die Kenntnis darüber, warum man das tut oder
so handelt.
Vieles ist auch für uns in der Landwirtschaft
wichtig. Warum ist es zum Beispiel für die Menschen
so schwierig, Samen einzeln zu säen oder warum säen sie
immer 6 Maiskörner zusammen in ein Pflanzloch. Die uralte Antwort
liegt in der Kultur des Maismenschen. Die heilige Pflanze Mais.
Aus Maismehl hat Gott die Menschen erschaffen, von Mais leben die
Mayas. Ohne Mais kein Leben. 6 Körner werden in ein Pflanzloch
gesät - ein Korn pro Himmelsrichtung Norden, Süden, Westen,
Osten, und zwei Körner in die Mitte, wo sich das Herz des Himmels
und das Herz der Erde treffen. Mit diesem Wissen können wir auf
die Suche gehen, wie es möglich ist, nur 2 Maiskörner zusammen
zu säen, ohne die Kultur zu verletzen oder auszulöschen. Eine
Antwort: Wir säen in den je 4 Himmelsrichtungen und in der Mitte
des abgemessenen Feldes für die Maissaat in einer Zeremonie je
6 Maiskörner in das Pflanzloch - jetzt mit dem Wissen warum - und
säen auf dem Rest des Feldes 2- max. 3 Samen in ein Pflanzloch.
Mario Sebastián Caal vom Erziehungsministerium
ist selber Q'eqchi' Maya und Maya Priester mit einem grossen
Wissen. Dieses Wissen gibt er an uns alle weiter mit einer neuen
Methode des Schule Geben. Kein Frontalunterricht mehr - kein Auswendiglernen
mehr, die Kinder sollen wenn immer möglich selber das Wissen
suchen mit kurzen Inputs und schriftlichem Material. Mit Hilfe dieser
2 Herren erarbeiten wir in der Schule den ersten Neuen Lehrplan in
Guatemala für die 7.-9. Klasse in Guatemala. Die neuen Lehrpläne
sollen an die lokale Kultur - Maya, Ladino, Garifuna - angepasst sein
und auch an die Arbeits- und Lebenswelt, in der die Kinder leben.
Kein Auswendiglernen mehr, kein Frontalunterricht mehr, kein Vorsagen
und Nachsprechen der ganzen Klasse in höchsten Tönen. Mit
diesen Neuerungen sollen die schlechten Resultate in den Schulen verbessert
werden.
|
aus PRENSA LIBRE vom 7. Juni 2006
Mehr als 50 % aller Primar- und Oberstufen-SchülerInnen
haben sich staatlichen Prüfungen in Lesen, Mathematik und
Spanisch unterzogen. Das schlechte schulische Wissen ist in allen
Stufen sichtbar. Nur knapp 50% aller SchülerInnen hatten befriedigende
Resultate.
50%
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30%
|
40%
|
17%
|
18%
|
der Primar-
schülerInnen bestanden die Prüfungen im
Lesen
|
aller Schülerinnen bestanden die Prüfungen
in Mathematik
|
der Realschü-
lerInnen hatten befriedigende Resultate in Spanisch
und Mathematik
|
der SchülerInnen Ende des 12. Schuljahres
bestanden die Prüfungen in Mathematik
|
der SchülerInnen Ende des 12.
Schuljahres bestanden die Prüfungen in Spanisch
|
|
Diese Zahlen zeigen, wie dringend ein neuer
Schulstil gebraucht wird.
Alle Lehrer der Schule müssen jede ihrer Stunden
definieren mit Inhalt, Methodik und Material. Mario Sebastían
Caal kontrolliert die eingegebenen Lehrpläne und überarbeitet
sie monatlich zusammen mit allen Lehrern. Eine grosse Arbeit für
die Lehrer. Aber es lohnt sich. Ich höre den neuen Schulstil,
wenn ich an den Klassenzimmern vorbeigehe. Es ist frappant, wie
plötzlich eine neue Lernatmosphäre entstanden ist.
In den neuen Lehrplänen der Schule sind sehr
viele Aspekte der Mayakultur eingebunden. So ist das Schuljahr
zum Beispiel neu in 4 Zyklen des Mondkalenders aufgeteilt, die
in etwa bedeuten: unsere Wurzeln kennen lernen - unser Heute kennen
Lernen - was wollen wir in der Zukunft - wie setzen wir unsere Zukunftswünsche
um. Das würde in der Landwirtschaft bedeuten: wie arbeiteten
unsere Vorfahren in der Landwirtschaft, wie arbeiten wir heute in der
Landwirtschaft - was hat sich verändert, was erwarten wir
in Zukunft von unserer Arbeit in der Landwirtschaft, was konkret müssen
wir in unseren Gewohnheiten in der Landwirtschaft ändern, was
behalten wir bei aus unserer Kultur?
Am 29./30. Juli 2005 besuchten Don
Arnulfo und ich mit 8 ausgewählten Schülern der Landwirtschaftsschule
Carlos Arturo Hernandez in San 
Pedro Copán, Honduras. Er hat das verwirklicht,
was wir hier in Cahabón den Menschen nahe bringen möchten.
Rund um das Haus gibt es fast alles, was man für das tägliche
Leben braucht: Gemüse, Früchte, Hühner, Enten, Schweine,
Kaninchen, Gänse, Fische, Holz für das Kochen, Holz zum
Bauen und eine Fläche zum Spielen und sich Erholen. Alle helfen
mit bei der Arbeit rund um das Haus. Jedes der 5 Kinder hat seine
Arbeit. Und wenn Carlos Arturo nicht zuhause ist, arbeitet seine Frau
im "Wald". Mit "Wald" meine ich "El sistema agroforestal multiestrato"
- übersetzt in etwa mit "Land-Waldwirtschaft mit Pflanzen
verschiedenster Höhen". Es ist eine Form Wald- und Landwirtschaft
zu verbinden, sehr nahe an der Dynamik und Struktur eines natürlichen
Waldes. Es geht darum, eine grosse Vielfalt von einheimischen Pflanzen
zu mischen mit Pflanzen, die für uns Menschen nützlich sind.
Oder mit anderen Worten, wir pflanzen Mais, Reis, Süsskartoffeln,
Ananas, 
Maniok, Kaffee, Kakao, Zuckerrohr, Zitronen-
und Orangenbäume zusammen mit einheimischen Fruchtbäumen,
Palmen, Bäumen für Holz und Düngung. Ein Wald wird
somit imitiert, mit seinen vielfältigen Pflanzen in allen
Höhen. Und das funktioniert. Die wichtigste dabei Arbeit ist
das zurück schneiden. Überall, wo Sonne gebraucht wird,
werden die höheren Bäume zurückgeschnitten und alles
am Boden liegen gelassen. Der Boden trocknet so niemals aus. Es gibt
kaum Schädlinge wegen der grossen Vielfalt und am Boden entsteht
in kurzer Zeit Humus und Dünger.
Das Ganze ist natürlich viel komplizierter,
als ich hier kurz beschreiben kann. Es ist nicht ganz einfach zu
handhaben, aber es ist faszinierend. Wer weitere Unterlagen möchte,
soll sich bitte bei mir melden. Ich habe vieles in Spanisch, da der "Erfinder"
des Systems ein Deutscher ist, kann ich sicher auch Deutsche Unterlagen
auftreiben.
Fotos links: Orangenbaum, Kaffee, Bananen
mitten im "Wald" in Peru, rechts: Carlos Arturo in seinem "Wald"
mit Zuckerrohr und Taro im Vordergrund oben und Bananen und diverse
Fruchtbäume im "Wald" unten.
Wir fuhren also mit 8 ausgewählten Schülern
und einem Promotor zu Carlos Arturo, den wir bei einer durch Misereor
Deutschland organisierten Weiterbildung über dieses System
kennen gelernt haben. Sein Land liegt mitten im Dörfchen San
Pedro Cobán und hat ca. 2000 m². Rund 600 ² misst
sein "Wald". Dazu kommen wie oben beschrieben die vielen Tiere
zum Essen und zum Verkauf. Die Familie lebt grossenteils von ihren
Erzeugnissen und kauft zum Essen sehr wenig dazu. Carlos Arturo ist
Agronom und verbreitet auch in seiner Nachbarschaft mit grossem Einsatz
diese Art der Landwirtschaft. Wir haben einige Nachbarn besucht, die total
begeistert sind, von der neuen Art anzubauen.

