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Rundbriefe

Aktueller Rundbrief von Christoph Gempp

Aktueller 7. Rundbrief von Helen März 2006


Cahabón, 28. März 2006

Liebe Freundinnen und Freunde, Männer und Frauen,

eben noch lag ich in der Hängematte auf meiner Veranda. Es ist Nacht. Unwahrscheinlich viele Tierchen spielen das Nachtkonzert. Ein Käfer fliegt um meinen Kopf und fächert mir wie ein Ventilator kühle Luft zu. Eine Fledermaus dreht ihre Runden. Es ist 20 Grad warm und ich habe gerade 3 ruhigere Tage hinter mir. Mein Auto ist am Sonntagmorgen in Lanquin geblieben – ca. 30 km von hier weg. Die Brücke wird repariert und die Zufahrt nach Cahabón auf einem Umweg ist durch einen Erdrutsch versperrt. Also habe ich endlich wieder einmal etwas Zeit um zu Schreiben und im Garten zu Arbeiten.

Ich bin wieder da. Nach fast einem Monat krank, Internet, das nicht funktionierte seit Dezember und viel Aufholarbeit nach der Krankheit und Planen für 2006.

Den 7. Rundbrief, den ich im Dezember schrieb, konnte ich wegen dem Internetabsturz hier leider nicht verschicken. Und jetzt im März und schon fast Ostern über Weihnachtsbräuche in Cahabón zu schreiben ist nicht gerade sehr aktuell.

Hier hat vor kurzem die Trockenzeit = Sommer angefangen, mit einem guten Monat Verspätung und schon ist sie wieder vorbei. Das Wetter spielt verrückt. Es regnet viel, die Flüsse sind übervoll und viele Erdrutsche versperren die Strassen. Aber das Klima ist angenehm, nicht so feucht wie im „Winter = Regenzeit“ und auch nicht so heiss. Leben, ohne dass einem das Wasser über den ganzen Körper rinnt, ist auch angenehm. Tagsüber wird es bis zu 30 Grad warm und nachts kann es schon mal bis auf 15 Grad abkühlen – das bedeutet dann Pyjama und 2 Decken zum Zudecken – schön, sich einmal wieder in ein Bett kuscheln zu können nach Monaten heissem Wetter und ein Bett am liebsten ohne Bettzeug.

Ich komme vom 21. April bis zum 6. Juni in die Schweiz. Vorträge und Gottesdienste am 6. Mai in Spiez, Pfarrei Bruder Klaus, am 12. Mai in Biel Sankt Marien, am 27./28. Mai in Arth. Ich hoffe, dass ich viele von Euch treffen kann oder wenigstens telefonisch Kontakt habe.

Unterdessen haben wir um die 160 Familiengärten und viele neue Prozesse sind in Gang gekommen. DenFishteich in Chiacach Prozess, den wir in Chiacach mit der 7.-9. Klasse angefangen haben, nimmt grössere Dimensionen an: ein grosser Familiengarten, eine diversifizierte Parzelle, ein selbstgebauter Fischteich und für mich das Wichtigste – sie haben gelernt in der Gruppe zu arbeiten und sehen viele Vorteile darin. Als Nächstes werden sie mit Hühnern, etwas später mit Kaninchen und mit Ziegen arbeiten lernen. So können sie ihre Schule mitfinanzieren. Sie sind sehr lernbegierig. „ 2 Jungs aus Chiacach sind im Süden von Guatemala, um Chaslau Weben zu lernen, wie man aus Bambus Möbel herstellen kann. In Chaslau sind 11 Frauen am Arbeiten. Mit Hilfe von 2 Frauen aus Purulhá lernen sie Blusen mit wunderschönen Mustern Weben. In Chatela stellen die Frauen hausgemachtes Hühnerfutter her und sind am Lernen, wie man Salben mit Heilkräutern fabriziert. In Semox Chahal wird der erste Markt stattfinden. In El Carmen haben die Frauen wunderschöne Gärten mit viel Kompost. Sie arbeiten gut zusammen und werden ab Juli auch Kaninchen bekommen. Dafür fahren sie nach Purulhá, um sich bei Q’eqchi’ Bauern und Bäuerinnen ausbilden zu lassen. In Pinares ist eine Familie am Weben von Tischsets in der Art, wie sie ihre Taschen Weben. In Chiakte haben 10 Familien einen grossen Garten angelegt und möchten Gemüse anbauen zum Verkauf. Leider funktioniert die Gruppe noch nicht so gut. In anderen Teilen aber existieren jetzt Gruppen, die sehr gut zusammen arbeiten. Dies ist etwas Neues für Cahabón. Die Menschen sind EinzelgängerInnen und nicht gewohnt in Gruppen zu arbeiten. So stimmt es auch nicht. Gruppen- oder Gemeinschafsarbeit ist üblich bei Zeremonien, Bräuchen und beim Säen. Die Kommunikation zwischen den Menschen ist spärlich. Es ist wie eine übertriebene Toleranz. Man lässt den andern so leben, wie er lebt und leben möchte. Das bedeutet dann aber eben auch, dass man nichts weitergibt, was man gelernt hat. Viel Neid und Missgunst ist auch im Spiel. Ich habe einen Kalender für 2006 entworfen, der an alle Familien der Schüler und Familien mit Gärten verteilt wurde. Es ist ein wunderschöner Kalender mit Fotos aus den Gärten und Parzellen – aber auch ein Lernkalender mit Text.
Kalender 2006
Wir alle sind Bäuerinnen und Bauern. Davon Leben wir.