Die Schüler haben alles mit grossem Interesse
und Staunen beobachtet.
In Cahabón wird es im Moment wahrscheinlich
nicht möglich sein, das System in seiner ganzen Radikalität
anzuwenden. Was wir aber anstreben ist eine grosse Vielfalt, inklusive
verschiedener Kleintierarten rund um das Haus. Der Platz rund um die
Häuser wird in Cahabón kaum genutzt. Nackter Boden, Gestrüpp
und jetzt manchmal auch ein Garten befinden sich rund um das Haus.
Kaum Obstbäume und schon gar kein einheimisches Gemüse oder
Mais. Die Felder sind meist sehr weit entfernt. 3 der ausgewählten
Schüler haben dann auch sofort damit begonnen, rund um das Haus
vielfältige Pflanzen zu setzen. Wie hier zum Beispiel Mario aus
Chatela (Foto). Er hat unzählige Bäume, Ananas, Gandul (Baumbohnen),
Karkadentee, Taro, Süsskartoffeln... rund um sein Haus gepflanzt.
Seine Hühner sind in einem grossen Gehege. Die Mutter hat einen
grossen Garten. Die 5 anderen arbeiten langsamer, aber ich denke, dass
auch sie einiges dazu gelernt haben und in Zukunft um ihr Haus auch
mehr anpflanzen werden.
16./17. August
2005 - ein 2-Tages Ausflug nach Purulhá mit 18 Frauen,
5 Männern, 5 Promotorinnen und 1 
Promotor. Wir wollen die diversifizierten
Parzellen von Don Martin (Foto) und Mauricio Choc in der Gemeinschaft
El Jute kennen lernen, auf denen vielfältigstes einheimisches
und importiertes Gemüse biologisch angepflanzt wird. Beide leben
vom Verkauf des Gemüses und ihrer Hühner, Kaninchen und
Ziegen. Viel wichtiger aber für mich sind die Frauengruppen.
Seit 4 Jahren arbeiten Frauen in Gruppen im Gemüse- und Blumenanbau
und beim Weben. Meine Hoffnung ist, dass unsere Frauen sich von guten
Zeugnissen der bestehenden Gruppen in Purulhá überzeugen
lassen, dass diese Form von Zusammenarbeit hilfreich und nötig
ist. In 2 Gruppen besuchen wir zuerst die Parzellen von Don Martin und
Mauricio und die Frauengruppe (Gemüse- und Blumenanbau) in El
Jute, dem höchsten Punkt von Purulhá. Unsere Leutekönnen
gar nicht mehr aufhören mit Fragen, vor allem in den Parzellen
von Martin und Mauricio. Fast bleibt keine Zeit mehr für die kleine
Frauengruppe, die uns zeigt, wie sie Gladiolen anbauen und dann im
Dorf Purulhá verkaufen. Blumen sind hier ein gutes Geschäft,
da erst wenige Blumen anbauen. Nach dem frühen Nachtessen
gehen die meisten müde und zufrieden ins Massenlager um zu schlafen.
Am nächsten morgen besuchen wir dann 2 gut
arbeitende Frauengruppen mit Leaderinnen, die sehr gut reden
und präsentieren. In der ersten Frauengruppe in Panimaquita
erzählt die Präsidentin, wie die Gruppe entstand, wie
sie arbeiten, was wichtig ist in der Gruppe, wo passieren Fehler,
was ist schwierig und welche Vorteile die Gruppenarbeit hat.
Danach erzählt sie aus ihrem eigenen Leben:
"Vor Jahren war ich ängstlich, ging kaum aus dem Haus, sprach
nur Q'eqchi' und traute mir gar nichts zu. Eines Tages wurde ich
eingeladen für eine Weiterbildung, in der ich zur Vertreterin
meiner Gemeinschaft ausgebildet werden sollte. Mit der erkämpften
Erlaubnis meines Mannes, viel Angst und einer Freundin machte ich
mich auf in ein entferntes Dorf und merkte erst dort, dass die Weiterbildung
nicht nur einen, sondern 5 Tage dauerte. Ich genoss die Tage und
lernte viel. Doch als ich auf dem Weg nach Hause war, überfiel
mich die Angst. Werden meine Kinder und mein Mann mich überhaupt
wieder aufnehmen? Sicher wollen sie gar nichts mehr wissen von mir!
Sie kennen mich wohl kaum mehr und haben sich jemand anderes gesucht.
Als ich dann unsicher und mit dieser grossen Angst im Bauch zuhause ankam,
musste ich feststellen, dass meine Familie sich sehr freute, dass ich
wieder zuhause bin. Danach ging es weiter mit viel Schulung und Lernen
und heute bin ich selbstständig, Präsidentin der Frauengruppe,
spreche spanisch und habe noch viele andere Aktivitäten. Am meisten
stolz bin ich darauf, dass ich nach 5 Jahren immer wieder insistieren
es geschafft habe, dass alle Familien der Frauengruppe ein eigenes Haus
aus Zementblock bekommen. Immer wieder ging ich zum Bürgermeister,
legte ihm die Pläne und die Finanzierung vor, unsere Unterschriften
und unsere Eingaben. Jetzt endlich nach 5 Jahren harter Arbeit hat es
geklappt. Wir bekommen die Häuser. 5 Davon sind schon fast fertig
gebaut."
Diese Frau hat mir so viel Eindruck gemacht, dass
ich sie spontan für die nächste Weiterbildung aller
Mamas im Oktober in der Schule eingeladen habe.
Danach besuchen wir die zweite Frauengruppe, die
schon sehnlich auf uns wartet. Wir haben uns durch die spannenden
Schilderung der Präsidentin und die anschliessende Diskussion
verspätet. Diese Gruppe lernte vor kurzer Zeit Weben und stellt
wunderschöne Huipiles her - die traditionellen Blusen der Mayas
(Foto). Unsere Frauen sind hell begeistert von den Blusen und der Arbeit
der Frauen. Nachdem sie uns gezeigt haben, wie sie weben, gehen wir
ins Haus um einen Imbiss zu uns zu nehmen und über die Arbeit zu
diskutieren - ist es schwer zu lernen - was kosten die Huipiles - verkauft
ihr sie gut - und immer wieder über die Gruppenarbeit.
Verspätet gehen wir dann zum Mittagessen. Der
Bus wartet schon auf uns und es gibt noch ein Gehetze, weil 2 Familien
noch den Bus um 4 Uhr in Cobán erreichen müssen, damit
sie überhaupt noch vor Mitternacht nach Hause kommen.
Müde aber zufrieden kommen wir anderen um 9 Uhr nachts in Cahabón
an und nach einem einfachen Nachtessen fallen alle ins Bett. Am
nächsten morgen brechen die meisten dann sehr früh auf,
um nach Hause zu kommen.
Es war ein spannender und guter Ausflug und daraus
sind 6 Gruppen entstanden, die mehr oder weniger gut arbeiten.
Anfangs Juni 2006: in Chaslau sind sie am Weben, in Chatela
stellen sie Medizin her, in El Carmen haben sie wunderschöne Gärten
und werden bald Kaninchen bekommen, in Chiakté haben sie Terassen
erstellt,um darauf Gemüse für den Verkauf anzubauen, in
Nuevo San Fernando helfen sie einander im Familiengarten, nur die
Gruppe aus Semox hat sich leider wieder aufgelöst, nachdem sie
wunderschönes Gemüse in einem Gemeinschaftsgarten hatte und
sich wegen Geld und der Gemeinschaftsarbeit zerstritten haben.
28./29. September 2005 - 2 Tage spannende
Weiterbildung mit Milvia Gonzales über Gender. Ein schwieriges
Thema, weil Männer und Frauen generell keinen grossen Kontakt
untereinander haben. Männer haben das Sagen. Frauen gehorchen
und brauchten bis vor kurzem noch die Erlaubnis des Mannes, um überhaupt
nur aus dem Haus gehen zu dürfen. Es ist ziemlich neu, dass Frauen
alleine zu einer Weiterbildung gehen können. Allerdings kenne
ich auch Familien, in denen die Beziehung zwischen Mann und Frau ziemlich
demokratisch ist. Es gibt sogar Familien, in denen die Frau das Geld
verwaltet. Die ist aber nicht die Normalität. Die Frau läuft
generell immer einige Schritte hinter dem Mann. Ich habe dann auch einmal
herausgefunden warum. Der Mann schützt damit die Frau und die Kinder
vor bösen Dämonen, die auf dem Weg lauern. Zärtlichkeiten
in der Öffentlichkeit gibt es nur zwischen Männern oder zwischen
Frauen. Wie die Promotorinnen in dieser Weiterbildung erklärten,
werden Ehepaare, die sich aus Versehen in der Öffentlichkeit berühren
rot. Bis vor kurzem gab es keinen Kontakt zwischen männlichen und
weiblichen Jugendlichen. Heute gehen die Kinder und auch die Jugendlichen
zusammen in die Schule. In den Gemeinschaften ist es aber immer noch
unmöglich, dass sich ein Junge und ein Mädchen alleine treffen.
Also geschieht dies heimlich. Dazu kommt, dass viele Jugendliche in
Cahabón in die Oberstufe gehen und hier ohne Familie wohnen. Hier
sind grosse Schwierigkeiten entstanden, weil die Jugendlichen nie gelernt
haben, miteinander umzugehen. Die Jungs möchten Sex und die Mädchen
haben nie gelernt NEIN zu sagen. In Cahabón gibt es im Moment sehr
viele uneheliche Kinder. Keine Aufklärung. Man redet nicht über
so etwas. Das erinnert mich stark an meine Jugendzeit. Da war es nicht
viel anders.
Was arbeitet die Frau, was arbeitet der Mann, war
eine der ersten Fragen von Milvia.
Die Frau gehört ins Haus, Kinder kriegen, waschen,
kochen, putzen, Kinder erziehen, Wasser holen und Hühner,
Enten, Truthähne und Schweine füttern, Hühner schlachten.
Die Frau hat keine harte Arbeit.
Der Mann gehört aufs Feld, Mais anbauen, Kardamom,
Kaffee, Kakao, Chili, Holz holen, jagen und Schweine schlachten.
Der Mann arbeitet hart.
Die Rollenverteilung ist starr in den Köpfen.
Das geht auch aus den Antworten hervor.
Das Bild sieht ganz anders aus nach der folgenden
Gruppenarbeit. Getrennt erstellen die Promotorinnen und Promotoren
je eine Uhr mit den täglichen Arbeiten.
Arbeit
der Frauen
|
Arbeit der Männer
|
4.00 –
5.00
Aufstehen, Feuer anmachen, Cafe wärmen, Gekochten
Mais waschen, gekochten Mais mahlen
5.00 – 6.00
Tortillas machen und Frühstück vorbereiten,
Essen vorbereiten zum Mitnehmen aufs Feld für die Männer
6.00 – 7.00
Frühstück für die Kinder und den
Mann, Kinder Baden, Boden fegen, Geschirr abwaschen
7.00 – 8.00
Den Tieren zu essen geben, Kleider Waschen
9.00- 10.00
Mittagessen vorbereiten
11.00 – 12.00
Dem Mann das Essen aufs Feld bringen
13.00 – 14.00
zurückkehren ins Haus
14.00 – 15.00
Wasser holen, im Haus und um das Haus wischen, Geschirr
abwaschen, Mais kochen
15.00 – 16.00
Den Tieren zu essen geben
16.00 – 17.00
gekochten Mais waschen und mahlen
17.00 – 18.00
Tortillas machen, Wasser kochen, Essen für
das Nachtessen vorbereiten
18.00 – 20.00
Nachtessen, Geschirr waschen, Essensreste so versorgen,
dass sie keine Tiere fressen und sie nicht verderben (ohne Kühlschrank)
20.00 – 22.00
Kinder ins Bett bringen, schlafen gehen
Ohne Zeitangaben:
Gebären, den Kindern die Brust geben, kranke
Kinder und ev. Eltern pflegen, Kinder erziehen und in die Schule
schicken, Sitzungen in der Schule, mit Kindern ins Gesundheitszentrum
zum Impfen oder zur Kontrolle gehen, im Garten arbeiten - dazu kommt
Arbeit im Maisfeld, Kardamom ernten, Chile säen, ernten, Kaffee
ernten, Kakao ernten, Chile, Kakao und Mais trocknen, Bohnen ausmachen,
Mais entkernen, wilde Früchte, Gemüse und Kräuter
suchen gehen.
|
6.00 Frühstücken
7.00 Aufs Feld gehen
8.00 Ankommen auf dem Feld
10.00 Z'Nünipause
12.00 Mittagessen
13.00 Weiter arbeiten
16.00 Holz suchen
17.00 Nach Hause kommen
18.00 Baden
19.00 Nachtessen
20.00 Ausruhen
21.00 Schlafen
Ohne Zeitangaben:
Jagen, Schweine schlachten, Gemeinschaftsarbeiten
|
Wohlverstanden, die Tabelle wurde von den Promotoren
und Promotorinnen ausgefüllt und danach auch für richtig
befunden. Allerdings gibt es auch Männer, die mehr helfen
und mehr arbeiten.
Dass Frauen oft im Feld arbeiten will
allerdings nicht in den Kopf - Frauenarbeit ist Hausarbeit.
Vor allem die Karadomom-Ernte schadet den 
Familiengärten. Die Haupterntezeit dauert rund
3 Monate und die Frauen sind mehrere Tage in der Woche den ganzen
Tag am Ernten. Zeit für den Garten haben sie in dieser Zeit
nicht mehr. Kardamom ist immer noch die einzige grössere
Geldquelle der Bauern hier in Cahabón, obwohl der Preis zusammengefallen
ist.
Weiter geht es mit den biologischen und sozialen
Unterschieden zwischen Mann und Frau. Welche Unterschiede sind
von den Menschen selbst konstruiert, wie zum Beispiel die Kleider
- Frauen tragen Röcke und Blusen- Männer tragen weisse
Hemden, dunkle lange Hosen, schwarze Schuhe und einen Gürtel.
Langsam tasten wir uns an die Wirklichkeit heran.
Ein weiteres Thema ist die Diskriminierung wegen
der Hautfarbe, wegen dem Geschlecht, wegen der Armut. Du bist dumm,
du sprichst ja nicht einmal spanisch, du bist nur eine Frau und taugst
für nichts - du bist nichts wert, du trägst Kleider eines
Armen. Die Diskriminierungen unter den Q'eqchi' selber ist sehr
stark verbreitet.
Beteiligung der Frau in der Familie, in der Gemeinschaft,
im Dorf ist ein weiteres Thema.
Die 2 Tage Weiterbildung waren nur ein kleiner
Anfang mit viel Neuem zum Nachdenken. Es wird wohl noch längere
Zeit dauern, bis in den Köpfen der Frauen und Männer
so etwas wie Gleichberechtigung entsteht. Seltsamerweise ist in der
täglichen Praxis mehr Gleichberechtigung zu beobachten als
in den Köpfen vorhanden ist.
27./28. Oktober 2005 Weiterbildung
für alle Mütter und Väter der Schüler. Ich
konnte meine Idee verwirklichen. Gestern abend sind 6 Frauen von
verschiedenen Gemeinschaften aus Purulhá 
angekommen. Wir werden heute nicht kochen und die
Frauen werden in 4 Ateliers die Frauen und ihre Arbeit kennen lernen.
(Foto: Frauen in der Vorstellungsrunde)
- Im Atelier 4 werden sie hausgemachtes
Hühnerfutter herstellen mit Mais, Bohnen, getrockneten Eierschalen,
Knochen, getrockneten Blättern eines bestimmten Baumes und
ein wenig Salz. Alles wird gemahlen und vermischt.
- Für das Atelier 3 haben zwei Frauen
ihre ganzen Webutensilien mitgenommen. Sie werden erklären
und zeigen, was und wie sie weben. Das Atelier findet riesigen Anklang,
sogar einige Schüler sitzen stundenlang in diesem Atelier,
schauen zu und dürfen kurz weben.
- Im Atelier 2 erzählt die Präsidentin
der Frauengruppe aus Panimaquita aus ihrem Leben. Wie siedie
grosse Angst überwunden hat und was sie heute alles tut.
Ratschläge für ein befreiteres und angstfreieres Leben
aus dem Mund einer Frau, die das ganze auch so durchlebt hat.
Stärkung des Selbstbewusstseins der Frauen pur.
- Im Atelier 1 erzählt die schon erwachsene
Tochter der Präsidentin aus ihrem Leben. Wie hat sie ihre
die Mutter erfahren, was hat sie daraus gelernt und wie lebt sie
heute. Auch das ist Stärkung des Selbstbewusstseins. Die
Frau aus Vorbild für ihre Töchter. Wie kann die Mutter
ihre Töchter zu einem befreiteren und angstfreieren Leben hinführen.
Der Tag war ein Erfolg. Viele Frauen sind nachdenklich
aber auch in einer Aufbruchstimmung. Viel Neues haben sie an diesem
Tag gehört und erfahren. Ich hoffe, dass sie einiges zuhause
wenigstens im Ansatz ausprobieren.
Am Schluss der Weiterbildung konnten wir allen Familien
4 Lernkalenders
mit Nachhause geben.
Nach dem üblichen Nachtessen mit schwarzen Bohnen
und Tortilla wird bis um 23 Uhr getanzt. Danach gehen die Menschen
schlafen und die Frauen aus Purulhá brechen am nächsten
morgen schon wieder früh auf, um noch vor dem Mittag wieder
zuhause zu sein.
Der
Lernkalender für das Jahr 2006
Im Juli haben wir angefangen, unseren ersten Lern-Lernkalender
für das Jahr 2006. Fotos aus Gärten und Parzellen mit einem
für uns wichtigen Inhalt. Der Neid ist gross zwischen den Menschen
in den Gemeinschaften und so wird fast alles Geld auswärts ausgegeben.
Also versuchen wir daran zu arbeiten.
Wir sind Bäuerinnen
und Bauern.
|
Davon
leben wir.
|
Maria möchte ihre Tomaten verkaufen und
fragt Peter:
„ Peter, warum kaufst Du nicht meine Tomaten? „
„A nein Maria, nur was von auswärts kommt ist gut!“
WANN FANGEN WIR ENDLICH AN DAS UNSERE ZU SCHÄTZEN
UND WANN LASSEN WIR ENDLICH DEN NEID UND DIE EIFERSUCHT HINTER UNS?
Kauf von Deinem Nachbarn, so sparst Du Zeit und Geld,
weil du nicht mit dem Bus nach Cahabón fahren musst um einzukaufen.
(Teuer und zeitaufwändig.)
|
FOTOS aus den Gärten und Mischparzellen
aus unserer Arbeit
Sprache auf dem Kalender:
Q’eqchi’
Einer der 22 Mayasprachen, die in Guatemala gesprochen
werden.
|
Dein Nachbar verdient mit seinen Produkten und das Geld
bleibt im Dorf.
|
So werden wir zusammen vorwärts kommen.
Lasst uns unsere Produkte schätzen, die wir in Cahabón
produzieren.
Instituto Fray Domingo de Vico
fördert eine nachhaltige Landwirtschaft im ländlichen Gebiet
von Santa Maria de Cahabón.
|
Mit diesem Kalender werden wir immer wieder arbeiten.
In den Gemeinschaften und in Weiterbildungen in der Schule.
9. November 2005 Zur Weiterbildung
für neue Mütter kommen diesmal 9 neue Frauen. Sie sind
sehr neugierig und fragen viel.
29.11. - 1.12.2005 Gemeinsam mit allen
Promotorinnen und Promotoren erarbeiten wir den Bericht für
Misereor Deutschland per 31.12.2005. Zwei mal im Jahr, Ende
Juni und Ende Dezember schreiben wir über unsere Erfolge und
Schwierigkeiten. Es ist sehr schwierig, aber wir möchten,
dass auch die PromotorInnen wissen, wie so ein Bericht aussieht und
welche Zahlen wir da zweimal im Jahr zusammenstellen müssen. Vielleicht
füllen sie dann die vorgedruckten Blätter der Gärten
und Parzellen besser und mit mehr Wissen aus. Für jeden Garten, jede
Parzelle, jedes Maisfeld und jedes Hühnergehege wird ein separates
Blatt geführt. Bei jedem Besuch müssen die PromotorInnen
in diesen Blättern die Erfolge und Schwierigkeiten notieren. Somit
haben wir einen genauen Überblick über unsere Arbeit, wenn
die Blätter sorgfältig ausgefüllt sind.
Hier einige Zahlen aus dem Bericht vom 31.12.2005
Im Moment arbeiten für die Familiengärten
1 Assessorin (MISEREOR), 1 Koordinatorin (PTM Mundibat), 1 Promotorin
(MISEREOR), 1 Promotorin (PTM Mundubat), 1 Promotorin (Pfarrei Spiez)
und eine Promotorin (Pfarrei Arth).
ERFOLGE
Im Moment betreuen wir 129 Familiengärten (6063
m2) mit einem Durchschnitt von 47 m2 in 31 verschiedenen
Weilern/Gemeinschaften.
Wir pflanzen folgendes in den Familiengärten:
Mangold, *Knoblauch, *Sesam, *einheimisches Basilikum,
*Baumwolle, Schnittsellerie, *Amaranth, *Zwiebeln (nur
in höheren Lagen), *Cebollin (Schnittlauchart), *Chile, *Koriander,
*Luwa, *Buschbohnen, *Mungobohnen, *einheimische Passionsblumenfrucht,
*einheimische Chirimoya, *Gewürzpfefferminz, *Kohlrabiblätter,
*Inwer, *Kurkuma/Gelbwurz, *Macuy (einheimische Blattgemüse),
*3 verschiedene Mostaza (Blattgemüse), Bodenkohlrabi, *Pak
Choi, *Gurken, Petersilie, Lauch, *Radiesli, Randen, Kohl, *Samat
(Gewürz), *Wassermelonen, *Kürbis, *Tomaten, *Verdolaga
(Blattsalat), *Karotten
(Pflanzen mit * entwickeln Samen oder werden durch
Stecklinge vermehrt. Für die anderen Gemüse kaufen wir
die Samen in Guatemala.)
-
Die meisten Frauen haben in ihren Gärten
unterdessen einheimisches Gewürz und Blattgemüse, das
sie auch täglich brauchen wie Samat, Cebollin, Macuy, Gewürzpfefferminz,
Pebrex und einige auch schon Ingwer und Amaranth.
-
Die Frauen akzeptieren die neuen Gemüse
und Rezepte gut und kreieren mit einer gewissen Sicherheit auch
selber neue Rezepte mit Produkten aus ihrem Garten.
-
Es ist auffällig, dass in Familien, die
viel Gemüse essen, die Kinder viel gesünder sind und
viel weniger anfällig für Verkältungen und Durchfall.
-
Mütter melden zurück, dass ihre
Schwangerschaft viel leichter war, seit sie Gemüse essen und das
Essen vielfältiger geworden ist.
-
Ein grosser Teil der Frauen ist sehr glücklich,
weil sie Gemüse an ihre Nachbarn verkaufen können
und somit zum ersten Mal eigenes Geld zur eigenen Verwendung besitzen.
-
Die positiven Resultate in der Produktion
von Gemüse in den Familiengärten hat bei vielen Frauen das Selbstbewusstsein
gestärkt und auch das Interesse der Ehemänner geweckt,
die jetzt doch einiges mehr mithelfen in den Gärten.
-
Einige Frauen fangen an, rings um das Haus,
in und um die Familiengärten Süsskartoffeln, Taro,
Maniok, Papaya, Gandul (Baumbohnen), Chaya (Baumspinat). Die einheimischen
Produkte werden wieder mehr geschätzt, vieleicht auch weil
unsere neuen Rezepte immer auch einheimisches Gemüse einbeziehen
und sie gelernt haben, wie man dieses einheimische Gemüse mit
Kompost viel besser kultivieren kann.
-
Wir sehen Interesse von Nachbarn, die auch
einen Garten haben möchten. Der Multiplikations-Effekt vergrössert
sich mit der Anzahl guter Gärten in den Gemeinschaften.
-
Es melden sich viel mehr Gruppen von Frauen,
die neu Interesse daran haben, mit Familiengärten zu arbeiten.
- Im November fingen wir an, die Monatsrezepte
per Radio auszustrahlen.
SCHWIERIGKEITEN
- Kulturell sind Familiengärten, Säen,
Bewässern, Pflegen, Beschatten, Unkraut Jäten nicht
bekannt.
- Die Frauen haben sehr wenig Zeit. Oft sind
sie schwanger oder haben gerade geboren, arbeiten mit im Feld, trocknen
Chile, trocknen Kaffee, machen Bohnen aus....
- In den meisten Küchen fehlen die
Utensilien, die für die neuen Rezepte gebraucht würden
- Messer, gute Pfannen...
- Die meisten Frauen können weder
lesen noch schreiben. Das macht die Arbeit schwieriger, weil wir
keine schriftlichen Anweisungen zurücklassen können.
- Das Kardamom - vor
allem in der Haut- Erntezeit von September bis Arpil braucht viel
Zeit. Die Frauen helfen bei der Ernte und vernachlässigen dabei
die Gärten. (siehe auch Weiterbildung über Gender)
- Noch zu
wenige Frauen machen Samen aus dem Gemüse ihres Gartens.
- Einige Familien haben die Gartenarbeit
verlassen mit dem Argument: Die Arbeit ist schwierig
ist und braucht viel Zeit.
KLASSIFIKATION DER GÄRTEN LAUT DEN PROMOTORINNEN
Neue
|
Unbefriedigend
|
Durchschnittlich |
Gut
|
Sehr gut
|
17
|
18
|
57
|
30
|
7
|
Im Grossen und Ganzen bin ich mit unserer Arbeit
sehr zufrieden. Die Trockenheit bis anfangs Juli hat uns allerdings
schwer zu schaffen gemacht. Die Böden waren total ausgetrocknet
und steinhart. Die meisten Frauen brauchten 1-2 Monate, bis der
Boden wieder zum Säen bereit war.
7.-9. Dezember 2005 Mit 2 Elternpaaren
und einem Vater von 3 Schülern, die im Juli mit uns Carlos
Arturo in Honduras besucht 
haben, fahren wir für 3 Tage nach San Pedro
Copán. Die Promotorin Ana und der Promotor Alejandro
begleiten und für die Übersetzung. An der Grenze allerdings
stellt sich heraus, dass Ana ihren Pass zuhause vergessen hat. Also
muss sie 2 Tage allein in Esquipulas verbringen. Das ärgert, weil
wir nun keine Übersetzung von Frau zu Frau haben. Das wäre
sehr wichtig gewesen. Schicksal!
Beide Frauen hatten ein Bébé dabei.
Für die Frauen ist das immer sehr ermüdend. Trotzdem haben
sie gut mitgemacht, vor allem Josefina Ax Mucú (auf dem Foto
mit Kind). Wir haben nicht nur den Garten, die Tiere und "den Wald"
von Carlos Arturo besucht, sondern auch viele andere Familien, die in
ähnlicher Weise arbeiten. Hier am Fischteich einer Familie im selben
Dorf. Die Frauen und Männer, die wir besuchen, reden begeistert
über die neue Art, Landwirtschaft zu betreiben. Und wir
werden auch überall willkommen geheissen und bewirtet. Bei der
Familie mit dem Fischteich sind wir zum Nachtessen eingeladen. Die
Frau kocht viele verschiedene Spezialitäten aus dem Dorf mit Produkten
aus ihrem "Wald" und Garten. Wir sind immerhin 10 Personen, dürfen
aber nichts bezahlen. Die Gastfreundschaft ist sehr gross.
Am nächsten Tag besuchen wir eine Familie, die
auch mit den neuen Methoden arbeitet. Von ihrer Landwirtschaft
leben 4 Familien - die 
Familie der Eltern und 3 Familien der Söhne
mit ihren Kindern. Sie verkaufen Kaffee, Mais, Maniok, Süsskartoffeln,
Taro, Honig, Orangen, Zitronen, Nance (Frucht), Fische (2 Teiche
mit 9000 Fischen) und haben vor allem für den Eigengebrauch Hühner,
Schweine und 3 Kühe. Jeder der Söhne hat sich auf ein Produkt
spezialisiert und sie arbeiten alle sehr gut zusammen. Jede Familie
hat ein hübsches Haus aus Lehmziegeln gebaut. Viele Blumen vor
dem Haus und eine gute Bewirtung.
Die Familie von Josefina Ax Mucú und Tomas
Ochoa hat schon vorher angefangen, rund um das Haus viel anzupflanzen.
Und nach diesem Besuch haben sie noch viel mehr Ideen entwickelt.
Bei den zwei anderen Familien ist leider noch nicht viel umgesetzt.
Die Familie von Candelaria Ixim und Julio Tot (rechts auf dem Foto)
ist im Moment wie gelähmt wegen Geldsorgen. Zwei ihrer Söhne
sind im Moment gleichzeitig bei uns in der Schule. Der Vater muss die
Parzellen beider Söhne gleichzeitig selber betreuen, da er keine weiteren
Söhne hat, die im Helfen könnten. Das Geldverdienen kommt zu
kurz. Das lähmt die ganze Familie. Eliseo Choc setzt langsam etwas
vom Gesehenen um. Auch er hat neben seinem Sohn in der Schule keine Söhne,
die ihm helfen könnten.
Wir haben uns von diesem Besuch etwas mehr erhofft,
trotzdem werden wir weiter mit Schülern, Eltern und auch Frauen
Besuche an anderen Orten machen. Ich bin überzeugt, dass es
sehr wichtig ist für alle, andere Lebenswelten kennen zu lernen
und zu merken, dass die Menschen auch an anderen Orten kämpfen
für eine bessere Zukunft.
Mitte Dezember 2005 und 10. April 2006
in Chiacach
19 SchülerInnen des 7.-9. Schuljahres
in Chiacach haben schon im Juli 2005 mit einem grossen Garten 
angefangen. Es ist eine der wenigen Gemeinschaften,
die eine Oberstufenschule haben. Chiacach war sehr stark in den
internen Krieg verwickelt. Sie wehrten sich, als die Regierung mit
Hilfe des Militärs ihr Land konfiszieren wollte und haben aus
den Wäldern heraus das Militär bekämpft. Viele Menschen
sind dabei umgekommen und viele Menschen sind psychisch stark geschädigt.
Ein Schüler erzählt wie seine Eltern den ganzen Tag einfach
vor dem Haus sitzen und nicht mehr in der Lage sind, etwas zu arbeiten.
Andere SchülerInnen sind Halb- oder Vollwaisen.
Der Hauptlehrer José Reyes Cucul ist aus Chiacach.
Er hat nach seinem Studium als Erstes Guatemala bereist, um andere
Kulturen und Menschen kennen zu lernen. Ich spüre sehr stark,
dass er aufgeweckter ist als der Durchschnitt, sehr gut spanisch spricht
und auch eine gewisse "westliche" Logik hat, die bei den meisten
Menschen in den Gemeinschaften fehlt. Ich kann sehr gut mit ihm
zusammenarbeiten. Er setzt sich sehr stark für die Gemeinschaft,
vor allem für die Jugendlichen ein. Er kann sich eine Veränderung
im Dorf in der Zukunft vorstellen und arbeitet mit aller Kraft daran.

Im Juni 2005 kamen sie zu mir mit der Bitte, sie
zu unterstützen. Sie konnten die Einschreibegebühren
Quetzal 460 (Sfr 84.00) pro SchülerIn für das Schuljahr
2005 nicht aufbringen. Sie standen kurz davor, dass die Oberstufen-Schule
geschlossen wurde. Und so erarbeiteten wir einen Vertrag. Die SchülerInnen
der Oberstufe von Chiacach werden einen Familiengarten und eine diversifizierte
Parzelle anlegen und ich werde ihnen die Einschreibegebühren bezahlen.
So begann die Geschichte mit Chiacach und ihren SchülerInnen.
Sie fingen an mit 4 Gartenbeeten, die Erde war hart und sie hatten noch
wenig Kompost. Kompost ist so eine Sache - es scheint schwierig zu sein,
zu begreifen, dass der Boden Dünger braucht und noch schwieriger,
dass ein Haufen "Abfall" zu Dünger - Nahrung für den Boden
werden soll. Die Samen keimten dann auch kaum, obwohl sie sich viel Mühe
gaben mit Abdecken und Giessen. Nachdem sie Bohnen gesät haben und
davon einige auch an dem Ort, wo vorher der Kompost war, fingen sie an
zu staunen. Am Ort des Kompostes wuchsen die Bohnen doppelt so schnell und
hatten viel mehr Ertrag. Von dem Zeitpunkt an, ist in ihrem Garten immer
viel Kompost anzutreffen. Auf den ganzen ca. 500 m² wird heute Gemüse
angebaut und die Erde ist herrlich locker und sehr gut zu bearbeiten.
Dementsprechend ernten sie heute auch schönes Gemüse. Sehnsüchtig
sahen sie zu, wie der Chabis wächst und konnten kaum warten mit Ernten.
Eines schönen Tages ernteten sie alle Chabis auf einmal und machten
Chabissalat, den sie gemeinsam assen. Das müssen um die 20 Chabis
gewesen sein.

In Chiacach gibt es 14 weitere Gärten. Als ich
eines Tages zu einem Garten unterwegs war, sah ich einen grösseren
leeren Platz, an dessen oberem Ende direkt eine Quelle sprudelt
(roter Pfeil). Das Wasser lief einfach weg und wurde nicht gebraucht.
Mir kam die Idee, dass man hier einen Fischteich bauen könnte.
Es war mir bewusst, dass wegen der Bodenbeschaffenheit und der Lage
hier wohl mit Zement gearbeitet werden muss. Langsam entstand ein
Plan - Fischteich und zugleich ein kleineres Schwimmbad für die
Kinder. Der Platz wurde von der Dorfgemeinschaft zur Verfügung
gestellt und wir fingen an mit Ausmessen. 7x9x1 Meter gross sollte der
Teich werden. Die Mauern mit Steinen gebaut und mit Zement verstärkt
und verputzt. So machten wir wieder einen Vertrag: Ich bezahle den Zement,
den Gips, wenig Röhren, Verschlussdeckel, Maschendraht für
einen Zaun, 1 Schloss und einen Vorarbeiter, der die Arbeiten mit dem
Zement anleitet (aus Spenden). Die SchülerInnen und Väter
graben den Teich aus, suchen die Steine, holen den Sand aus dem Fluss
und arbeiten nach der Anleitung des Vorarbeiters für die Fertigstellung
des Teichs.

Im Dezember fingen sie mit den Grabarbeiten an. Von
8-11 arbeiteten die SchülerInnen. Dann gingen sie nach Hause
zum Duschen, Umziehen und Essen. Um 14.00 - 17.00 hiess es dann die
Schulbank drücken. In dieser Zeit kamen die Väter zum Arbeiten.
Nach etwa 30 cm Tiefe kam eine Lehmschicht, total durchnässt von
dem Quellwasser, die die Grabarbeiten sehr erschwerte. Bis 2 Meter
tief mussten sie graben an der Hangseite. Im Februar fing der Vorarbeiter
an zu arbeiten. Die Grabarbeiten waren fertig, die Steine für die
Mauern bereit und die Mädchen hatten 16 m³ Sand vom Fluss - 25
Min. 1 Weg - heraufgeschleppt. Sie waren sehr stolz, dass sie mehr Kraft
hatten und luden voller Stolz die Gipssäcke vom meinem Auto, als ich
mit einer Ladung Gips ankam. Nun lernten die Schüler und auch ihre
Väter, wie man mit Zement arbeitet. Mitte März konnten
sie das erste Mal das Wasser einlaufen lassen. Meine Angst, dass wenig
Wasser fliesst war unbegründet. Die Becken füllten 
sich über Nacht. Dann kam der grosse Schrecken.
Nach einem Tag bahnte sich die echte Quelle ihren Durchbruch durch
den Zementboden im Schwimmbad für die Kinder. (Siehe Pfeil).
Unser Baumeister der Schule, Don Enrique, der die ganzen Bauarbeiten
überwacht hatte, legte um die Quelle eine dickere Zementplatte
mit Eisen und setzte in der Schwimmbadseite 2 Röhren und auf der
Fischseite eine Röhre ein, woraus nun das Quellwasser sprudelt.
Damit war das Problem glücklicherweise gelöst.

Am 3. April setzten wir 300 Fischchen im Teich aus.
Am 10. April war dann die offizielle Einweihung auch des Schwimmbads
für die Kinder. Mit der Nationalhymne und dem Schwur auf die Fahne
fing das ganze Fest an. Ansprachen, Theater, Sketches, vorgetragene Lieder
und Tanz für Gross und Klein waren die Hauptattraktionen des Vormittags.
Die traditionelle Hühnersuppe rundete das Fest ab.
2 Tage später zäunten sie den Teich ein.
Traurig eigentlich, aber die SchülerInnen haben viel Angst,
dass andere Leute die Fische angeln. Die Armut und der Hunger sind
so gross, dass sie damit wohl leider Recht haben.
Die Fische wachsen gut. Zum Glück fast ohne zugekauftes
Futter. Sie fressen Blätter, Maismasse und Termiten. Ich hoffe,
dass die SchülerInnen mit diesen Fischen wenigstens einen
Teil ihres Schulgeldes nächstes Jahr selber berappen können.
Dazu kommt ab August ein grösseres Hühnergehege, in dem sie
einheimische Hühner zum Verkauf züchten werden. Ab
Ende Jahr sollten dann noch Kaninchen dazu kommen. Kaninchen sind
etwas total Neues hier in Cahabón. Sie werden also noch vieles
dazu lernen müssen.
Der grösste Erfolg für mich ist weder der
Fischteich noch der Garten. Der grösste Erfolg ist, dass die
SchülerInnen gemerkt haben und das auch kuntun, dass so etwas
nur in Zusammenarbeit möglich ist - Arbeiten in der Gruppe
ist etwas Gutes und Wertvolles. Das haben sie gelernt und sind überzeugt
davon.
Dazu eine Geschichte, die ich selbst in einer Weiterbildung
gehört und den SchülerInnen aus Chiacach weitergegeben
habe:
Pablo
kommt auf den Markt und sieht bei dem Verkäufer Egidio einen
gedeckten Kübel auf seinem Verkaufstisch. "Was hast Du da
drin", fragt er Egidio?. "Krebse", antwortet dieser, "willst du
welche kaufen?" "Und was hast du in diesem Kübel ohne Deckel",
fragt Pablo. "Auch Krebse, willst du nun welche kaufen oder nicht?"
"Moment mal", meint da Pablo, "warum deckst du den einen Kübel
und den andern nicht, wenn du in beiden Krebse drin hast?" "Ganz einfach",
meint Egidio, "die in dem gedeckten Kübel sind Krebse aus Japan.
Sie wollen alle raus. Also schieben sie einen nach oben bis zum Rand.
Wenn dieser oben ist, fängt er an, die anderen hochzuziehen, während
die andern von unten schieben. So sind sie in kürzester Zeit
draussen, wenn ich keinen Deckel auf den Kübel tue." "Das ist
ja spannend", meint Pablo, "und die anderen ohne Deckel?" "Die machen
mir keine Sorgen", sagt Egidio, "das sind guatemaltekische Krebse. Auch
sie wollen alle raus. Aber wenn der erste versucht nach oben zu kommen,
ziehen ihn alle andern wieder runter. Da brauche ich keinen Deckel.
Da kommt keiner raus!"
|
Ob die Geschichte nicht
auch in der Schweiz aktuell ist? Helfen wir uns wirklich - sind
wir japanische oder guatemaltekische Krebse in der Schweiz??????
Tja!
3. - 13. Januar 2006
Und schon sind wir im neuen Jahr. 14 Tage Weiterbildung
sind angesagt. In der erste Woche gemeinsam mit allen Promotorinnen,
Promotoren und 3 neuen möglichen Promotorinnen und einer neuen
Koordinatorin. Marta hat uns verlassen, sie ist noch jung und wird
in ihrer Gemeinschaft Rumpok weiter die Schule besuchen, da sie bis
jetzt erst die Primarschule absolviert hat. Die Koordinatorin Regina
hat leider nicht unseren Erwartungen entsprochen und wird auch nicht
mehr mit uns arbeiten. Dolores, wird in Zukunft von zuhause aus versuchen,
mit den Familien Gärten anzulegen und nur noch zu den Weiterbildungen
mitkommen.
Jeden Tag beginnen wir mit Erklärungen über
die Bedeutung des Tages im Mayakalender und einer kleinen Zeremonie
mit Kerzen und Gebet.
Der erste Tag ist Ajmaq, er symbolisiert den Geist
der Weisheit, des Zusammenlebens und der Ratschläge der Grossmütter
und Grossväter.
Ein guter Tag zum säen, zum Bitten um Vergebung für
getanes Unrecht und um Gott zu danken für materielles und physisches
Gutergehen.
Danach arbeiten wir vor allem daran, die PromotorInnen
in ihrem Selbstvertrauen zu stärken. Im Persönlichen
und in der Arbeit: Warum sind wir hier, was ist das Ziel unserer Arbeit,
wie arbeiten wir, um an unser Ziel zu kommen. Die PromotorInnen stellen
ihre Arbeit den Neuen vor und reflektieren somit auch über ihre
eigene Arbeit. Auch die Arbeit der ganzen Schule wird von PromotorInnen
vorgestellt.
Unser strategischer Plan für 2007-2011 wird vorgestellt.
Wir werden wir arbeiten in den nächsten Jahres, wo sind unsere
Schwerpunkte, was werden wir ändern müssen.
Was können wir verbessern in unserer Arbeit als PromotorInnen.
Wir erwarten viel von unseren PromotorInnen und einiges macht noch
Schwierigkeiten, vor allem das "sich Einmischen" oder eben das "sich
nicht Einmischen". Da machen wir noch viele kulturelle Barrieren aus,
da liegt eine unserer Schwierigkeiten. Man mischt sich nicht ein.
Wenn also ein Promotor sieht, dass jemand etwas nicht richtig macht,
ist es für ihn sehr schwierig, das auch mitzuteilen und klar zu
sagen, "schau so wird das nicht funktionieren, du musst das anders
machen.....". Oder wenn eine Promotorin sieht, dass ein Kind sich fast
zu Tode hustet, zu sagen: "machen wir doch zusammen einen Hustensirup,
das wird der Kleinen helfen, dass sie nicht mehr hustet". Daran werden
wir im zweiten Halbjahr zusammen mit Don Mario Sebastián, unserem
Mayaspezialisten vom Erziehungsministerium und den PromotorInnen arbeiten.
Wo sind die Barrieren, warum diese Scheu/Angst einzugreifen, wie können
wir die Barrieren durchbrechen - persönlich, und auch mithelfen,
dass die Menschen/Gemeinschaften diese Barrieren zu durchbrechen anfangen.
Erst dann werden nämlich die Menschen anfangen, bei den Nachbarn
helfend einzugreifen.
Drei Tage waren der erstmaligen Weiterbildung in Ernährung
gewidmet. Es ist ein schwieriges und unbekanntes Thema für
die Menschen. Es ging als erstes einmal darum, die Grundbegriffe kennen
zu lernen und zu lernen und zu wissen, dass Essen nicht einfach Essen
ist und dass vom Essen unsere Gesundheit, unsere Konstitution, unsere
Gedächtnisleistung und unsere Arbeit abhängen. Viel theoretisches
Wissen, von dem doch einiges hängen geblieben ist, wie wir am
Schluss der Woche in einem kurzen Examen feststellen konnten.
In der zweiten Woche waren dann nur noch die Promotorinnen
anwesend. Es ging jetzt um spezifische Themen im Gartenbau und in
der Küche. Wie säen wir, was können wir verbessern in
den Gärten und in der Küche, ausprobieren von neuen Rezepten,
kennen lernen der Parzellen in der Schule.
Am Ende der 2 Wochen kristallisierten sich dann auch die
neuen Promotorinnen heraus: Irma Yolanda Ché Macz, Rosa
Maria Chen Choc und die Koordinatorin Bertha Estela sind die Neuen,
Ana Maria Ixim, Carlota Caal Tzul und Dolores Xol Ical zu 50% in und
um ihre Gemeinschaft sind die alten Promotorinnen. Wir sind also jetzt
7 Frauen, die mit aller Kraft mit den Frauen in den Dörfern mit
Gärten, Kochen, Gesundheit, Kommerzialisierung und Selbstvertrauen
arbeiten.
27./28. Januar 2006 Weiterbildung für alle
Mütter und Väter der Schüler
61 Mamas von im ganzen 87 Mamas kamen an diesem Tag zusammen
mit ihren Ehemännern zu der Weiterbildung in der Schule.
Wie fast immer arbeiteten wir am morgen mit den Frauen
theoretisch und am Nachmittag kochten wir zusammen für das Nachtessen
in 4 Gruppen.
Am morgen an 4 Themen:
- am Lern-Kalender. Was
können wir aus den Aussagen lernen. Was bedeutet das, wenn
hier steht: "so bleibt das Geld im Dorf". Warum sollen
wir vom Nachbarn Gemüse kaufen. Warum ist es wichtig, dass das
Geld im Dorf bleibt. Warum ist es wichtig zusammen zu arbeiten und die
Eifersucht zu vergessen?
- Zeugnis von Frauen, die einen Familiengarten
zuhause haben. Erfahrungen mit den Familiengärten. Schwierigkeiten
und Erfolge. Was bringt der Familiengarten, was hilft er in unserem
Leben?
- Zeugnis von einigen Frauen über die Nützlichkeit
der diversifizierten Parzellen ihrer Söhne. Was helfen die Parzellen
im täglichen Leben? Was könnte sich verbessern. Was erwarten
wir von diesen Parzellen?
- Diskussion über folgende Themen:
- Wie lebt Deine Familie jetzt
- Was möchtest du in deinem Dorf ändern
- Wie denkst du werden deine Söhne und Töchter
einmal leben, wenn sie erwachsen sind
- Was wünschst du dir für deine Töchter und
Söhne
Es gab eine sehr lebhafte Diskussion vor allem auch über
den 4. Punkt. Leider mit zu wenig Zeit. Wir werden an der nächsten
Weiterbildung daran weiterarbeiten.
Am Nachmittag kochten wir wie üblich 4 verschiedene
Rezepte für das Nachtessen für rund 400 Menschen:
- Brazo de Reina = Arm der Königin: Tamales
Maismasse wird mit klein geschnittenen Blättern von
Baumspinat und Schmalz gut vermischt. Damit werden ca. 10 cm
Durchmesser grosse, nicht zu dünne Rondellen geformt. In die
Mitte dieser Rondelle kommen: geröstete und gemahlene Kürbiskernen,
harte, geschnittene Eier und etwas selbst gemachte Tomatensauce. Die
Rondellen werden zu länglichen Kugeln geformt und in Bananenblätter
gewickelt. Danach werden sie gut eine Stunde im Wasser gekocht.
- Randensalat mit Zwiebeln, Salz und Zitronensaft
- Taro mit Mungobohnen, Cebollin (Schnittlauch)
und Korianderb
lätter. Dazu wird der Taro geschält und in kleinere
Stückchen geschnitten und zusammen mit den Mungobohnen gekocht.
Am Schluss werden Cebollin und Korianderblätter zugegeben.
- Junge Blätter von Süsskartoffeln
mit Sesam und Bananen.

Das Essen hat allen geschmeckt. Die Tamales allerdings
machten sehr viel Arbeit und wurden um 9 Uhr nachts in einer Tanzpause
verteilt.
Die Frauen haben Spass am Kochen und sind es auch gewohnt,
weil sie an ihren traditionellen Festen für grosse Menschenmengen
in Gemeinschaft kochen.
Langsam werden die Frauen auch ihren Menuplan ändern.
Was allerdings immer noch bleiben wird und auch soll, sind die Tortillas.
Allerdings brauchen die Frauen für die Zubereitung sehr viel
Zeit. Ich schätze, dass jede Frau, je nach Familiengrösse
um die 4-6 Stunden täglich dafür braucht.
Jeder Erwachsene Mensch isst pro Mahlzeit 6-8 Tortillas.
Die Tortillas werden 3x pro Tag frisch zubereitet. In der Schule verbrauchen
wir täglich um die 2800 Tortillas. Diese werden allerdings mit
einer Maschine hergestellt, schmecken aber auch dementsprechend.
1. März 2006 Weiterbildung für
Mütter, die neu mit einem Garten anfangen wollen.