Maria möchte ihre Tomate verkaufen und fragt Peter: warum kaufst Du meine Tomaten nicht? Peter antwortet: Ach Maria, nur was von weit weg kommt, ist gut!
Wann lernen wir endlich, das unsere zu schätzen.

Kauf von Deinem Nachbarn. So sparst Du Zeit und Geld, weil Du nicht mit dem Bus nach Cahabón fahren musst. Dein Nachbar verdient mit seinen Produkten und das Geld bleibt im Dorf.

Nur so kommen wir miteinander vorwärts.“

Nach dem im letzten Rundbrief angesprochen Ausflug nach Purulhá mit 30 Frauen und Männern sind 6 Gruppen entstanden. Das war mein Hauptanliegen. Gruppen entstehen zu lassen, weil sich die Frauen aus Cahabón von den Frauen aus Purulhá überzeugen liessen. Die meisten arbeiten gut zusammen auch wenn wir manchmal beratend eingreifen.

Im Juli werden wir eine Weiterbildung mit einem einheimischen Arzt haben, der uns ausbildet und berät in Sachen Basismedizin. Welche Heilpflanzen sollen wir am besten mit den Frauen in den Gärten anbauen, welche Medizin mit Heilpflanzen herstellen. Wir kann man die wichtigsten Krankheiten wie Durchfall, Fieber, Malaria, Husten, Hautkrankheiten, Augenentzündungen und allgemeine Entzündungen mit Naturheilmitteln heilen oder wenigstens lindern. Was ist wichtig, um die Krankheiten zu verhindern. Das Wissen über Heilpflanzen bei den Menschen ist sehr gross. Und trotzdem werden sie nicht angewendet. Warum??? Keine Ahnung. Manchmal ist es kaum begreiflich, dass Kinder sterben müssen, nur weil sie Durchfall haben. Menschen sterben an einem einfachen Schnitt mit dem Messer, weil sie nicht desinfizieren und die Wunden nicht verbinden. Nach einem total entzündeten Fuss in Semox Chahal, den ich mit Bethadin desinfiziert und mit Bepanthen eine Nacht behandelt habe, kam die Frau am nächsten Tag fast ohne zu hinken zur Versammlung. Ich beschloss, hier einmal zu probieren, ob es funktioniert, wenn die Menschen Desinfektionsmaterial, eine Salbe und Pfästerli zur Verfügung haben. Beim letzten Besuch haben wir die Frauen ausgebildet darin, was wichtig ist und auch praktisch geübt, wie man desinfiziert und verbindet. Ich bin gespannt, ob es etwas genützt hat. Sehr viele Kinder hatten stark entzündete Kratzwunden am ganzen Körper. Anfangs Juli werden wir die Gemeinschaft wieder besuchen und dort auch für den ersten Markt mithelfen. Das Problem ist nämlich, dass die Mitbewoh-ner keinen guten Preis für das Gemüse bezahlen wollen. Also werden sie eine Dorfversammlung einbe-rufen und wir werden gemeinsam versuchen, die Menschen von der Wichtigkeit zu überzeugen, vonein-ander zu kaufen und die üblichen Preise zu bezahlen.

Viel Arbeit aber langsam sehen wir Resultate, die Freude machen.

Ich wünsche Euch Allen wunderschöne Ostern und ich hoffe Euch bald in der Schweiz zu sehen oder doch wenigstens zu hören.

Liebe Grüsse aus dem warmen und frühlingshaften Cahabón. Helen Hagemann


Danke für die eingegangenen Spenden. Leider habe ich auf das Postkonto im Moment keinen Zugang und kann die Spenden nicht einzeln verdanken. 2 Frauen wurden mit Geld aus den Spenden geheilt, Manuela Caal aus Pinares und Rosaria Cuz aus Chatela. Beide hatten monatelange Blutungen und waren so geschwächt, dass sie kaum mehr gehen konnten. Jetzt arbeiten sie wieder im Garten.

Allen die uns mit Gebeten, Gedanken und Spenden unterstützen von hier aus herzlichen Dank. Es lohnt sich, hier Zeit und Geld zu investieren. Die Menschen werden lernen und langsam aber sicher aus ihrem Teufelskreis ausbrechen können.

Helen Hagemann


Spendenkonten – Obersimment. Volksbank,CH- 3770 Zweisimmen Kto: 16 2.010.739.00 6327 - PC Nr der Bank 30-38272-3 /mein PC-Konto: 49-8882-5

Helen Hagemann
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