An dieser Weiterbildung nahmen insgesamt 25 Frauen teil.
Sie werden darin geschult, wie ein Garten aussehen sollte, Zaun,
Gartenbeete, Bearbeitung des Bodens, Kompost zubereiten.
Erst wenn sie den Garten einigermassen vorbereitet und
fertigen Kompost haben, werden die Promotorinnen zu ihnen nach Hause
gehen und mit ihnen zusammen das erste Mal säen.
Anhand vieler Fotos und neu auch Gärten in ihrer Umgebung
als Beispiele können sie sich vorstellen, wie sie ihren Gaten
gestalten möchten. In den meisten Fällen klappt das
auch sehr gut.
Mit diesen 25 neuen Gärten, davon 5 Gärten in
neuen Gemeinschaften kommen wir langsam an den Anschlag unserer Möglichkeiten.
Im Moment gibt es einen Stop für Gärten in neuen Gemeinschaften.
Wir müssen nach neuen Wegen suchen, um die Gärten mit grösserer
Effizienz betreuen können. Ab Juli werden wir anfangen mit den
Promotorinnen daran zu arbeiten, wie sie mit Gruppen besser arbeiten
können.
3.-5. März 2006 - Die ersten drei
Tage Schulung in Chaslau im Weben
Nach unserm Besuch
in Purulhá mit den Frauen im letzten August haben sich
Gruppen gebildet mit Frauen, 
die gerne Weben lernen möchten. Die erste Gruppe
mit 10 Frauen, die bereit waren zu einem Kurs, waren Frauen aus Chaslau.
In Chaslau existieren 16 Familiengärten, aber nicht alle Frauen
der Webgruppe haben einen Garten. Die Weblehrerinnen stammen aus Purulhá.
Sie gehören zur Ethnie der Pokomchi, sprechen aber auch Q'eqchi'
und spanisch. Sie werden 6-7x für 3 Tage nach Chaslau kommen, um
die Frauen im Weben zu unterrichten. Ich bezahle ihnen Q 50.00 pro Tag
und die Fahrt mit dem Bus. Die 
Frauen aus Chaslau erhalten das Garn für das erste
Huipil (traditionelle Bluse). An den ersten 3 Tagen lernten sie vor
allem, wie sie den Webstuhl herzustellen. Es ist ein Sitzwebstuhl,
wie man auf dem Bild sehen kann. Einerseits an einem Baum oder Pfosten
befestigt, andererseits sitzen die Frauen auf dem Anfang. Jede Frau
durfte die Farbe ihres Huipil selber auswählen, und viele Frauen
wählten eher Pastellfarben, die heute neu auch erhältlich
sind. Das Garn wird schon gefärbt gekauft. Handgefärbte Garne
aus Naturfarben entsprechen nicht mehr den Anforderungen der heutigen
Frauen. Sie verlieren sehr schnell die Farbe 
und das gefällt den Frauen nicht. Andererseits kann
ich in der Schweiz kaum etwas verkaufen, das abfärbt. Und einer
meiner Ideen ist natürlich auch, dass ich Tischsets, Schals und
andere Dinge, die die Frauen weben auf meinen Heimaturlauben verkaufen
kann.
Die Frauen lernen sehr schnell. Sie sind begabt und haben
ein gutes Gedächtnis für die verschiedenen Muster. Für
ihr erstes Huipil werden sie natürlich einfachere Muster verwenden.
Am Ende des Kurses ist dann 
allerdings gedacht, dass jede Frau für sich ein Musterstück
webt, mit vielen verschiedenen Mustern (wie auf dem Foto zu sehen
ist).
Weben ist eine Arbeit, die Geduld erfordert. Die verschiedenen
Motive werden während dem Weben einzeln eingefädelt.
Die Frauen sind sehr motiviert. Dabei vergessen sie fast
ihre Kinder. Bei meinem letzten Besuch war es schon 5 Uhr Abends
und sie wollten einfach nicht aufhören. Die kleineren Kinder
fühlten sich vernachlässigt und hatten wohl auch Hunger.
Viele weinten, konnten aber nicht einmal dadurch ihre Mütter im
Webenunterbrechen.
Die Frauen weben im Moment nicht traditionelle Huipil aus
Cahabón. So wie es aussieht, werden sie trotzdem gut verkaufen
können. Auch die Huipil sind heute der Mode unterworfen. Ein Huipil
muss nicht mehr unbedingt das traditionelle aus dem Ort sein. Das hat
sich hier in Cahabón in den letzten 2-3 Jahren stark geändert.
Dolores Xol Ical - die Promotorin die rings
um ihr Dorf arbeitet.
Dolores arbeitete gut als Promotorin in den
Gärten. Sie wird aber darüber hinaus nicht mit den Frauen
arbeiten können. Deshalb habe ich ihr den Vorschlag gemacht,
dass sie versucht, mit den Frauen ihrer Umgebung Gärten aufzubauen.
Sie wohnt in Setzol, gut 3 Stunden Fussmarsch von Cahabón entfernt,
hoch oben in den Bergen auf gut 1000 Metern. (Cahabón liegt auf
240 m) In dieser Höhe wächst fast alles, inklusive Kartoffeln.
Wegen dem weiten Weg hatten wir bis anhin nur 3 Gärten in der Nähe
um Setzol. Ein Stundenlohn auf der Basis ihres Lohnes habe ich
ihr angeboten. Sie aber sagte klar ab. Ich nehme an, dass sie sich nicht
zutraute, selber anzufangen, mit Frauen Gärten aufzubauen. Nach etwa
2 Monaten kam sie freudestrahlend und erzählte, dass sie mit 12 verschiedenen
Gärten arbeitet. Die Koordinatorin hat unterdessen die Gärten
besucht und die meisten funktionieren nach der kurzen Zeit sehr gut.
Das könnte ein Anfang sein in die Richtung, in die
wir eigentlich wollen. Ehemalige Promotorinnen und auch Frauen, die
gut in ihren Gärten arbeiten, stellen sich zur Verfügung,
Frauen in derselben Gemeinschaft oder auch ausserhalb beizubringen,
wie man Gärten anlegt und damit arbeitet. Dazu gehört es
natürlich auch, Kochkurse abzuhalten. Diese freiwilligen Promotorinnen
werden immer wieder eingeladen zu Weiterbildungen und zu Reflexionen
in der Schule. Ab und zu auch zu Besuchen ausserhalb Cahabón.
Natürlich werde ich Dolores im Moment weiterhin bezahlen,
aber irgendwann hört das Geld dafür auf. Ich hoffe, dass
sie dann immer noch weiter arbeiten wird, auch unter den neuen Bedingungen.
Ausblick 2006 - 2011
Dieses Jahr werden uns noch viele Veränderungen bevorstehen.
Neue Arbeitsweisen in der Betreuung der Gärten und der diversifizierten
Parzellen. Gruppenarbeit - wir werden versuchen, Gruppen zu bilden
um die jetzt bestehenden Gärten. Gruppen, in denen die Frauen
anfangen auszutauschen, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch.
Zusammen kochen, Schwierigkeiten rund um die Gärten diskutieren
und Lösungen finden, Samen und Pflanzen untereinander austauschen,
gegenseitig die Gärten besuchen und jeweils Verbesserungsvorschläge
machen und gemeinsam ihre Produkte verkaufen. Im Endeffekt sollte es
darauf hinauslaufen, dass wir mit der Zeit nur noch jeweils 2-3 Frauen
jeder Gruppe zusammennehmen und in der Umgebung dieser Gruppen in einem
bestehenden Familiengarten weiterbilden und Fragen beantworten. Nur so
ist es möglich, immer mehr Gärten zu betreuen, ohne viel mehr
Personal. Diese Arbeitsmethode bringt es auch automatisch mit sich,
dass die Frauen selbstständiger werden und nicht mehr von den PromotorInnen
und der Schule abhängen.
Hoffnungsschimmer
Bericht: Helen Hagemann Juni 2006
1. BERICHT VOM MÄRZ 2004 - SEPTEMBER 2004

Mitte März 2004 haben wir mit unserer
Arbeit angefangen. Wir das sind: die Promotorin Irma Canti
Chub (links), Maria Magdalena Choc Pop (rechts) und ich.
März und April waren vor allem mit Schulung dieser Promotorinnen
ausgefüllt. Was bedeutet Nachhaltigkeit, nachhaltige
Landwirtschaft - hier galt es die Methoden des Erosionsschutzes,
der Bodenbearbeitung, der biologischen Düngung und
der Diversifizierung kennen zu lernen. Familiengärten,
wie sollen sie aussehen, was werden wir anpflanzen - hier ging
es zuerst einmal darum, die verschiedenen Gemüse, die
wir anbauen möchten, kennen zu lernen, dann den Familiengarten
mit einer Umzäunung (Hühner, Enten und Schweine laufen
oft frei in der Gegend herum), Bodenbearbeitung, Bodenbeschaffenheit,
Säen, Giessen, Herstellen von Kompost, Herstellung
von Flüssigdünger und Fungizid auf Pflanzenbasis.
Gleichzeitig malten wir Posters für die Schulung der Frauen:
Der Familiengarten mit Zaun und Schatten, die Kompostherstellung,
der Boden und seine Funktion, Dünger und seine Funktion
und die verschiedenen Gemüsesorten.
Am 21. April luden
wir alle interessierten Mütter der Schüler
ein und am 28. April Vertreterinnen von interessierten
Frauengruppen. Wir stellten als erstes unser Programm
vor, danach schulten wir die Frauen in Bodenbeschaffenheit,
Anlegen eines Familiengartens mit Umzäunung und
in der Herstellung eines Kompost. Dazwischen zeigten wir
mit unseren "Posters", welche Gemüse wir anbauen wollen.
Ein grosses Gelächter ernteten wir, als wir zuerst die
einheimischen Gewürze 
vorstellten, die

wir uns auch im Familiengarten
vorstellen: Gemüsepfefferminz, Cebollin (ähnlich
wie Schnittlauch), Samat (Suppengewürz), hiesiges
Basilikum und andere Gewürzkräuter. Diese Kräuter
wachsen noch immer wild in der Gegend und die Frauen
schicken meist ihre Kinder, wenn sie die Gewürze brauchen.
Unterdessen habe ich mit Schmunzeln festgestellt, dass
doch die meisten der Mütter in ihren neu angelegten Gärten
diese Gewürze angepflanzt haben, soweit sie überhaupt
vorhanden sind. Andere bitten uns, doch Cebollin oder Samat
zu bringen. Am Ende des Infotages erhielten alle interessierten
Mütter und Vertreterinnen der Gruppen ein Datum, an dem wir
sie zuhause besuchen würden um zu besprechen, wo der Familiengarten
am besten angelegt werden kann. Am 21. April waren 15 Mütter
und 7 Ehemänner anwesend, am 28. April kamen insgesamt 12 Vertreterinnen
und Vertreter von 4 Frauengruppen aus den Aldeas. (Kompost
in Chiakte bei Gertrudis Pan Pacay und eine grosse Vielfalt einheimischer
Pflanzen und Gewürze bei Dominga Ical Bolóm in Chatela)

Im Mai besuchten wir
zum ersten mal alle Mütter und alle Gruppen.
Kennen lernen der Mütter und der Umgebung, in der sie
wohnen, den Ort des Familiengartens suchen oder bestätigen,
Ratschläge über die Bearbeitung des Bodens
und der Gartenbeete und vor allem, Kontrolle, ob der Kompost
schon angelegt ist. Mit Erstaunen konnten wir feststellen,
dass einige der Mütter ihren Garten schon fertig angelegt
hatten und die einheimischen Kräuter schon darin gepflanzt
waren.
Manuela Choc Caal aus Pinares mit 2
ihrer Töchter bei unserem 1. Besuch
Für den Ausflug
vom 24.-25. Mai nach Purulhá luden wir Frauen
und Vertreterinnen von Gruppen ein.11 Frauen, 7 Männer,
2 Schüler, 6 PromotorInnen, der Koordinator und ich
kamen mit auf die Reise. Abfahrt um 3 Uhr morgens. Nach 5 Stunden
Fahrt kamen wir in Purulhá an. Die wenigsten Frauen waren
jemals in ihrem Leben so weit weg von ihrem Dorf. Zuerst einmal
gab es Frühstück, schwarze Bohnen, Eier, Kochbananen
und Kaffee. Nach einer kürzeren Einführung über
die Arbeit von PRODESSA
in 6 Aldeas von Purulhá, machten wir uns
auf zu den Besuchen in den Dörfern. Hier arbeiten
die Frauen seit letztem Jahr mit grossem Erfolg in ihren Familiengärten.
Mit grossem Erstaunen sahen die Frauen aus Cahabón,
wie hier die Q'eqchi' Frauen mit 
Schaufel und Harke
arbeiten, etwas, das sie sich nicht vorstellen konnten.
Purulhá liegt auf über 1500 MüM, es wachsen
hier also ohne Probleme Kohl, Randen, Zwiebeln und vieles
mehr und der Boden ist viel besser als in Cahabón.
Aber die Frauen aus Purulhá bestärkten unsere
Frauen, es doch auch zu versuchen. Es lohnt sich und bei euch
wachsen sicher auch gute Gemüse, die hier nicht wachsen.
Da beide Gruppen dieselbe Sprache reden, war der Austausch
intensiv. 2 Tage lang besuchten wir die verschiedenen Aldeas, lernten
verschiedene Gärten, Frauengruppen und ihre Probleme und
Erfolge kenne und am 2. Tag durften wir auch säen - für
die Frauen das erstemal in ihrem Leben, bis wir um 16 Uhr uns wieder
auf den Heimweg machten. Das waren eindrückliche 2 Tage für
die Frauen, die mitkamen.
r. nach
l: Franzisco, Pedro, Dominga Ixim Tec aus Chiakte,
Maria Josefina aus Selamunix, einejunge Frau aus Balamte
Im Juni war interne
Weiterbildung angesagt. Der Kompost braucht Zeit
zum Reifen und wir hatten einiges nach- und aufzuholen.
Im Garten der Schule: Kürbis,
Zitonengras, Chili, Bohnen

Ende Juni säten
wir auch 32 verschiedene Gemüsesorten auf die
unteren Terrassen in der Schule. Aber leider fing sofort
danach der Regen an. 2 mal 9 Tage Dauerregen (mit kurzem Unterbruch)
ohne Sonne und sehr kühl - kaum etwas keimte. Dies passierte
leider auch in den ersten Gärten, in denen wir säten.
Danach mussten wir schweren Herzens den Frauen empfehlen, mit
dem Säen zu warten, bis das Wetter sich bessert. Es war
einerseits unmöglich zu säen, weil die Erde hier zusammenpappt,
wenn sie sehr nass ist und andererseits wussten wir nicht,
wann die Sonne wieder kommt. Nur an einigen wenigen Orten mit
schwarzen Erde ohne Lehm, keimten die Samen ohne Probleme,
trotz dem schlechten Wetter. Kaum war der grosse Regen vorbei, kam
die Trockenzeit - 3 Wochen heisse Sonne ohne einen Tropfen Regen und
was fast so schlimm war, die Feuchtigkeit in der Nacht erreichte
keine 100% mehr, wie üblich. So blieb auch das so ersehnte
Nass der Nacht aus. Trockenheit mitten in der Regenzeit. Das Wetter
spielt nicht mehr mit. Regenzeit - Trockenzeit vermischen sich.
In Guatemala ist seit Mitte August in 6 "Kantonen"
Notstand, der Mais ist vertrocknet, genauso die Bohnen
Ein gut vorbereiteter Garten
in Balamte

Ab Ende Juni und den
ganzen Juli besuchten wir alle Mütter und Gruppen
zum zweitenmal. Unterdessen ist noch die Frauengruppe aus
Chipok dazugestossen. Jetzt ging es darum, die Frauen
zu lehren, wie man Gemüsesamen sät, zuerst in der
Theorie, dann in den Gärten. Bei einigen mussten zuerst
noch die Gartenbeete verbessert werden, aber überall konnten
wir säen. Wir verkaufen im Moment folgende Samen für
7-8 Quetzales an die Frauen, das sind ca. 1.10 Sfr. : Rüebli,
Schnittsellerie, Gurken, Buschbohnen, Zwiebeln, Mangold, Koriander,
Radiesli, Sesam, Pak Choi (Blatt-Kohl), Auberginen, Randen, Weiss-Kohl
und seit neustem auch Mungo-Bohnen. Zwiebeln, Weiss-Kohl und Randen
möchten die Frauen einfach ausprobieren, obwohl mir alle prophezeit
haben, dass hier weder Kohl noch Randen wachsen. Unterdessen haben
wir uns eines besseren belehren lassen. Kohlköpfe sind schon
in zwei Gärten sichtbar. Wie gross sie allerdings werden, weiss
ich nicht. Das Randen-Kraut wächst hervorragend und
ich nehme an, dass sie bald anfangen, Früchte zu machen. Bei
den Zwiebeln habe ich so meine Zweifel. Noch nie habe ich hier reife
Zwiebeln gesehen. Wer weiss, ich lasse mich überraschen. Die
Mungo-Bohnen kennen viele Menschen, sie haben sie früher in den
Maisfeldern gesät. Irgendwann sind die Samen verlorengegangen,
besser gesagt, von Tierchen gefressen oder verfault. Niemand hat
neuen Samen gekauft. Vieles ist allerdings nur möglich, weil sich
das Klima geändert hat.
In der Regenzeit
- anfangs Mai bis Ende November regnet es viel weniger
- nicht mehr jeden Tag und nicht mehr 6-8 Stunden täglich.
Die Feuchtigkeit tagsüber geht schon einmal bis
50% zurück, wenn die Sonne scheint. Das hat Vorteile
und Nachteile.
Nachteile: die ganze Landwirtschaft ist auf
Trocken- und Regenzeit ausgelegt. Gegen Ende der Trockenzeit
werden die Felder gesäubert oder es wird gerodet für
neue Felder und danach alles Vegetative verbrannt. Kurz vor
den ersten Regen wird dann der Mais gesät, die Bohnen
und der Chili anfangs Regenzeit. Ein Loch in den Boden mit einem
langen Pflanzstock, bis 8 Körner Mais in ein Loch und weiter
zum nächsten Loch. Die Samen werden nicht zugedeckt. Allerdings
ist es der einzige Ort in Guatemala, 
wo die Samen nicht
mit Erde bedeckt werden. Dieses Jahr hat es gegen Ende
der Regenzeit wochenlang geregnet. Die Felder konnten zwar
gesäubert und auch Neuland gerodet werden, doch die
wenigsten konnten ihren "Abfall" wie sie es hier nennen,
verbrennen. Gut für die Umwelt, schlecht für
die Menschen, da sie immer noch überzeugt sind, dass der
Mais nicht wächst, wenn sie nicht abbrennen. Als
die Bauern dann endlich säten in den letzten Tagen des
Regens (in der Trockenzeit) fing die Trockenheit zum erstenmal
an (in der Regenzeit). Danach gab es aber dann genug Regen,
um den Mais wachsen zu lassen. Aber kurz vor der Ausbildung
der Maiskolben fing wieder eine
Der
Fluss Cahabon bei Hochwasser, die Autofähre
fährt gerade noch knapp.
Trockenzeit an. Viel
Mais ist vertrocknet oder wird keine Maiskolben ausbilden.
Auffällig sind die Felder, die nicht abgebrannt wurden
- auch die kleinen Maisfelder aller Schüler in ihren
Comunidades. Dieser Mais hat die Trockenzeit gut überstanden
und bildet grosse Maiskolben aus. Kardamom, das hier angebaut
wird, braucht das tropisch-feuchtes Klima und wird in Bälde
wegen des fehlenden Regens wohl nicht mehr gut gedeihen hier
in der Gegend.
Vorteile: Das Leben wird angenehmer und einfacher.
Die grosse Luft-Feuchtigkeit über die 7 Monate
Regenzeit ist etwas weniger geworden. Und die Häuser
und der Boden trocknen doch schon jeden Tag etwas ab. Die gewaschenen
Kleider trocknen viel schneller. Und für mich natürlich
sehr wichtig: es können viele verschiedene Gemüsearten
angebaut werden. Zwar mit einigen Tricks, aber es funktioniert.
DAS SÄEN: Es
ist wohl der einzige Ort in Guatemala, wo wirklich noch nach ältester
Art und Weise gesät wird. Mais wird immer gemeinsam
gesät. Jeder Mann hat einen langen Pflanzstock, der
unten zugespitzt ist. Langsam gehen sie in einer langen Reihe
- ca. ein Meter auseinander. All 2 Schritte wird mit dem
Pflanzstock ein tieferes Loch in den Boden gemacht und 7-8 Maiskörner
reingeworfen. Der Samen wird nie mit Erde bedeckt. Genauso werden
später der Chili und 
die schwarzen Bohnen gesät.
Bei Tomaten und einheimischen Gewürzen wird
der Samen einfach auf die Erde geworfen. Es ist unheimlich schwierig,
den Menschen beizubringen, dass sie den Gemüsesamen
mit Erde bedecken müssen, damit er keimt und das erst
noch 1-2 cm tief. Dass sie in Reihen säen sollen, wird spätestens
beim ersten Jäten begreiflich. Und dass die Pflanzen
Platz brauchen zum Wachsen, ist auch noch einigermassen einsichtig.
Wir säen überall einzelne Samen, bzw. max. zwei, z.B.
bei Gurken. Da die Sonne sehr heiss ist und die Frauen nicht gewohnt
sind, die Pflanzen zu giessen, möchte ich vermeiden, dass
sie die jungen Pflänzchen umpflanzen müssen. Da kommt
nun aber die zweite kulturelle Schwierigkeit. Keimen die ersten
Samen nicht und das war wegen dem schlechten Wetter öfters
der Fall, säen sie alle Samen in eine kleine Furche. Die
Menschen sind überzeugt, dass ein Same allein einfach nicht
wachsen und leben kann. Genau wie die Menschen alleine unmöglich
leben oder überleben könnten. Meine beiden Promotorinnen
zum Beispiel schlafen auch im Hotel zusammen in einem Bett,
obwohl zwei Betten vorhanden sind. Alleine in einem Bett schlafen
ist für sie nicht möglich.
Wenn die Schüler
im Schulgarten bei mir säen, erkläre ich
ihnen immer genau, wie sie die Samen säen sollen und versuche
auch noch zu erklären warum. Trotzdem schaffen sie
es nicht, einzelne Samen zu säen. Immer säen sie
zwar im richtigen Abstand, aber immer 4-5 Samen zusammen. Seien
das Rüebli, Kohlrabi, Sesam, Bohnen, Zwiebeln oder irgend
etwas anderes.
In der Schule lernen
die Schüler, wie der Mais besser angepflanzt
werden kann. In vielen Gegenden von Guatemala wird
der Mais heute nach neueren Erkenntnissen angepflanzt. Die Konkurrenz
zwischen den 7-8 Pflanzen, die aus einem Pflanz-Loch wachsen,
ist viel zu gross. Dünne Stängel mit wenig Maiskolben
sind die Folge. Max. 3 Körner in einem Pflanz-Loch in einem
Abstand von 50 cm zwischen den Pflanzen haben überall gute
Resultate erzielt. Dazu kommt, dass sie lernen müssen, den
Mais anzuhäufeln, wenn er etwas grösser ist.
Romelia
Tor und Natividad Choc Maquin aus Santo Domingo
bei Säen

Mit den Frauen lernen
wir anhand eines vorbereiteten Blattes mit Zeichnungen,
in welchem Abstand und in welcher Tiefe der Samen jeder
Art gesät werden muss. Zuerst in der Theorie, dann in
der Praxis. Zuerst müssen die Frauen lernen, die Zeichnungen
zu "lesen". Die meisten schauen nämlich nicht auf
das abgegebene Blatt und sagen dazu: Ich kann nicht lesen.
Es braucht einiges an Überzeugungskraft und Übung,
bis sie die einfachen Zeichen "lesen". Dann geht es in die
Gärten, wo wir dann gemeinsam säen. Das Blatt immer zur
Hand. Die Frauen säen mit grosser Konzentration und sehr
sorgfältig.
Furchen ziehen in
der angegebenen Tiefe und die einzelnen Samen reinlegen
in vorgeschriebenem Abstand - 2-4 Finger oder 1-4 Hände.
Hier besteht die Schwierigkeit darin, dass die Frauen
automatisch ein Loch mit dem Finger machen, wo der Samen
reinkommen soll. Dann wären die Samen allerdings zu
tief, weil das Loch ja in den Furchen gemacht wird. Und die nächste
Schwierigkeit kommt dann beim Zudecken mit Erde. Nur schweren
Herzens bedecken sie die Samen. Die Erde danach etwas "anzudrücken"
habe ich längst aufgegeben. Nicht einmal meine Promotorinnen
schaffen das.
BODENBEARBEITUNG: Der Boden wird
hier nie bearbeitet. Mit der Machete wird das "Unkraut"
im Maisfeld abgeschnitten, aber Bodenbearbeitung wie
bei uns ist nicht bekannt. Die Erde wird nie umgestochen, nie
Dünger untergemischt, weder Kuhmist noch Kompost.
Einige Frauen haben ihre Gartenbeete sehr gut bearbeitet,
die Erde sehr fein gemacht und viel Kompost oder schwarze Erde
dazugemischt. Der rote Boden besteht aus sehr viel Lehm. In nassem
Zustand kann man damit Figuren kneten, in trockenem Zustand ist
er steinhart. Ein schwieriger Boden, um Gemüse anzubauen,
wenn er nicht gemischt wird mit anderer Erde oder Kompost.
Sehr viele Bauern haben entweder schwarze Erde unter den Kaffeebäumen
oder dem Kardamom. Kaffee und Kardamom werden 1-2 mal pro
Jahr gesäubert und die abgeschnittenen Zweige einfach liegen
gelassen. In einigen Jahren bildet sich eine recht dicke Schicht
schwarzer, humoser Erde. Viele Bauern haben auch Kompost von Kaffeekirschen
und/oder Kardamomkirschen. Sie werden fast immer an derselben Stelle
entkernt und so ist auch in jahrelangem Prozess ein guter Kompost
entstanden - reine Erde. Dies können die Frauen jetzt nutzen.
Ab August haben wir
jede Familie zum 3. Mal besucht. Ob wohl etwas gekeimt
ist? Im Juli mussten wir vielen Frauen erklären,
dass sie mit dem Säen warten sollen, bis der Regen etwas aufhört,
bzw. die Sonne wieder scheint. Da es oft sehr nass und
regnerisch war, haben wir die Wichtigkeit des Giessens der
Samen und das Beschatten wohl zuwenig erklärt. Wie soll
ich Frauen auch so etwas wie das Begiessen der Samen erklären,
wenn Giessen total unbekannt ist und es dazu in Strömen
regnet. Hier wird nichts begossen, entweder es wächst, oder
es vertrocknet. Erbe aus der Zeit der sicheren Perioden Regen-,Trockenzeit.
Und jetzt sollen sie Samen begiessen und beschatten, obwohl nichts
sichtbar ist - schwierig. Auch haben die Promotorinnen wohl eher 
von Beschatten in
1-2 Meter Höhe gesprochen, wie ich bei unseren
Besuchen feststellen konnte. Viele Gartenbeete waren gegen
die Sonne total abgeschirmt durch Bananenblätter oder
anderes und dadurch die Pflanzen aufgestängelt. Oder Dominga
zum Beispiel hat ihre Pflanzung mit Wellblech gedeckt, dadurch
bekamen ihre Pflanzen zuwenig Wasser - auch der Nachttau fehlte
- und tagsüber wurden die kleinen Pflänzchen regelrecht
verbrannt. Aber überall kommen Lernprozesse in Gang.
Bei vielen Frauen,
die wir besuchten, tönte es enttäuscht:
es ist nichts gekeimt. Schnell lernte ich, dass nichts nicht
nichts bedeutet. In den meisten Gärten waren Gurken
und Radiesli oder anderes gekeimt und schon gut sichtbar.
Daneben fanden wir an vielen Orten noch kleine Pflänzchen
von Rüebli, Mangold, Zwiebeln, Sesam, Randen, Pak Choi. Aber
die Frauen kennen ja die Pflanzen gar nicht. Auch haben sie keine
Ahnung, wie das Gemüse zubereitet wird. Wie sollen sie dann auch
die Keimlinge entdecken. Aber sie freuen sich dann unbändig, wenn
wir vieles entdecken. Einige der kleinen Gärten sind noch
sehr unbequem zu bearbeiten - keine Gartenwege und der Zaun direkt
an den Beeten. Andere Gärten sind in hervorragendem Zustand.
Viele Ratschläge und mehr Samen zum Nachsäen - gratis
diesmal - lassen wir zurück.
Es gilt unwahrscheinlich
viel zu lernen für den Gemüseanbau, wenn
gar keine Kultur eines Anbaus vorhanden ist. Dessen werde ich
mir immer mehr bewusst. Und oft können wir nicht
alles auf einmal erklären, da dies zuviel wäre.
Aufschreiben geht leider auch nicht! Also das nächste
mal mehr. Die Pflanzen kennen zu lernen fällt nicht schwer.
Alles andere ist unbekannt. Aber die Frauen lernen schnell und
befolgen alle unsere Ratschläge - mit einer Ausnahme:
sie machen nicht gerne Kompost und Madrifol, den Dünger-Pestizid
aus Madre de Kacao-Bättern!
Es wird auch hier
Frauen geben mit einem grünem Daumen und andere,
die wieder aufgeben.
In
einigen Gärten ist der grüne Daumen schon
jetzt sichtbar - hier 2 Beispiele.
Manuela aus Pinares
hat schon Tomaten und Gurken verkauft. Ihre Kohlpflanzen
machten als erste Köpfchen, sie erntet schon längere
Zeit Mangold und Bohnen. Die Rüebli sind schön
am Gedeihen und auch ihre eigenen Gewürze wachsen prächtig.
Sie hat sehr viel Zeit in ihren Garten investiert und macht
regelmässig Kompost und Madrifol. Schon im Juli erntete
sie die ersten Radiesli, hinter ihr die Buschbohnen, im Vordergrund
nicht sichtbar die Rüebli und Mangold. Links nicht
sichtbar viele Tomaten und Gurken. Auf dem rechten Foto das
erste Foto ihres Kohls.

Maria Josefina aus
Selamunix. Sie hat zusammen mit ihrem Mann 400 m2 Garten
angelegt. Sie haben gute schwarze Erde und wohnen auf
etwa 1000 MüM. Hier es kühler und es regnet mehr,
bzw. es hat mehr Nebel. Aber das Wasser zum Giessen ist weit
weg, wenn es einmal trocken ist. Sie gehen etwa 45 Minuten
zu Fuss bis zur nächsten befahrbaren Strasse und von dort
nochmals 2-3 Stunden bis zu der Strasse, an der regelmässiger
Lastwagen fahren. Wenn sie nach Cahabon kommen, müssen sie
dort übernachten. In einem Tag ist die Hin- und Rückfahrt
nicht möglich. In ihrem Garten wachsen in grösseren
Mengen: Weisskohl, Randen, Buschbohnen, Radiesli, Rüebli
und in kleineren Mengen vieles zum Ausprobieren. Auch bei ihr sind
seit kurzem die ersten Kohlköpfchen zu sehen. Sie arbeitet
sehr viel für ihren Garten.
ZUBEREITUNG DES NEUEN GEMÜSES
Obwohl alles Gemüse (ausser Pak
Choi) das wir anbauen, auf dem Markt in Cahabon verkauft
wird, kennen die Frauen keines der Gemüse und ihre
Zubereitung. Vielleicht noch vom sehen, aber dann wissen
sie nicht, wie es heisst. Tomaten säen die Frauen übrigens
aus Samen von gekauften Tomaten. Tomaten sind auch bekannt,
allerdings nur in gekochtem Zustand. Nichts wird bis jetzt roh
gegessen, alles wird gekocht. Also bereiten wir jedes Mal, wenn
wir zu Besuch sind, gerade das zu, was gerade geerntet werden kann.
Radiesli, Gurken, Pak Choi, Bohnen....Manchmal kaufe ich auch
etwas, um mit den Frauen etwas Neues kochen zu können. Das
spornt an.
Die Geschichte von den Gurken
aus Belen (aus dem Rundbrief von anfangs September):
...es ist mitten im August, der
Boden pflotschig nass. Ich habe meine Wanderschuhe
an, meine 2 Promotorinnen wie immer ihre Plastiksandalen.
Wir sind in Belén auf dem Weg zur Familie Xó-Pop,
die im Mai angefangen hat, einen Gemüsegarten anzulegen.
Vom „Parkplatz“ mitten im dichten Wald geht es zuerst einen
kurzen Steilhang hinunter, dann kommt die Überquerung des
Flüsschens. In trockenem Zustand schon etwas schwierig,
aber jetzt, mit den Schuhsohlen voll Pflotsch ist die Überquerung
auf 5 langen Bambusstangen ohne Geländer eine ziemlich glitschige
Sache. Doch wir schaffen es und der Weg dem Fluss entlang ist eben
und sehr schön gelegen, mitten im Wald. Ich habe ein mulmiges
Gefühl im Bauch. Ob wohl etwas gekeimt ist. Bei unsrem letzten
Besuch, war noch sehr wenig zu sehen und die Menschen etwas enttäuscht.
Nach etwa 10 Minuten kommen wir auf einen offen Platz – Schulgebäude,
Tschuttiplatz, Kuhweide – auf der anderen Seite wieder steil und rutschig
hinauf zu den Häusern.
Mitten im Steilhang bemerke ich einen neuen, grossen umzäunten
und gesäuberten Platz. Der Mann, der am Arbeiten ist, spricht
uns an; er möchte gerne von uns Koriander- und anderen Samen
kaufen, weil er auch einen Gemüsegarten anlegen möchte.
Aha denke ich zuerst einmal, es scheint also etwas zu wachsen im Gemüsegarten
der Familie Xó-Pop. Da mein q'eqchi' noch lange nicht ausreicht,
diskutieren Irma und Magda, die 2 Promotorinnen lange mit ihm und
seinem erwachsenen Sohn und erklären ihnen, dass das viel Arbeit
ist und zuerst einmal gelernt sein will. Wir laden sie zu unserem nächsten
Anfängerkurs im Oktober ein, damit er und seine Frau den Gemüseanbau
von Anfang an lernen können. Dann werden wir ihnen auch Samen
verkaufen und helfen, wenn etwas nicht so ganz gut läuft. Mitten
in der Diskussion sehe ich Don Onofre Xó strahlend an der Hausecke
des ersten Hauses stehen. Mir wird etwas wohler im kribbeligen Bauch
und meine Neugier wächst.
Endlich
können wir uns losreissen, begrüssen
den strahlenden Don Onofre und gehen an vier Häusern
vorbei zu seinem Haus, wo uns schon die ganze Familie
erwartet. Doña Luisa Pop, der zweitälteste
Sohn, die ältere Tochter, 3 mittlere Kinder und ein Bébé.
Mario der älteste Sohn geht bei uns in die Landwirtschaftsschule.
Da wir sehr schmutzige Schuhe haben, mache ich den Vorschlag,
zuerst einmal den Garten zu besichtigen. Und jetzt sehe
ich, warum Don Onofre so gestrahlt hat: die Bohnen sind bereit
zur Ernte, genau so wie die Gurken, die Radiesli sind schon
fast alle gegessen. Vieles ist gekeimt und gut am Wachsen: Koriander,
Rüebli, Sesam, Mangold, Randen, Weisskohl, Zwiebeln, Pak
Choi (Kohlblätter). Daneben wachsen Süsskartoffeln,
Tomaten und einheimisches Gewürz. Wir gehen zu den wunderschön
gewachsenen Gurken, die mit Hilfe eines Gerüsts nach
oben wachsen und entdecken 4 grosse, reife Gurken.
(Bild aufgenommen beim 3. Besuch mit Buschbohnen
im Vordergrund)
Und jetzt kommt die bange Frage: Was isst man von den Gurken, die
Blätter, die Wurzeln oder die grünen Dinger? Schnell
schneiden wir eine grosse Gurke ab und Irma verschwindet in der
Küche mit der älteren Tochter. Unterdessen sitzen
wir im Wohn-, Schlafraum und die ganze Familie ausser der
Tochter mit uns und wartet mit fragenden und bangen Blicken.
Ob das Zeugs wohl essbar ist? Irma kommt zurück mit dem
Gurkensalat: die geschnittenen Gurken mit Zitronensaft und Salz.
Sie bietet es erst dem Vater an, dann den Kindern, dann dem älteren
Sohn, dann der Mutter – doch oh Schreck, niemand will probieren.
Da greife ich zu, auch Irma und Magda und das scheint den Bann zu
brechen. Zuerst knabbert der ältere Sohn sehr vorsichtig an
einem Gurkenrädchen, dann die Kinder, der Vater, das Bébé
und plötzlich stürzen sich alle auf den Salat, der im
Nu ausgegessen ist. Allen scheint es gehr gut zu schmecken, nur
die Mutter getraut sich nicht, obwohl sie dem Bébé
davon zu essen gibt. Nach vielen Sprüchen und Gelächter
meint sie, dass sie wohl nachts mit der Taschenlampe eine
Gurke holen und ganz allein probieren wird. Alle sind sehr zufrieden.
Nach dem Essen lassen wir weiteren
Samen da, teilweise zum Nachsäen, aber auch neue Arten und
geben weitere Ratschläge. Auch informieren wir
Don Onofre über unser Gespräch mit seinem
Nachbarn.
Und dann kommt eine
weitere Überraschung. Don Onofre hat sehr wohl
bemerkt, dass seine rote Erde im Gemüsegarten nicht sehr fruchtbar ist und er
wenig Kompost gemacht hat. Also hat er nach Lösungen
gesucht. Er führt uns etwa 20m steil und rutschig den
Berghang runter mitten durch seine Kaffeebäume und
da sehen wir den neuen Gemüsegarten: fünf sicher 6m lange
Gartenbeete mit schwarzer, fruchtbarer Erde und eben. Diese
fruchtbare Erde hat sich in vielen Jahren unter den Kaffeebäumen
gebildet - runtergefallene Blätter, abgeschnittene Äste
und entkernte Kaffeekirschen haben dieses kleine Wunder bewirkt.
Mein kribbeliges Gefühl im Bauch hat sich langsam in mühsam
zurückgehaltene Freudentränen verwandelt.
Bis heute - anfangs
September 2004 - arbeiten wir in folgenden Comunidades:
Mit Müttern und ihren Nachbarn:
Belen
(1), Chatela (2), Chiakte (6), Chioyal II (1), Nueva
Consepción (1), Pinares (1), Rumpok (3), Santa
Maria Rubeltzuul (2), Nuevo San Fernando (2), San José
Quetzal (1), Sesaquiquib Semox (1), Selamunix (1),
Sebas I (1)
Mit Gruppen:
Balamte (10), Chaslau
(28), Chipok (8), San Cristobal Sacta (16), Santo
Domingo (10) - allerdings nehme ich an, dass sich die Teiilnehmerinnen
in den Gruppen verringern werden.
Etwa weitere 30 Mütter haben Interesse angemeldet,
in den Prozess einzusteigen. Am 24./25. Oktober werden wir einen weiteren
Einsteigerkurs anbieten und dann mit diesen neuen Müttern
ab Januar arbeiten. Wir bekommen höchstwahrscheinlich
weitere finanzielle Unterstützung, vor allem sind
auch weitere Promotorinnen vorgesehen, ansonsten schaffen
wir das nie. Es ist sehr viel Arbeit mit dem ganzen Prozess
verbunden. Die Wege sind weit und mehr als 2-3 Familien, wenn
sie am selben Ort wohnen, können wir an einem Tag
nicht bewältigen.
m Betteln bin ich zwar nicht so gut,
trotzdem brauchen wir dringend folgendes: Küchenmesser
und gute Pfannen zum Kochen in den Dörfern. Beides
ist kaum vorhanden. Gartenwerkzeug wie Harken, Bewässerungsschlauch,
Giesskannen.... sind auch nicht vorhanden. Die momentanen
Bewässerungsmethoden sind nicht ausreichend. Und die
wenigsten Menschen haben das Geld, um die Dinge zu kaufen. Dazu
kommen Samen und immer noch der Lohn von Irma, der Promotorin.
Bericht anfangs September
2004 Helen Hagemann
2. BERICHT VON OKTOBER 2004 - JUNI 2005
Mitte Oktober
- wir bereiten uns vor auf den 24./25. Oktober 2004.
Alle Väter und Mütter der Schüler haben sich
verpflichtet 3-mal pro Jahr in die Schule zur Weiterbildung
und Evaluation zu kommen. ( mehr unter diversifizierte
Parzellen) . Bis anhin wurde vor allem mit den Vätern
gearbeitet und die Frauen hörten entweder zu, oder
waren irgendwo auf dem Schulgelände. Das wollten wir
ändern. Einerseits war für die Mütter, die schon
seit April 2004 einen Garten bearbeiten, eine Auswertung geplant.
Andererseits haben wir alle Mütter, die noch keinen Garten
haben, nochmals angeschrieben und sie eingeladen, für eine
erste Orientierung und Schulung. Für die Ausbildung waren
auch alle Mütter eingeladen, die zwar schon einen Garten
haben, aber erst später eingestiegen sind.
So arbeiteten 12 Frauen
an einer grossen Auswertung über ihre Arbeit
- einige Resultate:
10 Frauen sind zufrieden,
2 Frauen sind traurig, weil es nicht funktioniert.
Davon hat eine Frau aufgegeben, weil bei ihr wirklich nichts
gewachsen ist - die andere Frau hat den Ort des Gartens gewechselt
und ist jetzt sehr zufrieden. Die Frauen arbeiten zwischen 1-4 Stunden
täglich im Garten. Die meisten Frauen haben schlechte Erde
am Ort ihrer Gärten und haben Erde aus anderen Orten herschleppt.
Sie bewässern zwischen 0,5 und 2 Stunden pro Tag. Die wenigsten
Frauen haben Kompost. Schädlinge: Raupen, Consuelas (ähnlich
Marienkäfer - sie fressen die Blätter an), Ameisen
(holen die Samen), Blattschneiderameisen, Grillen (schneiden
die jungen Pflänzchen ebenerdig ab - noch kaum ein Mittel
dagegen gefunden), Tierchen, die ihre Eier in die Gurken legen.
Ausser gegen die Grillen und Blattschneiderameisen haben wir überall
Lösungen gefunden. Viele Frauen probierten in ein Saatbeet
zu säen und die Pflanzen umzusetzen - hier waren alle Frauen
einer Meinung: es funktioniert hier nicht - klimabedingt.
Einige Frauen haben schon etwas verkauft.
33 Frauen nahmen an der Erst-Schulung
teil. Hier bei der Erklärung, wie Kompost angelegt
wird.
Am Nachmittag ging es dann
ans Kochen. Mit den 45 Frauen haben wir in 4 Gruppen
5 verschiedene Gerichte für 300 Personen gekocht. Sowohl
für die Köchinnen als auch für alle "EsserInnen"
waren die Gerichte völlig unbekannt und ich hatte keine
Ahnung, ob die Menschen das essen werden.
- Gurkensalat
mit Tomaten, Zwiebeln, Samat (einheimisches Gewürz),
Zitronen und Salz (100 Gurken, 10 Pfund Tomaten, 20 Zwiebeln,
20 Zitronen)
- Buschbohnen
mit Süsskartoffeln (in Stückchen geschnitten),
zuerst zusammen in Salzwasser gekocht, dann die Zwiebeln
in Öl gedämpft und die gekochten Bohnen mit Süsskartoffeln
dazu und gut vermischen. (25 kg Bohnen, 12 kg
Süsskartoffeln, 30 Zwiebeln)
- Junge Blätter
und Stiele von Süsskartoffeln (2 50-kg Säcke),
50 reife, süsse Bananen, 20 Zwiebeln. Zuerst werden
die Blätter und Stiele im Salzwasser gekocht. Dann wird
Öl in einer Pfanne erhitzt, die geschnittenen Zwiebeln
angedämpft, dann kommen die in Scheiben geschnittenen
reifen Bananen dazu. Wenn diese weich sind, wird das gekochte
Gemüse beigegeben und gut vermischt. So kann man alle Blattgemüse
zubereiten.
- Baumspinat
mit Sesam. 1 50-kg Sack mit jungen Blättern des
Baumspinats (Chaya), 3 Pfund Sesam. Der Baumspinat wird in
Salzwasser weich gekocht. In einer Pfanne wird Öl erhitzt
und der Sesam geröstet. Den gekochten Baumspinat zugeben
und gut vermischen.
- Rüeblisalat.
4 Dutzend riesige Rüebli und 4 Liter Orangensaft.
Die Rüebli raffeln und dann den Orangensaft beigeben.
Wenig Salz.

Die Frauen sind es gewohnt
in Gruppen für viele Menschen zu kochen. Und
so hat das Kochen dann auch einigermassen geklappt und
mit etwa 1 Stunde Verspätung um 19.30 war es dann soweit.
Und bei mir fing das Knieschlottern an. Eine riesige Schlange
baute sich vor unseren 5 grossen Zubern mit Essen auf. Jeder
kam mit einem Kacheli mit ein wenig schwarzen Bohnen in der
einen Hand, in der anderen einen Becher mit Maiswasser und darauf
8-10 Tortillas. Auf die Bohnen schichteten wir dann zuerst den
Gurkensalat, dann der Rüeblisalat, dann die Bohnen, dann
die Blätter von Süsskartoffeln mit Bananen und dann den
Baumspinat. Die Kacheli waren bis zuoberst gefüllt und
die Menschen sind es eigentlich gewohnt, am Abend nur etwas schwarze
Bohnen und Tortillas zu essen. Ob das gut gehen würde???
Ich sah von weitem zu, bzw. war am schöpfen. Als dann die
meisten gegessen und ihre Kacheli gewaschen und zurückgebracht
hatten, ging ich zu den 2 Abfalltonnen, in die die Reste geschüttet
werden. Und o Wunder, in beiden Tonnen war kaum 10 cm Abfall/Resten.
Fast alles hatten sie also gegessen, kaum etwas weggeworfen.
Und jetzt holte mich die Müdigkeit ein, die Anspannung
war weg, dafür eine grosse Zufriedenheit und Dankbarkeit
da. Jetzt wusste ich, dass die Menschen das Gemüse auch
wirklich essen würden und die neuen Rezepte mögen. Vom
anschliessenden Tanz und Musik habe ich nichts mehr mitbekommen.

Und das war dann auch
die letzte Arbeit, die die ersten Promotorinnen Irma
und Maria Magdalena machten. Leider haben sie die Arbeit mit
den Familiengärten nicht richtig begriffen und so auch
nicht richtig weiter vermittelt. Dazu ist ihnen ihre Arbeit
in den Kopf gestiegen. Sie dachten, sie seinen die einzigen,
die diese Arbeit leisten können und haben die letzten 2 Monate
sehr schlecht gearbeitet. Zugleich war es die erste grosse Aufgabe
für die zwei neuen Promotorinnen Ana Maria Ixim Tec und
Isabel Fernandez Icó. Ana Maria kommt aus einer Aldea und
hat letzten Oktober das 9. Schuljahr abgeschlossen. Sie hat eine sehr
schnelle Auffassungsgabe, lernt schnell und hat eine natürliche
Autorität. Die Menschen in den Dörfern hören ihr
gut zu und sie arbeitet auch sehr stark mit. Nicht erklären
- sondern vorzeigen/mitarbeiten. Promotorin
Ana Maria Ixim Tec aus Chiakte
Isabel ist älter
und hat schon viele Kinder. Sie hat vor 2 Jahren
bei einer anderen Institution als Promotorin angefangen zu
arbeiten. Zuhause arbeiten vor allem ihre Töchter. Sie
hat 6 Schuljahre absolviert, schreibt aber recht gut. Sie hat
ein schlechtes Gedächtnis und ist mit ihren Gedanken oft
woanders und ist es nicht gewohnt, sich über längere
Zeit zu konzentrieren. Langsam aber bekommt sie Spass an unseren
internen Ausbildungen und ihre Arbeit im Feld ist auch gut.
Es ist sehr schwierig
hier Promotorinnen zu finden. Es gibt noch sehr wenige
Frauen, die einen Beruf ausüben. In den Aldeas gibt es
ja auch erst seit vielleicht 12 oder weniger Jahren eine Schule
und anfangs gingen vor allem die Jungs in die Schule. Das hat
sich jetzt allerdings geändert. Es gibt sehr viele Lehrerinnen
hier in Cahabón, aber sie sind nicht bereit jeden Tag
in die Aldeas zu gehen und mit den Händen in der Erde zu
arbeiten. Viele sind sehr schlecht ausgebildet, viele von ihnen
können kaum fliessend lesen und ohne Fehler schreiben. Trotzdem
sind sie sehr eingebildet. "Warum soll ich meine Hände beschmutzen,
wenn ich studiert habe?" meinte die Promotorin Maria Magdalena
immer wieder, die keinen noch so kurzen Satz ohne Fehler schreiben konnte.
Doch das wird sich ändern. Im Moment arbeitet hier die erste
Generation LehrerInnen. Weil eine Studie in Zentralamerika (so etwas
wie eine PISA-Studie) für Guatemala sehr schlecht ausgefallen
ist, wurde angeordnet, dass alle LehrerInnen im Oktober 2004 sich prüfen
lassen müssen. Nur ca. 30% der LehrerInnen von Cahabón
bestanden die Prüfung. Diesen 30% werden Schulen zugeteilt,
alle andern müssen selber ihre Schule suchen. Im Moment finden
noch viele LehrerInnen Arbeit, aber das wird sich ändern. Jedes
Jahr schliessen hier in Cahabón um die 60 LehrerInnen ihre Ausbildung
ab und bald werden schlechte LehrerInnen keine Arbeit mehr finden.
In Guatemala gibt es momentan 40'000 arbeitslose LeherInnen. Da es bis
vor kurzem viel zu wenig LehrerInnen gab, existiert auch immer noch
die Ausbildung am Samstag - einen Tag Schule pro Woche - das reicht
nicht für eine gute Ausbildung. Dazu kommt, dass viele Themen
der Ausbildung für die Q'eqchi' sehr abstrakt sind. Es wird von
griechischen Philosophen gesprochen, sie schneiden Bilder aus von
modernen schönen Wohnungen und müssen darüber referieren,
obwohl sie nie in ihrem Leben eine solche Wohung in Natura gesehen
haben..... Die LehrerInnenausbildung ist aber immer noch die einzige
Ausbildung, die in Cahabón abgeschlossen werden kann. Wer diese
Ausbildung abgeschlossen hat, ist berechtigt an der Uni zu studieren.
Für alle andern Studien müssen die Menschen
nach Cobán. Ich hoffe, dass in Cahabón bald andere
Studien möglich sind.
Die neuen Promotorinnen
haben sich sehr gut eingearbeitet. Wir arbeiten
intensiv. Viel mehr Frauen haben jetzt begriffen, dass es
Kompost braucht um gute Ernten hervorzubringen. In vielen Familiengärten
wachsen jetzt mehr verschiedene Gemüsesorten. Es wird
immer einfacher für die Promotorinnen zu erklären, dass
der Samen bedeckt werden muss und dass wir einzelne Samen säen.
Wir wissen jetzt, dass hier Chabis, Rüebli, Mangold, Randen,
Koriander, Bodenkohlrabi und vieles mehr wächst. Das macht
mich und auch die Promotorinnen viel sicherer. Sie können von
Beispielen erzählen. Wir haben Fotos zum zeigen. Das spornt
dann auch die Frauen an, nochmals einen Anlauf zu nehmen, wenn es
beim 1. Mal noch nicht ganz so gut geklappt hat. Wir kennen die
Fehler und einige kulturellen Barrieren. Und wir kennen auch einiges
an Schädlingen und wie wir damit umgehen können.
Im Oktober besuchen wir erstmals
die Eltern von 2 Schülern in Semox (Departement
Chahal). Es ist weit weg - 160 km ein Weg mit dem Auto und 3/4
Stunden zu Fuss. Die Eltern haben Interesse angemeldet, hätten
aber noch 
nichts vorbereitet war der Kommentar
der 2 Söhne in der Schule. Also machten wir uns
auf ohne Erwartungen. Die Überraschung war dann umso
grösser. Beide Eltern hatten einen grossen Garten angelegt.
Dazu kamen 4 weitere Gärten von anderen Familien und
ein grosser Gemeinschaftsgarten. Die Familie von Doña
Leona hat einen perfekten grossen Garten angelegt mit einem
fast gebrauchsfertigen Kompost. Sie haben viel schwarze Erde aus
den Wäldern herangeschleppt und wir können sofort anfangen
mit der Familie zu säen.
Für die Gemeinschaftsparzelle
waren 400 m² vorgesehen, aber erst 100 m²
vorbereitet. Unsere Empfehlung: bearbeiten dieser 100 m²
und experimentieren, ob die Gemeinschaftsarbeit klappt. Das
Wasser ist ziemlich weit entfernt und das Bearbeiten eines Familiengartens
bedingt tägliche Arbeit und Kontrolle. Bei unserem
nächsten Besuch existierte die Gemeinschafsparzelle dann
auch nicht mehr. Aber die Familien haben sehr gut gearbeitet und
wir konnten schon Kochkurse mit dem eigenen Gemüse durchführen.
Unterdessen haben viele Familien Radiesli, Busch-Bohnen, einheimische
Gewürze, Tomaten und Chabis verkauft. Am besten
allerdings arbeiten die Eltern der zwei Schüler. (Foto
von Semox Chahal)
Eine weitere grosse Überraschung
bereitete uns die Familie von Doña Santos in Setzol.
Der Sohn Franzisko hatte von mir Samen mitgenommen. "Wir
wollen probieren, ob etwas wächst." Ich gab ihm ein "Wie-Säen-Blatt"
mit und erklärte ihm nochmals alles. Vor unserem geplanten
Besuch erklärte mir Franzisko: "Ein bisschen 
etwas ist gekeimt." Von weitem sahen
wir etwas wir einen Hausbau, konnten uns aber keinen Reim
darauf machen. Nach dreiviertel Stunden kamen wir an und
ruhten uns wie üblich zuerst einmal etwas aus. Kakao trinken
und ein bisschen reden. "Ist etwas gewachsen?" - "Ja ein bisschen".
Nach einiger Zeit brechen wir auf zum Garten. Was von weitem wie
ein Hausbau aussah, ist der Zaun des neu angelegten ca. 400 m²
grossen Gartens. Er ist so hoch, dass wir nicht in den Garten schauen
können. Erst als sie die Türe öffnen, bleibt uns sie
Luft weg. Ein sehr schöner Garten mit vielen gekeimten Gemüsearten
(Foto bei unserem 2. Besuch). Chabis, Rüebli, Zwiebeln,
Randen und vieles mehr. Leider haben sie denselben Fehler gemacht
wie so Viele beim ersten Säen - 4-5 Samen zusammen. Wir fangen
an umzusetzen. Die ganze Familie hilft mit. 2 Mädchen schleppen
Wasser. Andere bereiten die Erde zum Umsetzen vor. Anna, Arnulfo
und ich fangen an umzusetzen. Alle schauen zu und in kurzer Zeit
helfen sie mit. Ein Loch öffnen, mit Wasser füllen, die
zu versetzende Pflanze vorsichtig ausgraben und in das Loch pflanzen,
Erde dazu und die Pflanze leicht andrücken. So sind in etwas
mehr als einer Stunde alle Pflanzen versetzt. Das ist hier möglich,
weil Setzol auf über 1000 MüM liegt. Trotzdem haben vor
allem die Randen und die Zwiebeln unter dem Umsetzen gelitten. Aber
bei unserem nächsten Besuch nach ca. 3 Wochen fanden wir einen
wunderschönen Garten vor. Die Menschen schleppen das Wasser von
ziemlich weit her in den Garten. Aber sie haben Freude und unterdessen
auch schon recht viel verkauft. Santiago, ein verheirateter Sohn und
ehemaliger Schüler des Instituts in seinen Anfängen arbeitet
unterdessen als Promotor bei uns und seit einem Monat auch die Tochter
Dolores.
Ende November besuchte
uns Philipe Teller von Misereor Deutschland, unserem Hauptgeldgeber
(für die Promotorinnen, Promotoren, Auto, Reisespesen)
. Nach Besuchen in Parzellen und Familiengärten
erarbeitete er mit uns ein neues Vokabularium:
alt
|
neu
|
| Basura - mul (Q'eqchi') = Abfall wird hier
das organische Material genannt, das am Boden liegt
- Blätter, abgeschnittene Pflanzen, gejätete
Pflanzen....), die basura - mul wird vor dem Säen
meist verbrannt. |
Materia orgánica - organisches
Material - gibt dem Boden Leben und produziert Dünger
Gott macht keinen
Abfall, nur organisches Material - nur Menschen machen
Abfall
|
Malezas - Unkraut
|
Pflanzen, die wir in diesem Moment an diesem Ort
nicht wünschen
|
matar los zompopos, insectos..... =töten
der Blattschneiderameisen, Insekten.......
|
controlar - kontrollieren der Blattschneiderameisem,
Insekten...
|
Plagas - Schädlinge
|
nennen der Insekten... mit Namen, Pilze, Blattschneiderameisen....
|
Kleinstlebewesen im Boden, die den Boden
bearbeiten und den Kompost umwandeln - Bakterien, Pilze....
|
mozos - mozos sind die bezahlten
Landarbeiter - diese Lebewesen sind also unsere Landarbeiter,
die wir nicht einmal bezahlen müssen. Im Boden und
Kompost arbeiten für uns Tausende mozos
|
Terreno
limpio - vollständig gejätetes und gesäubertes
Land
|
Terreno
desnudo - entblösste, entkleidete Erde
|
Remedios
- chemische "Heilmittel"- chemische Insektizide, Unkrautvertilger,
Fungizide.....
|
Agro
venenos - chemisches Gift
|
Einiges aus diesem Vokabularium
ist uns in Fleisch und Blut übergegangen. Die PromotorInnen
reden von "Mozos" und von organischem Material und von entblösster
Erde. Leider für uns wurde Philippe Ende 2004 pensioniert
und steht uns nicht mehr zur Verfügung. Seine Begeisterung
für den biologischen Anbau von Pflanzen wirkte ansteckend.
Mit uns zusammen arbeiten auch
Promotoren. Jeder Schüler des Institutes muss im
ersten Jahr zuhause eine diversifizierte Parzelle von 400 m²
und eine Parzelle von 1600 m² mit Mais und Düngerbohnen
ohne Abbrennen anlegen und bearbeiten. Im zweiten Jahr
800 m² /3200 m², im dritten Jahr 1200 m² / 4800 m².
Jeder Schüler geht jeden Monat 3 Tage nach hause, um in
den Parzellen zu arbeiten. Die Väter sind verpflichtet,
in diesen Parzellen mitzuarbeiten.
Die diversifizierten
Parzellen mit Grundnahrungsmitteln aus der Region

Hier werden zuerst einmal boden-konservierende
Massnahmen eingeleitet.
Auf dem ganzen Gelände werden
mit dem so genannten Nivel-A Kurven gezogen, Kurven
die dem Gelände angepasst sind. Eine Kurve verläuft
immer auf derselben Höhe, sodass in den Gräben für
die Konservierung des Wassers, das Wasser auch gleichmässig
verteilt in den Gräben liegen bleibt. Je nach der
Steilheit des Geländes liegen die Kurven zwischen 2 und
10 Metern auseinander. Barrieren, Gräben und Pflanzen werden
entlang den Kurven angelegt, bzw. gesetzt/gesät. Auf dem
Foto ein Teil der Parzelle von Mario Xó Pop in Belen mit Bananen,
Ananas, Taro, Süsskartoffeln, Yuca und Gandul im Hintergrund
- Lebende Barrieren
aus Bäumen mit essbaren Blättern und/oder Samen
(Chaya, Gandul, Madre Cacao), mit Zitronengras oder anderem
- Tote Barrieren mit
Steinen und/oder Holz
- Düngergräben
- Gräben für
die Konservierung des Wassers
- alles abgeschnittene
Material wird liegengelassen
Danach werden gepflanzt:
- Bananen - Ananas
- Süsskartoffeln - Taro - Yuca - Sesam - Chaya
(Baumspinat) - Gandul - Rosa de Jamaica (Karkaden-Tee)
- und alles, was die Schüler und Eltern sich sonst noch
wünschen
Die Parzellen mit Mais
und Düngerbohnen ohne vorheriges Abbrennen des Feldes
Für den Anbau von Mais wird
hier in Cahabón, wie an vielen Orten der Welt,
noch immer die Methode "TUMBA Y QUEMA" angewandt. Das bedeutet,
dass das dafür vorgesehene Land "geputzt" wird - alles
wird bodenerdig abgeschnitten und gefällt, inklusive
hoher Bäume. Danach wird ein Mottfeuer angelegt, das alles organische
Material verbrennt. So bleibt bis zum nächsten Regen eine
Schicht Asche auf dem ganzen Stück Land zurück. Die
Asche ist einerseits Dünger, andererseits erhöht
sie den meist niedrigen PH-Wert (4-5) der Böden auf den PH-Wert
von 6-7, wie es Mais benötigt. Früher, als noch alle
7-12 Jahre auf demselben Stück Land gesät wurde, funktionierte
diese Methode recht gut, weil sich in den Jahren viel organischer
Dünger gebildet hatte und die Asche in den Boden eindringen konnte.
Heute aber werden die Felder alle 1-2 Jahre angebaut. In dieser kurzen
Zeit kann sich keine Humusschicht bilden. Das wenige, was als Nahrung
für die Pflanzen dienen könnte, wird verbrannt und die Asche
wird auf den steilen Hängen und steinharten Boden sehr schnell vom
Regen weggewaschen. Die Böden produzieren jedes Jahr weniger Mais.
Mit der neuen Methode werden
die Felder zwar "geputzt" - alles wird abgeschnitten
oder gefällt, aber das organische Material wird liegen
gelassen. Der Mais wird also in einen Boden gesät,
der mit organischem Material bedeckt ist. Etwa 14 Tage
später werden die Düngerbohnen (Macuna/Terciopelo) gesät.
Bis der Mais geerntet werden kann, bedeckt die Düngerbohne
den Boden bis ca. auf einen Meter Höhe. Bis das Feld für
die nächste Saat vorbereitet wird, kann die Düngerbohne
bis eine Höhe von 2 Metern erreichen, indem sie die Maisstauden
als Klettergerüst braucht. Nun wird alles wieder abgeschnitten
und liegen gelassen. Der Vorteil der Düngerbohne: Es entwickeln
sich kaum andere Pflanzen unter den Düngerbohnen, die gejätet
werden müssten. Die Düngerbohne führt dem Boden den
vom Mais dringend benötigten Stickstoff zu und produziert
eine riesige Menge von Biomasse = Blätter und organisches Material.
Seit letztem Jahr experimentieren jetzt die Schüler mit dieser
neuen Anbaumethode von Mais. Es braucht allerdings 2-3 Jahre, bis
sich die Böden regeneriert haben und wieder mehr produzieren.
Die Arbeit der Promotoren:
Sie besuchen die Väter jeden
Monat einmal und begleiten und helfen im Aufbau der diversifizierten
Parzellen und der Parzellen mit Mais und Düngerbohnen.
Gleichzeitig ist es eine Kontrolle, ob die Schüler
und Väter ihre Verpflichtungen einhalten.
Sie kontrollieren auch die Familiengärten
wo vorhanden, geben Ratschläge oder informieren
uns, wenn etwas schief läuft und Hilfe benötigt
wird.
Im November fingen wir mit der
gemeinsamen regelmässigen Schulung ( 1-2 Tage pro
Monat) der PromotorInnen an. Themen wie Selbstbewusstsein,
wie arbeiten wir mit den Menschen, was ist unser Haupt-Ziel, Pünktlichkeit,
Verantwortung in der Arbeit, Zusammenarbeit, Arbeit in der
Gruppe, Familiengärten, diversifizierte Parzellen und
Parzellen mit Mais und Düngerbohnen, Ernährung, Heilpflanzen
und ihr Gebrauch, Herstellung von Tinkturen und Salben mit Heilpflanzen,
Pflanzen, Pflanzenfamilien, verschiedene Böden und ihre
PH-Werte....... und vieles steht noch auf unserer Liste der Weiterbildung.
Ende Jahr arbeiteten wir bis
Mitte Dezember - danach waren 14 Tage Ferien angesagt.
Zeit, um die 
Papiere aufzuarbeiten, Briefe
zu schreiben, Buchhaltung nachzuführen und auch
einen mehrtägigen Ausflug mit Arnulfo (Foto - mein Kollege
männlicherseits) und seiner Familie und Alfredo (ein
Lehrer) und seiner Familie.
Im Januar fingen wir
mit 4 Tagen Schulung der Promotorinnen an. Zugleich auch
Vorbereitung auf die nächsten 2 Tage, in denen alle
Väter und Mütter anwesend sein würden. Viel gab
es noch zu lernen und vorzubereiten. In der Zwischenzeit hat
sich auch Teodora als Promotorin zu uns gesellt. Sie arbeitet nur
ab und zu, hat ein Bebé zum Stillen und ist viel krank.
Auch Manuela, eine Lehrerin arbeitet im Januar mit uns, entscheidet
sich dann aber doch, eine frei gewordene Lehrerinnenstelle in ihrer
Aldea Rumpok anzunehmen.
28./29. Januar 2005
- alle Eltern kommen zur Weiterbildung in die Schule
Am 28. Januar arbeiten wir mit
allen Müttern der Schüler, die gekommen sind.
Dieses mal wollen wir nicht über Familiengärten,
sondern über die auf dem Markt in Cahabón verfügbaren
Gemüse reden. Keine der Frauen kennt die Gemüse, obwohl
sie alle schon auf dem Markt in Cahabón waren. Aber sie
getrauen sich nicht zu fragen und haben auch keine Ahnung, wie
sie zubereitet werden. Also kaufen wir am Vortrag alles Gemüse,
das wir finden können und Don Arnulfo bringt noch einiges
aus Cobán, weil viel Gemüse nur an den offiziellen
Markttagen Mittwoch und Samstag zu haben sind.
So haben wir für die Weiterbildung:
Peperoni, Schnittsellerie, Auberginen, Lauch, Chabis,
Randen, Blumkohl, Rüebli, Mangold, Gurken und Radiesli
eingekauft.
Die Frauen arbeiten in 4 Gruppen, lernen
die verschiedenen Gemüse, das Aussehen und die Namen kennen
und können schon einmal daran riechen. Mamas die einen
Garten haben, kennen schon einige der Gemüse und können
dazu auch etwas sagen. Die Frauen zeigen sehr viel Interesse,
lachen viel - ob das Zeugs wohl auch schmeckt. Von einigen Gemüsesorten
werden dann auch einfache Rezepte erklärt. So haben die
Frauen doch schon einmal etwas davon gehört. Jede Gruppe hat
die Aufgabe eine Frau zu suchen, die den Mut hat am Nachmittag mit
Hilfe des Mikrofons ihren Männern und Söhnen die Gemüse
vorzustellen.
Nach dem Mittagessen um 14 Uhr,
wenn alle so schön schläfrig sind - auch hier
- versammelten sich alle Mamas und Papas mit Söhnen
in der grossen Aula. Vorne die Frauen und auf Tischchen die verschiedenen
Gemüse. Von den Promotorinnen wusste ich, dass sich
Frauen zur Verfügung gestellt hatten. Ob sie wohl vor dem
Plenum den Mut haben würden ins Mikrofon zu sprechen? Sie
hatten den Mut - nicht nur Mut, sondern sie präsentierten
die Gemüse so deutlich und gut, dass die Männer und
Söhne hellwach und sehr interessiert den Ausführungen
zuhörten. Und ich war sehr erstaunt, denn es war das erste mal,
dass dies geklappt hat.
Danach stellten die Promotoren
einige Gemüse aus den diversifizierten Parzellen
vor, auch Gemüse, die hier üblicherweise kaum gegessen
werden, wie zum Beispiel die jungen Triebe der Süsskartoffeln
und der Kürbisse.
Und jetzt ging's für die
Frauen ans Kochen für das Nachtessen. In 4 Gruppen
bereiteten sie 5 verschiedene Gerichte, wiederum für
ca. 300 Menschen zu.
Eine der 4 Frauengruppen bereitete
das Nachtessen auf meiner Veranda vor. So ergriff ich
die Gelegenheit, während dessen das für die Frauen
unbekannte Gemüse vorzubereiten. Zuerst Peperoni
in Öl gedämpft; Randensalat; Rüebli gekocht,
geschnitten, mit Salz und Zitrone gewürzt; Lauch gekocht und
dann mit Zitrone und Salz gewürzt. Alles assen sie mit Hochgenuss
und als ich zuletzt noch den Schnittsellerie nur in Wasser gekocht
und mit Salz und Zitrone gewürzt hinausreichte, dachte ich,
dieses werden sie sicher nicht mögen. Aber weit gefehlt. Auch
dies wurde mit Hochgenuss gegessen und nach mehr verlangt. Die meisten
Männer sind allerdings etwas vorsichtiger im Probieren. Und
die Frauen verwenden das neue Gemüse zuhause auch den Männern
angepasst. Viele haben Schnittsellerie zuhause. Sie gebrauchen ihn
bis anhin vor allem als Gewürz für die Suppe. Mit der Zeit
werden sie auch Selleriegemüse zubereiten können.
Hier die zum Teil neuen oder
abgewandelten Rezepten für das Nachtessen:
- Gurkensalat mit Tomaten,
Zitrone und Salz: 50 grosse Gurken, 4 kg Tomaten, 15
Zitronen, 3 Handvoll Samat (einheimische Gewürzpflanze,
15 Zwiebeln, Salz.
- Ox dulce - Taro süss:
7 Kilo Zucker, 30 Kilo Taro, gemahlener Zimt, gemahlener
Kardamom. Zuerst werden die Tarowurzeln gesäubert
und in kleine Stückchen
geschnitten. Diese werden mit
der Handmühle gemahlen. Danach wird das Wasser in
einer grossen Pfanne erhitzt. (Verhältnis: 1 Tasse Zucker,
2 Tassen Wasser, 4 Tassen gemahlene Tarowurzeln). Danach wird
der Taro beigegeben und unter ständigem Rühren zusammen
mit dem Zucker ca. 30 Minuten gekocht. Kurz bevor die Masse
weich gekocht ist, wird der Zimt und das Kardamom beigegeben.
- Blumenkohl, 30 grosse
Blumenkohle und Salz, Blumenkohl wird gesäubert,
in Röschen zerteilt und im Salzwasser gekocht.
- Chaya - Baumspinat
mit Süsskartoffeln und Sesam. 1 Sack mit jungen
Blättern Baumspinat, 30 Zwiebeln, 10 kg Süsskartoffeln,
1,5 kg Sesam, Chile, Öl und Salz. Baumspinat wird gewaschen
und die Blätter etwas zerkleinert. Die Süsskartoffeln
werden gesäubert und in kleinere Stückchen von ca.
1,5 cm geschnitten. Beides zusammen wird weich gekocht. Danach
wird das Wasser abgelehrt und gesalzen. Öl in der Pfanne
erhitzen und darin zuerst die Zwiebeln rösten, dann herausnehmen.
Anschliessend den Sesam rösten. Die Zwiebeln und den
abgetropften Baumspinat mit Süsskartoffeln beigeben. Chile
dazu und abschmecken.
- Chabissalat.
20 grosse Chabis, 15 kg Tomaten, 6 Handvoll einheimische
frische Gewürze, 10 Zitronen, Salz. Der Chabis wird ganz
fein geschnitten. Unterdessen werden die Tomaten kurz gekocht,
dann auf dem Hand-Mahlstein zusammen mit den frischen Gewürzen
zu einer Sauce verarbeitet. Diese wird zum fein geschnittenen
Chabis gegeben. Dazu Zitronensaft und Salz.
Wir waren wir fast pünktlich
fertig und ich hoffte inbrünstig, dass die Menschen
alles mögen würden. Diesmal gab es eine kleine Änderung
im Schöpfen. Wir schöpften alles in die Kacheli
ausser dem süssen Taro. Diesen sollten sie als Dessert als
letztes holen kommen. Und auch dies klappte. Alles wurde ausgegessen
und es blieb kaum Abfall.
Mayajak - Einweihung neuer Gebäude
und Gebrauchsgegenstände - ein Fest mit allen Vätern,
Müttern, Schülern und Angestellten zusammen
Nach dem Essen gab es Tanz für
alle. Dann um 21 Uhr eine Messe und um 23 Uhr fing die
Zeremonie der Einweihung einiger neuer Gebäude an. Der
Aufbau des Gästehauses, mein Häuschen und das Gebäude
mit dem Brotofen und der Ofen selbst waren noch nicht eingeweiht.
Die Einweihung beginnt wenn möglich
mit einer Messe, wie auch heute in der Kapelle der Schule.
Nach der Austeilung der Kommunion übernehmen die Ältesten
die Regie. Sie haben allerdings schon den ganzen Tag lang die
Zeremonie vorbereitet. Die Kerzen werden geweiht und mit mit
Pom beräuchert (einheimisches Baumharz/wie Weihrauch),
es wird viel gebetet, viel Pom verbrannt. Die Frauen schlachten
Hühner für die Zeremonie. Das Blut wird separat aufgefangen.
Die Hühner werden gekocht und dann gleichmässige in
die Anzahl der zu weihenden Gegenstände aufgeteilt. An den 4
Ecken von jedem der zu weihenden Gebäudes wird je 1 tieferes Loch
gegraben. In der Küche wird angefangen die traditionelle Speise
- Caldo - vorzubereiten und zu kochen. Dafür werden wenn vorhanden
ein Schwein und viele Hühner geschlachtet. JedeR, der an der Zeremonie
teil nimmt, wird mindestens 1 Stück Fleisch im Caldo erhalten. Caldo
ist so etwas wie eine Fleischsuppe mit wenig Gemüse, Achiote (Samen,
der rot fäbt) und Chili. Den ganzen Tag über wird die traditionelle
Harfenmusik gespielt.
Irgendwann zwischen 21
und 22 Uhr fängt also die Messe an. Die Schüler
sind alle anwesend mit ihren Instrumenten und begleiten
die Gesänge mit Orgel, Gitarren, Flöten, Bass und
Marimba. Zur Gabenbereitung erscheinen die Frauen der Ältesten
mit den Gaben aus der Küche - Fleisch, Tortillas, Caldo.
Sie alle haben Weihrauchfässer aus Ton, in denen viel Pom
oder Weihrauch verbrannt wird. Sie beten kniend vor dem Altar,
bevor sie die Gaben auf dem Altar verteilen. Dann nach der Austeilung
der Kommunion übernehmen die Ältesten die Regie. JedeR
Anwesende hat oder erhält eine Kerze. Alle gehen hinaus auf den
Vorplatz. Dort wird in einer grösseren Tonschüssel oder
Pfanne 1-2 kg Pom angezündet. Zuerst brennt es langsam und lodert
nach kurzer Zeit mit hohen Flammen gegen den Himmel. Alle knien sich
nieder mit der Kerze in der Hand. Nach einer kurzen Einführung
eines Ältesten beginnen nun alle Menschen laut zu danken und zu
bitten. Dank- und Bittzeremonie möchte ich das nennen. Alle
und alles wird eingeschlossen in diesem Gebet. Wenn der letzte fertig
gebetet hat, werden die Kerzen auf den Boden "geklebt" und alle erheben
sich. Nun wird ein Kreuzzeichen und Kurzgebet in alle 4 Himmelsrichtungen
gesandt. Danach gehen alle wieder in die Kapelle und es gibt noch einige
Ansprachen, Dank und Anweisungen.
Kurz danach beginnt die Zeremonie
der Einweihung. Die 4-5 Ältesten und ihre Frauen
begeben sich mit Kerzen in den Händen in einer Prozession
zum 1. Gebäude. Zuerst wird jetzt in jedes Loch in den Ecken
das vorbereitete Fleisch gelegt - Essen für den Tzuultaqa
(Gott/Besitzer des Berges und des Tales), das Loch wird zugedeckt
mit Erde und eine grössere Kerze angezündet und hingestellt.
Danach kommt die Frau Älteste mit dem Blut und streicht
Blut in Kreuzform an die Wand oberhalb des vergrabenen Fleisches.
Am Schluss wird in der Mitte von jedem Gebäude, je nach Grösse
des Gebäudes, eine oder mehrere Kerzen angezündet und
hingestellt. Die ganze Zeremonie wird begleitet mit Gebeten und
Weihrauch/Pom. Danach gehen die Ältesten nochmals in die
Kirche zum Gebet und stellen die Weihrauchgefässe ab. Jetzt
gehen alle zum Essen des Caldo - unterdessen ist es schon 1 Uhr nachts.
Danach geht der Tanz weiter und viele Leute tanzen noch bis um 3 oder
4 Uhr morgens, während andere seelenruhig in derselben Aula am
Boden schlafen. In der Kapelle wacht immer einer oder mehrere der Ältesten
bis am morgen.
Am nächsten morgen dann Frühstück,
nochmals eine Messe, einfaches Mittagessen und dann beeilen
sich alle, um noch einen Lastwagen zu erwischen, um nach
hause zu kommen.
Damit wären die anderthalb
Tage der Weiterbildung aller Väter und Mütter
abgeschlossen und wir alle todmüde.
Ich fange mich an vorzubereiten
auf meine 3-monatige Abwesenheit. Alle Daten der Besuche
bis Ende Mai wollen vorbereitet sein. Wo werden welche Schulungen
stattfinden. Wo wird was gekocht. Wer geht wohin. Alles will
genau vorbereitet sein und vor allem auch die eintägige
Weiterbildung aller Mütter und Väter in der Schule
am 4. Mai. Bis dahin werde ich noch nicht zurück sein. Mein
Kollege Arnulfo wird die Promotorinnen wenn nötig chauffieren
und betreuen.
Mitte Februar flog ich in die Schweiz.
Mitte Februar fingen 4 neue Promotoren an, ein alter
Promotor wurde verabschiedet.
Weiterbildung aller Mamas
und Papas am 4. Mai 2005
Für die Väter ging es
vor allem darum, zu Informieren und nochmals zu Schulen
für die Saat des Mais ohne vorheriges Abbrennen der
Felder. Mit den Müttern arbeiteten die Promotorinnen mit
den neuen, für die meisten immer noch unbekannten Gemüse.
Nur 35 Mamas erschienen an diesem Tag. Die Reise ist meist sehr
weit und für die Menschen auch teuer. Und irgendwer am Radio
hat die Information durchgegeben, dass die Weiterbildung freiwillig
sei, was so nicht stimmt. Aber eben, nicht alles ist vorhersehbar.
Da nur 1 Tag vorgesehen war, legten
wir den Schwerpunkt auf das Kennen lernen und Kochen neuer
Gemüsearten. Wir beschränkten uns auf 6
Gemüsearten, die in Cahabón verkauft werden:
Lauch, Randen, Schnittsellerie, Mangold, Broccoli und Peperoni
- ausser Broccoli und Peperoni wächst alles in den Familiengärten.
In 2 Gruppen wurde gearbeitet.
Zuerst ging es um das Kennen lernen der 6 Gemüsesorten.
Danach kochte jede Gruppe 2 verschiedene
Gemüsearten.
- Lauch: schlechte und
trockene Blätter entfernen, waschen, feine Scheibchen
schneiden, in Wasser weich kochen, Wasser abschütten,
mit Salz und Zitronensaft würzen.
- Randen: Kochen
in Wasser bis sich die Haut leicht ablösen lässt,
schälen, schneiden in kleinere Stückchen, Salz und
Zitronensaft hinzufügen, gut mischen.
- Schnittsellerie: schlechte
und trockene Blätter entfernen, waschen, in etwa
5 cm lange Stücke schneiden, weich kochen, Wasser abschütten,
mit Salz und Zitronensaft würzen.
- Mangold: schlechte
und trockene Blätter entfernen, waschen, in etwa
5 cm lange Stücke schneiden, weich kochen, Wasser abschütten,
mit Salz und Zitronensaft würzen.
- Broccoli: schlechte
und getrocknete Teile entfernen, den Stiel in feine Scheibchen
schneiden, den Kopf in Röschen schneiden, in Wasser weich
kochen, Wasser abschütten, mit Salz und Zitronensaft würzen.
- Peperoni: waschen,
öffnen, Samen, den Stiel und die weisse Haut entfernen.
In kleinere Stücke schneiden. Die Zwiebel schälen
und in feine Ringe schneiden. Öl in einer Pfanne erhitzen
und zuerst die Zwiebeln und 2 Minuten später die geschnittenen
Peperoni zugeben. Nach etwa 5 Minuten etwas Wasser dazugiessen
und etwa 15 Minuten weiterkochen. Eventuell nochmals etwas Wasser
zugeben. Salzen und essen.
Als alle fertig waren, wurden die
6 Gerichte in einem Raum aufgestellt, wo jede Frau die
verschiedenen Gemüse probieren konnten. Geschmeckt hat
es allen und Spass gemacht auch.
Die Idee dieses Kochkurses war
vor allem, die verschiedenen Geschmäcker der Gemüse
kennen zu lernen. Deswegen auch die Rezepte ohne Zutaten
ausser Salz und Zitronensaft.
| REZEPT ZUM NACHKOCHEN IN DER SCHWEIZ
Peperoni mit Rüebli und Zwiebeln:
Peperoni vorbereiten und in kleinere
Stückchen schneiden. Rüebli vorbereiten und in
feinere Scheibchen schneiden, Zwiebeln in feine Scheibchen.
Öl in einer Pfanne erhitzen und zuerst die Zwiebeln anrösten,
dann die Peperoni und sich den Duft entwickeln lassen, dann
erst die Rüebli beigeben und mit den Peperoni und Zwiebeln
vermischen und weiter andünsten. Erst danach Wasser beigeben
und das ganze Kochen, bis es weich ist. Wenig Salz. Laut der
Promotorin Anna ist es sehr wichtig, zuerst den Geschmack aller 3
Gemüse gut entwickeln lassen und in oben genannter Reihenfolge,
erst danach das Wasser zugeben.
|
Am 12. Mai war ich wieder zurück
in Cahabón. Die Promotorinnen und mein Kollege Arnulfo
hatten gute Arbeit geleistet, das konnte ich sehr schnell feststellen
bei den Besuchen in den Aldeas. In vielen Gärten wuchsen
viele verschiedene Gemüse. Zu schaffen machte jetzt allerdings
an vielen Orten die Trockenheit. Schon im April hatte es sehr
wenig geregnet und im Mai bis anfangs Juni fiel kein Tropfen.
Der Mitte Mai ausgesäte Mais fing an auszutrocknen. Heute
schon können wir die Schäden sehen. Auf den Feldern steht
wenig Mais und er sieht sehr armselig und traurig aus. Er wird nicht
viele grosse Maiskolben ausbilden und der Hunger wird noch grösser
werden. Die letzte Ernte fiel schon schlecht aus. Viele Menschen
konnten keinen Mais verkaufen um etwas Geld für die nötigsten
Dinge zu bekommen. Und jetzt müssen schon viele Menschen anfangen
Mais zu kaufen. Und das 2-3 Monate vor der neuen Ernte. Der Preis
des Kardamom war letztes Jahr so schlecht, dass viele Menschen den
die Kardamompflanzen nicht gesäubert haben. Jetzt erst sehen
sie, dass die Pflanzen kaum Früchte gebildet haben. Weil die Ernte
klein sein wird, wird der Preis höher sein dieses Jahr. Nach
der mageren Ernte werden sie wieder die Pflanzen säubern und
nächstes Jahr wird vielleicht die Ernte wieder grösser sein
und der Preis wieder fallen. Ich weiss nicht, wie die Menschen das aushalten.
Ein Teufelskreis, aus dem es kaum einen Ausstieg gibt. Oder keinen
schnellen Ausstieg. Viele kleine Schritte sind nötig, um aus diesem
Teufelskreis herauszukommen und daran sind wir mit unserer ganzen Kraft
und der ganzen Equipe am Arbeiten. Ein Teil davon sind die Familiengärten.
Auch die Familiengärten litten
unter der Trockenheit. An vielen Orten trockneten die Brunnen
aus oder hatten nur noch sehr wenig Wasser. Die Menschen hatten
kaum genügend Wasser zum Kochen und für die tägliche
Hygiene. Da ist es verständlich, dass das Gemüse
nicht mehr bewässert wird und vertrocknet.
Mitte Juni fing dann der grosse Regen
an - aber jetzt gegen mitte Juli ist es schon wieder viel
zu trocken. Es regnet kaum mehr.
Im Juni haben zwei neue Promotorinnen
angefangen zu arbeiten. Dolores aus Setzol und Marta aus
Rumpok. Ich bin noch nicht überzeugt davon, ob es die
richtigen Frauen sind. Dolores spricht sehr schlecht spanisch
und ist noch sehr, sehr schüchtern. Wir suchen Lösungen,
wie wir Dolores helfen können, da ich überzeugt
bin, dass sie eine gute Promotorin werden kann. Marta ist noch
sehr jung und schon sehr ladinisiert, im Kopf schon weit weg
von der Q’eqchi’ Kultur . Die Familie braucht dringend Geld,
aber ich glaube nicht, dass das Benehmen von Marta in das Konzept
unserer Schule passt. Deswegen bin ich immer noch am Suchen. Ab August
möchte ich mit einer Equipe von Promotorinnen anfangen, die
dann auch für die nächste Zeit zusammen bleibt.
Im Moment haben wir sehr viele Weiterbildungen
mit verschiedensten Themen: Stärkung des Selbstbewusstseins,
Verantwortung in der Arbeit, wie arbeite ich ein Projekt aus,
was sind Pflanzen, Pflanzenfamilien, was ist Nachhaltigkeit,
was wollen wir mit unserem ganzen Prozess erreichen, wie funktioniert
der Markt, Ernährung, Gender-Fragen, Kochen, Medizinalpflanzen,Herstellung
von Salben und Tinkturen mit den einheimischen Pflanzen......
Sistema agroforestal sucesional
- Land-, forstwirtschaftliches Nachfolge-System
Eine sehr interessante Weiterbildung
besuchten Arnulfo und ich im Juni in Santa Rosa Copán
in Honduras. Misereor Deutschland organisierte diese Weiterbildung
und lud alle von ihnen unterstützen Institutionen in Honduras
und Guatemala dazu ein. In einer Kurzbeschreibung würde
ich das so erklären: Es geht darum, in kurzer Zeit einen natürlichen
Wald mit Grundnahrungsmittel, Gemüse, Fruchtbäumen,
Bäumen für Holz zum Kochen, Bäume mit Holz zum
Bauen und für den Export. Ein Wald, in dem alles wächst,
was der Mensch zum Essen braucht, der aber auch Geld bringt. Das System
kommt aus Bolivien und funktioniert dort recht gut. Die Menschen sind
begeistert und zufrieden. Genaueres möchte ich über diese
Art der Landwirtschaft später ausführlicher berichten.
Wir haben beschlossen in der Schule
zwei Parzellen mit diesem System anzulegen. Eine mit dem
Grundnahrungsmittel Mais, die andere mit Kaffee.
In Honduras haben wir einen Mann besucht,
dessen Parzelle uns sehr beeindruckt hat. In 2 Jahren hat
er direkt neben seinem Haus einen "Wald" von ca. 400 m²
aufgebaut, in dem sehr vieles wächst. Diese Parzelle werden
wir mit 10 ausgesuchten Schülern und einem Promotor am 28. August
besuchen. Wir haben die Gelegenheit ergriffen, weil alle Schüler
ihren jährlichen Ausflug in die Mayaruinen von Copán
in Honduras machen werden. Der Mann wohnt nicht weit weg und so
werden wir 1 Tag früher abreisen und danach zu allen Schülern
stossen.
UNSERE ERFOLGE IN GEMÜSEGÄRTEN AUS
DEM BERICHT VOM 30. JUNI 2005
108 Gemüsegärten in 28 Aldeas/Comunidades
Mamas: .- insgesamt 40
Gärten
Belen (1), Chaslau (1), Chatela (1),
Chiacach (3), Chiacte (8), Chioyal (1), Chipok (1), Nueva
Concepción (1), Nuevo San Fernando Sayaxche (2),
Pinares (1), Rumpoc (3), Salac (1), San José Quetzal (1),
Santa María Rubeltzuul (2), Sesaquiquib Semox (1), Sebas
(1), Secala (1), Secanante (1), Selamunix (2), Semox Chahal
(2), Sesaltul (1), Sesaqkar(1), Setzol(1), Sewamo(1), Yaxtunha (1)
Gruppen: - insgesamt 68
Gärten ohne SchülerInnen Chiacach
Balamté (6), Chaslau
(16), Chatela (4), Chiacach (8), Chiacach Schule (19
SchülerInnen) Chiakte (4), Chipok (4), San
Cristobal Sacta (11), Santo Domingo (10), Semox
Chahal (5),
Davon: 2 Neue, 46 sehr
gut, 15 nur gut (nicht sehr gut) wegen Trockenheit, 24 gut,,
13 nicht gut wegen Trockenheit, 6 schlecht
* Anzahl Gemüsesorten
im Garten während den letzten 2 Besuchen:
** Anzahl Gemüsesorten
die die Frauen während den letzten 2 Monaten enteten:
| * Anzahl Gärten |
*Gemüsesorten
|
|
**Anzahl Gärten
|
**Gemüsesorten |
| 11 |
0-3
|
|
17
|
0-3
|
26
|
4-8
|
|
43
|
4-7
|
62
|
9-15
|
|
29
|
8-10
|
9
|
16-22
|
|
19
|
11-17
|
Hier wird ein Phänomen sichtbar:
Es ist sehr schwierig in der Trockenzeit zu säen. Das
Giessen einerseits ist sehr aufwändig und wenn kein
Regen hilft, ziehen es viele Frauen vor, mit dem Säen zu
warten, bis der Regen kommt. In Sesaqkar zum Beispiel holen die
Frauen das Wasser an einer Quelle, die eine gute halbe Stunde von
den Häusern entfernt ist. 1 Stunde Weg um Wasser für
den Garten zu holen!!
Die Frauen haben sehr viel Freude an
ihrem Gemüse und sind schon sehr viel erfindungsreicher
geworden, was die Küche angeht. Alles in den Gärten
wird verwertet, auch die Blätter der Gemüse. Hier
einige Fotos:
|
|
|
Blumkohl, Kohl, Randen, Chili, Tabak,
Pinares
|
Manuela Choc Caal mit Bodenkohlrabi,
Pinares
|
Manuela Chan Chocooj mit Mangold, Sesaqkar(1
Std. zum Wasser holen)
|
|
|
|
Leona Coc Tux mit Gurken, Semox Chahal
|
Blumkohl und Chabis von Manuela, Pinares
|
Petrona Coc Ayu mit Bodenkohlrab, Semox
Chahal
|
|
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Kinder in Semox essen Gurken
|
Romelia Tot mit Rüebli, Santo Domingo
|
Romelia Caal Cac mit Mangold, Chiacach
|
|
|
|
Wassermelone von Alcira Caal Chub, Secalá
|
Alcira Caal Chub mit Rüebli, Secalá
|
Elena Perez aus Balamté mit
Chabis
|
Im Moment wachsen in den Familiengärten
der Aldeas: *Amaranth, *Auberginen, Blattkohlrabi, Blumenkohl,
Bodenkohlrabi, *Buschbohnen, *Cebollin, Chabis, *Chile, *einheimisches
Basilikum, *Gewürzpfefferminz, *Gurken, *Ingwer, *Knoblauch,
*Koriander, *Kurkuma (neu), Lauch (neu), *Macuy, Mangold, *Mostaza
Honduras, *Mostaza diverse einheimische, *Mungobohnen, *Pak
Choi, *Portulak, *Radiesli, Randen,*Rüebli, *Samat, Schnittsellerie,
*Sesam, *Tomaten, *Wassermelonen.
*Diese Pflanzen entwickeln bis
jetzt Samen, bzw. verbreiten sich durch Ableger..
Schwierigkeiten:
- Die Blattschneiderameisen
machen uns recht zu schaffen. Da die Menschen sich immer
weiter in die Wälder ausbreiten und immer mehr Wälder
abgeholzt werden, siedeln sich immer mehr Blattschneiderameisenkolonien
ganz in der Nähe der Häuser an. Ausser Gift gibt
es kaum effiziente Methoden, diese intelligenten und
fleissigen Tierchen zu kontrollieren. Die Tierchen können
in einer Nacht alle Kohlköpfe und andere Gemüse "ernten".
Aber auch im Maisfeld richten sie einigen Schaden an. Dazu
kommt, dass sie nachts in die Häuser eindringen und dort den
Mais forttragen. Es sind also nicht nur die Gärten in Gefahr,
sondern auch die Lebensmittel, die in den Häusern lagern.
Dazu kommt die kulturelle Barriere, die Tierchen umzubringen. Die
Tierchen gehören dem Tzuultaqa - dem Geist/Gott des Berges/des
Tales. An einigen Orten werden die Menschen Zeremonien abhalten,
um den Tzuultaqa zu bitten, dass er die Tierchen von ihrem Gemüse
und von ihren Häusern fern hält. Und wir suchen nach anderen
Methoden, die die Tierchen dazu bringen sollen, an andere Orte auszuwandern.
Mit vereinten Kräften schaffen wir es hoffentlich, die Tierchen
wieder in die Wälder zurückzubringen.
- Der fehlende Regen macht
nicht nur uns zu schaffen. Das Klima hat sich total verändert
in den letzten 3 Jahren. Es ist kaum mehr etwas von der 7-monatigen
Regenzeit zu spüren.
- Institutionen, wie zum Beipiel
im Moment die staatliche Institution PRODEVEER, die plötzlich
auftauchen und den Menschen pfundweise Samen, Schläuche,
Giesskannen, Gartenwerkzeuge, Hühner, das ganze Material
für Ställe für Hühner bis zm Schloss, Schweine,
sogar Kühe schenken und am schlimmsten, PRODEVEER bezahlt die
Menschen, um in ihren eigenen Gärten oder Parzellen zu arbeiten.
Kaum Schulung und keine weitere Begleitung. In ein paar Monaten
werden die Zahlungen eingetellt und die Menschen arbeiten nicht mehr
weiter. Im letzten Monat haben wir so um die 10 Familien verloren. Das
schlimme bei den Tieren - die Tiere sollen eingeschlossen werden in
Ställen oder Gehegen. Da bei den Q'eqchi' die Tiere frei herumlaufen
und sich viel Fressen und Trinken selber suchen, sind es die Menschen
noch nicht gewohnt, den Tieren das nötige tägliche Futter in
das Gehege oder Stall zu bringen. Kaum ein Schwein hat Wasser, kaum ein
Huhn Grünzeug und genügend Futter. So werden die Tiere immer
dünner und alle sagen: Es funktioniert nicht und lassen die Tiere
wieder frei. So bleiben die Menschen immer abhängig von Instutionen
und Chefs und werden nie selbstständig - und nie wird sich ihre
Situation verbessern. Das hören wir immer wieder: "wenn ihr uns
bezahlt, werden wir einen Familiengarten anlegen." Dazu wurden sie
erzogen von den meisten Institutionen.
Ausblick:
Am 6. Juli werden
Mamas 1 Tag in die Schule kommen, um die Erstausbildung
für Familiengärten zu machen.
In Chiacach fangen
wir einen interessanten Prozess an. 19 SchülerInnen besuchen die
7.-9. Klasse (11 Mädchen, 9 Jungs). Der Direktor der Schule ist
aus Chiacach. Er unterrichtet allein die 19 SchülerInnen. Es fehlte
Geld für die Einschreibung, die Bücher, die Examen und die
monatlichen Zahlungen. Eigentlich wollten die Behörden die 7.-9.
Klasse schliessen, weil nicht einmal die Einschreibegebühren
bezahlt waren. Ich habe die ca. 8000Q (Sfr 1800.-) übernommen,
jemand hat das Geld für die Bücher und die Examensgebühren
beigesteuert und die Eltern haben sich verpflichtet, die monatlichen
Gebühren zu bezahlen (40 Quetzales = 8 Sfr. pro SchülerIn
und Monat) und so haben wir einen Vertrag geschlossen.
Die SchülerInnen werden mit unserer
Hilfe einen Gemüsegarten, eine diversifizierte Parzelle,
Amaranth und Sesam anbauen. Arnulfo, ich, 1 Promotor, die Promotorinnen
und 2 Schüler aus Chiacach, die bei uns studieren sind in
den Prozess eingespannt. Die Schulung in der Theorie werden Arnulfo
und ich übernehmen. Die Unterstützung für den Gemüsegarten
und Kochkurse werden die Promotorinnen übernehmen. Unsere
zwei Schüler werden ihre Freunde und Freundinnen unterstützen
im Anlegen von Kompost und werden ihnen anhand ihrer eigenen
guten diversifizierten Parzellen den Prozess erklären. Der
Promotor wird monatlich einmal mit den SchülerInnen in den
Pazellen arbeiten. Das Dorf hat das Land zur Verfügung gestellt.
Ca. 400 m² direkt neben der Schule für den Gemüsegarten
und ca. 1000 m² direkt unterhalb der Kirche für die Parzelle.
Beides sehr zentral gelegen, nicht zu steil und mit nicht zu schlechtem
Boden. So werden der Garten und die Parzelle alle Menschen darauf aufmerksam
machen, was möglich ist. Wir hoffen natürlich, dass der Garten
und die Parzelle auch Mut machen, selber zuhause auszuprobieren, ob
so etwas funktionieren könnte. Die 19 SchülerInnen sind auf
14 Familien aufgeteilt. Die SchülerInnen haben sich auch schon
organisiert: 1 Präsident, 1 Vizepräsidentin, 1 Sekretär
und 1 Kassiererin.
Am 8. Juli besuchten Arnulfo und ich
erstmals die SchülerInnen. Bis anhin hatten wir nur
mit dem Lehrer Kontakt. Die SchülerInnen sprechen sehr
gut spanisch, dank den Anstrengungen des Lehrers. Sie haben 6
Gartenbeete angelegt und den Samen, den ich ihrem Lehrer mitgegeben
habe, richtig gesät. Einiges ist schon gekeimt. Die Gurken
sind gut sichtbar. Die Erde ist sehr gut und fein bearbeitet.
Jetzt fehlt nur noch der Kompost. Es ist heiss im Moment, die Sonne
brennt und so haben wir Anweisungen gegeben, wie sie die Gartenbeete
beschatten können, damit die Samen keimen und die jungen Pflänzchen
besser wachsen können. Der grössere Teil unserer Gespräche
aber betraf den Prozess. Wie werden wir arbeiten, was und mit
wem. Wir fingen an einen Plan zu erstellen, in dem bis ca. Ende
Jahr jede Woche jemand von uns einen halben Tag die SchülerInnen
betreut - Promotor, Schüler, Promotorinnen, Arnulfo und ich.
So warten wir gespannt, was aus diesem
Prozess werden wird.
Am 16./17. August
werden wir mit ca. 20 Frauen einen weiteren Besuch bei den
Frauen in Purulhá abstatten. Die Frauen in Purulhá
bauen nicht nur Gemüse an, sie haben sich jetzt auch
organisiert, um ihre Produkte verkaufen zu können. Ich erhoffe
mir Ideen für uns und die Frauen, wie sie sich in den Aldeas
organisieren können.
Im August wird
Regina als Koordinatorin anfangen zu arbeiten. Ich erhoffe
mir von ihr doch einige Entlastung und mehr Zeit zum Experimentieren
mit Pflanzen und Rezepten und auch sehr viel mehr Zeit für
Kontakte mit der Schweiz und Rundbriefen.
Allen die uns mit
Gebeten, Gedanken und Spenden unterstützen von hier
aus herzlichen Dank. Es lohnt sich, hier Zeit und Geld zu investieren.
Die Menschen werden lernen und langsam aber sicher aus ihrem
Teufelskreis ausbrechen können.
EINE GROSSE BITTE: In letzter
Zeit finden wir immer mehr Frauen in den Dörfern mit
schwerwiegenden Frauenkrankheiten. Monatelange Blutungen bringen
sie bis an den Rand der Erschöpfung. Die traditionellen
Heiler scheinen hier keine Methode zu haben, um den Frauen zu
helfen. Und auch das Gesundheitszentrum in Cahabón kann
in keiner Weise helfen. Sie müssen nach Cobán in ein
Spital zur einer Röntgenuntersuchung und danach entweder
Tabletten schlucken oder operieren. Aber niemand hat das Geld
für so etwas.
Postcheck-Konto: 49-8882-5
Helen Hagemann Zweisimmen
oder auf mein Bankkonto bei der Obersimmentalischen
Volksbank OVB Konto 16 2.010.739.00 6327 – PC Nr der
Bank 30-38272-3.
Bericht Helen Hagemann, anfangs Juli
2005
Vieles ist möglich, wenn das
Vertrauen der Frauen und Männer in die neuen
Möglichkeiten da ist. Viele Frauen und junge Menschen
haben Lust darauf, Neues kennen zulernen und Neues auszuprobieren.
Diese Möglichkeiten in einem partnerschaftlichen
miteinander zu suchen und zu finden, das sehe ich als meine
Hauptarbeit.
Ich werde allerdings
an Grenzen stossen, das ist mir jeden Tag bewusst.
Eine davon ist die Grösse von Cahabón mit
seinen 160 Aldeas und die Grösse der Schule mit den 90
Schülern. Das hat aber auch einen Vorteil: ich werde
grossenteils mit Frauen arbeiten, die von sich aus kommen und
etwas lernen möchten. Andere Grenzen sind die Kultur, die
Sprache, das Misstrauen und das Klima.
Der ganze Prozess
ist auch auf längere Zeit angelegt. Vertrauen
aufbauen braucht Zeit. Und Vertrauen braucht es, um mit
den Frauen gemeinsam etwas aufzubauen. Ich bin überzeugt,
dass mit einer soliden und guten Arbeit einerseits die ökonomischen
Grundlagen verbessert werden und andererseits die Identität
der Q’eqchi’ so gestärkt werden kann, dass sie in
ihren Dörfern bleiben und dort ein für sie lebenswertes
Leben aufbauen können.
Da mit den neuen
Anbaumethoden der Schule und mit der Methode der
Bearbeitung der Familiengärten die Felder nicht mehr
abgebrannt, die Erde verbessert, mit Erosionsschutz-Massnahmen
gearbeitet und gegen die Abholzung der Wälder gearbeitet
wird, profitiert auch die Umwelt und das Klima in der ganzen
Region von den begleiteten Prozessen.
In diesen Hügeln liegen viele
Dörfer
|
Spendenkonten – Obersimment.
Volksbank,CH- 3770 Zweisimmen Kto: 16 2.010.739.00
6327 /mein PC-Konto: 49-8882-5
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